Reiten für zwei


Vor einigen Wochen ging ein Sturm der Aufregung durch den Teil der sozialen Netzwerke, in dem sich (werdende) Mütter, Sportbegeisterte und auch gelegentlich Trolle (das sind diejenigen Menschen, die online gerne an allem und jedem herumnörgeln, nur um andere damit zu verletzen oder zu ärgern) treffen. Stein des Anstoßes war eine Frau, die Bilder von sich beim Sport gepostet hatte. Das „Problem“: Sie war hochschwanger.

Vermutlich hatte die Frau nicht vorhergesehen, dass sie damit einen leidenschaftlichen Streit heraufbeschwören würde. Die beteiligten Meinungen deckten das gesamte Spektrum ab, von „Richtig so! Schwangerschaft ist keine Entschuldigung für Faulheit/Gewichtszunahme“ über „Lass‘ es doch wenigstens im dritten Trimester ruhiger angehen“ bis hin zu „Sport in der Schwangerschaft, willst du das Kind verlieren?!“, „Jemand wie du dürfte gar nicht Mutter sein!“ und „Denkt denn keiner an die Kinder?“

Gefährdet Sport die Schwangerschaft?

Wie gefährlich ist Sport in der Schwangerschaft aber wirklich? Die Antwort lautet, wie so oft: Das hängt davon ab. Von manchen Sportarten wird generell abgeraten, etwa von Kampf- und Extremsportarten, alpinem Skifahren, und auch Mannschaftssport, eben von alles Sportarten, bei denen es zu schnellen und abrupten Sprüngen und Drehungen kommt, bei denen man häufig stürzt oder von anderen angerempelt wird. Zu diesen Sportarten wird typischerweise auch das Reiten gerechnet.

Reiten verboten
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Wie bei fast allem in der Schwangerschaft muss jedoch die persönliche Situation in Betracht gezogen werden, um überhaupt über irgendetwas eine halbwegs sichere Aussage zu treffen: Wie ist der allgemeine körperliche Zustand? Ist die Frau eine erfahrene Sportlerin? Wie intensiv wird der Sport betrieben?
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Wie so oft sind Fakten hilfreicher als Mutmaßungen

Die Fachzeitschrift „Der Gynäkologe“ berichtet über eine Studie, die nahelegt, dass es bei körperlich gesunden und erfahrenen Reiterinnen bei angepasster Aktivität (weniger intensives Training, kein Springreiten, keine Turnierteilnahme) keine Hinweise auf eine erhöhte Rate von Aborten, Fehl- oder Frühgeburten oder ein erhöhtes Geburtsrisiko durch das Reiten gibt. Die Unfallgefahr kann allerdings nie ausgeschlossen werden.

Die kleine Studie mit knapp 1600 Teilnehmerinnen war eine retrospektive Studie. Das bedeutet, die schwangeren Reiterinnen wurden nachträglich zu ihrem Reitverhalten und dem Schwangerschaftsverlauf befragt. Die Befragung wurde 2005 abgeschlossen und für eine 2011 vorgelegte Doktorarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München ausgewertet.

Zu der Befragung gibt es eine eigene Homepage.

Risiken senken

Das größte Risiko beim Reiten ist das Pferd. Um die Unfallgefahr möglichst gering zu halten, sollten in der Schwangerschaft deswegen keine jungen, unerfahrenen oder „Problem“-Pferde geritten werden. In angespannter Stimmung oder in Stresssituationen zu reiten ist immer unsicher, da sich das auf die Zusammenarbeit mit dem Pferd auswirken und zu gefährlichen Situationen führen kann.
Die körperliche Belastung sollte niedrig bleiben, dafür sorgt außer dem Verzicht auf Springreiten auch, sich bei der Stallarbeit und der Pflege des Pferdes zu schonen.


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