Diagnostik von Störungen der Hypophyse bei Kinderwunsch

Autor: Dr. Elmar Breitbach - Zuletzt bearbeitet am: 6. Mai 2019 @ 13:09 Literatur und Quellennachweise

Die Hirnanhangsdrüse steuert die Hormonproduktion vieler Organe des Körpers.  Hier finden Sie Informationen zur Diagnostik der Hypophyse.

In dem Kapitel über die Grundlagen der Funktion der Hirnanhangsdrüse finden Sie die Informationen über die Arbeitsweise der Hypophyse.  Dort wurde bereits erwähnt, dass meist eine Störung der Hormonsekretion des Zwischenhirns (Hypothalamus) Grund für einen Funktionsausfall der Hirnanhangsdrüse ist. Der Hypothalamus steuert die Funktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) mit Hilfe des „Gonadotropin-Releasing-Hormones“ (GnRH).

Erfolgen die Signale an die Hirnanhangsdrüse nicht in regelmäßigen „Pulsen“, dann funktioniert diese auch nicht richtig. In der Folge bleibt dann auch die Steuerung der Funktion der Eierstöcke aus.

Funktion der Hypophyse - Diagnostik
So funktioniert das Zusammenspiel zwischen Hypophyse und Hypothalamus © clipdealer.com

Störung der Hypophysenfunktion: Ursachen

Wie bereits gesagt: Meist liegt einer gestörten Funktion der Hirnanhangsdrüse eine unzureichende Steuerung des Zwischenhirns zugrunde. Mit anderen Worten: Die Hirnanhangsdrüse könnte durchaus richtig arbeiten, es fehlen ihr jedoch die richtigen Anweisungen aus der „Chefetage“.

Eine direkte Schädigung der Hypophyse kann jedoch auch vorliegen. Unabhängig davon, ob eine unkoordinierte GnRH-Sekretion durch den Hypothalamus oder eine Schädigung der Hirnanhangsdrüse die Ursache für den Funktionsausfall ist, die hormonellen Symptome sind identisch. Man findet extrem erniedrigte Werte für das follikelstimulierende und das eisprungauslösende Hormon (LH und FSH, also die Hypophysenhormone). Da die Eierstöcke nicht mehr stimuliert werden, sind die Östrogenwerte ebenfalls stark vermindert.

Wie kann man nun herausfinden, auf welcher Ebene das Problem liegt?

Diagnostik der Hypophase: Der GnRH-Test

Zur Therapie ist es nun wichtig, herauszufinden, auf welcher Ebene die Störung liegt. Ob also Hypothalamus oder Hypophyse die Ursache für die Hormonstörungenh sind. Dazu führt man einen sogenannten GnRH-Test durch: Hierbei wird zunächst Blut abgenommen und dann das Hormon des Zwischenhirns (auch LHRH genannt) in die Vene gespritzt. Eine halbe Stunde später wird erneut Blut abgenommen und LH und FSH, also die Hormone der Hirnanhangsdrüse, gemessen1)ESHRE Capri Workshop Group. (1995). Anovulatory infertility. Human Reproduction10(6), 1549-1553..

Wenn der Anstieg deutlich ist, dann ist davon auszugehen, dass die Hirnanhangsdrüse normal funktioniert und die Störung höher liegt, also im Bereich des Zwischenhirns. Wenn der Anstieg jedoch ausbleibt, dann ist dies ein Nachweis für eine Störung der Hirnanhangsdrüse. Hier finden Sie weitere Infos zur Vorgehensweise und Beurteilung der Ergebnisse.

Mögliche Fehlerquelle: Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Hirnanhangsdrüse gelegentlich trotz ausreichender Funktionsfähigkeit nicht mehr reagiert, wenn es lange Zeit keine Aktivierung durch das Zwischenhirn erfahren hat. Die Hypophyse ist dann also trotz Funktionsfähigkeit „aus der Übung“ und kann durch den kurzen Test nicht ausreichend angeregt werden.

Hirntumore sind eine sehr seltene Ursache der Hypophysenstörung

Direkte Schädigungen der Hirnanhangsdrüse aber auch des Zwischenhirns können durch Tumore und Durchblutungsstörungen bedingt sein. Im Zweifel sind daher spezielle bildgebende Verfahren angezeigt, wie zum Beispiel die Kernspintomographie.

Wichtig: Umfassende Untersuchung des Hormonhaushaltes

Die Hirnanhangsdrüse steuert auch die Produktion anderer Hormone (in Schilddrüse oder Nebenieren) und schüttet direkt Hormone ausschüttet (Wachstumshormon, Prolaktin), müssen auch diese kontrolliert werden, um weitere Störungen ausschließen zu können. Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann auch die regelrechte Ausschüttung des GnRH negativ beeinflussen.

Weitere Infos zum Thema

2)Engelhardt, D. (1999). Erkrankungen von Hypothalamus und Hypophyse. In Therapie innerer Krankheiten (pp. 813-830). Springer, Berlin, Heidelberg3)von Werder, K. (2005). Funktionsstörungen des Hypothalamus-Hypophysen-Systems. Klinische Neuroendokrinologie, 67-196.4)HadžiomeroviÄ, D., & Wildt, L. (2006). Hypothalamische Ovarialinsuffizienz. Gynäkologische Endokrinologie4(1), 27-32.

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Weiterführende Artikel:

5)Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011) 6)Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 2014 7)Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015) 8)Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.

Literatur - Quellen   [ + ]

1. ESHRE Capri Workshop Group. (1995). Anovulatory infertility. Human Reproduction10(6), 1549-1553.
2. Engelhardt, D. (1999). Erkrankungen von Hypothalamus und Hypophyse. In Therapie innerer Krankheiten (pp. 813-830). Springer, Berlin, Heidelberg
3. von Werder, K. (2005). Funktionsstörungen des Hypothalamus-Hypophysen-Systems. Klinische Neuroendokrinologie, 67-196.
4. HadžiomeroviÄ, D., & Wildt, L. (2006). Hypothalamische Ovarialinsuffizienz. Gynäkologische Endokrinologie4(1), 27-32.
5. Ludwig Bispink, Elmar Breitbach, und Norbert Schlote Praktische Fertilitätsdiagnostik - Uni-Med, Bremen (2011)
6. Freimut A. Leidenberger (Herausgeber), Thomas Strowitzki (Herausgeber), Olaf Ortmann (Herausgeber) Klinische Endokrinologie für Frauenärzte - Springer; Auflage: 5. Aufl. 2014
7. Michael Ludwig, Frank Nawroth, Christoph Keck Kinderwunschsprechstunde - Springer; Auflage: 3. Aufl. 2015 (13. April 2015)
8. Ludwig, M. (Hg.) (2010): Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Aktuelle Themen aus der frauenärztlichen Praxis. München.