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  NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    clydesbonnie
schrieb am 28.08.2011 11:42
Zyklusmonitoring



Inhalt

A – Was ist Zyklusmonitoring?
B – Was wird beim Zyklusmonitoring genau gemacht?
C – Warum wird Zyklusmonitoring gemacht?
D – Wann und wie oft muss man zum Zyklusmonitoring?
E – Wo kann man Zyklusmonitoring machen lassen?
F – Was kostet Zyklusmonitoring?
G – Welche Hormone sind zyklusabhängig und welche Aufgabe haben sie?
H – Wie sind die Normwerte der zyklusabhängigen Hormone?
I – Welche Werte werden wann bestimmt?
J – Was kann man an Hand der Hormonbestimmungen genau erkennen?
K – Welche Störungen können vorliegen und wie werden sie festgestellt?
L – Was passiert in den Eierstöcken?
M – Wie baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf?
N – Wie verändert sich der Zervixschleim?
O – Was ist ein Postkoitaltest und wann macht man den?
P – Woran erkennt man, in welcher Zyklusphase man ist?
Q – Wie stellen sich die Zusammenhänge und Abläufe im Zyklus graphisch dar?

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A – Was ist Zyklusmonitoring?

Der Begriff „Zyklusmonitoring“ steht für die Beobachtung des Zyklus durch medizinische Verfahren. Zyklusmonitoring kann im natürlichen sowie in einem stimulierten Zyklus gemacht werden. Je nach Anlass wird der gesamte Zyklus überwacht oder nur die erste Zyklushälfte bis zum Eisprung.

B – Was wird beim Zyklusmonitoring genau gemacht?

An Hand von Ultraschalluntersuchungen und Hormonbestimmungen werden das Follikelwachstum, die Eizellreifung sowie der Aufbau und Umbau der Gebärmutterschleimhaut im Zyklusverlauf überwacht.

Bei Bedarf können im präovulatorischen Zeitraum (kurz vor Eisprung) noch Zervixschleim und Öffnungsgrad des Muttermundes kontrolliert sowie die Verträglichkeit von Zervixschleim und Spermien überprüft werden (Postkoitaltest).

C – Warum wird Zyklusmonitoring gemacht?

Das Zyklusmonitoring dient einerseits dazu, die Ursache ungewollter Kinderlosigkeit aufzuspüren (Diagnostik). Andererseits helfen die Befunde dem Arzt, die passende Therapie / Behandlung für ein Paar zu festzulegen.

Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung dient das Zyklusmonitoring der Überwachung der Stimulation zur Anpassung des Behandlungsplans. Die Follikel werden gezählt und ihre Größe ermittelt, die Gebärmutterschleimhaut wird vermessen, um bei unzureichendem Aufbau hormonell zu unterstützen. Das Hormon Östradiol wird bestimmt, um Erkenntnisse zur Eizellreifung zu erlangen. Der Zeitpunkt des Eisprungs wird vorhergesagt. Zur Optimierung des Timings wird der Eisprung dann ausgelöst. Bei einer Künstlichen Befruchtung kommt man dem Eisprung mit einer Punktion der Follikel zuvor.

D – Wann und wie oft muss man zum Zyklusmonitoring?

Das hängt vom Anlass und der Zykluslänge ab.

1. Diagnostik

Für eine vollständige Diagnostik sind drei Termine erforderlich: Am Zyklusanfang zwischen ZT 3 und 5, kurz vor dem Eisprung zwischen ZT 10 und 12 und in der Mitte der zweiten Zyklushälfte zwischen ES+5 und ES+8.
Bei längeren Zyklen findet der zweite Termin zu einem späteren Zeitpunkt statt oder es werden mehrere Kontrollen in Abständen von 2-4 Tagen vereinbart.
Gibt es bereits umfangreiche und aussagekräftige Aufzeichnungen des Zyklus (Zykluskurven), kann auf die Kontrollen zum Zeitpunkt des Eisprungs oder in der zweiten Zyklushälfte verzichtet werden. Bei gleichzeitiger Beobachtung des Zyklus und Führen einer Zykluskurve können die Termine im Zyklusverlauf optimal vereinbart werden.

2. GVnP / IUI

Wird ein Zyklusmonitoring zur Optimierung des Verkehrs (GV nach Plan) oder vorbereitend auf eine Insemination (IUI) durchgeführt, reichen Termine im präovulatorischen Zeitraum: Je nach Zykluslänge ab ZT 8, 10 oder 12 und dann im Abstand von 2 bis 3 Tagen bis der Zeitpunkt des Eisprungs absehbar ist (2-4 Tage vorher) und ausgelöst werden kann – meist am selben Tag oder innerhalb der nächsten zwei Tage.
Am Zyklusanfang ist in der Regel nur dann ein Termin erforderlich, wenn sich im Vorzyklus unter Stimulation mehrere Follikel entwickelt hatten und / oder die Frau zu Zysten neigt.
In der zweiten Zyklushälfte sind gewöhnlich keine Termine erforderlich. Zur Kontrolle der Gelbkörperentwicklung kann ein weiterer Termin ca. 1 Woche nach dem Eisprung stattfinden. Dies wird z.B. dann gemacht, wenn überprüft werden soll, ob die Unterstützung der Eizellreifung ausreichend ist oder ob eine zusätzliche Unterstützung der Lutealphase erforderlich wird.

3. IVF / ICSI

Je nach Protokoll finden bereits im Vorzyklus oder erst mit Start der Stimulation Kontrollen statt. Diese dienen dem Ausschluss von Zysten und der Festlegung des Behandlungsplans.
Die weiteren Termine beginnen wegen der stärkeren Stimulation früher und werden je nach Reaktion der Eierstöcke in mehr oder weniger kurzen Abständen stattfinden.
Zum Zeitpunkt von Punktion und Transfer finden weitere Kontrollen statt. Zur Kontrolle der erforderlichen Progesterongaben und bei Überstimulation kann es zusätzliche Termine im weiteren Verlauf geben.

E – Wo kann man Zyklusmonitoring machen lassen?

Nicht jeder Gynäkologe bietet Zyklusmonitoring in seiner Praxis an. Einige Gynäkologen überlassen solche Untersuchungen lieber direkt den Reproduktionsmedizinern. Entweder fehlt die volle fachliche Qualifikation, der erforderliche zeitliche Aufwand lässt sich nicht in den Praxisalltag integrieren oder das Budget der Praxis lässt eine Kinderwunschbehandlung nicht zu.

Unabhängig davon findet man eine umfassende und kompetente Betreuung sowie ausreichend genau Ultraschallgeräte eher in einer Kinderwunschpraxis.

F – Was kostet Zyklusmonitoring?

Generell ist Zyklusmonitoring bei Kinderwunsch und unter bestimmten Voraussetzungen eine Kassenleistung. Nur im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung, welche nicht oder nicht in vollem Umfang von den Kassen getragen werden (IUI, IVF, ICSI, Kryo), fallen Kosten für das Patientenpaar / die Frau an.

G – Welche Hormone sind zyklusabhängig und welche Aufgabe haben sie?



Hypophyse

Die Gonadotropine FSH und LH sind Hormone, die von der Hirnanhangsdrüse (der so genannten Hypophyse) ausgeschüttet werden. FSH und LH steuern die Funktion der Eierstöcke, das heißt, die Hormonproduktion (Östrogene, Progesteron) und den Monatszyklus mit dem Eisprung.

1. FSH ist die Abkürzung für „Follikel-stimulierendes Hormon“, auch Follitropin genannt. Gemeint sind die Follikel des Ovars (Eierstock), in denen sich die Eizellen befinden. Die Hauptaufgabe des FSH ist die Steuerung der Reifung der Follikel.

2. LH ist die Abkürzung für „Luteinisierendes Hormon“, auch Lutropin genannt. Nach dem Eisprung entsteht aus dem Follikel das sog. Corpus Luteum (Gelbkörper), in dem Hormone hergestellt werden. Die Hauptaufgabe des LH ist die Auslösung des Eisprungs sowie die Bildung des Gelbkörpers aus dem gesprungenen Follikel (die Luteinisierung, die Gelbkörperwerdung) und Stimulierung der Hormonproduktion im Gelbkörper (Östradiol und Progesteron).

Eierstöcke

Die weiblichen Geschlechtshormone Östradiol und Progesteron werden im Eierstock gebildet. Sie sind abhängig von Follikelwachstum und Gelbkörperentwicklung und beeinflussen Wachstum und Aufbau der Gebärmutterschleihaut sowie Menge und Konsistenz des Zervixschleims.

3. Östradiol, genauer 17ß-Östradiol (E2), ist das wichtigste der sog. Östrogene. Die Östrogene sind wiederum die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone (neben den Gestagenen). In der ersten Zyklushälfte wird Östradiol von den heranreifenden Follikeln (Eizelle plus umhüllende Zellen) gebildet. In der zweiten Zyklusphase vom so genannten Gelbkörper. In der Schwangerschaft auch in der Plazenta (Mutterkuchen). Die Östrogene sind wichtig für die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsmerkmale, das monatliche Wachstum der Gebärmutterschleimhaut aber auch für das Knochenwachstum und den Fetteinbau.

4. Das weibliche Geschlechtshormon Progesteron wird in den Eierstöcken gebildet und zwar vor allem im so genannten Gelbkörper. Während der Schwangerschaft wird Progesteron im Mutterkuchen produziert.
Progesteron fördert in verschiedener Weise das Zustandekommen einer Schwangerschaft. Die wichtigste Wirkung dabei ist die Vorbereitung der Schleimhaut der Gebärmutter auf die Einnistung der Frucht. Auch für das Gedeihen der Schwangerschaft ist Progesteron wichtig.

H – Wie sind die Normwerte der zyklusabhängigen Hormone?

Die Hormone Follitropin (FSH), Lutropin (LH), Östradiol (E2) und Progesteron (P) unterliegen zyklusabhängigen Schwankungen mit einem typischen, sich monatlich wiederholenden Muster. Bei der Beurteilung des Spiegels im Blut muss daher berücksichtigt werden, in welcher Zyklusphase die Blutabnahme erfolgt ist. Umgekehrt ist je nach Fragestellung die Blutentnahme an einem bestimmten Zyklustag erforderlich. Die Referenzbereiche sind groß, wichtiger sind das Verhältnis der Werte untereinander und der Verlauf.

FSH
  • Follikelphase (1. Zyklushälfte) 2.5 - 10.2 IE/l
  • Ovulationsphase (kurz vor bis ES) 3.4 - 33.4 IE/l
  • Lutealphase (2. Zyklushälfte) > 1.5 - 9.1 IE/l
LH
  • Follikelphase (1. Zyklushälfte) 1.9 - 12.5 IE/l
  • Ovulationsphase (kurz vor bis ES) 8.7 - 76.3 IE/l
  • Lutealphase (2. Zyklushälfte) 0.5 - 16.9 IE/l
Östradiol
  • Follikelphase (1. Zyklushälfte) 25 - 200 ng/l = pg/ml bzw. 92 - 734 pmol/l
  • Ovulationsphase (kurz vor bis ES) 150 - 300 ng/l = pg/ml bzw. 551 - 1101 pmol/l
  • Lutealphase, Mitte (Mitte der 2. Zyklushälfte) > 80 ng/l = pg/ml > 294 pmol/l
Progesteron
  • Follikelphase (1. Zyklushälfte) < 1 µg/l = ng/ml bzw. < 3.2 nmol/l
  • Lutealphase, frühe (frühe 2. Zyklushälfte, ES-1 bis ES+4) > 5 µg/l = ng/ml bzw. > 16 nmol/l
  • Lutealphase, mittlere (mittlere 2. Zyklushälfte, ES+5 bis ES+8) > 12 µg/l = ng/ml bzw. > 38.4 nmol/l
Hier lassen sich Einheiten umrechnen: [www.einheiten-umrechnen.de]

I – Welche Werte werden wann bestimmt?

Die meisten Hormone, welche für die Fruchtbarkeit wichtig sind, können zu jedem Zeitpunkt im Zyklus bestimmt werden. Nur die Abnahme der zyklusabhängigen Hormone FSH, LH, Östradiol und Progesteron liefern je nach Zyklusphase zum Teil erheblich unterschiedliche Ergebnisse.

1. Zyklusanfang (wenn möglich nach ovulatorischen Zyklen)

- Was: Am Zyklusanfang werden alle zyklusabhängigen Hormone getestet.
- Zeitraum: zwischen ZT 3 und ZT 5 (bei längeren Zyklen bis ZT 7, bei Ausnahmen auch ZT 2 möglich) << mit länger sind Zyklen weit über 35 Tagen gemeint, wo die Eizellreifung also verzögert einsetzt.
- Warum: Diagnostik / Bestimmung der Basiswerte

2. Follikelphase / präovulatorischen Zeitraum (bei Überwachung des Zyklus)

- Was: In der Follikelphase wird Östradiol bestimmt. Im präovulatorischen Zeitraum werden zusätzlich auch LH und Progesteron bestimmt.
- Zeitraum: je nach Behandlung, Stimulation und Zykluslänge spätestens vier Tage vor erwartetem Eisprung, meist ab ZT 8, 10 oder 12, im Abstand von 2- 3 Tagen, bis sich ein oder zwei Leitfollikel durchgesetzt haben (bei ca. 14-15 mm und bei E2-Werten > 150 ng/l) oder bis zum Auslösen (ab Follikelgröße von 18-20 mm und E2-Werten von > 200 ng/l).
- Warum: Kontrolle der Stimulation, Vorhersage des Eisprungs

3. Zyklusmitte (wenn Zyklus nicht überwacht wird)

- Was: In der Zyklusmitte werden Östradiol, LH und Progesteron bestimmt.
- Zeitraum: ZT 12 bis ZT 16 (gemessen an der „Norm“) oder durchschnittliche Zykluslänge – 12 bis 16 Tage (individuell).
- Warum: Wo stehe ich im Zyklus? Steht der Eisprung bald an oder war er schon?

4. mittlere Lutealphase

- Was: In der Mitte der Lutealphase wird Progesteron und bei Bedarf auch Östradiol bestimmt.
- Zeitraum: ES+5 bis ES+8, ideal ES+7 (wenn Eisprung bekannt ist), zwei bis drei Werte im Abstand von 2-3 Tagen (wenn Eisprung nicht genau bekannt ist)
- Warum: Überprüfung der Qualität des Gelbkörpers, Diagnose einer Östrogendominanz

J – Was kann man an Hand der Hormonbestimmungen genau erkennen?

1. Zyklusanfang

Insbesondere die Höhe und das Verhältnis der beiden Gonadotropine FSH und LH sind wichtig. Es lässt Rückschlüsse auf die Aktivität der Eierstöcke zu und zeigt, ob die Kommunikation zwischen Hypophyse und Eierstöcken normal verläuft oder ob Störungen vorliegen. Die Spiegel von LH und FSH sollten nicht zu hoch sein.
Ein hoher FSH-Spiegel deutet auf eine geringe Eierstockaktivität hin, ein FSH-Spiegel über 12 IE/l zeigen eine nahe Menopause (letzte Regelblutung) an, ein FSH-Spiegel < 6 IE/l ist ideal.
Ein hoher LH-Spiegel kann ein Hinweis auf PCOS sein. Ein LH/FSH-Quotient von ca. 1 gilt als ideal. Ein Wert < 0,7 stellt sich in den Wechseljahren ein, ein Wert > 2 ist bei Frauen mit PCOS oder Vermännlichung zu finden.

Ein erhöhter Progesteronspiegel (> 1 µg/l) ist bei Frauen mit Gelbkörperzysten zu finden. Nicht jede progesteronproduzierende Gelbkörperzyste verhindert die Menstruation. Ein erhöhter Progesteronspiegel stört die Eizellreifung und den Aufbau der Gebärmutterschleihaut.

Ein hoher Östradiolspiegel ist häufig nach anovulatorischen Zyklen zu finden und kennzeichnet ein präovulatorischen Geschehen. Trotz Abbruchblutung sind die hormonellen Abläufe unbeeinflusst.

2. Follikelphase / präovulatorischer Zeitraum

An Hand des Östradiolspiegels wird die Eizellreifung überprüft. Die Follikelgröße alleine ist nicht aussagekräftig. Bei Werten > 150 ng/l (besser > 200 ng/l) ist der der Follikel sprungreif. Wenn die Follikelgröße dann mindestens 18 mm beträgt, kann ausgelöst werden.

Ein Progesteronwert > 1 µg/l ist ein Hinweis darauf, dass es bereits zu einem vorzeitigen Eisprung gekommen ist oder der Eisprung unmittelbar bevorsteht.

Ein Anstieg von LH über 10 IE/l zeigt, dass der Körper den Eisprung bereits selbst auslöst. Das muss beim Timing für GVnP und besonders bei einer Insemination oder Punktion berücksichtigt werden. Zur Unterstützung des Eisprungs und der Luteinisierung wird dennoch hCG gespritzt.

3. Zyklusmitte

Eine einzelne Abnahme um ZT 14 herum (+/- 2 Tage) kann Aussage darüber geben, ob der Zyklusverlauf in die eine oder andere Richtung vom Durchschnitt abweicht, ob die Zyklen also eher kürzer oder länger sind.
Bei regelmäßigen Zykluslängen kann eine Blutabnahme 14 Tage vor der nächsten errechneten Mens einen Hinweis darauf geben, ob die Lutealphase ausreichend lang ist.

4. mittlere Lutealphase

Ein Progesteronwert > 10 µg/l (besser > 12 µg/l) kennzeichnet einen ausreichenden Gelbkörper. Ein Wert < 1 µg/l ist zu finden, wenn noch kein Eisprung stattgefunden hat. Werte zwischen 1 und 5 µg/l ist normal, sofern der Eisprung maximal 4 Tage zurück liegt.

Idealerweise sollte das Verhältnis von Östradiol zu Progesteron bei 1:200 liegen, das entspricht einem Östradiol/Progesteron-Quotienten von 0,005 (Achtung unterschiedliche Einheiten! 10 µg/l = 10000 ng/l bzw. 10 ng/l = 0,01 µg/l). Zu einem Progesteronwert von 12 µg/l passt ein Östradiolwert von 60 ng/l, ein Wert von 20 µg/l passt zu 100 ng/l.
Ein Verhältnis < 1:200 bzw. ein Quotient > 0,005 deutet auf eine Östrogendominanz hin, welche eine Ursache für PMS sein kann. Ist der Progesteronwert dabei ausreichend hoch, besteht jedoch keine Gelbkörperschwäche. PMS ist also umgekehrt kein Hinweis auf eine Gelbkörperschwäche! Auch mit PMS kann man schwanger werden.

K – Welche Störungen können vorliegen und wie werden sie festgestellt?

Zu den zyklusabhängigen Hormonen, ihrer Funktion, den Abhängigkeiten, Störungen, Tests etc. kann man hier nachlesen:
L – Was passiert in den Eierstöcken?

Wenn der Arzt davon spricht, dass man mehrere Follikel an den Eierstöcken sieht, ist das normal und bedeutet nicht, dass diese Follikel alle springen werden. Sie nehmen nur alle am „Rennen um die Position des Leitfollikels“ teil, am Ende werden sich in unstimulierten Zyklen nur ein oder zwei Follikel durchsetzen, die übrigen Follikel bilden sich zurück. Bei der künstlichen Befruchtung wird durch Eingriff in die hormonellen Abläufe beabsichtigt, dass mehrere dieser Follikel Sprungreife entwickeln.



Von den ca 300 - 400 Tsd. winzigen (Primordial)-Follikeln, die ein neugeborenes Mädchen bereits in seinen Eierstöcken hat, befindet sich zu Beginn der Pubertät nur ein Bruchteil "in Lauerstellung". Zyklus für Zyklus werden aus diesem verbleibenden Follikelpool (eben die Ovarreserve) ca. 10-15 Antralfollikel rekrutiert, die sich durch hormonelle Einflüsse im Zyklus weiterentwickeln und aus denen dann irgendwann der Leitfollikel rekrutiert wird. Die Anzahl der Antralfollikel am Zyklusanfang spiegelt somit die Größe des verbleibendes Follikelpools im Eierstock wider. Oder anders ausgedrückt: Je größer der verbleibende Follikelpool desto großzügiger "darf" die Menge der Antralfollikel ausfallen. Die Anzahl der Antralfollikel kann von Zyklus zu Zyklus variieren. Zyklen mit vielen Antralfollikeln sind mit fortgeschrittenem Alter eher die Ausnahme als die Regel und sind eher für stimulierte Zyklen von positiver Bedeutung.

Als Follikelreifung bezeichnet man die Entwicklung der Ovarialfollikel des weiblichen Eierstocks. Diese werden auch Eibläschen oder Follikelzysten genannt, wobei es sich nicht um krankhafte Zysten handelt. Die Ovarialfollikel bestehen aus Eizellen und Follikelzellen. Je nach Entwicklungsstadium unterscheidet man Primordialfollikel, Primärfollikel, Sekundärfollikel, Tertiärfollikel und Graaf-Follikel. Hier lässt sich die Follikelreifung in ihren einzelnen Schritten genau nachlesen: [flexikon.doccheck.com]



Erst ab einer Größe von etwa 10 mm (Tertiärfollikel) produzieren die Follikel Östradiol. Nach Abschluss der Reifung bezeichnet man die Follikel als Graaf-Follikel. Dieser Zustand wird von nur sehr wenigen Follikeln erreicht. Bei einer Größe von ca. 14-15 mm hat sich ein Leitfollikel durchgesetzt. Das weitere Wachstum ist nun absehbar. Man kann mit 1-2 mm pro Tag rechnen. Bei 18-20 mm hat der Leitfollikel Sprungreife erreicht. Der LH-Spiegel steigt und löst den Eisprung aus. Der Follikel erreicht zum Zeitpunkt des Eisprungs eine Größe von 20-22 mm, kann unter Stimulation aber auch größer werden.

Unter der Wirkung von LH wandelt sich der Follikel nach dem Eisprung in den Gelbkörper um. Im Ultraschall erkennt man zunächst einen eingefallenen Follikel mit unregelmäßiger bzw. deformierter Gestalt, welcher dann zunehmend wolkiger im Ultraschall erscheint.

M – Wie baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf?



Die Gebärmutter stellt sich im Längsschnitt meist als ein nach vorne zur Bauchdecke abgewinkeltes (anteflektiertes), birnenförmiges Organ von ca. 7 cm Länge dar.
Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) wird von einem schmalen, hellen und schleifenförmigen Saum begrenzt, welcher der Basalschicht (Basalis) des Endometriums entspricht, also der Schicht, welche bei der Monatsblutung nicht abgestoßen wird und von der aus in jedem Zyklus eine neue Schleimhaut aufgebaut wird. Die Muskelschicht der Gebärmutter ist von geringerer Echogenität (dunkler) als die Schleimhaut und sonographisch inhomogener. Echoleere (also schwarze) Bezirke sind meist durch Blutgefäße bedingt und ohne pathologischen Wert.



In der Follikelphase wächst die Schleimhaut unter der Wirkung von Östradiol und nimmt bis zum Eisprung an Höhe zu. Die Schleimhautschichten der beiden Seiten sind bei 6 von 7 Frauen durch eine sichtbare helle Linie getrennt und gut sichtbar. Zusammen mit dem hellen Saum der Basalschicht stellen sich drei Linien dar („triple-line pattern“). Kurz vor dem Eisprung verschwindet die Trennung der Linien meist. Zum Zeitpunkt des Östradiol-Peaks, kurz vor dem LH-Anstieg hat die Schleimhaut üblicherweise eine Dicke von 7-14 mm. (Das ist der optimale Bereich. Man kann auch mit einer geringeren Schleimhauthöhe schwanger werden, vermutlich aber schwieriger. Eine dickere Schleimhaut bringt keinen weiteren Vorteil. Ich vermute, dass nicht die Stärke letztendlich entscheidend ist, sondern die dahinter stehende hormonelle Situation, auf die man auf Grund der Schleimhauthöhe gewisse Rückschlüsse ziehen kann.)

Nach dem Eisprung, also in der zweiten Zyklushälfte, wird die Schleimhaut hell (echogen) und gleichmäßig in der Farbverteilung (homogen). Üblicherweise gewinnt die Schleimhaut in der zweiten Hälfte unter der fortdauernden Wirkung von Östradiol weiter an Höhe und wandelt sich unter der Wirkung von Progesteron um. Dieser Vorgang nennt sich Sekretion und dient der Vorbereitung der Schleimhaut auf die Einnistung. Kommt es nicht zur Einnistung, sinken der Östradiol- und Progesteronspiegel. Die Schleimhaut verliert bereits vor der Mens etwas an Höhe und blutet unter dem Hormonentzug wieder ab. (Zwischen der Höhe der Schleimhaut und Blutungsstärke und - dauer besteht nachweislich kein Zusammenhang. Ein Großteil der Schleimhaut zersetzt sich und wird vom Körper resorbiert. Bluten tut es eher wegen der Blutgefässe, welche die Schleimhaut durchziehen.)

Hier ein interessanter Artikel aus den News der Wunschkinder.net-Seite zum Thema Schleimhautdicke und Struktur:

Höhe und Struktur der Gebärmutterschleimhaut: Beides wichtig
[www.wunschkinder.net]

Und hier kann man die Gebärmutterschleimhaut in den verschiedenen Zyklusphasen unter dem Mikroskop betrachten:



Links ist das Myometrium und die Basalschicht des Endometriums kurz nach der Menstruation dargestellt, Mitte (Follikelphase / 1. Zyklushälfte) und Rechts (Lutealphase bzw. Sekretionsphase / 2. Zyklushälfte) stellt jeweils nur einen Teil der aufgebauten Schleimhaut dar.

N – Wie verändert sich der Zervixschleim?

Der Zervixschleim verändert sich zyklusabhängig und wird zum Eisprung hin immer mehr, dünnflüssiger und dann klarer. Der Eingang des Gebärmutterhalses öffnet sich vor dem Eisprung. Es geschieht also alles, um den Spermien das Eindringen zu erleichtern.

Durch eine gynäkologische Untersuchung lassen sich diese Faktoren problemlos überprüfen. Diese Untersuchungen können im Rahmen des Zyklusmonitoring durchgeführt werden.

Die Untersuchung des Zervixschleims lässt sich problemlos selbst durchführen. Mit etwas Übung kann man relativ schnell feststellen, in welcher Zyklusphase man sich befindet und wann der Eisprung unmittelbar bevor steht.

O – Was ist ein Postkoitaltest und wann macht man den?

Beim Postkoitaltest (PCT) wird die Verträglichkeit von Zervixschleim und Spermien überprüft.

Der Test ist umstritten, da negative Ergebnisse meist wenig Aussagekraft über die tatsächliche Verträglichkeit liefern. Das Ergebnis ist umso ungenauer, je weiter man vom Eisprung entfernt ist. Desweiteren sind die „guten Spermien“ zum Zeitpunkt des Tests bereits auf dem Weg zur Eizelle. Die toten Spermien, die man im Zervixschleim findet, hätten auch unter guten Voraussetzungen den beschwerlichen Weg nicht geschafft.
Dies sind die Gründe, warum viele Kinderwunschpraxen den Test standardmäßig nicht mehr zur Diagnostik durchführen. Falls man sich zu einem PCT entschließt, sollten folgende Faktoren unbedingt beachtet werden:
  • Der Test sollte möglichst nah am Eisprung durchgeführt werden. Der fruchtbarste Tag ist der Tag vor dem Eisprung.
  • Der PCT sollte spätestens 8-12 h nach dem Verkehr durchgeführt werden.
Es bietet sich folgendes Vorgehen an: Monitoring zur Vorhersage des Eisprungs, Auslösespritze zum idealen Zeitpunkt (vormittags), GV ca. 12 h nach Auslösespritze (spät abends), PCT ca. 10 h nach GV (morgens)

P – Woran erkennt man, in welcher Zyklusphase man ist?

Wenn man gezielt danach schaut, kann man an folgenden Dingen erkennen, in welcher Zyklushälfte man sich befindet:
  • Eierstöcke: Ein wachsender Follikel lässt sich von einem Gelbkörper unterscheiden. Ein Follikel ist glatt umgrenzt, ein Gelbkörper wolkig bzw. unregelmäßig.
  • Gebärmutterschleimhaut: Die Schleimhaut ist in der 1. Zyklushälfte dunkel und ideal von drei weißen Linien umgrenzt. Die beiden Schleimhauthälften lassen sich gut erkennen. In der 2. Zyklushälfte ist die Schleimhaut homogen hell.
  • Hormone: Der Progesteronspiegel gibt zuverlässig Auskunft darüber, in welcher Zyklushälfte man sich befindet. Ein Wert > 1 µg/l ist ein Hinweis auf einen stattgefundenen Eisprung.
Befindet man sich unmittelbar nach dem Eisprung, lässt sich das am Eierstock und der Gebärmutterschleimhaut nicht unbedingt erkennen. Ein geübter Betrachter kann mit einem guten Ultraschallgerät noch die freie Flüssigkeit im Bauchraum erkennen. Auch an Hand der Hormone lässt sich der Eisprung nachweisen.

Q – Wie stellen sich die Zusammenhänge und Abläufe im Zyklus graphisch dar?




2011 © clydesbonnie

Quellen: www.kinderwunsch.com, med4you.at, www.pharmawiki.ch

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Hier sind die älteren Threads zum NFP-Online-Kurs zu finden:

Lektion 1: der Menstruationszyklus [www.wunschkinder.net]
Lektion 2: Menstruation und Blutungen [www.wunschkinder.net]
Lektion 3: Fruchtbarkeit [www.wunschkinder.net]
Lektion 4: Chancen und Wahrscheinlichkeiten [www.wunschkinder.net]
Lektion 5: Methoden der Eisprungbestimmung / NFP [www.wunschkinder.net]


9 mal bearbeitet. Zuletzt am 29.11.12 01:22 von clydesbonnie.


  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    ^^GrueneGurke^^
Status:
schrieb am 28.08.2011 11:51
Einfach Top, nachher in Ruhe durchlesen muss.


  Kommentar und Hausaufgabe
avatar    clydesbonnie
schrieb am 28.08.2011 11:57
Hallo Mädels winken

diese Lektion sollte eigentlich schon vor ein paar Tagen online gehen, dann kam mir aber die Olle und mein TCM-Termin in die Quere und irgendwann habe ich dann noch gemerkt, dass man die Lektion Zyklusmonitoring nicht mit drei Sätzen abhandeln kann.

Es gibt doch immer wieder viele Fragen im Forum. Wie sind meine Werte? Wann muss ich zum Bluttest gehen? Wo steh ich im Zyklus, kann der Gyn das sehen? usw. ..

Nicht jede hier - eigentlich wohl eher wenige - machen Monitoring im Rahmen einer Stimulation für z.B. GVnP. Vielleicht steht es bei der ein oder anderen bald an - ich hoffe, ihr seid mit dieser Lektion dann gut vorbereitet und könnt verstehen, was da auf dem Monitor zu sehen ist und was die Hormonwerte bedeuten, die man ermittelt.

Wer zwecks Diagnostik beim Gyn einen Bluttest oder Ultraschall machen lässt, kann hier schauen, wann er gehen sollte. Die, welche das schon hinter sich haben: schaut doch mal, ob ihr zur richtigen Zeit dort wart und ob das, was an Laborwerten heraus kam, überhaupt aussagekräftig ist.

Die Seite med4you.at ist übrigens super! Da kann man nicht nur zu den zyklusabhängigen Hormonen viele wichtige und interessante Infos nachlesen. In der Liste finden sich fast alle Hormone, die auch sonst bestimmt werden und für die Fruchtbarkeit wichtig sind.

Viel Spaß beim Lesen smile

Eure Bonnie
(erzwungener Maßen in Stimu-Pause für zwei Tage - Freitag geht es zum Monitoring grins)


  Re: Kommentar und Hausaufgabe
avatar    Melanie1982
Status:
schrieb am 28.08.2011 12:09
  Werbung
  Re: Kommentar und Hausaufgabe
avatar    CrazyEye*
Status:
schrieb am 28.08.2011 12:11
  Re: Kommentar und Hausaufgabe
avatar    Beckimaus28
Status:
schrieb am 28.08.2011 14:26
Elefant Wow klasse gemacht und super erklärt.... Danke Bonnie knutsch


  Re: Kommentar und Hausaufgabe
avatar    Mi Emma
Status:
schrieb am 28.08.2011 14:34
....ach wie fleißig unsere liebe Bonnie wieder war Ich verneig mich- nicht das das Zyklusforum bald geschlossen wird, weil keiner mehr Fragen stellen mussLOL Hoffe, dass du trotz Vergesslichkeit (Kulturtasche) diesen Monat besonders belohnt wirst für deine Mühe.


  Re: Kommentar und Hausaufgabe
avatar    mave9
Status:
schrieb am 29.08.2011 08:06
  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    clydesbonnie
schrieb am 29.08.2011 10:30
Man merkt, dass noch Ferien sind grins

Den meisten, die sich am Anfang für den Kurs "angemeldet" hatten, ist wohl schon die Luft ausgegangen, dabei kommen die spannenden Lektionen doch jetzt erst LOL


  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    Nela
Status:
schrieb am 29.08.2011 11:35
Zitat
clydesbonnie
Man merkt, dass noch Ferien sind grins

Den meisten, die sich am Anfang für den Kurs "angemeldet" hatten, ist wohl schon die Luft ausgegangen, dabei kommen die spannenden Lektionen doch jetzt erst LOL


Hätte man sich anmelden müssen..? Hoppala, ich lese immer heimlich, illegalerweise ohne Zahlung von Anmeldungsbeiträgen,mit.grins

Verzeih, liebe Bonnie. Zahle dafür in Lobeshymnen:

Einfach großartig was du hier leistest. Top zusammengefasst und veranschaulichend dargestellt. Bin begeistert!


  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    clydesbonnie
schrieb am 29.08.2011 12:49
@ Nela

Nee .. hätte man nicht smile. Still mitlesen ist erlaubt. Zahlen muss niemand, auch nicht mit Lob.
Hatte mich nach der ganzen Arbeit nur gewundert, dass keine Fragen kommen wie sonst.


  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    Sizah
Status:
schrieb am 29.08.2011 13:13
Ganz toll mal wieder - danke!!!

Ich frage mich ob man all diese tollen Beiträge auch pinnen kann damit sie immer oben zu sehen sind? Das wär schon klasse ^^


  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    clydesbonnie
schrieb am 29.08.2011 14:23
@ Sizah

Ich fasse sie am Ende zusammen und hoffe, dass die Zusammenfassung mit den Links zu den Einzellektionen dann oben angepinnt wird.


  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
avatar    Sizah
Status:
schrieb am 29.08.2011 14:56
Oh das wär natürlich klasse, super danke!


  Re: NFP-Online-Kurs, Lektion 6: Zyklusmonitoring
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   helle
Status:
schrieb am 03.11.2011 12:46
Mensch, wie klasse ist das denn, vielen lieben Dank für diese enorme Mühe.

LG Helle




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