Zeitgemäßer Mutterschutz


Schwangerschaftstest
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will das Mutterschutzgesetz ändern. In Zukunft sollen auch schwangere Schülerinnen, Studentinnen und Praktikantinnen von dem Gesetz geschützt werden, das bisher nur für Arbeitnehmerinnen gilt.

Das beispielsweise schwangere Studentinnen noch keinen Mutterschutz genießen, hat einen einfachen Grund: Das deutsche Mutterschutzgesetz, das „Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen Mutter“, stammt in der ursprünglichen Fassung von 1952. Es sollte Arbeitnehmerinnen und in Heimarbeit tätige Frauen schützen; schwangere Hausfrauen hatten schon damals Pech und durften weiterhin Knochenarbeit leisten.

Damals war das Mutterschutzgesetz vermutlich revolutionär, aber natürlich wollte niemand vorhersehen, dass Jahrzehnte später zahlreiche Frauen studieren und während des Studiums (oder gar noch während der Schulausbildung, und womöglich auch noch unverheiratet!) schwanger würden. Das Mutterschutzgesetz gilt deswegen bisher nur für Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, Vollzeit wie auch Teilzeit und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse.

Schwangere Studentinnen

Heute ist das vollkommen alltäglich, weswegen das Mutterschutzgesetz den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden muss. Im Juli 2016 soll die neue Fassung des Gesetzes in Kraft treten. Dann dürfen beispielsweise Chemiestudentinnen während Schwangerschaft und Stillzeit keine potenziell gefährlichen Laborarbeiten erledigen, und auch Prüfungen sind für Studentinnen und dann Schülerinnen tabu (müssen aber natürlich nachgeholt werden).

Dass diese Anpassung des Gesetzes wirklich notwendig ist, geht aus einem Referentenentwurf des Bundesfamilienministeriums hervor: Demnach werden in Deutschland jedes Jahr immerhin 20.000 Praktikantinnen, Schülerinnen und Studentinnen schwanger – und mussten mangels gesetzlichen Schutzes auf ein Entgegenkommen ihrer Ausbildungsstelle hoffen.

Weitere Änderungen

Auch andere Aspekte des Mutterschutzgesetzes werden geändert: Für Mütter von behinderten Babys gilt zukünftig ein 12 statt 8 Wochen langes Beschäftigungsverbot, und für Frauen, die nach der 12. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden, gilt in Zukunft ein genauso langer Kündigungsschutz wie für Frauen, die ein lebendes Kind zur Welt gebracht haben.

Weitere Informationen:

Aktueller Text des Gesetzes zum Schutz der erwerbstätigen Mutter
Leitfaden zum Mutterschutz des Bundesfamilienministeriums
Einen Überblick über den Mutterschutz in den EU-Ländern gibt es bei eltern.de

Foto von Esparta Palma