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  Mein kinderloses Leben...
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   Chorus
Status:
schrieb am 08.10.2019 15:27
Hallo an alle die mich (noch) kennen, ich war mal sehr aktives Mitglied für eine gewisse Zeit hier.

Hab mir immer geschworen, ich werde mich noch mal melden, um zu erzählen, wie es weitergegangen ist mit mir bzw. anderen kinderlosen Frauen/Paaren berichten, wie es ev. weiter gehen kann, wenn sich der Kinderwunsch einfach nicht erfüllen will.

Ich weiß, es gibt das Forum für den endgültigen Abschied vom Kinderwunsch, aber da muss man sich erst mal freischalten und das wird manche davon abschrecken...

Nach langer Zeit des Quälens (natürliche Versuche, 3xIFV, einer Kryo, 2 Eizellenspenden) haben wir uns entschlossen, dass wir aufgeben. Ich werde die Details hier nicht schreiben, wer eine Frage dazu hat, was alles passiert ist, kann gerne an mich eine PN schreiben oder meinen Benutzernamen aufrufen, ich habe viel geschrieben....

Aufgeben, ja, das war fast noch schwerer als die Behandlungen selber, und die waren schon eine große Belastung für mich, und damit meine ich nicht nur das Finanzielle, sondern auch psychisch und physich, die vielen Negativs, die Geheimhaltungen (insbesondere der EZS) und auch die ganzen tollen "Ich bin schwanger"-Meldungen aus Freundeskreisen. Nun, ich bin schon 44, so viele werden nicht mehr kommen, aber tatsächlich ist immerhin noch eine Freundin und meine Schwester schwanger geworden, als wir schon aufgegeben hatten und ich in tiefer Trauer war...

Was habe ich gemacht? Nun, mittlerweile glaube ich an das alte Sprichwort "Die Zeit heilt alle Wunden". Natürlich ist das schwer zu glauben, wenn man drinnen steckt und fast jeden Tag heulen muss, so ist es zumindest mir ergangen. Ich hab dann ja irgendwann zwischendurch angefangen, Gitarre zu lernen, mit Gitarrenstunde, sogar später in einer Gruppe, und das hat schon viel geholfen. Als sich dann die Gelegenheit ergab, 2 Katzenbabys zu adoptieren, haben wir die Gelegenheit genutzt und waren stolze "Eltern" unserer Kleinen - die natürlich sehr schnell erwachsen geworden sind. Sie machen uns aber immer noch sehr, sehr viel Freude, kuscheln viel mit uns und spielen - fast als wären sie tatsächlich unsere Kinder.

Aus diversen Gründen - insbesondere unserem Alter - bin inszwischen 44, mein Mann ist 46 - haben wir nie wirklich adoptiert oder Pflegekinder aufgezogen. Vor allem wollten wir nicht noch einmal in einer Wartestellung verharren, davon haben wir genug gehabt. Im Vergleich dazu - etwa 1 Woche nachdem wir den Entschluss gefasst haben, uns Katzen anzuschaffen, hab ich schon über Beziehungen die Kleinen vermittelt bekommen. Wir, die nicht gewohnt waren, sofort zu bekommen, was wir wollten, haben vor Freude fast geweint...

Ansonsten hat es - teilweise geplant, teilweise unabsichtlich - auch einige berufliche Veränderungen bei uns gegeben. Mein Mann hat sich neben seinem regulärem Job noch selbständig gemacht und ich selber unterrichte im Nebenjob inzwischen ein anderes Fach, das für mich noch spannender ist. Ich genieße es, einfach ein eigenes "Büro" zu haben und es nicht als Kinderzimmer auszubauen, auch, wenn ich das lieber als alles in der Welt aufgegeben hätte. Wir leisten uns zumindest einmal im Jahr einen Spitzenurlaub, bei dem wir nicht auf's Geld schauen. Und ein, zwei kleiner Urlaube noch dazu.

Tatsächlich hab ich vermutlich nicht so viel Druck wie andere, meine Eltern haben schon 5 Enkel und ev. kommen weitere dazu (ich bin die Älteste, und der jüngste Bruder ist noch nicht mal 30). Meine Gene, das sehe ich jetzt inzwischen auch ein wenig so, werden auch über meine Nichten und Neffen vererbt, tatsächlich hoffe ich inständig, im Alter nicht alleine zu sein, aber ich pflege die Kontakte... wohl wissend dass ich vermutlich länger lebe, man weiß es zwar nie...

Was ich früher nicht konnte, was das Relativieren, auch wenn man Kinder hat, ist natürlich nicht alles nur Sonnenschein, man hat vermutlich ein paar Problemchen mehr als früher, so was hab ich früher wie gesagt nicht gerne gehört. Die Pension ist für mich gedanklich nicht mehr so weit weg und anders als andere habe ich überhaupt kein Problem damit, in die Menopause zu kommen, wenn es dann mal soweit ist, denn die Mens hat für mich schon einen gewissen schalen Beigeschmack und ist inzwischen fast die einzige Zeit, in der ich noch in ein altes leicht weinerliches Muster komme.....

Die ganze Geschichte hat für mich vieles verändert, auch im Berufsleben bin ich öfters mal taffer als früher, Kritik etc. trifft mich nicht mehr so sehr. Natürlich wird man auch irgendwie etablierter, teilweise fast unentbehrlich je länger man irgendwo arbeitet. Und selbst eine Kündigung (hab ja 2 Jobs) würde mich nicht so hart treffen, da ich auf das Geld nicht so angewiesen bin. Sofern unser Gesundheitszustand es erlaubt, werden wir in der Pension dann noch länger verreisen und uns hoffentlich einen schönen Lebensabend gönnen könnnen. Aber ich mache jetzt schon vieles was mir gefällt, gehe Zumba, mache Yoga, nehme Gitarrenstunden etc.

Ja, ich würde sofort alles für ein Kind tauschen, aber alles werde ich halt nie haben können....in diesem Sinne wünsche ich allen die das hier lesen, viel Kraft, ob nun zum Weitermachen oder abschließen, und denkt daran, ihr seid nicht allein streichel


  Re: Mein kinderloses Leben...
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   HimbeerErdbeer
schrieb am 08.10.2019 22:19
Hallo Chorus,

ich habe öfter mal an dich gedacht und es freut mich, dass es dir gut geht. Schön, dass du dir so Vieles verwirklichst!

Viele Grüße
HimbeerErdbeer


  Re: Mein kinderloses Leben...
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   CaraHope
schrieb am 10.10.2019 08:30
Liebe Chorus,

ich finde es toll, dass du dich nicht einfach klammheimlich hier verabschiedest, sondern andere an deinen wertvollen Erfahrungen teilhaben lässt.

Ich wünsche euch von Herzen alles Liebe und Gute und dass sich noch viele schöne neue Möglichkeiten ergeben, die euer Leben bereichern! Da kommt sicher noch ganz viel, wenn man nur offen und vor allem neugierig ist und bleibt zwinker!

Viele Grüße winkewinke


  Re: Mein kinderloses Leben...
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   Chorus
Status:
schrieb am 10.10.2019 13:33
Danke HimbeerErdbeer und CaraHope,

ich kann mich noch gut an unsere Gespräche hier erinnern und möchte sagen, dass mir viel davon in meiner doch eher dunklen Zeit geholfen hat!

Vielleicht versteht ihr, dass ich ein bißchen Abstand brauchte, hab das Forum bewusst gemieden und so sind automatisch wieder andere Dinge in den Vordergrund gerückt. Hab mich wieder auch vermehrt um meinen Körper gekümmert, hab abgenommen, wobei ich eh nur leicht übergewichtig war, war viel spazieren, hab wieder neue Klamotten und und einen neuen Haarschnitt, hab etwas mehr Sport gemacht (z.B. Zumba ausprobiert etc). Ich glaube mein Körper hat ganz schön gelitten, jetzt ist mein Bauch wieder flach, wie er früher war, das hat sich ja damals durch die ganzen Medis ziemlich verändert.

Leider ist der Kinderwunsch nicht so leicht zu ignorieren, gelegentlich ist man halt doch mit einem Schwangerschaftsbauch und vor allem auch der Mens konfrontiert. Wobei es jetzt zumindest keine Schwangeren im unmittelbaren Freundes- und Verwandtschaftskreis gibt, aber mal hab ich eine schwangere Kundin usw... und in meinem Lehrer-Nebenjob ist zumindest immer mind. eine Kollegin schwanger oder es hängen Bilder von aktuellen Neugeborenen aus, bei über 100 Lehrpersonen an der Schule schon eigentlich normal...so ist halt das Leben, ich kann damit besser umgehen, aber so richtig gratulieren fällt mir immer noch schwer...


Würde mich freuen auch von euch zwei persönlich zu hören, gerne mal auch als PN, werde jetzt wieder öfter mal reinschauen.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.10.19 13:34 von Chorus.


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  Re: Mein kinderloses Leben...
avatar    Juna30
Status:
schrieb am 11.12.2019 15:36
Ich freu mich auch sehr, dich nochmal hier zu lesen.

Alles Gute weiterhin!


  Re: Mein kinderloses Leben...
no avatar
   fintastic
schrieb am 28.05.2020 21:08
Hallo Chorus,

Dein Beitrag ist stark!
Sehr inspirierend und motivierend!
Du scheinst eine sehr starke Persönlichkeit zu sein und es tut mir gerade gut Deine Worte zu lesen!

Mir wurde vor 2 Monaten die frühzeitige Menopause mit 37Jahren diagnostiziert und wir warn 1 Jahr in Kinderwunschplanung. Entsprechend ist die Welt über mir, unter mir und überall zusammengebrochen und ich hab mich wertlos, nutzlos und sinnlos gefühlt. Die reaktive Depression hält noch an und wir stehen davor zu überlegen ob wir all die Strapazien mit Eizellenspende angehen sollen (Adoption möchte mein Mann nicht) oder ob wir ein kinderloses Leben anstreben wollen.

Mir fällt es total schwer eine Entscheidung zu treffen (mein Mann überlässt es mir und macht bei allem mit)

Das ist sehr schwer für mich, da ich auch nicht weiß wo/wie/welches Institut für die Spende und es raubt mir aktuell einfach die energie.
Daher kam Dein Beitrag gerade recht...bzw. die Entdeckung dessen

Wenn Du weitere Gedanken hast, würde ich mich über einen Austausch sehr freuen.
Ansonsten alles gute für Dich un dden 2 Katzen (mein Mann ist gegen die Anschaffung von Katzen traurig)

Grüße
Fin


  Re: Mein kinderloses Leben...
no avatar
   Chorus
Status:
schrieb am 31.05.2020 18:11
Hallo Fin,

freut mich zu hören dass dir deine Worte gut tun! Letztlich ist es eine schwierige und sehr persönliche Entscheidung, ob man z.B. Eizellenspende macht oder nicht. Wir waren auch zunächste dagegen und dann doch dafür, mein Mann hat mir auch die Auflage gemacht, dass ich das - wenn ja - selber organsiere, was ich dann auch getan habe.

Obwohl das Ergebnis bei uns negativ war, habe ich die EZS doch noch als recht positiv im Gedächtnis, weil der Aufwand nicht so hoch war wie bei der IVF damals, man musste sich zwar auch Spritzen geben, aber nicht so viel, und die ganze Ultraschalle und die PU fielen auch weg. Aber ich denke mal, das kennst du gar nicht (?). Außerdem haben wir die EZS immer mit einem kleinen Kurzurlaub verbunden, unsere Klinik war ja in Barcelona. ABER: natürlich war es eine recht teure Angelegenheit, und ohne Erfolg...

Leider kann ich dir keine PN schreiben, sonst würde ich dir auch unsere Klinik dort nennen, aber, wie gesagt, vielleicht ist eine Empfehlung eh nicht gut, weil unser Resultat ja negativ war und abgesehen davon würde ich aktuell wegen Corona usw. Spanien eh nicht empfehlen bzw. geht es ja eh nicht...

Da du allerdings noch unter 40 bist, hast du noch etwas Zeit zum Nachdenken bzw. kannst du ja schauen, ob sich die Situation entspannt. Irgendwo in einem anderen Thread hast du gefragt, wieso jemand nicht adoptiert, naja, also zumindest bei uns war es auch, dass wir da beide Hemmungen gehabt haben bzw. war es auch einfach das Alter, in dem Adoption sowieso schwer ist.

Also ich kann dir nur raten, mal ein bißchen Pause zu machen, es dir gut gehen zu lassen und alles in Ruhe zu überdenken. Es können viele Wege zum Ziel führen, jeder Weg kann richtig sein - oder auch falsch. Uns hat es gut getan, alles versucht zu haben, was wir uns vorstellen konnten - so konnten wir etwas leichter abschließen - war aber immer noch schwer genug.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.06.20 15:02 von Chorus.


  Re: Mein kinderloses Leben...
no avatar
   fintastic
schrieb am 03.06.2020 12:51
Hallo Chorus,

danke Dir für Deine Worte smile

Du triffst es auf den Punkt, das Gefühl zu haben, man hat vieles versucht hilft einem im Prozess des Abschied nehmens.
Ich lass es langsam auch auf mich zukommen und informiere mich und lese mich in diese gesamte Thematik ein.

Das hilft zumindest, das man nicht ein Sonderling ist, sich ausgegrenzt fühlt smile

Danke Dir!

p.s. für PN muss ich hier ein Account haben oder? Ich versuch es gleich mal einzurichten




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