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  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  015Titus
schrieb am 06.04.2015 18:27
Liebe Michamaria

Danke für deine Antwort und deine mitfühlenden Worte

Wir „Pausieren“ ja im Prinzip durch mich. Aber von einer längeren Pause will meine Frau nichts wissen. Ihre innere Uhr tickt ziemlich laut, und sie hat Angst, das ihr die Zeit wegläuft.

Und meine Frau will klar beides. Unsere Beziehung und die Erfüllung des Kinderwunschs.

Ich bin der böse in dieser Geschichte, weil ich vom Kinderwunsch Abstand genommen habe und dadurch alles in Frage stelle, eben ein „oder“ aus dem „und“ gemacht habe.

Ob ich mich Beruflich umorientiere weis ich noch nicht. Um zu beurteilen wie es mir dann geht muss ich erst einmal ein wenig in diesen Schuhen laufen. Davon abgesehen ist ein Berufswechsel auch nicht gerade einfach und ich mag es eigentlich sehr mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  Chorus
Status:
schrieb am 07.04.2015 08:51
Ich muss sagen, die Aussagen von "Osterhase" fand ich ziemlich krass. Ja, die KiWu-Kliniken arbeiten schon sehr frauenzentriert und ich war anfangs auch sehr irritiert von der Aussage des Arztes dort, dass es vermutlich einfach an meinem Alter liegt (war damals 38, aber habe ja schon länger geübt).

Ich hatte ja hervorragende Hormonwerte von meiner FÄ bescheinigt, während das SG von meinem Mann "grenzwertig normal" war. Zudem gibt es in meiner Familie viele Spätgebärende, meine Mutter hat noch mit 43 einen gesunden Jungen bekommen. Und dann gab es noch 2 Uromas von mir die mit deutlich über 40 noch Mama geworden sind (eine hatte ihr letztes Kind mit 46 bekommen, auch noch ein Junge).

Was den Job betrifft, so geht es dir vielleicht damit besser, bei mir war das Problem die Vereinbarkeit mit den vielen Terminen und die Gedanken, die immer abschweiften, und die Tatsache, dass ich mich kaum selber motivieren konnte (angehende Depression? Hormone?) geschweige denn pubertierende Teenager. Einmal hatte ich einen Transfer zwischen 2 Unterrichtsstunden, in der Mittagspause! Ich musste das Handy auf das Pult legen, um auf den Anruf zu warten, ob mein Blasto überlebt hatte (hat er aber!).

Ich kann dir nur sagen, wenn du pausieren willst, pausiere. Auch du musst dir wahrscheinlich Termine freischaufeln, nicht nur deine Frau. Und vor allem solltest du kein schlechtes Gewissen haben, wenn du jetzt nicht willst, versprochen?!?! Das Leben sollte nicht nur aus Kinderwunsch bestehen. Wir sind z.b. jetzt mal 3 Tage nach Madrid gefahren. Einfach so, mein Mann musste sich extra Urlaub nehmen. Und der tolle Sommerurlaub nach Dom.Rep. ist auch gebucht. Das Leben muss einfach weiter gehen, und deine Frau hat es vielleicht noch nicht ganz verstanden. Wenn das Schicksal dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus....


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  015Titus
schrieb am 07.04.2015 10:50
Liebe Chorus

Danke für deine lieben Worte.

Du hast durchaus recht was die Motivation anbelangt. Aber bisher hat es mir geholfen, das sich zu viele Menschen darauf verlassen und auch angewiesen sind das ich mich zur Arbeit scheuche. Es ist auch ein unterschied was deine Aufgabe bei der Arbeit ist. Als Lehrer musst du den Karren ziehen, die Schüler motivieren und den Stoff aufarbeiten Du stehst im Zentrum der Klasse. Ich arbeite mit Gruppen die, wenn ich sie angestoßen habe oft von selber auf ihrer Eigendynamik weiterkommen und ich sie dann mehr begleiten als anschieben muss. Dabei entsteht einfach eine Art selbsterhaltendes System auf dem ich teilweise einfach aufspringen kann.

Danke, für deinen Tröstungsversuch, das ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauche. Leider habe ich das Gefühl, und da sind wir auch wieder bei der Aussage von Osterhase, das ich meiner Frau Zeit „stehle“ weil ich stillstehe.

Da mein Gestriger Post heute irgendwie nochmal hier gelandet ist, hab ich in einfach überschrieben.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 07.04.15 11:13 von 015Titus.


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  Chorus
Status:
schrieb am 07.04.2015 12:22
Das mit der Zeit stehlen ist so eine Sache. Es ist ja auch deine Zeit, obwohl deine biologische Uhr halt nicht so laut tickt.

Zum Thema Osterhase: Ich persönlich gehe immer davon aus, dass von den Mio. Spermien der Männer schon ein paar gute Spermien dabei sind, solange das SG halbwegs okay ist, und speziell bei einer ICSI kann man ja dann auch aussortieren ... Bei Frauen ist die Sache nicht ganz so einfach, wir haben ja nicht so viele EZ pro Monat, da muss dann DIE perfekte Eizelle dabei sein.


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  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  Maigloeckchen11
schrieb am 07.04.2015 20:55
Hallo Titus,

2 Aspekte meinerseits:
Zum einen ist meine Überzeugung, dass nicht jeder sich Kinder gleich stark wünscht. Manche möchten gar keine Kinder, das eine Ende der Skala. Auch Paare, die wenn es nicht gleich klappt, den Kinderwunsch gar nicht weiter verfolgen, weil sie sagen, dass es auch so o.k. ist. Die "nicht einmal" beim Arzt irgendwelche Sachen abklären lassen, weil ihnen Kinder nicht so wichtig sind. Um am anderen Ende der Skala diejenigen, die jahrzehntelang alle Kraft, alles Geld, kurzum, alle Ressourcen in den KiWu stecken. Und dazwischen gibt es eben viele Abstufungen. Und Paare bestehen ja nunmal immer aus 2 Menschen, die für sich das Richtige finden müssen - oft einen Kompromiss, denn mal möchte der eine, mal der andere mehr Energien in den KiWu stecken, so wie bei Euch, ich denke, das ist nicht ungewöhnlich.

Ich glaube, nach Beobachtung bei mir aber auch bei anderen Frauen, dass der Wunsch nach einem Kind bei einer Frau noch elementarer sein kann, als bei einem Mann. Das soll nicht heißen, dass Du Dir nicht auch ganz doll Kinder wünschst, schon Dein Beruf zeigt ja Dein Interesse.

Und der zwiete Aspekt: Du hast das Gefühl, Deine Frau sei stärker als Du. Ich kenne Euch nicht, möchte aber eine andere mögliche Sichtweise aufzeigen:

Wenn Deine Frau mit den Versuchen, ein Kind zu bekommen, (noch) nicht aufhören kann, kann man das auf 2 Arten bewerten:
1. Sie ist so stark, dass sie weitermachen möchte.
2. Sie ist zu schwach, aufhören zu können, weil sie sich nicht mehr zutraut, ohne Kind glücklich sein zu können.

Ich habe schon von einigen Frauen im Forum gelesen, dass es für sie einfacher ist, weiterzumachen, als aufzuhören - ich bin da wohl auch so eine. Die Wartezeit zwischen Versuchen ist für Viele schrecklicher als die Versuche, denn da hat man das Gefühl das es gar nicht vorangeht. (Wobei die akute Trauerphase nach einem Negativ dennoch das Schlimmste ist.)

Was ich toll finde, ist, dass Du sagst, dass Ihr im Dialog bleibt - das ist meiner Meinung nach das Wichtigste, denn dann habt Ihr eine Chance, als Paar glücklich zu bleiben, wie auch immer sich Eure KiWu-Geschichte weiterentwickelt.

Alles Gute!
Maiglöckchen


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  015Titus
schrieb am 08.04.2015 22:12
Hallo Chorus, hallo Maigloeckchen

Danke für eure lieben Worte.

Du hast recht mit dem, was du über die Spermien und Eizellen sagst liebe Chorus. Aber ich finde das auch Osterhase recht hat wenn sie sagt, das die Ärzte diese Möglichkeit zu schnell ausschließen. Und das, obwohl sie selber sagen, das alle Kriterien mit denen Sie gutes oder schlechtes Sperma differieren für die tatsächliche Qualität nicht wirklich aussagekräftig sind. Das lahmste und deformiertest Spermium kann das perfekte Erbgut in sich tragen während der schnellschwimmende Schönling ein genetischer Rohrkrepierer ist. Das ist allerdings vermutlich nicht die Regel.

Das was du beobachtet hast liebe Maigloechen deckt sich ziemlich genau mit dem was beobachtet habe. Und ich finde das du es sehr gut getroffen hast wenn du von einem elementaren Kinderwunsch sprichst der vor allen bei vielen Frauen sehr ausgeprägt ist. Wie ich jetzt weiß, auch bei meiner.

Was deine Vermutung anbelangt, würde ich sagen, klar beides. Sie ist noch so stark, dass sie weitermachen möchte aber zu schwach um aufhören zu können.

Tja und der Dialog mit ihr. Die letzten Gespräche liefen immer darauf hinaus, dass wir weiterhin uneinig, unsere Positionen aber klar sind. Das letzte vor zwei Tagen. Weitergebracht hat uns auch das nicht. Seit dem ist es sehr leise in unserer Wohnung.


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  Impala-34
Status:
schrieb am 09.04.2015 11:14
Und wenn Ihr eine Embryonenspende in Betracht zieht? Dann wäre das Kind genetisch von keinem von Euch beiden. Das würde genetische Probleme sofern sie bei einem von Euch vorhanden sind ausschließen. Eine Garantie für eine Schwangerschaft ist es aber nicht.

LG

Impala


Zitat
015Titus
Liebe Osterhase,

Du bist mir nicht zu nahe getreten, sondern äußerst da etwas, was mir auch durch den Kopf geistert.

Die Untersuchungen bei mir beschränkten sich tatsächlich auf drei Spermiogramme, Blutanalysen wegen übertragbaren Krankheiten und der Humangenetische Untersuchung alles in Ordnung. Ich habe bei den Gesprächen immer wieder einmal nachgefragt, ob es auch an meinem Samen liegen könnte was von Seiten der Ärzteschafft immer wieder schnell vom Tisch gefegt wurde.

Insofern gebe ich dir Hundertprozentig recht das sich die Mediziner die Sache da zu einfach machen. Ich hoffe, dass du nicht denkst, dass ich meiner Frau irgendwelche Schuld anlaste, dem ist nicht so.

Deine Sätze:
„Vielleicht würde deine Frau mit einem anderen Mann schon längst Kinder haben....!“ und
„Sie hat sich von ihrem Mann scheiden lassen, dessen medizinischen Parameter ja alle so super waren...! Diesen Schritt der Trennung zu gehen, so sagt sie es heute, war ihr großes Glück!!!!“ und
"Wenn Du nicht mehr magst und deine Frau wird auf natürlichem Wege auch schwanger , dann nimm ihr nicht die Zukunft auf Kinder !!!"

Tuen mir im Moment ziemlich weh, helfen mir aber auch bei meinen Überlegungen und werden von mir berücksichtigt werden. Das Problem bei deinen Argumenten ist nur, das sie sich ja gar nicht trennen will. Sie will ein Kind mit mir.



  Re: wann ist genug einfach genug ?
avatar  Marle80
Status:
schrieb am 18.04.2015 14:24
Hallo Titus,

finde es sehr aufschlussreich auch einmal über die emotionale Lage eines Mannes bei unerfülltem Kiwu zu lesen. Kann mir sehr gut vorstellen, dass man das Thema irgendwann am liebsten einfach abhaken würde. Mir ging es zeitweise auch so nach 2 Jahren erfolgloser Behandlung fragt man sich, was das alles bringen soll. Wir hatten letztes Jahr im Herbst einige Monate Pause, in denen wir tatsächlich so entspannt leben konnten wie vor der Kiwu-Zeit. Ein Versuch war immer noch offen, zu dem ich mich fast durchringen musste, wohl wegen der Hoffnungslosigkeit. Dabei immer die verschiedenen Lebensmodelle im Kopf. Leben ohne Kind, Leben mit Kind von einem Spender. Wo sehe ich uns in zehn Jahren. ..usw.
Es gibt genug Paare, die sich freiwillig gegen Kinder entscheiden. Also es gibt auch ein erfülltes Leben ohne Kinder. Ich kann mir ein Leben mit Kindern sehr gut vorstellen und bin nicht sicher, ob ich es nach etlichen Jahren nicht bereuen würde keine zu haben, aber ich würde dafür auch nicht alles auf's Spiel setzen. Ich werde nur das Gefühl nicht los, dass gerade der Partner, der eingeschränkt oder nicht zeugungsfähig ist oder zu sein glaubt, einen besonders starken Kinderwunsch entwickelt. Bei uns betrifft das meinen Mann. Ich weiß wie sehr er sich ein eigenes Kind wünscht und ich mir auch mit ihm, aber irgendwann hat man einfach die Nase voll von den Hormonen, dem Bangen und Warten, dem leeren Portemonnaie. ..
Unser letzter Versuch scheint jetzt geklappt zu haben, aber schon vorher hatte ich mich gründlich mit den Alternativen beschäftigt.
Wir sind mit einem Paar befreundet, dass nach langer Zeit auf natürlichem Weg ein Kind bekam und dieses nach sieben Jahren wegen eines Tumors im Gehirn zu Grabe tragen musste. Ich muss sagen, ich bewundere wie die beiden Eltern als Paar damit umgehen, sie reisen viel, haben Hobbys, einen großen Freundeskreis. ...... ich will damit sagen, dass die gesamte Lebensplanung nie nur auf eine Sache und sei es der Kinderwunsch ausgerichtet sein sollte. Zum einen, weil es nicht gut für das Kind wäre, ein Kind sollte zwar geliebt und gewollt sein, aber nicht die einzige "Säule" im Leben der Eltern. Könnte jetzt aus eigener Erfahrung philosophieren was das mit der kindlichen Psyche anrichtet, sprengt aber hier den Rahmen. Die Bemerkung, dass deine Frau bei Aufgabe einen Nervenzusammenbruch erleiden würde, lässt mich daran zweifeln, dass es noch andere wichtige Dinge in ihrem Leben gibt. Vielleicht habt ihr diese nur einfach vergessen, was nicht ungewöhnlich wäre, in diesem Karussell von Hoffnung und Verzweiflung.
Würde tatsächlich mal an eine Art psychologische Beratung oder Therapie denken, falls ihr es allein nicht schafft.
Zu den Versuchen: Kann mir auch schwer vorstellen, dass deine Frau mit 36 nur aneuploide Eizellen produziert, es gibt aber eine PKD -Methode, die alle 23 Chromosomen untersucht(Array-Cgh oder so), hatte ich auch.

Wünsche euch viel Glück für euren weiteren Weg.


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  015Titus
schrieb am 20.04.2015 17:32
Hallo Impala, hallo Marle

Danke für eure gut gemeinten Vorschläge und lieben Worte.

Wir haben bisher nicht über das Thema Embryonenspende gesprochen liebe Impala. Und in Anbetracht unserer jetzigen Situation werden wir dies wohl auch nicht mehr.

Von der Polymerase Chain Reaction (PCR) hatten wir auch gehört liebe Marle aber ich habe trotz monatelanger Suche kein Labor in NRW gefunden die diese Methode angewendet hätte. Überall wo ich mich gemeldet habe hieß es entweder, das das Labor nicht entsprechend ausgerüstet wäre oder sie das Verfahren wegen zu geringer Nachfrage nicht mehr anbieten würde.

Hinzu kam noch, dass die Kinderwunschpraxis zwar die Polkörperentnahme durchführte aber ich die Polkörper selber ins Labor bringen musste so das weite tagesfüllende Strecken schon Arbeitstechnich nicht in Frage kamen. (Im München hätte es dies Untersuchungsmöglichkeit gegeben). Ich bin dafür jedes Mal nach Bonn gefahren, was für mich jedes Mal eine knapp 4 Stündige Fahrt bedeutete.

Dass die Entnommenen und befruchteten Eizellen auch mit der herkömmlichen Methode, bei der nur die „lebensfähigen“ Trisomieformen getestet wurden, so viele Eizellen eine Trisomie aufwiesen und die unauffälligen sich entweder nicht entwickelten oder abstarben ist schon bedrückend aussagekräftig.

Wenn für dich und andere das was ich geschrieben habe hilft und Aufschluss bietet, dann hat meine Achterbahnfahrt von Hoffnung und Verzweiflung vielleicht doch noch etwas Gutes. Denn ich sah nach vielen ergebnislosen Gesprächen und unzähligen Gedankenkreisen der letzten Wochen nur noch eine Lösung.

Mich schweren Herzens von ihr zu Trennen.


  Re: wann ist genug einfach genug ?
avatar  Marle80
Status:
schrieb am 20.04.2015 21:43
Zitat
015Titus

Wenn für dich und andere das was ich geschrieben habe hilft und Aufschluss bietet, dann hat meine Achterbahnfahrt von Hoffnung und Verzweiflung vielleicht doch noch etwas Gutes. Denn ich sah nach vielen ergebnislosen Gesprächen und unzähligen Gedankenkreisen der letzten Wochen nur noch eine Lösung.

Mich schweren Herzens von ihr zu Trennen.

Hallo Titus,

hab mir fast gedacht, dass es so endet. Traurig, aber nicht die erste Beziehung, die an diesem Thema scheitert. traurig. Wie hat denn deine Frau/Freundin reagiert? Denkt sie die Beziehung ist an ihrer Unfruchtbarkeit gescheitert?

Gruß
Marle


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  015Titus
schrieb am 20.04.2015 23:17
Hallo Marle

Ja es ist traurig, aber ich muss leider feststellen, dass es mir seither besser geht. Von gut möchte ich nicht sprechen aber ich kann wider schlafen und die Verzweiflung ist weg. Die Kreise sind durchbrochen wenn man so will.
Ihr geht es hingegen im Moment schlechter. Sie hat einfach nicht geglaubt wie ernst es wirklich war und realisiert gerade erst das es aus ist.

Und wie sie reagiert hat? Sie hat mich gefragt welche Selbstmordmethode ich ihr empfehlen würde damit es schnell vorbei ist…

Und ja, sie weiß das der Kinderwunschkonflikt nur die Spitze des Eisberges ist. Unsere anderen Probleme, die Entfremdung und den Verlust von gemeinsamen Interessen und Zielen haben wir zur Genüge Thematisiert und tuen es immer noch. In den aktuellen Gesprächen spielt der Kinderwunsch keine sonderliche Rolle. Zu sehen das sie nur wegen mir leiden muss, schmerzt mich sehr, aber ich bin überzeugt, dass es für uns beide auf langer Sicht besser ist uns zu trennen. Aber 16 Jahre schüttelt man nicht einfach ab.


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  aidual
schrieb am 21.04.2015 00:49
Hallo Titus,
Ich habe eben deine Geschichte gelesen und meinen Mann und mich darin erkannt. Umso erschreckter war ich, als ich las, dass ihr euch getrennt habt! Das tut mir so leid! Gibt es keine Chance mehr?
Wir sind seit 18 Jahren zusammen, unser Kinderwunsch ist 11Jahre alt und wir haben erst vor einer Woche unser 10. Sternchen verloren. Mein Mann spricht schon lange davon, dass wir auch ohne Kinder glücklich werden und es nicht mehr versuchen sollen, doch ich finde auch, dass Aufgeben schlimmer ist!
Nun zwingt mein Körper mich in die Knie, mir wurde letzte Woche nach der 2. Eileiterschwangerschaft der Eileiter entfernt, der andere ist wohl nicht ganz ok. Mein Kopf sagt, ich werde nie wieder schwanger, doch mein Herz hofft auf ein Wunder! Irgendwann muss es doch klappen! Es ist bei mir die Verzweiflung und Panik, alleine alt zu werden, nie ein eigenes Kind im Arm halten zu dürfen, ihm nie Liebe schenken zu können ....die mich immer wieder antreibt zu hoffen! Glaube ich zumindest!
Ich kann meinen Mann schon auch verstehen, der mich bei jeder Schwangerschaft ins KH bringen musste und zusehen musste, wie ich in den OP geschoben wurde und danach geweint habe....er sagte jetzt zu mir: " warum begreifst du nicht, dass jede Schwangerschaft lebensgefährlich für dich ist? Ich mach das nicht mehr mit!" ( hatte bei dieser Eileiterschwangerschaft auch schon viel Blut verloren, war tatsächlich lebensgefährlich)
Seither tut sich bei mir was...was genau weiß ich noch nicht, aber sicher geht es deiner Frau ähnlich.
Vielleicht merkt sie jetzt nachdem du dich getrennt hast, was sie alles verliert und sieht den Kinderwunsch dann vielleicht nicht mehr als so elementar an.
Ich muss jetzt aber auch sagen, dass meine Gedanken momentan sehr wirr sind, ich schreibe unter Tränen, aber als ich dich eben gelesen habe, musste ich dir einfach schreiben!
Ich glaube fest daran, dass unsere Beziehung bestehen bleibt, deshalb hoffe ich, dass es bei euch wieder in Ordnung kommt!
Alles Liebe
Aidualk


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  015Titus
schrieb am 21.04.2015 12:27
Hallo aidual

Danke für dein Mitgefühl und deine Gedanken.

Meine Entscheidung einen Schlussstrich zu ziehen war eine der schwersten die ich in meinem bisherigen Leben treffen musste. Und Gefühle kann man nicht einfach abstellen. Es hat gute Gründe warum ich „Meine Soldaten“ zurzeit in dauerschleife Höre. Aber ob ein Wir noch eine Chance hat kann ich gerade nicht beantworten.

In ihren Augen habe ich sie jetzt zweimal Verraten und ihr im Prinzip ein Messer in den Leib gerammt. Denn obwohl wir viel miteinander gesprochen hat, hat sie meine Position nicht wirklich nachvollzogen. Für sie stand in Stein gemeißelt dass wir zusammen bleiben und gemeinsame Kinder bekommen.

Alternativlos!

Während ich mich mit Emotionen beschäftigt habe, beschäftigte sie sich mit alternativen Behandlungsmetoden. Während ich über Kompromisse und Alternativen redete dachte sie nur daran wann es weitergeht.

Jetzt, wo sie das Ende der Beziehung sieht, kommt die Verzweiflung und Panik, alleine alt zu werden und nie ein eigenes Kind im Arm halten zu dürfen die du beschreibst auch in ihr hoch. Mit volle Wucht! Aber ein gutes hat die Situation im Moment. Sie hat angefangen mit anderen zu reden. Sie hat endlich ein paar ihrer Freunde ins Vertrauen gezogen und sogar eine Psychologin hinzugezogen. Und von Selbstmord redet sie auch nicht mehr.

Von mir bekommt sie insofern eine Chance, in dem ich nicht „weglaufe“. Ich habe nicht einfach meine Sachen gepackt und ihr den Rücken gekehrt. Dieses verhalten würde ich als Feige und Rückradlos empfinden, auch wenn ich Menschen verstehen kann, die genau das bei dem Ende einer Beziehung machen. Es ist sehr schwer einen Menschen der einem viel bedeutet wegen einem selbst leiden zu sehen und seine Wut und Verzweiflung auszuhalten.

Zwei Gedanken würde ich noch gerne hinzufügen.

Zum einen halte ich Angst zwar für einen guten Schutz gegen Gefahren aber für einen schlechten Ratgeber. Und auch wenn ich nicht weiß was die Zukunft bringt. Glaube ich nicht dass sie oder ich alleine altern müssen. Auch wenn wir uns in vielerlei Dingen entfremdet haben, sind wir beide durchaus Interessante und wertvolle Menschen. Und mit etwas Glück schaffen wir es vielleicht unsere Freundschaft zu retten wenn schon unsere Partnerschaft gescheitert ist. Vielleicht finden wir so einen anderen Weg unsere Leben weiter zu begleiten. Sie ist schließlich nicht nur meine Frau, sondern auch meine beste Freundin.

Zum anderen möchte ich etwas über Einsamkeit ergänzen die ja in der Angst vom alleine Altern mitschwingt. Ich habe genügend Menschen kennengelernt, die einsam sind. Einsame Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen. Egal ob Single und auch Ehepartner die gemeinsam für sich einsam waren. Die Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft ein großes Thema wenn auch ein Tabuthema für die Öffentlichkeit. Meiner Meinung nach kann man gegen Einsamkeit nur selbst etwas unternehmen. Oft ist das wie bei einem Single der jemanden kennen lernen möchte aber nie vor die Türe geht und mit anderen in Kontakt tritt.


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  Ich_bins_kurz
schrieb am 22.04.2015 15:36
Lieber Titus,
auch wenn ich bisher nichts geschrieben habe, habe ich doch aufmerksam Deinen Thread verfolgt.

Ich finde es gut, wie Du Dich mit der Sache auseinander setzt. Trotzdem kann ich auch Deine Frau verstehen. Nicht, weil ich auch die Emotionen außen vorlasse, sondern weil ich in meiner Beziehung erlebt habe, dass Mann und Frau bzw. zwei unterschiedliche Personen so unheimlich verschieden mit einer Sache umgehen können. Hinter jedem Handeln steht aber immer der Versuch, etwas für sich selbst bewältigbar zu machen. Bei Dir über das Reden über die Emotionen und über einen Punkt hinter die Behandlungen. Bei ihr über die Hoffnung auf neue Versuche und das Erarbeiten von Behandlungsalternativen.
Für mich ist die Frage, ob deshalb Eure Beziehung gescheitert ist. Oder ob ihr nicht an einem Punkt seid, an dem es gilt, von sich selbst abzusehen und Verständnis für den anderen zu gewinnen.

Mir scheint, Dir gelingt das besser, als Deiner Frau. Aber nicht unbedingt, weil sie es nicht will oder kann, sondern - wenn ich Dich recht verstanden habe - war sie sich nicht über die Notwendigkeit dazu im Klaren. Sie hat es vielleicht schlicht und einfach nicht bemerkt oder stand auch diesem Phänomen hilflos gegenüber.

Wir haben im Januar 2013 "unsere" Diagnose bekommen. Es folgten viele, viele Streits. Im August 2013 haben wir eine Paartherapie begonnen. Im November 2013 war klar, dass ich ausziehe. Im Januar 2014 bin ich ausgezogen. Wir wollten beide die Trennung. Im Mai 2014 konnten wir uns wieder annähern. Es hat lange gedauert, bis wir beide den jeweils anderen in seiner Art mit der Kinderlosigkeit umzugehen begreifen und dann auch stehen lassen konnten. Im Oktober 2014 hatten wir eine frühe "Fehlgeburt" und im November sind wir wieder schwanger geworden. Seit 3 Wochen wissen wir, dass das Kind sehr krank ist und vermutlich sterben wird. Wieder gehen wir sehr verschieden mit dieser Nachricht um. Und es ist gefährlich, denn schnell kann uns dies auseinandertreiben. Aber: ich weiß jetzt, dass mein Mann ins Büro flüchtet, weil er es nicht aushält, daran zu denken. Er braucht das. Er dagegen weiß, dass ich alles recherchieren muss, um damit zurecht zu kommen. Wir müssen nur schauen, dass wir uns immer wieder gegenseitig begegnen in dieser Andersartigkeit und uns gegenseitig erzählen, wie es uns jeweils geht.

Ich hätte nie gedacht, dass wir wieder zusammen kommen werden. Und ich hätte nie gedacht, dass ich je so dankbar dafür sein könnte, dass mein Mann so anders ist, als ich. Früher dachte ich, er ist total daneben. Heute sehe ich, dass sein "Verdrängen" auch eine unheimliche Stütze für mich ist und ein guter Ausgleich für mein "sich viel damit beschäftigen".

Ich glaube der Schlüssel dazu war, dass wir gelernt haben, dem anderen zu sagen, was man für sich selbst braucht und was man vom anderen braucht. Wenn ich früher geweint habe, war mein Mann hilflos. Wenn ich heute weine, sage ich ihm: "Ich bin so traurig" und dann weiß er, dass er mich in die Arme nehmen muss und allein das schon hilft. Wenn er früher gesagt hat: "Ich geh jetzt", hätte ich ihn auf den Mond schießen wollen - ein Drückeberger, er lässt mich hängen etc. etc. Heute weiß ich: er muss gehen. Er muss jetzt arbeiten, sonst kann er nicht mehr weiter. Er braucht diese Beschäftigung mit dem Lapidaren. Und ich kann ihn gehen lassen und weiß, dass das nicht bedeutet, dass er mich alleine lässt.

Mir scheint, dass Deine Frau diesen Schritt noch nicht gegangen ist. An der Reaktion mit dem "wie soll ich mich am besten umbringen" und mit dem "doppelten Messer und im Stichgelassen sein", sehe ich die pure Verzweiflung. Vielleicht kannst Du ihr diese Unvermögen verzeihen. Vielleicht findet ihr Wege, Euch gegenseitig zu erzählen, was ihr voneinander braucht und was ihr Euch davon geben könnt. Was vielleicht auch andere geben müssen (z.B. halte ich jetzt medizinischen Austausch mit anderen, als mit meinem Mann und berichte ihm nur die Essenz des Ganzen). Vielleicht kann Euch da eine Paarberatung helfen.

Ich hoffe, ihr findet gute Wege mit diesem harten Schicksal umzugehen. Kinderwunschbehandlung ist eine große Herausforderung. Daran zu scheitern ist keine Schande. Daran zu wachsen ein großer Gewinn.

Falls ich mit irgendetwas falsch liege, dann sei gnädig mit mir smile

Liebe Grüße
Babette


  Re: wann ist genug einfach genug ?
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  015Titus
schrieb am 22.04.2015 22:09
Hallo Babetta

Vielen Dank für deine Gedanken und lieben Worte.

Ich gebe dir vollkommen recht das Menschen sehr unterschiedlich mit der gleichen Sache umgehen können. Das trifft auch auf mich und meine Frau zu. Es trifft sogar gerade auf uns beide zu, weil wir von Charakter und Persönlichkeit eigentlich nicht weiter entfernt sein können. Also klassische Gegensätze die sich angezogen haben. Auch wenn dieser Umstand über die Jahre sehr anstrengend war habe ich es eigentlich immer als Stärke unserer Beziehung gesehen. Denn gerade durch unsere Verschiedenheit haben wir uns auf der anderen Seite sehr gut ergänzt.

Dass wir trotz zahlreicher Versuche keine Kinder haben hat mich sehr sehr Traurig gemacht. Bis hin zur depressionsähnlichen Trauerphasen. Aber was mich fast Wahnsinnig gemacht hat war die Unvereinbarkeit unserer Positionen bezüglich des Weitermachens. Und da wiederum hat mich dazu gezwungen mir auch mit anderen Beziehungsaspekte auseinander zu setzten die eben auch im Argen lagen.

Das alles zusammen brachte mich zu dem Punkt der nach dem Verständnis des anderen kommt, die Frage: „Was ist mit mir?“
Aber du hast insofern recht, das sie an dem Punkt angekommen zu sein scheint „von sich selbst abzusehen und Verständnis für den anderen zu gewinnen.“ Warum Sie mich vorher nicht gehört hat weiß ich nicht. Vielleicht wird wirklich eine Beratung helfen. Ob es unsere Beziehung retten wird bezweifle ich ehrlich gesagt. Aber vielleicht hilft es dabei die Trennung besser zu verarbeiten.

Ich weiß nicht wie du eure Trennung empfunden hast, aber wir standen schon zweimal vor unserem Kinderwuschkonflikt an diesem Scheideweg. Wir haben beide Barrieren überwunden und meine Liebe zu ihr ist jedes Mal tiefer gewesen als zuvor. Aber hatte gleichzeitig auch an Hitze verloren. Ich weiß nicht ob ich mich gerade verständlich ausdrücke, aber das beschreibt es am besten. Heute, während ich dir antworte, muss ich sagen: Meine liebe zu ihr ist tief in mir und wird es immer sein. Aber die Hitze reicht nicht mehr aus.




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