Werdende Väter gehen auch ein bisschen schwanger


Männer werden auch schwanger. Manche mehr, manche weniger.

„Ein bisschen schwanger gibt es nicht“ lautet eine alte Weisheit. Das ist prinzipiell richtig, aber es ist eben auch ein bisschen falsch. Eine Studie der University of Michigan befasste sich mit den Hormonen werdender Väter und entdeckte, dass schon vor der Geburt des Kindes die Testosteron- und Estradiolspiegel der Männer sinken.

Frühere Studien hatten schon belegt, dass der Testosteronspiegel eines Mannes nach der Geburt seines Kindes sinkt. Nun stellte sich heraus, dass diese Veränderung schon vor der Geburt des Kindes einsetzt.

Psychologieprofessorin Robin Edelstein, die Hauptautorin der Studie, weiß zwar, dass der Hormonhaushalt von werdenden Vätern sich ändert, der Grund dafür ist aber noch unklar. Laut Edelstein kann das eine Folge der psychologischen Veränderungen sein, also durch die mentale Auseinandersetzung mit der zukünftigen Vaterrolle und der Vorbereitung auf das Kind ausgelöst werden; mögliche Gründe sind aber auch eine Veränderung in der romantischen Beziehung zur Partnerin oder vielleicht sogar körperliche Veränderungen, die die werdenden Väter zusammen mit ihren schwangeren Partnerinnen durchmachen.

Hormonschwankungen und generell Änderungen des Hormonhaushaltes bei Schwangeren sind kein Geheimnis, aber die Veränderungen des männlichen Hormonhaushaltes, die die Schwangerschaft der Frau begleiten, waren bisher weitgehend unerforscht.
Robin Edelstein und ihre Kollegen nahmen Speichelproben von 29 Paaren im Alter von 18 bis 45 Jahren, die zum ersten Mal Eltern wurden. Die Proben wurden mehrfach während der Schwangerschaft genommen und auf den Gehalt an Testosteron, Cortisol, Estradiol und Progesteron untersucht.

Bei Frauen stieg das Level aller untersuchten Hormone während der Schwangerschaft an, bei Männern sank der Testosteron- und der Estradiolspiegel. Cortisol- und Progesteronspiegel blieben unverändert.
Edelstein weist allerdings selbst darauf hin, dass es keine Vergleichsgruppe gab, also keine Männer untersucht wurden, deren Partnerin nicht schwanger war.

Foto von Bengt E Nyman