Kein Zuckerlecken: Die Schwangerschaftsübelkeit


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Schwangerschaftsübelkeit ist keine Befindlichkeitsstörung, sondern kann sich zu einer handfesten Krankheit auswachsen.
Spiegel Online berichtet aktuell über die Schwangerschaftsübelkeit, eine unerfreuliche Begleiterscheinung bei vielen Schwangerschaften – empfindsameren Gemütern ist sie auch noch schamhaft als „morgendliche Übelkeit“ oder „Unpässlichkeit“ bekannt, ohne den Hinweis auf die animalisch-körperbetonte Schwangerschaft.

Grund für das Schwangerschaftserbrechen ist, wie bei praktisch allem, was die Schwangerschaft anbelangt, die Veränderung im Hormonhaushalt. Zumindest wird das vermutet, denn weshalb und wie genau es zu der Übelkeit kommt, steht nicht fest. Ebensowenig steht fest, weshalb nicht alle Frauen davon betroffen sind.

Die Symptome sind allgemeines Unwohlsein, Übelkeit und sogar Erbrechen, das vor allem morgens auftritt. Oft lassen sich Übelkeit und Erbrechen verhindern, wenn die Schwangere morgens ein bisschen trockenen Toast oder Zwieback isst; das Hausmittel Ingwer, als Tee oder auch in Tablettenform, kann wie bei jeder anderen Form der Übelkeit auch hier helfen. Oft wird auch empfohlen, kleinere, dafür mehrere Mahlzeiten zu sich zu nehmen, auf Koffein und auf kohlensäurehaltige Getränke zu verzichten. Die Einnahme von Medikamenten wird mit Rücksicht auf das Kind meist vermieden.

Zum Glück tritt die Übelkeit nicht bei allen Schwangeren auf, und auch dann meist „nur“ für die ersten drei Monate. Es geht aber auch schlimmer: Bei knapp einem Prozent der Frauen kommt es nicht zur herkömmlichen Schwangerschaftsübelkeit, sondern zur Hyperemesis gravidarum. Anders als sonst beschränkt sich das Erbrechen und die Übelkeit nicht auf den Morgen, sondern quält die Schwangere rund um die Uhr, sogar auf leeren Magen. Als wäre das noch nicht schlimm genug, kann sich diese extreme Form der Schwangerschaftsübelkeit bis in den fünften oder sechsten Monat hinziehen, oder sogar bis zur Geburt.

Hyperemesis gravidarum ist nicht nur erschöpfend und schmerzhaft, durch das ständige Erbrechen ist die Gesundheit der Frau und selbstverständlich auch des Kindes gefährdet. Es kann zu einem Mangel an Nährstoffen kommen, zu Austrocknung, starkem Gewichtsverlust, durch das häufige Erbrechen wird die Speiseröhre angegriffen, das Risiko einer Präeklampsie steigt, und nicht zuletzt kann die enorme Belastung auch zu depressiven Zuständen führen. Anders als bei der Schwangerschaftsübelkeit kann hier kaum mehr auf ärztliche Behandlung und Medikamente verzichtet werden. Das im Artikel bei Spiegel Online empfohlene Riechfläschchen (in Form von ätherischen) reicht jedenfalls nicht aus.

Krankheiten machen vor Berühmtheiten nicht Halt. Beispielsweise wird vermutet, dass Hyperemesis gravidarum die Todesursache der Jane-Eyre-Autorin Charlotte Brontë war. In jüngerer Vergangenheit war die Herzogin von Cambridge, die Frau von Prinz William, davon betroffen – sehr zur Freude der Boulevardmedien, die dann täglich nicht nur über die Schwangerschaft und das Geschlecht des noch ungeborenen Kindes spekulieren konnten, sondern auch wahlweise Mitleid heucheln durften oder betonten, dass es ja vielen Frauen während der Schwangerschaft schlecht gehe, und nicht alle deswegen tagelang ins Krankenhaus gingen! Zumindest diese unnötige Zusatzbelastung bleibt den allermeisten Schwangeren erspart.

Foto von kevygee


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