Armut macht Kinder krank


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Armut bedeutet Stress für die werdende Mutter. Mit Langzeitfolgen für die Kinder.

Armut und Krankheit gehen oft Hand in Hand, vor allem bei Kindern. Klar, wenn kein Geld da ist, ist auch die Ernährung schlecht, vielleicht leidet die Hygiene, weil das Wohnumfeld ungünstig ist, und oft haben arme Menschen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung – kein Wunder, dass Kinder da öfter krank sind. So kennt man das aus Entwicklungsländern.

Allerdings führt nicht nur in Entwicklungsländern Armut zu Krankheit, und es liegt auch nicht einfach daran, dass Armut zu schlechter Ernährung führt. Es geht vielmehr darum, dass arme Mütter stressbedingt während der Schwangerschaft einen höheren Cortisolspiegel aufweisen, so dass auch ihre Kinder mit einem erhöhten Spiegel des Stresshormons zur Welt kommen. Das wiederum macht die Kinder im späteren Leben anfälliger für schwere, chronische Krankheiten. Das belegt eine kürzlich im American Journal of Human Biology veröffentlichte Studie der University of Colorado in Denver.

Mütterliches Stresshormon überträgt sich auf die Kinder

Zaneta M. Thayer und Christopher W. Kuzawa haben den Cortisolspiegel bei Kleinkindern gemessen und ihn mit dem sozioökonomischen Status ihrer Mutter in Verbindung gebracht. Dazu untersuchten sie 64 neuseeländische Schwangere und ihre neugeborenen Kinder.
Thayer und Kuzawa fest, dass bei armen Frauen der Cortisolspiegel während der Schwangerschaft viel höher war, und dass ihre Kinder bei Stress (etwa bei Impfungen) mehr Cortisol ausschütten.

Die Frauen wurden zu belastenden Erfahrungen in ihrer Schwangerschaft befragt. Dazu gehörten einschneidende Erlebnisse wie der Verlust der Arbeitsstelle, Scheidung, der Tod von Freunden, körperliche oder seelische Misshandlungen; außerdem Fragen nach materiellen Einschränkungen, also ob die Frauen etwa frieren mussten, weil das Heizen zu teuer war, ob sie Lebensmittel- und Kleiderspenden annehmen mussten, oder ob sie beispielsweise kein frisches Obst und Gemüse kaufen konnten.

Aus ihren Forschungsergebnissen schließen die Forscher, dass der Stress, den die Schwangere erlebt, sich auf ihre Kinder auswirkt, und das schon in den ersten Lebenswochen des Kindes feststellbar ist. Gesellschaftliche Unterschiede nehmen damit direkt Einfluss auf biologische Abläufe, so Thayer. Zaneta Thayer hält es für wichtig, dass Schwangere von der Gesellschaft und ihrem direkten Umfeld unterstützt werden. Das kann ein erster Schritt sein, dieses komplexe Problem zu lösen. „Wenn wir die Gesundheit und das Wohlergehen sozial benachteiligter Frauen verbessern, können wir damit auch die Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Kinder und damit der ganzen Gesellschaft, verbessern.“, findet Thayer.

Foto von Feed My Starving Children (FMSC)


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