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  Hin und hergerissen, letzten Versuch für Geschwisterchen wahrnehmen oder nicht?
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   me79
schrieb am 26.07.2019 08:51
Hallo,

Ich plage mich gerade herum, ob mein Geschwisterchenwunsch noch aktuell ist oder nicht... Ich kann es weder mit ja noch mit nein beantworten.
Ich schreibe bewusst "mein", weil es für meinen Mann so passt wie es ist, er mit unserer Tochter überglücklich ist und alles andere nur eine Draufgabe wäre, aber nicht sein muss. Für ihn ist also alles perfekt wie es ist, er wäre bei einem weiteren Versuch natürlich überzeugt dabei, es muss für ihn aber nicht sein.

Und nun zu mir:
Ich war insgesamt 4 mal schwanger und wir haben 1 Tochter, die bald 5 wird.
Ich hatte in allen Schwangerschaften von Beginn an Blutungen. Die zweite Schwangerschaft war eine Cervixschwangerschaft. Die dritte Schwangerschaft bescherte uns unsere Tochter. Hier hatte ich heftige Sturzblutungen, musste die erste Hälfte der Schwangerschaft liegen. Sie kam 5 Wochen zu früh und hatte Anpassungsschwierigkeiten. Heute ist sie zum Glück topfit.

Ich brauchte dann recht lange, um mich wieder drüber zu trauen. Unsere Tochter war als Baby auch sehr anstrengend, in dem Sinne, dass sie ständig Körperkontakt brauchte. Einerseits schön, andererseits anstrengend. Sie ist auch heute noch sehr nähebedürftig, wünscht sich aber sehr ein Geschwisterchen.

Letzten Herbst starteten wir einen Kryoversuch. Ich wurde schwanger, verlor das Kind aber in der 8. Woche unter extremsten Blutungen, die nur mit einer Not-Curretage gestoppt werden konnten. Leichte Blutungen gingen schon vor dem positiven Test los und ab da hatte ich täglich Schmierblutungen.
Meine Frauenärztin vermutet, dass mit meiner Schleimhaut irgendetwas nicht stimmt und eine Abstossreaktion hervorgerufen wird. Dies ist bislang aber noch nicht erforscht.

Die letzte Chance für einen IVF-Fonds-gestützten Versuch besteht im September. Ich muss mich also entscheiden.

Zugegebener Weise denke ich, ob wir nicht zu alt sind (bei der Geburt dann fast 41 und mein Mann fast 47). Ob wir wirklich nochmal von vorne anfange wollen? Ob ich den tollen Job, den ich nach der Karenzzeit gefunden habe riskieren soll. Ob ich dann noch meiner Tochter, die dann fast 6 sein würde, gerecht werden kann (wir unternehmen viel gemeinsam). Ich denke, dass es uns momentan super geht und eigentlich alles perfekt ist. Dann natürlich die Angst, dass die Schwangerschaft (sollte sie zustande kommen), wieder schwierig verlauft, ich liegen muss. Oder wieder eine traumatisch FG einsetzt, ob ich die Kraft dafür habe? Ob wir nicht einfach dankbar sein sollen über das, was wir haben.

Und dann kommt der Gedanke, ob ich es nicht in 6 Monaten oder 3 Jahren bereue, die letzte Chance nicht genutzt zu haben? Mich zu fragen, ob es nochmal geklappt hätte? Ich denke auch oft, dass ich mir für meine Tochter einen Bruder oder Schwester an der Seite wünsche (obwohl niemand sagen kann, wie sich Geschwister verstehen)...

Ich komme auf überhaupt keinen grünen Zweig..

Danke fürs Lesen.
lg, me79


  Re: Hin und hergerissen, letzten Versuch für Geschwisterchen wahrnehmen oder nicht?
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   Belalo
schrieb am 27.07.2019 13:11
Hey,
ich würde an deiner Stelle eine Liste mit allen Vor- und Nachteilen anfertigen, dafür würde ich mir ein paar Tage Zeit nehmen und alles aufschreiben, dann kannst du besser abwägen.
Du Liste solltest du aufbewahren, damit du deine Entscheidung auch im Nachhinein noch nachvollziehen kannst.
Gruß
Belalo


  Re: Hin und hergerissen, letzten Versuch für Geschwisterchen wahrnehmen oder nicht?
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   lilimarleen
Status:
schrieb am 29.07.2019 10:41
Liebe me,

das ist wirklich eine schwierige Situation, da es bei Dir ja nicht mit einer weiteren Schwangerschaft "getan wäre", sondern diese dann auch noch risikobehaftet und mit erheblichen Einschränkungen verbunden wäre.
Deine Tochter ist schon älter als mein Sohn, deshalb kann man es vielleicht nicht so gut vergleichen und sie wäre vielleicht verständnisvoller, muss/will nicht mehr hochgehoben werden usw.

Meine Ausgangslage war bis vor zwei Wochen ähnlich. Meine Geschichte kannst Du in der Signatur sehen. Ich finde es traurig, dass mein Sohn kein Geschwisterkind haben wird, für meinen Mann ist das okay, so wie es ist. Eine neue Schwangerschaft wäre wahrscheinlich schnell erreicht (werde gut spontan schwanger), aber ob sie bleibt, ist mehr als unsicher. Das Leben mit Kind stresst mich oft, ich bin froh, wenn wir Aktionen wie Windeln, Stillen, Fläschchen usw alle hinter uns gelassen haben, freue mich auf jeden Entwicklungsschritt, mit dem er mehr redet, mitarbeitet, selbständig wird, nicht mehr so abhängig von mir ist. Auch da bin ich mir unsicher, ob ein neues Baby bei uns so richtig wäre. Aber dann sehe ich die Kinder mit kleinen Geschwistern und denke, dass ich es ihm "antue", allein aufzuwachsen. Was rational betrachtet Quatsch ist, weil er sich pudelwohl fühlt und mich mein kleiner Bruder auch immer nur genervt hat, Aber dieses Piksen im Herzen bleibt. Oder blieb - denn oben habe ich geschrieben bis vor zwei Wochen. Denn da ist etwas ganz schreckliches passiert - meine Freundin hat ihr Baby in der 38. SSW verloren und es war und ist so furchtbar. Ihn kleiner Junge ist so alt wie mein Sohn, und allein der Gedanke daran, wie er mitbekommen musste, dass sein Brüderlichen gestorben ist, macht mich fast verrückt. Da wurde mir klar, dass ich meinem Kind keine Risikoschwangerschaft, vor allem aber nicht ein "verlorenes Geschwisterkind" antun möchte. Wenn meine Vorgeschichte unkompliziert wäre, sähe das vielleicht anders aus.

Aber Du hast ein ungeklärtes Risiko, weißt den Grund für die Probleme mit der Schleimhaut nicht (wenn es überhaupt die Ursache ist) und wenn Du es wüsstest gäbe es ja keinen Weg, das richtig zu behandeln. Was also, wenn die Schwangerschaft länger dauern würde, als bis zur achten Woche? Was, wenn Deine Tochter sich aufs Baby freut, ihm Bilder malt, das Zimmer mit einrichtet und dann erfahren muss, dass es nicht gut ausgegangen ist? Ich persönlich konnte die Frage für mich mit einem klaren nein beantworten - ich möchte niemals, dass mein Sohn so einen Verlust erleben muss. Abgesehen davon, dass ich selbst das auch kaum verkraften würde und mein Mann auch nicht. Das wiegt für mich schwerer als alle Geschwistergedanken. Deshalb haben wir mit dem Tod des kleinen T. auch mit unserem Geschwisterwunsch abgeschlossen. Etwas traurig, aber auch mit Vorfreude, auf die Dinge die wir bald unternehmen können (Reisen, Harry Potter vorlesen, Kinobesuche, endlich wieder Wandern und Bergsteigen, usw.). Und die wir mit Baby alle nicht hätten bzw. noch eine ganze Weile verschieben müssten.

Ich hoffe, Ihr trefft die für Euch richtige Entscheidung. Und wenn Ihr es dennoch wagen solltet, wünsche ich Dir und Euch ganz viel Glück!

LG, Lili


  Re: Hin und hergerissen, letzten Versuch für Geschwisterchen wahrnehmen oder nicht?
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   me79
schrieb am 29.07.2019 11:02
Hallo,

Danke für eure Antworten!
Die Liste existiert schon seit 2 Wochen, die Nein-Seite dominiert, aber trotzdem bringt es mich zu keiner Entscheidung.

Das was mich am ehesten abhält ist tatsächlich das ungewisse gesundheitliche Risiko.. Bei der 1. FG dachte man, dass die Blutung daher kam, weil die Schwangerschaft einfach nicht intakt war. Bei der 2. Schwangerschaft aufgrund der Cervixschangerschaft (was eigentlich kein Grund für so frühe Blutungen ist), bei der 3. Schwangerschaft dachte man (3 Monate nach der Cervixschangerschaft), dass ein Blutgefäß bei der Cervix-SS in Mitleidenschaft gezogen wurde (denn ich blutete wirklich heftigst, als hätte mich jemand - entschuldigung für den Ausdruck - abgestochen). Nachdem es auch jetzt, 5 Jahre später wieder mit Blutungen losging und die FG natürlich nicht zu schaffen war (zum Schluss HB von nur mehr 7), hat meine FA den Verdacht auf eine Störung der Schleimhaut geäussert. Dieses Phänomen sei jedenfalls wissenschaftlich noch nicht untersucht und belegbar... Tja...

Unsere Tochter ist schon sehr verständig und beschäftigt sich viel alleine, trifft sich selbständig mit den Nachbarkindern, hat Hobbies... Abgesehen von der Einschlafbegleitung braucht sie mich tagsüber nicht mehr recht viel... Man kann natürlich schon viele Dinge mit ihr machen, tolle Urlaube und Ausflüge, wir gehen reiten etc.. Wie schon gesagt, haben wir es wirklich perfekt.

Aber ich habe einfach Angst, dass es mir wieder schlecht geht, dass ich mich nicht um sie kümmern kann, oder eben auch, dass es erst zu einem späten Zeitpunkt schief geht.

So blöd es jetzt klingt, aber machmal denke ich, am liebsten wäre es mir, wir versuchen es und es wäre von Anfang an negativ.
Dann müsste ich mich später nicht fragen, was draus geworden wäre.

Wir haben zwar noch 3 Blastozysten auf Eis, davon 1 sehr schöne (A-Qualität), aber zumindest steht für mich fest, dass es für mich der letzte Versuch ist, denn mehr als 1 mal würde ich es nicht mehr durchstehen.

Im August haben wir ein Gespräch in der Kiwu.. Ich hoffe ich erlange spätestens bis dahin Klarheit..

lg, me79


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  Re: Hin und hergerissen, letzten Versuch für Geschwisterchen wahrnehmen oder nicht?
avatar    Her-Mina
Status:
schrieb am 23.08.2019 19:35
Hallo me, wie war euer Termin? Habt ihr es nochmal gewagt?
Liebe Grüße
Hermina


  Re: Hin und hergerissen, letzten Versuch für Geschwisterchen wahrnehmen oder nicht?
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   me79
schrieb am 04.09.2019 09:08
Hallo,

Wir haben uns gegen eine weitere Behandlung entschieden. Mein ganzes inneres Ich sträubte sich schon, überhaupt zu dem Termin in die Kiwuklinik zu gehen. Ich habe festgestellt, dass sie Angst vor neuen Komplikationen zu groß ist. Und dass die Wahrscheinlichkeit auf eine komplikationslose Schwangerschaft bei meiner Vorgeschichte eher nicht gegeben ist, hat sich nun unabhängig durch 2 Ärzte bestätigt. Das will ich weder mir, noch meinem Mann und schon gar nicht unserer Tochter zumuten. Manchmal muss man auch dankbar und demütig sein, für das was man hat. Eine wundervolle Tochter, die unsere Herzen jeden Tag jubeln lässt. Auch eine gesunde Tochter, was bei ihrer Schwangerschaft und Geburt (AGPAR Werte 0-0-1) nicht selbstverständlich ist.
Ich bin gerade dabei, trotzdem das nicht hinzugekommene Geschwisterkind zu betrauern und zu verabschieden (denn es war ja schon da, mit Herzschlag), dennoch weiß ich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

LG, me79




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