Embryoglue zur Verbesserung der Einnistung bei IVF und ICSI

Embryoglue
Embryoglue funktioniert ein wenig anders „Glue goo“ von Sam-Cat
Autor: Dr. Elmar Breitbach - Zuletzt bearbeitet am: 24. Jan 2019 @ 00:28

Zur Verbesserung der Einnistung eines Embryos im Rahmen der künstlichen Befruchtung gibt es zahlreiche Maßnahmen. Naheliegend ist der Versuch, die Embryonen „festzukleben“. Und das ist es, was EmbryoGlue® bewirken soll.

Schon der Name der Substanz zeigt, was damit bezweckt wird: „Glue“ ist das englische Wort für Kleber und mit EmbryoGlue soll der Embryo in der Gebärmutter festgeklebt werden. Wenn es so einfach wäre, wie es klingt, wäre es zweifellos eine hervorragende Idee. Leider ist in der Behandlung des unerfüllten Kinderwunschs nur wenig so einfach, wie es zunächst den Anschein hat.

Wie funktioniert EmbryoGlue®?

EmbryoGlue® ist ein Medium, in dem die Embryonen kurz vor dem Transfer kultiviert werden. Die Inhaltsstoffe dieser Nährlösung sollen das Milieu in der Gebärmutter imitieren und die Verbindung zwischen Embryo und Gebärmutterschleimhaut optimieren. Ziel ist es, die Einnistung des Embryos zu fördern und die Chance euf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Inhaltsstoffe von EmbryoGlue®

Hauptbestandteil ist das Hyaluron. Diese Substanz kommt im weiblichen Genitaltrakt natürlich vor und man nimmt an, dass sie auch die Einnistung in der frühen Schwangerschaft fördert. Durch die Erhöhung der Hyaluronkonzentration wird die Flüssigkeit in der Gebärmutter zähflüssiger. Dadurch schwimmt der Embryo – vereinfacht formuliert – nicht weg und der Kontakt zur Gebärmutterschleimhaut ist optimiert.

Das zumindest ist die Idee hinter dem Konzept von EmbryoGlue®. Zusätzlich enthält die Nährlösung Bestandteile üblicher Kulturmedien für Embryonen. Hier sind vor allem Saccharide und Aminosäuren zu nennen.

Anwendung von EmbryoGlue®

Embryo Glue dient als spezielles Transfermedium. Et­wa 30 Mi­nu­ten vor dem Transfer wird der Embryo in das Medium umgesetzt und von der Flüssigkeit umschlossen. Dieser Flüssigkeitsfilm schützt dem Embryo und erhöht seine Fähigkeit, sich einzunisten.

Der Hersteller Vitrolife hat dazu ein Video erstellt (natürlich ist es ein Werbevideo, aber es erklärt gut die Zusammenhänge):

Kosten

Die Kosten für diese Zusatzmaßnahme werden von der Krankenkassen nicht übernommen und daher von der Kinderwunschkliniken gesondert abgerechnet. Meist bewegen sich die Preise um die 250 bis 400 Euro.

Wirksamkeit

Bis vor einigen Jahren gab es nur wenige Studien zur Verwendung von EmbryoGlue® und entsprechend umstritten war es, ob die Versprechungen erfüllt werden können. 2014 erschien eine Zusammenfassung der Ergebnisse mehrer Studien1)Bontekoe S1, Heineman MJ, Johnson N, Blake D
Adherence compounds in embryo transfer media for assisted reproductive technologies.
Cochrane Database Syst Rev. 2014 Feb 25;(2):CD007421.
und hier zeigte sich, dass die Chancen durchaus höher sein können, wenn man diese Methode anwendet.

Für die Publikation wurden die Ergebnisse von fast 4.000 Patientinnen in 17 Studien analysiert. Die Zahl der Lebendgeburten und klinischen Schwangerschaften war in der Zusammenschau der Daten besser als ohne die Verwendung von EmbryoGlue®. Diese Beweislage wird von den Autoren der Übersichtsstudie als „moderat“ bezeichnet. Die Ergebnisse sind also nicht abschließend zu bewerten und weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit von EmbryoGlue® zu belegen.

Höhere Mehrlingsrate

Die Verwendung dieser speziellen Nährlösung ist weitestgehend risikofrei. Allerdings wird über ein erhöhtes Risiko für Mehrlingsschwangerschaften berichtet. Es wird daher dazu geraten, das Risiko durch eine geringere Zahl an transferierten Embryonen zu vermindern. Eine Vorgehensweise, die ohnehin generell anzuraten ist.

Für wen ist EmbryoGlue® geeignet?

Bei allen zusätzlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Einnistungswahrscheinlichkeit stellt sich meist heraus, dass nicht jedes Paar davon profitiert, sondern meist eine Gruppe von Patienten mit besonderen Voraussetzungen. In  kleineren Studien zeigt sich zumindest, dass die Routineanwendung bei allen Patienten die Erfolgsraten nicht zu verbessern scheint2)Safari S, Razi MH, Safari S, Razi Y
Routine use of EmbryoGlue(®) as embryo transfer medium does not improve the ART outcomes.
Arch Gynecol Obstet. 2015 Feb;291(2):433-7
. Es wird diskutiert, ob die Methode erst nach 1-2 erfolglosen Zyklen zur Anwendung kommen sollte. Abschließende Empfehlungen dazu gibt es jedoch nicht.

Noch Fragen?

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Literatur   [ + ]

1. Bontekoe S1, Heineman MJ, Johnson N, Blake D
Adherence compounds in embryo transfer media for assisted reproductive technologies.
Cochrane Database Syst Rev. 2014 Feb 25;(2):CD007421.
2. Safari S, Razi MH, Safari S, Razi Y
Routine use of EmbryoGlue(®) as embryo transfer medium does not improve the ART outcomes.
Arch Gynecol Obstet. 2015 Feb;291(2):433-7