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Gründe für Unfruchtbarkeit – bei Frau und Mann

Ursachen der UNfruchtbarkeit
Bleibt eine eine Schwangerschaft aus, dann kann es an beiden Partnern liegen. Die Gründe sind vielfältig © clipdealer.com
Autor: Dr. Elmar Breitbach - Zuletzt bearbeitet am: 5. Mai 2019 @ 18:18 Literatur und Quellennachweise

Es gibt zahlreiche Ursachen, weshalb eine Schwangerschaft ausbleiben kann. Infomieren Sie sich hier über die möglichen Ursachen der Unfruchtbarkeit bei Frau und Mann.

Ursachen bei den Besuchern von wunschkinder.net

Zu diesem Thema führten wir vor einiger Zeit eine Umfrage unter unseren Besuchern durch. Die Daten beruhen auf den Einträgen von 2950 Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, wobei Mehrfacheinträge (n=4002) möglich waren. Die Ergebnisse dieser Umfrage sind aufgrund der großen Patientenzahl recht aussagekräftig. Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit Untersuchungen an kleineren Fallzahlen neueren Datums.

Grundsätzlich lassen sich männliche und weibliche Ursachen trennen, jeweils hormonell oder anatomisch bedingt. Hinzu kommt eine kleine Gruppe an Paaren, welche zwar wiederholt Schwangerschaften hatten, die jedoch jeweils in einer Fehlgeburt endeten. Der Vollständigkeit halber werden auch die sehr selten vorkommenden genetischen Veränderungen erwähnt, die mit einer teilweisen oder vollständigen Sterilität einhergehen können.

Diagnostik und Therapie der hier beschriebenen Störungen werden in den entsprechenden Kapiteln behandelt. Hier zunächst aber eine ausführliche Zusammenfassung, um einen schnellen Überblick zu bekommen. Folgen Sie den Links für detailliertere Informationen.

Überblick über weibliche Ursachen der Unfruchtbarkeit

Hormonelle Störung

weiblicher Zyklus Eisprung Follikelreifung Ovulation
Die Hormone im Zyklus der Frau © clipdealer.com

In unserer Umfrage hatten ein Viertel der Frauen hormonelle Probleme als Grund für die Kinderwunschbehandlung angegeben. Anderen Untersuchungen nennen Zahlen bis zu 40%. Hormonelle Störungen können die Fruchtbarkeit an vielen Stellen beeinträchtigen. Wie der weibliche Zyklus normalerweise abläuft, wird hier ausführlich beschrieben.

Ausbleibende Eizellreifung – keine Eizellen

Die meisten Hormonstörungen führen vor allem zu einer verminderten oder ausbleibenden Eizellreifung. So bleibt bei einer verminderten Funktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) die Eizellreifung aus, weil die Eierstöcke keine „hormonellen Kommandos“ mehr bekommen. Und ohne die stellen die Eierstöcke die Arbeit ein.

Noch ausgeprägter ist dies bei vorzeitigen Wechseljahren. Hier liegt der Fehler bei den Eierstöcken, die keine Eizellen mehr produzieren, obwohl die Signale der Hypophyse vorhanden sind.

Gestörte Eizellreifung – kein Eisprung

Eine Störung der Eizellreifung besteht oft auch, weil die Hormone nicht gut zusammenarbeiten, obwohl eigentlich alle Organe funktionieren. Nur das Zusammenspiel klappt nicht so recht.

Am häufigsten ist hier das sogenannte PCO-Syndrom die Ursache. Hierbei sind als folge des ausbleibenden Eisprungs auch oft die männlichen Hormone erhöht. Oft wird diese Problematik auch von Übergewicht begleitet oder ausgelöst und in diesem Zusammenhang treten Störungen des Insulinstoffwechsels auf, die ebenfalls einen negativen Einfluss auf die Reifung der Eizellen haben.

Ein Hormon, welches bei zu hohen Werten sogar den Eisprung vollständig unterdrücken kann, ist das Prolaktin. Bei zu hohen Werten – einer sogenannten Hyperprolaktinämie – wird die Eizellreifung zumindest oft gestört. Prolaktin kann auch bei Stress ansteigen.

Hormonstörungen – keine Einnistung

Des weiteren gibt es auch hormonelle Besonderheiten, die auch zum Ausbleiben der Eizellreifung oder des Eisprungs führen. Meist wirken sich diese Hormonstörungen jedoch eher auf die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter aus. Dazu gehört vor allem ein Mangel an Gelbkörperhormonen, denn diese sind wichtig für die Einnistung eines Embryos. Sind sie zu niedrig, kann die Einnistung ausbleiben oder nicht von Dauer sein.

Auch die Schilddrüse ist im Zusammenhang mit der Einnistung ein wichtiges Organ. Eine Schilddrüsenunterfunktion kommt recht häufig vor und kann die Eizellreifung beeinträchtigen. Aber auch die Einnistung des Embryos kann gestört werden; bis hin zum Auftreten einer Fehlgeburt.

Zeichen der hormonellen Störung

Fast alle Störungen der Eizellreifung wirken sich auf den Zyklus aus. Dieser wird unregelmäßiger oder die Blutung bleibt vollständig aus. Aber auch Zwischenblutungen sind möglich. Auf jeden Fall sollte bei Kinderwunsch und unregelmäßigem Zyklus eine Hormondiagnostik erfolgen.

Organische Ursachen der Kinderlosigkeit

Wenn alles richtig funktioniert mit den Hormonen, dann wird man natürlich nicht gleich zwangsläufig schwanger. den auch körperliche Ursachen der Unfruchtbarkeit kommen vor.

weilicher Zyklus: Eisprung und Einnistung
Weg der Eizelle bis zum einnistungsfähigen Embryo © clipdealer.com

Organe, deren Funktion beeinträchtigt sein können, sind die Eierstöcke, die Gebärmutter und die Eileiter. Erkrankungen, die zur Unfruchtbarkeit führen können, sind:

Erhöhtes Alter

Natürlich spielt auch das Alter des Mannes eine Rolle, aber das Alter der Frau ist von sehr viel größerer Bedeutung. Mit zunehmendem Alter nimmt die Qualität der Eizellen allmählich ab. Dadurch treten Schwangerschaften seltener ein und dann ist die Gefahr für Fehlgeburten und chromosomale Veränderungen im Vergleich zu jüngeren Frauen deutlich erhöht.

Genetische Ursachen

Sehr selten sind es genetische Ursachen, die zu einer verminderten Fruchtbarkeit führen. Das Fragile-X kann zu vorzeitigen Wechseljahren führen und bei Frauen, die nur ein X-Chromosom haben (Turnersyndrom) ist die Fähigkeit, schwanger zu werden, ebenfalls deutlich verringert.

Sehr viel häufiger sind sogenannte Translokationen, bei denen ein Stück eines Chromosoms auf ein anderes übertragen wurde. Hier bleiben oft Einnistung und Befruchtung aus. Auch Fehlgeburten sind dann häufiger.

Wiederholte Fehlgeburten

Schwanger zu werden ist leider nur der erste Schritt. Man muss auch schwanger bleiben bis zur zeitgerechten Entbindung. Manche Frauen bekommen kein Kind, weil sie immer wieder eine Fehlgeburt erleiden(„Habituelle Aborte„). Die Zahl möglicher Ursachen ist hier hoch, aber es besteht leider auch eine große Unsicherheit, welche davon wirklich relevant sind und wie man das am besten behandelt.

Psyche

Sehr häufig wird darauf hingewiesen, dass man nur schwanger werden könne, wenn man entspannt genug sei. Diese Auffassung ist wissenschaftlich nicht belegbar und man sollte aus guten Gründen auch nicht an diesem Mythos festhalten.

Es ist zwar durch aus möglich, dass man aus psychischen Gründen nicht schwanger wird. Das aber nur, wenn der Geschlechtsverkehr aufgrund von Sexualstörungen nicht stattfindet.

Überblick über männliche Ursachen der Unfruchtbarkeit

Der Weg der Spermie vom Hoden bis zur Ejakulation © clipdealer.com

Eine eingeschränkte männliche Fruchtbarkeit als Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch wird meist mit 30% beziffert. Hinzu kommen dann noch die Fälle, in denen Mann und Frau eine verminderte Fruchtbarkeit aufweisen. Zusammen ist also in annähernd der Hälfte der Fälle der Mann (Mit-)verusacher der Kinderlosigkeit.

Verminderte Spermienproduktion

Die Untersuchung des Mannes ist einfach. Zunächst wird erst einmal ein Spermiogramm durchgeführt. Daraus leiten sich dann bei einem schlechten Befund weitere Untersuchungen ab.

In den meisten Fällen findet man jedoch keine Ursache für eine eingeschränkte Spermienproduktion. Eine Krampfader am Hoden ist eine der wenigen behandelbaren Ursachen. Gelegentlich ist auch nur der Transport der Spermien „nach draußen“ gestört, oft hervorgerufen durch Entzündungen der samenableitenden Wege.

Und auch wenn eigentlich alles in Ordnung ist, kann eine Erektile Dysfunktion auch „Impotenz“ genannt verhindern, dass die Spermien an ihr Ziel kommen.

Diagnostik und Therapie

Diagnostik und Therapie der hier beschriebenen Störungen werden in den entsprechenden Kapiteln behandelt. Hier zunächst aber eine ausführliche Zusammenfassung, um einen schnellen Überblick zu bekommen. Folgen Sie den Links für detailliertere Informationen.

Weitere Infos zum Thema

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

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1)Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011) 2)Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 2014 3)Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015) 4)Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.

Literatur - Quellen   [ + ]

1.Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011)
2.Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 2014
3.Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015)
4.Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.