Heparin bei Thromboseneigung schützt Schwangerschaft nicht


blood photoEine mütterliche Thromboseneigung in der Schwangerschaft wird oft mit gerinnungshemmenden Substanzen behandelt. Mit eher negativen Folgen.

Blutgerinnung ist eine geniale Sache. Sie verhindert, dass wir nicht verbluten, wenn wir uns aufkratzen, einen Papierschnitt zuziehen, in der Küche mal unvorsichtig beim Brotschneiden sind oder die Nase blutet. Wo die Blutgerinnung nicht erwünscht ist: in den Blutgefäßen. Bei der sogenannten Thrombose entsteht in den Venen (selten in den Arterien) ein Blutgerinnsel (Thrombus), der in ungünstigen Fällen bis in die Gefäße der Lunge wandern und dort einen Gefäßverschluss (Embolie) auslösen kann.

Es gibt zahlreiche Ursachen für eine Thrombose: Veranlagung, Krankheiten, Verletzungen, Medikamente. Als typische Risikofaktoren gelten Übergewicht, Rauchen, Einnahme der Pille, zu niedrige Flüssigkeitszufuhr, Bewegungsmangel, und leider auch die Schwangerschaft. Etwa 10 % der schwangeren Frauen haben eine erhöhte Thromboseneigung.

Tödlich verlaufende Thrombosen bei Schwangeren sind zwar vergleichsweise selten (laut Ärztezeitung gibt es 1,2 bis 4,7 Todesfälle pro 100.000 Schwangerschaften), trotzdem gehören sie in den Industrienationen zu den wichtigsten Todesursachen während der Schwangerschaft. Schwangeren mit Thromboseneigung wird deswegen seit über 20 Jahren zum vorbeugenden Einsatz von Medikamenten geraten, welche die Blutgerinnung unterdrücken. Allerdings hat eine jetzt im Fachblatt The Lancet veröffentlichte Studie ergeben, dass das Risiko für Komplikationen entgegen der Erwartungen dadurch nicht gesenkt wird.

Die Studie wurde über 12 Jahre hinweg am Ottawa Hospital Research Institute durchgeführt. Studienleiter Dr. Marc Rodger wollte herausfinden, ob die Hunderte von Injektionen, die betroffene Frauen mit bekannter Thromboseneigung sich während der Schwangerschaft geben müssen, den Aufwand und die Unannehmlichkeiten wirklich wert sind.
Rodgers Fazit: Nicht nur senken die schmerzhaften Spritzen nicht das Komplikationsrisiko, das Heparin könnte potenziell sogar schädlich sein. Es komme öfter zu (leichten) Blutungen, und Wehen müssten häufiger eingeleitet werden. Dr. Rodger rät aufgrund der Studienergebnisse von einer generellen Empfehlung von Heparin für Schwangere mit Thromboseneigung ab.

Foto von aldenchadwick