Die Einnistung in der Gebärmutter

Bei der Einnistung nistet sich der Embryo in die Schleimhaut der Gebärmutter ein. Erst dann beginnt die Schwangerschaft. © clipdealer.com
Autor: Dr. Elmar Breitbach - Zuletzt bearbeitet am: 23. Apr 2019 @ 12:09 Literatur und Quellennachweise

Die Einnistung (Implantation) ist der Moment, in dem sich ein Embryo in die Schleimhaut der Gebärmutter einnistet. Erst mit der Einnistung der befruchteten Eizelle beginnt die Schwangerschaft.  Sie erfolgt etwa fünf bis zehn Tage nach der Befruchtung der Eizelle.

Mit der Einnistung beginnt die Schwangerschaft

Erst nach der Einnistung tritt der Embryo in direkten Kontakt zum mütterlichen Blutkreislauf. Erst dann wird auch das Schwangerschaftshormon produziert und kann mit einem Schwangerschaftstest  festgestellt werden. Dieses Hormon nennt man hCG (Humanes Choriongonadotropin) und die entsprechenden Tests im Urin oder aus dem Blut können diese nachweisen.

Ob die Einnistung stattgefunden hat oder nicht, lässt sich nicht erkennen. Gelegentlich treten leichte Blutungen oder eine Schmierblutung einige Tage nach dem Eisprung auf. Hierbei kann es sich dann um eine Einnistungsblutung handeln, einen möglichen Hinweis auf eine Einnistung.

Symptome der Einnistung.

Es gibt sicherlich die Situation, dass man ziemlich genau weiß, wann der Eisprung stattfinden sollte. Durch die Messung von Temperaturkurven und anderen Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP) lässt sich der Zeitraum eingrenzen1)RaithPaula, E. „Natürliche Familienplanung bei Kinderwunsch und unerfülltem Kinderwunsch.“ Natürliche Familienplanung heute: Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung (2013): 153.

Daher wir der Körper dann wesentlich genauer beobachtet und es gibt Frauen, die ihren Eisprung zu spüren scheinen. Mit der Einnistung ist das aber wesentlich schwieriger. Auch hier gibt es Berichte über Ziehen und zwicken im unteren Bauchraum, jedoch sind diese Zeichen einer Einnistung unzuverlässig. Das gilt auch für die bereits erwähnte Einnistungsblutung, die ja auch andere Gründe haben kann.

Kurz nach der Einnistung des Embryos in die Gebärmutter beginnt die Bildung des Schwangerschaftshromons hCG. Zunächst sind die Blutspiegel dieses Hormons sehr niedrig. In den Tagen nach der Einnistung können aber vereinzelt die ersten Anzeichen für eine Schwangerschaft eintreten.

Entwicklung der Eizelle bis zur Implantation

Nach der Befruchtung im Eileiter wird die befruchtete Eizelle durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter transportiert. In dieser Zeit entwickelt sich der Embryo durch mehrere Zellteilungen nach 5-6 Tagen zur Blastozyste.

Entwicklung der Eizelle bis zur Einnistung
Entwicklung der Eizelle von der Befruchtung bis hin zur einnistungsbereiten Blastozyste. © clipdealer.com

Erst in diesem Stadium kann sich der Embryo einnisten. Bei der Blastozyste spezialisieren die Zellen sich schon auf bestimmt Funktionen. Man erkennt die Zellen, die später den eigentlichen Embryo (Embryoblast) entwickeln werden jene, die zum Mutterkuchen werden (Trophoblast).

Noch immer befindet sich diese Blastozyste in der ursprünglichen Eizellhülle („Zona pellucida“). Kurz vor der Einnistung dehnt sich der Embryo aus und die Eizellhülle wird dadurch stark verdünnt („expandierende Blastozyste“). Kurz danach verlässt der Emrbyo die Eizellhülle („schlüpft“) und kann sich erst dann einnisten2)Würfel, W. „Der frühe Embryo.“ Gynäkologische Endokrinologie 13.2 (2015): 92-97.

Blastozyste kurz vor der Einnistung
Eine Blastozyste kurz vor der Einnistung © E. Breitbach

Wann genau findet die Einnistung statt?

Diese ganzen Prozesse dauern vom Eisprung gerechnet ungefähr sechs Tage. erst dann ist der Embryo „geschlüpft“ und kann sich einnisten. Grundsätzlich lässt sich das auch selbst berechnen. Weiß man den Zeitpunkt des Eisprungs, dann findet die Befruchtung einen Tag danach statt. Anschließend vergehen weitere fünf bis sechs Tage, nach denen sich der Embryo einnistet.

Was passiert, wenn die Implantation ausbleibt?

Selbst wenn sich der Embryo bis kurz vor den Zeitpunkt der Einnistung normal entwickelt und dann auch Kontakt zur Gebärmutterschleimhaut hat, ist eine Einnistung nicht garantiert. In diesen Fällen geschieht mit der abgestorbenen Eizelle oder dem Embryo das, was mit allen toten Zellen des Körpers passiert: Sie werden von Immunzellen entsorgt.

Man muss also nicht die Vorstellung haben, die Embryonen wären bei der dann stattfindenden Regelblutung erkennbar. Zu diesem Zeitpunkt sind sie nicht mehr vorhanden.

Ablauf der Einnistung

Die zwei Partner der Einnistung sind die Gebärmutter mit dem mütterlichen Immunsystem und der Embryo. Die genauen Abläufe der Einnistung sind unzureichend erforscht und insbesondere die Bedeutung des Immunsystems ist zum großen Teil noch nicht geklärt. Denn schließlich ist der Embryo ein Fremdkörper und die Implantation ein invasiver Vorgang, ähnlich dem von bösartigen Erkrankungen. Die mütterlichen Abwehrkräfte müssen also erkennen, dass die Schwangerschaft nicht abgewehrt werden soll3)Markert, Udo R. (Hrsg.): Immunology of Gametes and Embryo Implantation. Basel, Karger 2005. 205 S. m. 10 Figuren u. 8 Tabellen..

Zahlreiche Botenstoffe (vor allem „Zytokine“) werden zwischen Embryo und Gebärmutterschleimhaut hin und her gesandt bis die Einnistung an einem optimalen Ort stattfindet. Dabei dringt der Embryo in die Schleimhaut ein und beginnt dort hineinzuwachsen und Kontakt zum mütterlichen Blutsystem aufzunehmen4)Niakan, K. K., Han, J., Pedersen, R. A., Simon, C., & Pera, R. A. R. (2012). Human pre-implantation embryo development. Development139(5), 829-841..

Neben dem Immunsystem ist hier auch die Durchblutung von großer Bedeutung. Es entstehen sehr feine Gefäße, deren Durchblutung durch Gerinnungsstörungen eingeschränkt sein kann. Eine recht häufige Ursache für frühe Fehlgeburten.

In diesem Stadium gelangen erstmals geringe Mengen an Schwangerschaftshormon in die mütterliche Blutbahn und sind dort nachweisbar. Das Schwangerschaftshormon unterstützt die Produktion von Gelbkörperhomon und dadurch werden weitere Zyklen oder gar Eisprünge während der Schwangerschaft verhindert.

Ist es möglich, die Einnistung zu fördern?

Es ist nicht sicher, welche Faktoren die Einnistung verbessern können. Eine gesunde Lebensführung gehört sicherlich dazu. Eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung, ausreichend Bewegung können sicherlich helfen.

Es gibt aber auch viele Tipps im Internet, die man vermeiden sollte, um die Einnistung – vor allem nach einer künstlichen Befruchtung – nicht zu stören. Die haben wir in unserem Artikel „13 Tipps zum Verhalten nach Transfer“ zusammengefasst.

Letztlich muss man leider akzeptieren, dass die Einnistung nicht erzwungen werden kann, sondern von Faktoren abhängt, die wir nicht alle beeinflussen können. Es ist also auch immer ein wenig Glück notwendig, wenn man schwanger werden möchte.

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5)Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011) 6)Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 20147)Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015) 8)Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.

Literatur - Quellen   [ + ]

1.RaithPaula, E. „Natürliche Familienplanung bei Kinderwunsch und unerfülltem Kinderwunsch.“ Natürliche Familienplanung heute: Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung (2013): 153
2.Würfel, W. „Der frühe Embryo.“ Gynäkologische Endokrinologie 13.2 (2015): 92-97
3.Markert, Udo R. (Hrsg.): Immunology of Gametes and Embryo Implantation. Basel, Karger 2005. 205 S. m. 10 Figuren u. 8 Tabellen.
4.Niakan, K. K., Han, J., Pedersen, R. A., Simon, C., & Pera, R. A. R. (2012). Human pre-implantation embryo development. Development139(5), 829-841.
5.Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011)
6.Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 2014
7.Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015)
8.Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.