PICSI – Auswahl der besten Spermien

PICSI - die physiologische ICSI
PICSI – die physiologische ICSI zur Verbesserung der Befruchtung. © clipdealer.com
Autor: Dr. Elmar Breitbach - Zuletzt bearbeitet am: 4. Feb 2019 @ 00:41

Um die Befruchtung bei einer ICSI zu verbessern und um Spermien mit intaktem Erbgut auszuwählen, führt man oft eine sogenannte PICSI durch („Physiologische ICSI“)

Bei sehr schlechter Spermienqualität kann die konventionelle IVF oft nicht mehr ausreichend sein, um Eizellen zu befruchten. In solchen Fällen spritzt man einzelne Spermien direkt in die Eizelle, um die Befruchtung zu ermöglichen. Dieser Vorgang nennt sich „intracytoplasmatische Spermieninjektion“, kurz ICSI.

Bessere Auswahl der Spermien

Trotz des direkten Einspritzens der Spermien, ist eine Befruchtung der Eizelle durch die ICSI nicht gewährleistet. Natürlich hängt dies auch davon ab, ob die Eizelle reif ist. Aber insbesondere bei einer deutlich eingeschränkten Qualität der Spermien ist die richtige Auswahl ein Problem.

Durch die PICSI soll die Befruchtung verbessert und auch die Auswahl der Spermien mit intaktem Erbgut erleichtert werden. Männer mit geringer Spermienzahl
weisen oft Spermien mit beschädigter DNA auf. Diese Samenfäden können völlig normal und gesund aussehen. Wählt man sie aber für eine Befruchtung aus, führt dies möglicherweise zu einer verminderten Befruchtungsrate. Kommt es dennoch zu einer Befruchtung, ist eine schlechtere Embryonenqualität die Folge.

Wie funktioniert die PICSI?

Das Verfahren ist nicht sehr kompliziert. Es werden dazu spezielle Petrischalen verwendet, die Hyaluron enthalten. In diesen Schalen wird die natürliche Bindung des Spermiums an die Oberfläche der Eizelle nachgespielt. Die Hülle der Eizelle enthält ebenfalls Hyaluron. Man geht daher davon aus, dass Spermien, die an den Hyalurontropfen der PICSI-Schale binden (sich dort also anlagern), reif sind und eine gute Fähigkeit zur Befruchtung der Eizelle aufweisen.

Außerdem gibt der Hersteller der Schale an, dass damit auch die Risiken für eine spätere Fehlgeburt sinken. In einem Video der Firma Origio wird das Verfahren gezeigt. Es handelt sich dabei natürlich um ein (wenn auch informatives) Werbevideo.

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Video-Link: https://youtu.be/Vh4HFZ1vgxA

Was ist an der PICSI „physiologisch“?

Man erhält durch die Anwendung dieser Methode Spermien, die an Hyaluron binden. Und dieser Stoff ist auch in er Hülle der Eizelle vorhanden. Es wird davon ausgegangen, dass diese Bindung Ausdruck einer guten Qualität des einzelnen Spermiums ist.

Das ist die Theorie, in der Praxis muss diese Idee natürlich auch belegen, was man sich von ihr verspricht.

Wer könnte von der PICSI profitieren?

In Studien zu diesem Thema gibt es dazu keine klare Aussage. Die Therapie wird jedoch meist Paaren empfohlen

  • frühere fehlgeschlagene Behandlungen
  • niedrige Befruchtungssrate auch nach der ICSI
  • pathologische Qualität der Embryonen bzw. Verzögerung ihrer Entwicklung
  • wiederholte Fehlgeburten

Hält die Methode, was der Hersteller verspricht?

In einer Studie1)Worrilow KC, Eid S, Woodhouse D, Perloe M, Smith S, Witmyer J, Ivani K, Khoury C, Ball GD, Elliot T, Lieberman J
Use of hyaluronan in the selection of sperm for intracytoplasmic sperm injection (ICSI): significant improvement in clinical outcomes–multicenter, double-blinded and randomized controlled trial.
Hum Reprod. 2013 Feb;28(2):306-14
, welche die Effektivität der Methode untersuchten, fand sich eine erhöhte Schwangerschaftsrate und eine geringere Zahl an Fehlgeburten im Vergleich zur Kontrollgruppe, bei der die PICSI nicht durchgeführt wurde. In zahlreichen weiteren Studien untersuchte man die PICSI ebenfalls, wobei nicht immer eine Verbesserung der Ergebnisse nachweisbar war. Alle Studien wurden jedoch an zu wenigen Paaren durchgeführt, um zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Im Februar 2019 wurden in „THE LANCET“ eine wesentlich umfangreichere Studie publiziert2)David Miller, Prof Susan Pavitt, Prof Vinay Sharma, Gordon Forbes, Richard Hooper, Prof Siladitya Bhattacharya, Arri Coomarasamy, Prof Sheena Lewis, Rachel Cutting, Prof Daniel Brison, Prof Allan Pacey, Prof Robert West, Kate Brian, Prof Darren Griffin, Prof Yakoub Khalaf
Physiological, hyaluronan-selected intracytoplasmic sperm injection for infertility treatment (HABSelect): a parallel, two-group, randomised trial
Lancet  393, ISSUE 10170, P416-422, FEBRUARY 02, 2019
. Die Daten von über 2.700 Paaren flossen in die Studie ein:  Bei 1381 wurde die PICSI durchgeführt und bei 1371 die konventionelle ICSI. Das Ergebnis war ernüchternd: In 27,4% der Fälle kam es nach der PICSI zur Geburt eines Kindes [379/1381]  und in 25,2% [346/1371] nach der ICSI. Die Zahl der Fehlgeburten war nach der PICSI jedoch geringer.

Dieser Unterschied ist nicht signifikant und aufgrund der hohen Zahl untersuchter Paare ist daraus zu schließen, dass die PICSI gegenüber der ICSI keine Vorteile hat, wenn man die Lebendgeburtenrate zugrunde legt.

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Literatur   [ + ]

1. Worrilow KC, Eid S, Woodhouse D, Perloe M, Smith S, Witmyer J, Ivani K, Khoury C, Ball GD, Elliot T, Lieberman J
Use of hyaluronan in the selection of sperm for intracytoplasmic sperm injection (ICSI): significant improvement in clinical outcomes–multicenter, double-blinded and randomized controlled trial.
Hum Reprod. 2013 Feb;28(2):306-14
2. David Miller, Prof Susan Pavitt, Prof Vinay Sharma, Gordon Forbes, Richard Hooper, Prof Siladitya Bhattacharya, Arri Coomarasamy, Prof Sheena Lewis, Rachel Cutting, Prof Daniel Brison, Prof Allan Pacey, Prof Robert West, Kate Brian, Prof Darren Griffin, Prof Yakoub Khalaf
Physiological, hyaluronan-selected intracytoplasmic sperm injection for infertility treatment (HABSelect): a parallel, two-group, randomised trial
Lancet  393, ISSUE 10170, P416-422, FEBRUARY 02, 2019