Die Väter sind in der Pflicht

Auch das Verhalten der Väter hat Einfluss auf die Gesundheit der Kinder

Regelmäßige Leser wissen es: Praktisch alles, was eine Frau während ihrer Schwangerschaft und auch davor tut oder lässt, isst oder eben nicht isst, wirkt sich auf die Gesundheit ihrer Kinder aus. Sogar was die Mutter und Großmütter der Frau tun und essen, kann Auswirkungen haben. Das erscheint vermutlich nicht nur uns enorm unfair und belastend.

Da mag es tröstlich sein, dass durchaus auch die Väter in der Pflicht stehen, sich der eigenen Geburt an tadellos zu verhalten, um ihren Nachkommen einen bestmöglichen Start zu ermöglichen.

Auch wir haben schon von Studien berichtet, die sich mit dem Einfluss der väterlichen Gesundheit auf die Gesundheit ihrer beschäftigen. So hat beispielsweise eine irische Studie herausgefunden, dass die Vitamin-D-Aufnahme des Vaters vor der Zeugung des Kindes sich auf Körpergröße und –gewicht des Kindes auswirkt; laut einer chinesischen Studie leidet die Qualität des Erbgutes, wenn der Vater vor der Zeugung des Kindes zu wenig oder zu viel schläft.

Ernährung

Wissenschaftler der australischen Monash-Universität fanden dieses Jahr heraus, dass die Ernährung des Vaters zur Qualität des Spermas ihres Sohnes beiträgt. Laut Dr. Susanne Zajitschek, eine der Studienautorinnen, hatten die Söhne von Vätern, die sich proteinreich ernährten, „wettbewerbsfähigeres“ Sperma – zumindest bei den für die Studie verwendeten Fruchtfliegen.

Alter

Ein weiterer, bisher vernachlässigter Aspekt für die Gesundheit der Kinder ist das Alter des Vaters. Bisher stand vor allem das Alter der Mutter im Vordergrund, während Männer höchstens mit einem Kopfschütteln bedacht wurden, wenn sie im hohen Alter noch Kinder zeugten. Allerdings stellte sich bei einer isländischen Studie heraus, dass ältere Väter viel mehr Mutationen an ihre Kinder weitergeben als ältere Mütter.

Kári Stefánsson von deCODE genetics, einem isländischen Unternehmen, verglich das Genom von knapp 15.000 Isländern. Er stellte fest, dass 80 % der neuen Mutationen (also Mutationen, die bei einem Kind vorkommen, aber nicht bei dessen Eltern) vom Vater kommen und ihre Anzahl mit dem Alter zunimmt. Stefánsson und sein Team wollen vor allem wissen, ob solche Mutationen das Krankheitsrisiko der Kinder erhöhen.

Krebs

Forscher des kanadischen Institut national de la recherche scientifique (INRS) haben sich jetzt mit der Frage beschäftigt, wie sich Krebs und Krebstherapie auf die Reproduktionsfähigkeit von Männern auswirkt. Bei Ihrer Analyse verschiedener wissenschaftlicher Studien zeigte sich, dass Männer nach einer überstandenen Krebserkrankung oft Schwierigkeiten bei der Zeugung haben. Die ehemaligen Krebspatienten werden zwar seltener Vater, bei der Gesundheit ihrer Kinder zeigten sich aber keine Auffälligkeiten. Allerdings gibt es auch noch keine Studien, die sich mit den Auswirkungen von Krebstherapie über die Generationen hinweg befassen.  Experimentelle Ergebnisse weisen allerdings darauf hin, dass es solche Auswirkungen geben könnte.

Fazit: Bei einer aktuell bestehenden Schwangerschaft ist dieses Wissen vielleicht nicht mehr umsetzbar, aber falls das Kind ein Sohn ist, kann man direkt nach seiner Geburt schon auf die Gesundheit der Enkel und Urenkel hinarbeiten! Gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sind Variablen, die man halbwegs gut beeinflussen kann, ebenso wie das Alter, in dem der Mann sich entscheidet, noch Kinder zu zeugen. Beim Krebs sind wir leider allerdings alle hilfloser.

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