Behandlung der Hypophysenstörung bei Kinderwunsch

Autor: Dr. Elmar Breitbach - Zuletzt bearbeitet am: 6. Mai 2019 @ 13:10 Literatur und Quellennachweise

Die Hirnanhangsdrüse steuert die Hormonproduktion vieler Organe des Körpers.  Lesen Sie hier, was man tun kann, wenn diese Steuerung nicht funktioniert.

Therapie bei kompletter oder umfassender Störung

Die Therapie des Ausfalls der Hirnanhangsdrüse (Hypophyseninsuffizienz) geschieht angepasst an das Ausmaß der daraus resultierenden Funktionseinschränkungen nachgeordneter hormonproduzierender Organe.

Aus internistischer Sicht (die Hormonspezialisten nennen sich hier Endokrinologen) gibt es zahlreiche mögliche Hormonstörungen, die man dann behandeln muss. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat hier ein leicht verständliche Übersicht verfasst.

Wird also die Nebenniere nicht mehr ausreichend zur Produktion von Cortison und Mineralcorticoiden angeregt, dann muss man diese ersetzen. Ähnliches gilt für den Ausgleich von Schilddrüsenhormonen, wenn die Schilddrüsenfunktion nicht ausreichend von der Hirnanhangsdrüse stimuliert wird.

Am häufigsten ist bei Frauen mit unregelmäßigen Zyklen jedoch nur die Produktion des LH und FSH betroffen. Diese Hormone steuern Eizellreifung  und Eisprung am Eierstock. Werden sie von der Hypophyse nur unzureichend ausgeschüttet, funktioniert daher die Eizellreifung nicht.

Ersetzen des fehlenden Östrogens

Entscheidend im Zusammenhang mit dem Kinderwunsch ist jedoch die Funktion der Eierstöcke, die von der ausreichenden Bereitstellung der Hormone FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon=eispungauslösendes Hormon) durch die Hirnanhangsdrüse abhängt.

Dies ist ausführlich in einem anderen Kapitel beschrieben. Es resultiert ein Ausfall der Funktion der Eierstöcke und dadurch auch niedrige Östrogenspiegel im Blut. Als einfachste therapeutische Maßnahme gilt daher der Ersatz des Östrogens1)Ranke, M. B., & Dörr, H. G. (2009). Ersatztherapie mit Sexualsteroiden in der Adoleszenz bei Hypogonadismus.Monatsschrift Kinderheilkunde, 157(3), 260-266. und des Gelbkörperhormons durch eine „Pille“. Meist wird aber nicht die das für die Verhütung übliche Ethinylöstradiol verabreicht, sondern reines Östradiol oder ein Derivat desselben (z. B. Cycloprogynova). Frau kann damit allerdings nicht schwanger werden, dazu muss die Funktion der Eierstöcke wiederhergestellt werden.

Mit einer Hormonpumpe lässt sich ein Zyklus wiederherstellen

Die ist entweder mit den sogenannten Gonadotropinen möglich, also Medikamenten, welche das FSH und das LH in reiner Form enthalten und damit den Ausfall der Hirnanhangsdrüse kompensieren. Diese Medikamenten werden in einem gesonderten Kapitel beschrieben.

Behandlung der Hypophysenstörung mit der GnRH-PumpeEs gibt jedoch auch die Möglichkeit, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern das zugrunde liegende Problem. Denn schließlich arbeitet die Hypophyse ja in den meisten Fällen nicht, weil das Zwischenhirn die erforderlichen hormonellen Signale nicht sendet.

Man kann daher auch das GnRH (oder auch LHRH), also das Hormon, welches vom Zwischenhirn zur Stimulation der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet wird, ersetzen2)Wildt, L., & Leyendecker, G. (2013). Pulsatile GnRH-Therapie. In Reproduktionsmedizin (pp. 137-151). Springer, Berlin, Heidelberg. Wichtig ist dabei, dass man dieses Medikament nicht kontinuierlich gegeben werden kann oder etwa als Depotpräparat, weil es dadurch sogar zu einer medikamentösen Stilllegung der Hypophyse, also Downregulation kommt.

Die Gabe muss analog zu der natürlichen Ausschüttung pulsatil erfolgen3)Ortmann, O., Diedrich,K., Leyendecker, G. Behandlung der hypothalamischen Amenorrhö durch pulsatile Zufuhr von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH). In: Weibliche Sterilität: Ursachen, Diagnostik und Therapie, (S. 89). Springer, Berlin, Heidelberg . Dazu verwendet man eine spezielle Pumpe, die es ermöglicht, diese Art der natürlichen Ausschüttung des GnRH nachzuahmen. Aktuell ist hier die Lutrepulse-Pumpe der Firma Ferring zur Behandlung bei Kinderwunsch-Patientinnen zugelassen. Auf der Seite von Ferring finden Sie dazu zahlreiche Informationen.

GnRH-Pumpe (Lutrepulse) zur Behandlung der HypophyseninsuffizienzDa das Medikament nur als Spritze gegeben werden kann, ist es dazu notwendig, dass die Patientin diese Pumpe beständig mit sich herum trägt. Es wird eine Nadel unter die Haut gestochen, über die das Medikament in regelmäßigen Pulsen abgegeben wird. Die Pumpe wird nur alle paare Tage gewechselt bzw. neu eingestellt. Das ist zwar sehr umständlich, ist aber letztlich die physiologischste und natürlichste Methode, da die eigentliche Ursache einer hormonellen Störung am gezieltesten angegangen wird.

Dazu ist es aber notwendig, dass die Hirnanhangsdrüse noch funktioniert und das Problem auf der Ebene des Zwischenhirns liegt. Das kann mit einem sogenannten GnRH-Test festgestellt werden, der hier beschrieben wird.

Weitere Infos zum Thema

Normale Hormonfunktion und Steuerung des Zyklus
Diagnostik der Hypophyse
Ursachen der Hypophysenstörungen

Therapie von Hormonstörungen:

4)Ludwig, M. (2011). Amenorrhö und andere Zyklusstörungen–Differenzialdiagnostik und Therapie. Frauenheilkunde up2date,5(03), 153-165.5)Franz, M. (2018). Die sieben Stufen der Amenorrhö.gynäkologie+ geburtshilfe, 23(4), 18-21.

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Weiterführende Artikel:

Literatur - Quellen   [ + ]

1. Ranke, M. B., & Dörr, H. G. (2009). Ersatztherapie mit Sexualsteroiden in der Adoleszenz bei Hypogonadismus.Monatsschrift Kinderheilkunde, 157(3), 260-266.
2. Wildt, L., & Leyendecker, G. (2013). Pulsatile GnRH-Therapie. In Reproduktionsmedizin (pp. 137-151). Springer, Berlin, Heidelberg
3. Ortmann, O., Diedrich,K., Leyendecker, G. Behandlung der hypothalamischen Amenorrhö durch pulsatile Zufuhr von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH). In: Weibliche Sterilität: Ursachen, Diagnostik und Therapie, (S. 89). Springer, Berlin, Heidelberg
4. Ludwig, M. (2011). Amenorrhö und andere Zyklusstörungen–Differenzialdiagnostik und Therapie. Frauenheilkunde up2date,5(03), 153-165.
5. Franz, M. (2018). Die sieben Stufen der Amenorrhö.gynäkologie+ geburtshilfe, 23(4), 18-21.