„Nestbau“: Vorsicht mit Bodenbelägen


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Nicht nur Störche sind es gerne perfekt auf den Nachwuchs vorbereitet.

Der Nestbautrieb bei Schwangeren ist fast schon legendär. Unter diesem „Trieb“ versteht man das Phänomen, dass viele schwangere Frauen gerade gegen Ende ihrer Schwangerschaft noch versuchen, alles für die Ankunft des Kindes perfekt vorzubereiten: Kinderzimmer perfekt einzurichten (was die perfekte Wandfarbe, Vorhänge, Möbel etc. beinhaltet), was dann schon mal auf die anderen Räume der Wohnung, den Garten, das Auto und auf die anderen Familienmitglieder überspringen kann.

Oft wird über den Nestbautrieb geschmunzelt, dabei ist der Wunsch, alles vor der Geburt in Ordnung zu bringen, vernünftig und nachvollziehbar – aus dem Wochenbett heraus ist das nämlich kein Zuckerschlecken, wenn man versuchen muss, Vätern/Geschwistern/Eltern/Schwiegereltern beizubiegen, dass das Babybettchen keinesfalls an der Ostwand stehen soll. Die verstehen es meistens sowieso nicht. Es muss also alles rechtzeitig vor der Entbindung geregelt werden: Kinderzimmer, Möbel, Erstausstattung, eben einfach alles.

Dass die werdende Mutter dabei keine akrobatischen Übungen machen sollte ist klar, etwa beim Installieren von Lampen, Gardinenstangen und Mobiles. Eine weitere – oft noch unterschätzte – Gefahr für Mutter und ungeborenes bzw. neugeborenes Kind sind die bei Renovierungen verwendeten Materialien. Sie können flüchtige organische Verbindungen freisetzen, die zu Atembeschwerden bei Babys führen können.
Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Städtischen Klinikums St. Ulrich in Leipzig haben im Rahmen einer Studie untersucht, welche Gesundheitsbelastungen durch Materialien wie Teppichböden, Laminat oder andere Fußbodenbeläge entstehen können. Das Ergebnis: „Neuer Fußboden im Wohnumfeld von Schwangeren erhöht deutlich das Risiko von Kleinkindern, im ersten Lebensjahr an Atemwegsbeschwerden zu leiden.“

Die Fußbodenbeläge enthalten flüchtige organische Verbindungen, die ausdünsten und eingeatmet werden. Diese Stoffe erhöhen das Risiko für Atemwegsbeschwerden bei Kleinkindern, und zwar nicht nur, wenn die Kinder selbst im ersten Lebensjahr Kontakt mit ihnen haben, sondern auch wenn die Schwangere sie einatmet. Besonders gefährdet sind Kinder, deren Eltern schon mit Asthma oder Heuschnupfen geschlagen sind.

Dr. Ulrich Franck vom UFZ rät deswegen davon ab, in Wohnungen von Schwangeren neuen Fußboden zu verlegen, und auch nach der Geburt sollte mindestens noch ein Jahr verstreichen. Nicht nur im Hinblick auf die Gesundheit, sondern auch für den Geldbeutel vorteilhaft sind gebrauchte Möbel und Kleidung. Die großzügigen Angebote von Verwandten und Freunden, von der Babykleidung bis zum Babybett, sollten deswegen dankend angenommen werden. Gebrauchte Kleidungsstücke wurden schon mehrfach gewaschen, eventuelle Schadstoffe sind also schon ausgewaschen. Auch gebrauchte Möbel sind schon ausgelüftet und deswegen fast frei von möglicherweise enthaltenen Schadstoffen. Wenn also das Babybett der Großcousine noch funktionstüchtig ist und den Sicherheitsanforderungen entspricht, dann kann man das unbesorgt annehmen.

Foto von Tambako the Jaguar


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