Lunge gibt Startschuss für die Geburt


baby schreit
Eine gute Atmung ist wichtig für das Neugeborene, nicht nur, um seinen Missmut kundzutun. Wissenschaftler konnten zwei Proteine in der Lunge von Ungeborenen identifizieren, die den Geburtsprozess starten können. Die Forscher hoffen darauf, mit Hilfe ihres neuen Wissens Frühgeburten vermeiden zu können.

Die Lunge ist ungeborenen Kindern so ziemlich als letztes Organ richtig „fertig“. Klar, mit dem Lungenbau kann der Fötus sich Zeit lassen, im Fruchtwasser schwimmend braucht er die Lunge ja noch nicht. Selbst atmen muss das Kind erst nach der Geburt.

Wieso gerade die Lunge?

Dass die Lunge ihre Entwicklung erst so spät beendet, trägt auch zu den Lungenproblemen bei, die viele Frühchen haben. Die meisten anderen Organe und System im Körper sind schon weit entwickelt, aber noch nicht ausgereift, und der Körper selbst ist insgesamt noch sehr klein. Das alles wäre mit modernem medizinischen Wissen und Technik kein Problem, aber die unreife Lunge ist sozusagen der Knackpunkt. Ihr fehlt das sogenannte „Surfactant“. Unter diesem Begriff versteht man eine körpereigene „Beschichtung“ der inneren Lungenoberfläche, die für die Lungenfunktion enorm wichtig ist.

Mechanismus jetzt bekannt

Schon seit Jahren gibt es Hinweise darauf, dass das Surfactant Stoffe enthält, die den Geburtsvorgang auslösen oder zumindest dazu beitragen. Wie genau das allerdings passiert, war unklar. Forscher des UT Southwestern Medical Center in Texas konnten nun zwei Proteine identifizieren, die gegen Ende der Schwangerschaft zu einer gesteigerten Produktion von Surfactant-Proteinen führen. Diese Proteine gelangen aus der Lunge des Fötus in das Fruchtwasser, führen zu einer Entzündungsreaktion in der Gebärmutter und lösen so Wehen aus.

Die Studie wurde von Dr. Carole Mendelson, Professorin für Biochemie und Gynäkologie, geleitet. Sie und ihre Kollegen hoffen nun, dass das größere Wissen darüber, wie eine „normale“ Geburt vor sich geht, dazu beitragen kann, verfrühte Wehen und Frühgeburten zu verhindern.

Es ist eigentlich eine schöne Vorstellung, dass das ungeborene Kind – natürlich unbewusst, das ist schon klar – der Mutter signalisiert: „Meine Lunge ist fertig, ich bin auch in der Außenwelt überlebensfertig. Von mir aus kann’s losgehen!

Foto von Pedro Klien


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