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  wie umgehen mit Großfamilien?
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  Serenity
schrieb am 22.07.2015 15:18
Ihr Lieben,

es ist länger her, dass ich hier geschrieben habe. Ich habe versucht, mit dem Thema "zweites Kind" abzuschließen, aber es will mir einfach nicht gelingen.

Vor eineinhalb Jahren hatte ich eine (gnädigerweise frühe) Fehlgeburt, danach hatte ich das Gefühl, es soll einfach nicht nochmal sein. Meine Partnerschaft ist eher schwierig, weil wir beide aus hochgradig dysfunktionalen Familien kommen und mit diversen Altlasten kämpfen. Ich habe zwischendurch immer stärker das Gefühl gehabt, ein zweites Kind würde all die Probleme nur noch vergrößern. Beruflich erfüllte sich dafür im letzten Jahr ein großer Wunschtraum, der mich riesig glücklich gemacht hat und immer noch macht. Es ist also nicht so, dass mein Leben unerfüllt wäre.

Aber die Wahrheit ist, dass ich immer noch traurig bin, mit dem Thema immer noch nicht abschließen kann. Es macht mich immer wieder fast depressiv, dieses hätte-ich-nur-was-wäre-gewesen-wenn...

Mitten in diese traurigen Gefühle hinein hat mich gerade eine Freundin besucht, die ich vor bald fünfundzwanzig Jahren kennengelernt habe. Wir haben uns zwischendurch für ein paar Jahre komplett aus den Augen verloren, und als ich vor ein paar Monaten wieder Kontakt zu ihr aufgenommen habe, wusste ich noch nicht, dass sie inzwischen drei Kinder hat. Sie ist spät, mit dreiundvierzig, nochmal überraschend schwanger und also ein drittes Mal Mutter geworden. Als ich das gehört habe, hat es mir komplett den Boden unter den Füßen weggezogen, und ich habe es wirklich bereut, den Kontakt wieder aufgenommen zu haben. Weil es mir aber auch falsch vorkam, den Kontakt erneut abzubrechen, habe ich ihn gehalten. Jetzt war sie da. Ihre Kinder sind toll, aber ich habe diesen Besuch kaum ertragen, vor allem, weil sie ständig davon redet, wie toll es ist, so viele Kinder zu haben. Ach ja, und wenn sie nicht langsam zu alt wäre, würde sie noch ein viertes und ein fünftes wollen.Logistische Probleme, die sonst eher mal mit vielen Kindern einhergehen, sind weit und breit nicht zu sehen: ein Mann, der sehr viel Geld verdient, Haushaltshilfe, Kindermädchen, ausreichend großes Auto, Privatschulen...

Als sie mir von ihren (gravierenden) Eheproblemen erzählt hat, kam der sehr hässliche Gedanken in meinen Kopf, na wenigstens Eheprobleme haste.

Ist das nicht schrecklich? Warum denke und vergleiche ich so? Warum fühle ich mich wie ein Versager, weil ich "nur ein Kind" habe, als wären mehr Kinder eine größere Lebensleistung? Ich will, dass das aufhört, ich will wieder glücklich sein mit meinem Leben und meinem tollen Kind, und es gelingt mir nicht. Ich bin wie besessen von dem Thema und weiß nicht, wie ich das abstellen soll. Ich habe Schuldgefühle meinem Kind gegenüber, weil es nie die Vertrautheit mit einem Geschwister erleben wird. Ich habe selbst auch keine Geschwister, so dass da weit und breit kaum Familie ist, und manchmal fühlt sich das so an, als täte ich meinem Kind dadurch wunder was an, als müsse es zwangsläufig unglücklich werden deshalb und ich war zu blöd, das zu verhindern...

Heute habe ich mir gedacht, dass ich doch gern mal zum Psychologen gehen will mit dem Thema, denn alleine schaffe ich es irgendwie nicht, die traurigen, trostlosen, bitteren Gedanken abzustellen. Ich will so nicht sein.

Ich weiß auch nicht, wie ich mit diesem Kontakt umgehen soll. Meine Freundin weiß davon, dass ich vor eineinhalb Jahren eine Fehlgeburt hatte. Ich werde jetzt 45. Damit könnte klar sein, dass ich gern ein zweites Kind gehabt hätte, und dass es in meinem Alter wohl nichts mehr wird. Ich bin so durcheinander, dass ich nicht mal mehr weiß, ob es blöd von mir ist, wenn ich mir nicht anhören will, wie toll es ist, viele Kinder zu haben. Ich will es mir nicht anhören! Ich will keine Großfamilien um mich herum! Am liebsten würde ich den Kontakt wieder einstellen und finde mich gleichzeitig dumm und unreif deshalb.

Habt ihr ein paar aufmunternde Worte für mich?

Liebe Grüße

Serenity


  Re: wie umgehen mit Großfamilien?
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  Alw a
schrieb am 23.07.2015 20:15
Ist denn wirklich alles so perfekt bei ihr? Ich hätte auch gerne Geschwister gehabt, und ich hätte gern ein zweites Kind gehabt. Aber mich holt es immer wieder auf den Boden zurück, wenn ich mir mal genau ansehe, wie das mit drei Kindern so ist - dass häufig zwei Kinder eng zusammenhalten, das dritte ausgeschlossen ist. Dass Geschwister nicht in jedem Fall wirklich miteinander spielen. Üble Streitereien ums Erbe. Usw. Jeder hat sein eigenes Leben mit positiven und negativen Seiten. Und Geschwister zu haben, dass kann Segen und Fluch sein. Du weißt nicht, ob Du Deinem Kind mit einem Geschwisterchen einen Gefallen getan hättest, oder ob die beiden sich gehasst hätten und Du Deinem Kind dadurch nur einen Anteil Mama geklaut hättest. Schau, dass Dein Kind mit anderen Kindern zusammenkommt und dass Du ihm eine verlässliche Mutter bist. Das ist wichtig für die Entwicklung. Einzelkinder entwickeln sich genau so gut wie Kinder mit Geschwistern, da gibt´s x Artikel dazu im Internet. Also kein schlechtes Gewissen haben für etwas, von dem Du gar nicht weißt, ob es Deinem Kind gutgetan hätte! Und wenn Deine Freundin so betont, wie toll die drei Kinder sind, dann kommt mir das etwas seltsam vor, so als ob sie damit etwas kompensiert - dass sie es z.B. nötig hat, sich das selbst einzureden, weil sie nicht ganz daran glaubt, oder dass sie sich Dir gegenüber aus anderen Gründen minderwertig fühlt, warum auch immer, irgendetwas eben. Ihr Problem, nicht Deins.


  Re: wie umgehen mit Großfamilien?
avatar  patty 2
Status:
schrieb am 24.07.2015 12:44
Huhu,

es tut mir leid, dass du dich gerade so schlecht fühlst.
Der Abschied vom Kinderwunsch, egal ob 1. oder 2. Kind, ist ein Prozess. Dieser verläuft in Wellen, deshalb finde ich deine aktuelle Traurigkeit und deine "bösen" Gedanken nicht so ungewöhnlich.
Natürlich möchte man nicht "so" sein, aber wir haben alle in uns diese unangenehmen Anteile, mal sind sie mehr da und mal nicht.
Du hast deine Freundin schon lange nicht mehr gesehen, wenn ich es richtig verstanden habe, dann seid ihr euch noch fremd und lebt in unterschiedlichen Lebenswelten. Was verbindet euch außer die Vergangenheit? Was gefällt dir an deiner Freundin, dass sich ein weiterer Kontakt lohnen würde?

Zitat

Aber die Wahrheit ist, dass ich immer noch traurig bin, mit dem Thema immer noch nicht abschließen kann. Es macht mich immer wieder fast depressiv, dieses hätte-ich-nur-was-wäre-gewesen-wenn...

Deine Traurigkeit wg. dem nicht erfüllten Kinderwunsch war sicherlich auch ohne das Auftauchen der Freundin da. Deshalb wäre es vielleicht hilfreich, dass du diese zwei Dinge voneinander trennst.
Natürlich kannst du Großfamilien meiden, aber bringt es dich in deiner Trauer und deinem Abschiedsprozess weiter?

Wie geht dein Mann mit dem nicht erfüllten Kinderwunsch um und wie sprecht ihr zusammen über das Thema?
Wie stellst du dir einen gelungenen Abschied vor?

Zitat

Ich will, dass das aufhört, ich will wieder glücklich sein mit meinem Leben und meinem tollen Kind, und es gelingt mir nicht.

Was bedeutet "glücklich sein " für dich, woran würdest du erkennen, dass du glücklich bist?
Was wäre dann für dich/ euch anders?

Ich finde es gut, dass du dir Unterstützung holen möchtest, dann hättest du für dich und deine Trauer einen Raum. Kennst du in deinem Umfeld jemanden dem es ähnlich wie dir geht?

Alles Gute


  Re: wie umgehen mit Großfamilien?
no avatar
  Anonymer Benutzer
schrieb am 09.10.2015 14:24
Hallo Serenity,
wenn ich Dir eingestehe, dass ich noch bösere und tadelnswerte Gedanken beim Anblick der Großfamilien hege, würde es Dich ein bisschen beruhigen? Ich denke gleich an Kaninchen. Der Gedanke, den ich gleich zu verscheuchen versuche. Ich schäme mich. Und denke trotzdem weiter so. Denn die Situation bei mir ist härter als bei dir. Wir haben schon eine EZS-Behandlung in Kiew geplant. Mit der Schwangerschaft klappt es einfach nicht. Beziehungsweise nicht einfach. Mein Mann will sich nicht untersuchen lassen. Und die einzige Hoffnung ist, dass wir BEIDE im Ausland untersucht werden. Also Kinderlosigkeit + Eheprobleme.
Verschwende jetzt keine Gedanken auf andere „glücklichen“ Familien, weil jede, aber jede ihre Probleme hat, und konzentriere dich auf dein Kind. Wenn Du nur einem Kind so viel Liebe schenkst, wie Du nur kannst, wird es denn schlimm, dass es nur ein Kind von der Liebe profitieren wird?
Wenn Du auch nur ein Menschlein auf dieser Welt glücklich machst, wird es schon viel.
Viel Glück Dir!
Malu




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