Ist ein Schilddrüsenscreening für Schwangere sinnvoll?


pregnancy photoMuss man gleich bei einem positiven Schwangerschaftstest oder gar schon bei Kinderwunsch seine Schilddrüse untersuchen lassen? Eher nicht.

Die Schilddrüse ist die Regisseurin im Theater der Hormone – ohne sie läuft alles schnell aus dem Ruder. Mithilfe ihrer Assistenten, der Schilddrüsenhormone, regelt sie beispielsweise Herzfrequenz und Blutdruck, Darmtätigkeit, und vor allem den Stoffwechsel.

Besonders wichtig ist die ungestörte Tätigkeit der Schilddrüse bei Schwangeren, und zwar sowohl für das ungeborene Kind als auch für die Schwangere selbst. Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen steigt während der Schwangerschaft um etwa 50 %. Kann die Schilddrüse in dieser Zeit nicht ausreichend Hormone bereitstellen, leidet die körperliche und geistige Entwicklung des Fötus. Auch Fehlgeburten sind häufiger. Bei der Mutter steigt das Risiko für Präeklampsie, postpartale Blutungen und andere Störungen.

Es scheint also sinnvoll, bei Schwangeren die Schilddrüsenwerte zu überprüfen, praktischerweise im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen. Wie die Ärztezeitung berichtet, sind sich Fachleute jedoch nicht einig, ob ein derartiges Screening für alle Schwangeren sinnvoll ist, oder nur bei Schwangeren mit Risikofaktoren durchgeführt werden sollte. Solche Risikofaktoren sind etwa ein Kropf (Struma) bei der Schwangeren oder bekannte Schilddrüsenprobleme in ihrer Familie. Bei dem Screening wird der TSH-Spiegel (thyreoidea-stimulierendes Hormon) gemessen.

Schwedische Gynäkologen unter der Leitung von Dr. Michaela Granfors (Universität Uppsala) haben nun untersucht, ob ein TSH-Screening bei Schwangeren überhaupt dazu beitragen kann, eventuelle Schieflagen bei den Schilddrüsenhormonen aufzudecken. Die von ihnen verwendeten Daten stammen von über 5000 Schwangeren, die zwischen Anfang 2009 und Ende 2011 entbanden. Im Rahmen der schwedischen Vorsorge wird schwangeren Frauen zwischen der 17. Und 19. Schwangerschaftswoche eine Ultraschalluntersuchung angeboten und eine Blutprobe entnommen.
Knapp 900 Schwangere wurden gezielt auf ihre Schilddrüsenwerte hin untersucht. Diese Frauen hatten eine bestehende Funktionsstörung der Schilddrüse oder Schilddrüsenprobleme in der Familie, einen Kropf, Diabetes oder Autoimmunerkrankungen wie etwa Zöliakie. Die Werte dieser Frauen wurden mit denen von 1000 anderen Frauen verglichen, deren TSH-Werte erst nach der Schwangerschaft untersucht worden waren.

Das erstaunliche Ergebnis: Bei gezieltem Screening wurde bei 1,1 % der Frauen klinische Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) festgestellt; bei einem generellen Screening beträgt der Anteil 0,7 %. Das gezielte Screening brachte hier also keinen signifikanten Vorsprung, da Probleme auch nicht besser entdeckt werden als bei einem generellen Screening.

Die schwedischen Gynäkologen weisen zwar darauf hin, dass die Aussagekraft der Studie wegen der eher kleinen Gruppe an Testpersonen beschränkt sei. Trotzdem ziehen Sie daraus den Schluss, dass ein Screening nur in Risikofällen vollkommen ausreicht, zumindest so lange es keine Belege dafür gibt, dass eine Therapie mit Schilddrüsenhormonen bei betroffenen Schwangeren den Kindern tatsächlich zugutekommt. Aus dem Artikel der Ärztezeitung geht nicht hervor, ob das Wohlergehen der Schwangeren selbst vielleicht auch eine Therapie rechtfertigen könnte. Dass Studien in Deutschland zu anderen Ergebnisse kommen, soll hier jedoch nicht unerwähnt bleiben

Foto von TipsTimesAdmin


Das könnte Sie auch interessieren