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Störungen der Hirnanhangsdrüse bei der Frau

Autor: Dr. Elmar Breitbach - Zuletzt bearbeitet am: 5. Mai 2019 @ 21:58 Literatur und Quellennachweise

Die Hirnanhangsdrüse steuert die Hormonproduktion vieler Organe des Körpers.  Lesen Sie hier, was passiert, wenn diese Steuerung nicht funktioniert.

Hypophyse HypophysenstörungUm die Funktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und ihre Bedeutung für den Eintritt einer Schwangerschaft zu verstehen können Sie hier noch einmal die Funktionsweise im normalen weiblichen Zyklus ansehen. Was passiert bei einer Störung der Hypophysenfunktion? Und wie entsteht sie?

Wie funktioniert die Hirnanhangsdrüse?

Die Hypophyse stellt einige Hormone selbst her (Prolaktin). Sie schüttet jedoch vor allem Hormone aus, die andere hormonproduzierende Organe steuern. Die Hypophyse wiederum bekommt hormonelle Kommandos vom Zwischenhirn (Hypothalamus).

So wird z. B. durch die Ausschüttung von GnRH aus dem Hypothalamus in der Hypophyse die Produktion von LH und FSH angeregt. Diese stimulieren die Eizellreifung und damit auch die Östrogenproduktion. Das Östrogen im Blut steigt an, woraufhin die Hypophyse „merkt“, dass sie genügend stimuliert hat und das FSH sinkt dadurch ab (negatives Feedback).

In diesem Beispiel handelt es sich also um einen Regelkreislauf, in dem Hypothalamus, Hypophyse und die Eierstöcke zusammenarbeiten, um einen Eisprung herbeizuführen.

Hypophysen-Störung

Wo die weiblichen Hormone herkommen und was sie im Einzelnen bewirken, können Sie hier nachlesen.

Welche hormonellen Regelkreisläufe können betroffen sein?

  • Aus Sicht der Patientin mit Kinderwunsch ist natürlich steht die Steuerung der Eizellreifung und der Eisprung im Vordergrund. Die Ausschüttung von LH und FSH sind dafür verantwortlich.
  • Die Ausschüttung des Hormons Prolaktin geschieht auch aus der Hypophyse. Stress und andere Faktoren können zu höheren Blutspiegeln des Prolaktins führen. Das wiederum kann einen negativen Effekt auf die Reifung der Eizellen haben. Mehr dazu finden Sie in einem gesonderten Kapitel zur Wirkung des Prolaktins.
  • Das Adrenocorticotrope Hormon / ACTH steuert die Funktion der Nebenniere. Diese produziert Cortisol und anderen Hormone, die vor allem bei Stress und körperlicher Belastung von Bedeutung sind. Störungen in der Steuerung dieses Organs sind selten. Schwäche, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Blässe und Unterzuckerung können die Folge sein.
  • Das Wachstumshormon ist vor allem im Kindes- und Heranwachsendenalter von Bedeutung, aber auch bei Erwachsenen ist es nicht unwichtig.
  • Wichtig im Zusammenhang mit Kinderwunsch ist auch die Schilddrüsenfunktion. Die Hypophyse schüttet zur Regelung der Schilddrüse das Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) aus. Wenn dieser Kreislauf nicht richtig funktioniert, dann kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen.

Zusammenfassend gibt es also zahlreiche Hormonkreisläufe, die von einer Fehlfunktion der Hirnanhangsdrüse betroffen sein können. Direkt und indirekt können diese einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Frau haben. Vor allem die Reifung der Eizelle und der Zyklus können davon betroffen sein.

Abgesehen von diesen Regelkreisläufen kommt es aber auch zu einer Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse. Diese Art der Hypophysenstörung ist die häufigste bei unerfülltem Kinderwunsch und Störung der Eizellreifung.

Ausbleiben der Blutung ist ein häufiges Symptom

Bei Frauen, die nie ohne Hormone eine Regelblutung bekommen haben (primäre Amenorrhoe), liegt in über 10% eine Störung der der Hirnanhangsdrüse vor. Diese ist meist bedingt durch eine Störung der zentralen (übergeordneten) GnRH-Produktion. Der Hypothalamus (Zwischenhirn) schüttet sein Hormon (GnRH) üblicherweise in regelmäßigen Pulsen aus.

Dieser Rhythmus ist sehr wichtig für eine normale Reaktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Die Hypophyse ist nur dann in der Lage, ihre Hormone (LH und FSH) zu produzieren, wenn sie die richtigen „Kommandos“ vom Hypothalamus bekommt. Ist dies nicht der Fall, wird FSH und LH nur noch in sehr geringen Mengen ausgeschüttet und die Eierstöcke erhalten kein ausreichendes Signal zur Ausreifung von Eizellen. Damit findet auch keine Östrogenproduktion und kein Eisprung statt. Der medizinische Begriff dazu ist „Störung der Hypothalamisch-hypophysären Achse„. Zwischenhirn und Hirnanhangsdrüse arbeiten also hier nicht richtig zusammen.

Stress und Magersucht können Ursachen für eine Störung der Hypophysenfunktion sein

Eine solche Störung kann auch vorübergehend durch Stresssituationen, durch eine ungesunde Gewichtsverminderung (oder gar Magersucht/Bulimie) oder durch intensiven Leistungssport erworben werden. Auch eine Normalisierung des Körpergewichts führt dann nicht zwangsläufig auch zur Wiederherstellung der Hormonproduktion.

Frauen, die nach einer Phase der Magersucht wieder ein normales Gewicht erreichten, können daher trotzdem noch eine Hypophysenstörung aufweisen. Die Hypophyse kann aber auch direkt geschädigt sein, z. B. durch Tumore und durch eine akute Durchblutungsverminderung. Dies ist aber sehr selten.

Symtome der Hypophysenunterfunktion

Medizinisch zeichnet sich ein (teilweiser) Funktionsausfall der Hirnanhangsdrüse durch folgende Befunde aus: Die Hormone der Hypophyse (LH und FSH) sind deutlich erniedrigt. Die Östrogene sind ebenfalls sehr niedrig (Normwerte der wichtigsten Hormone). Ein Eisprung findet nicht mehr statt. Eine Regelblutung tritt nicht oder nur noch sehr selten auf.

Als Therapie sollten evtl. bestehende Ursachen beseitigt werden (Stressverminderung, Umstellung der Essgewohnheiten, operative Entfernung eines Tumors). Außerdem kann man das GnRH dem Körper mit speziellen Pumpen in den gewünschten „Schüben“ zuführen und damit die Hirnanhangsdrüse zu einer normalen Hormonproduktion anregen. Auch eine direkte Stimulation der Eierstöcke mit FSH und LH ist durchaus möglich. Damit ersetzt man dann ja den Funktionsausfall der Hypophyse. Mehr dazu finden Sie hier.

Weitere Infos zum Thema

1)Engelhardt, D. (1999). Erkrankungen von Hypothalamus und Hypophyse. In Therapie innerer Krankheiten (pp. 813-830). Springer, Berlin, Heidelberg2)von Werder, K. (2005). Funktionsstörungen des Hypothalamus-Hypophysen-Systems. Klinische Neuroendokrinologie, 67-196.3)HadžiomeroviÄ, D., & Wildt, L. (2006). Hypothalamische Ovarialinsuffizienz. Gynäkologische Endokrinologie4(1), 27-32.

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4)Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011) 5)Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 2014 6)Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015) 7)Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.

Literatur - Quellen   [ + ]

1.Engelhardt, D. (1999). Erkrankungen von Hypothalamus und Hypophyse. In Therapie innerer Krankheiten (pp. 813-830). Springer, Berlin, Heidelberg
2.von Werder, K. (2005). Funktionsstörungen des Hypothalamus-Hypophysen-Systems. Klinische Neuroendokrinologie, 67-196.
3.HadžiomeroviÄ, D., & Wildt, L. (2006). Hypothalamische Ovarialinsuffizienz. Gynäkologische Endokrinologie4(1), 27-32.
4.Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011)
5.Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 2014
6.Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015)
7.Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.