Vererbte Gesundheitsrisiken


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Vieles wird von einer Generation auf die nächste übertragen. Leider auch die Neigung zu bestimmten Erkrankungen.

Egal wie sehr sich eine Frau bemüht, vor und während der Schwangerschaft und nach der Geburt das bestmögliche Fundament für das Wohlergehen ihres Kindes zu schaffen – eine Gesundheitsgarantie gibt es nicht. Viele Faktoren hat die Schwangere auch einfach nicht in der Hand. Gefahr geht sogar von einer ganz unerwarteten Seite aus: von der Großmutter der Kinder. Genauer gesagt davon, ob die Oma Raucherin war und davon, ob sie Blei aus ihrer Umgebung aufgenommen hat.

Zwei Studien, die eine von der Wayne State University in Michigan (USA), die andere von der Europäischen Lungenstiftung (European Lung Foundation, ELF) haben sich damit befasst, wie sich der Gesundheitszustand von Frauen nicht nur auf die Kinder, sondern auch die folgenden Generationen auswirkt.

Schwermetall mit Langzeitwirkung

Die US-amerikanische Studie unter der Leitung von Dr. Douglas Ruden fand heraus, dass Blei im Körper einer Schwangeren nicht nur das „aktuelle“ Kind beeinträchtigen kann. Kommt die Frau während der Schwangerschaft in Kontakt mit dem Schwermetall, kann es durch die Plazenta in den Körper des Kindes gelangen, die Entwicklung des Gehirns beeinflussen und zu Entwicklungsproblemen, auch später im Leben, führen.

Das Blei kann die DNA-Methylierung beeinflussen, eine chemische Änderung an der Erbsubstanz in den Zellen. Vereinfacht gesagt führt das Blei zu Mutationen, die nicht bei den Kindern, sondern auch bei den Enkelkindern der Frauen nachgewiesen werden können, die während ihrer Schwangerschaft Kontakt mit Blei hatten, also beispielsweise mit der Nahrung und über die Atemluft Blei aufnahmen.

Allerdings deuten die Ergebnisse auch darauf hin, dass sich die DNA-Methylierung sich bei den Enkelkindern im Laufe der Entwicklung im Kindesalter möglicherweise von selbst wieder normalisiert.

Asthma wegen rauchender Großmutter?

Kinder, deren Großmutter Raucherin war, haben ein höheres Asthmarisiko als andere Kinder, auch wenn ihre Mutter nicht geraucht hat. Das ist das Ergebnis einer Studie der Europäischen Lungenstiftung.

Die Forscher werteten schwedische Gesundheitsdaten von fast 45.000 Frauen aus. Es zeigte sich, dass die Enkelkinder von Frauen, die während der Schwangerschaft weiterhin rauchten, ein um bis zu 22 % höheres Asthmarisiko hatten, auch wenn die eigene Mutter während der Schwangerschaft nicht rauchte.

Dr. Caroline Lodge, eine der Studienautorinnen, geht davon aus, dass diese Erkenntnisse zur Erforschung der aktuellen „Asthma-Epidemie“ beitragen können. Ihr Kollege Bertil Forsberg weist darauf hin, dass jetzt noch die Vererbung von Asthmarisiko durch die männliche Linie erforscht werden müsse, also in den Fällen, in denen die rauchenden Schwangeren Söhne bekamen.

Beide Wissenschaftler gehen davon aus, dass das neue Wissen auch zum Verständnis anderen Krankheiten beitragen kann, die durch Umwelteinflüsse verursacht werden.

Foto von swambo


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