Unterschätzt: Fetales Alkoholsyndrom


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Die Auswirkung von mütterlichem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft wird vielfach völlig unterschätzt. Experten raten zu vollständigem Verzicht, um die Gesundheit des Ungeborenen nicht zu gefährden.

Es ist verständlich, dass sich schwangere Frauen manchmal (oft!) gegängelt und in praktisch allen Belangen bevormundet fühlen. Zu viel oder zu wenig Gewicht zugelegt, falsche Entscheidung für oder gegen Hebamme/Frauenärztin/Kaiserschnitt/Hausgeburt, zu viel Sport, zu wenig Bewegung, zu viel/ zu wenig/überhaupt Fleisch in der Ernährung, und überhaupt nicht alles genug bio!

Manche Ratschläge allerdings sollten keine einfachen Ratschläge bleiben, bei denen man sich selbst entscheiden kann, ob man sie beherzigen sollte. Ein gutes Beispiel dafür ist Alkohol in der Schwangerschaft. Während es etwa bei Bewegung und Ernährung durchaus Spielraum gibt, wie viel davon zum persönlichen Wohlbefinden beiträgt, ist Alkohol ganz unbestritten schädlich – und zwar nicht nur für das Kind, sondern auch für die Mutter. Nur weil bei Erwachsenen die Schäden von Alkoholkonsum innerhalb bestimmter Grenzen vom Körper verarbeitet werden können, darf einem ungeborenen Kind noch lange kein Alkohol zugemutet werden.

Lebenslange Schädigung die Folghe

Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Entwicklung der Fötus Alkohol ausgesetzt wird, kann es zu verschiedenen körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen kommen. Das Fetale Alkoholsyndrom ist dabei die stärkste Ausprägung mit den meisten Symptomen. Die körperlichen und neurologischen Schädigungen und Verhaltensauffälligkeiten können nicht repariert oder rückgängig gemacht werden, Betroffene leiden also ihr ganzes Leben daran.

Vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestages betonten Experten unlängst, dass das Ausmaß der alkoholbedingten Schädigungen von Kindern „drastisch unterschätzt“ werde. Die Sachverständigen fordern deswegen mehr Engagement in Aufklärung, Vorbeugung, Diagnose und Behandlung des sogenannten Fetalen Alkoholsyndroms (FAS). Gegenwärtig werden in Deutschland jedes Jahr rund 10.000 Kinder geboren, die einzelne Anzeichen einer Alkoholschädigung aufweisen, und etwa 2.000 Kinder, die alle Anzeichen des Fetalen Alkoholsyndroms zeigen. Schätzungsweise 200.000 Menschen sind davon betroffen.

Fehlendes Problembewusstsein

Die verschiedenen Schädigungen werden oft nicht diagnostiziert, stattdessen werden die Auffälligkeiten oft anderen Krankheiten zugeschrieben werden. Die betroffenen Kinder werden deswegen nicht immer richtig therapiert; als Erwachsene werden sie oft in die Psychiatrie abgeschoben, ohne dass die Ursache der Probleme jemals erkannt wurde.

Die Experten, die vor dem Ausschuss sprachen (es handelt sich dabei um Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr, Charité Campus Virchow Klinikum; Prof. Dr. Florian Heinen, Pädiatrische Neurologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital; Gisela Michalowski, 1. Vorsitzende der FASD Deutschland e. V. und Elke Mattern, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft) forderten geeignete Maßnahmen, um in der Bevölkerung überhaupt ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Dabei seien zusätzlich zu Hinweisen von Hebammen und Ärztinnen beispielsweise Informationen auf Verpackungen denkbar, so wie es sie bereits bei Zigaretten gibt.

Foto von Karrierebibel.de


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