Cortisol im Haar verrät Depressionsrisiko


Das Vorkommen von Cortisol im Haar schwangerer Frauen kann Informationen über das spätere Risiko von postpartalen Depressionen geben. Das sagen spanische Wissenschaftler, die im Rahmen des GESTASTRESS-Forschungsprojektes eine Studie zum psychologischen Stress bei Schwangeren durchführten.

Cortisol ist ein Stresshormon. Das klingt auf Anhieb ziemlich negativ, tatsächlich hilft dieses Hormon dem Körper aber in anstrengenden oder gefährlichen, kurz: in stressigen Situationen.
Es aktiviert bestimmte Stoffwechselvorgänge, die dem Körper Energie bereit stellt, mit der er auf die jeweilige Situation reagieren kann: Vor einem Raubtier wegrennen, ein Mammut jagen und erlegen, in Gefahrensituationen andere Menschen retten, oder im Job einen neuen Schub an Kraft und Kreativität für das wichtige Projekt aufbringen.

Zuviel Stress: In der Schwangerschaft doppelt schädlich

Bei zu viel, anhaltendem oder unaufgelöstem Stress aber – wenn man also keinen Erfolg hat oder keinen sonstwie gearteten Abschluss der Situation findet – kann es mit der Zeit zu Schlafstörungen, erhöhtem Blutdruck, Problemen im Magen-Darm- Bereich und zu Herzproblemen kommen. Während der Schwangerschaft beeinträchtigt übermäßiger Stress
und die damit einhergehende Ausschüttung von Cortisol nicht nur die Gesundheit der Mutter. Das Stresshormon überwindet auch die Plazentaschranke und geht so in den Körper des  Fötus über. Hoher Stress bei der Schwangeren kann so, wie Mediziner wissen, zu Frühgeburten und geringem Geburtsgewicht führen.

Unter der Leitung von María Isabel Peralta Ramírez stellten Wissenschaftler der Universität Granada jetzt fest, dass ein hohes Cortisollevel (festgestellt in den Haaren der jeweiligen Frauen) während des ersten oder dritten Trimesters auf ein erhöhtes Risiko einer
postpartalen Depression hinweist.

Zusammenhang zwischen Cortisol und Depressionen

Die spanischen Forscher begleiteten eine (sehr kleine) Gruppe von Frauen während der Schwangerschaft und bis nach die Entbindung. In jedem Trimester wurden verschiedene Tests durchgeführt, um die Stressbelastung der Frauen festzustellen. Zudem wurden jeweils Haarproben genommen, an denen sich der Cortisolspiegel der zurückliegenden drei Monate erkennen ließ. Nach der Geburt des Kindes untersuchten die Forscher erneut den emotionalen Zustand der Mutter, um eine eventuelle Depression erkennen zu können. Es
zeigte sich, dass ein hoher Cortisolspiegel – also viel Stress – während der Schwangerschaft,
vor allem während des ersten und dritten Trimesters, mit einem erhöhten Depressionsrisiko
einherging.

Für María Isabel Peralta Ramírez ist das ein Hinweis darauf, dass es während der Schwangerschaft verschiedene hormonelle und psychologische Variablen gibt, die mit dem Entstehen von Depressionen in Zusammenhang stehen. Die entsprechenden Veränderungen jeweils zu erkennen ist der erste Schritt dazu, die spätere psychische Gesundheit der Mutter relativ zutreffend vorhersagen zu können, und sie und ihr Kind dann optimal zu versorgen.


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