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  Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  bobby007
schrieb am 23.02.2015 13:13
Hallo,

ich bin schon seit langer Zeit stille Mitleserin in diesem Forum.
Nun bin ich an einen Punkt angelangt, an dem ich merke, dass ich mit den Menschen in meiner Umgebung so sehr auf Unverständnis stoße, dass ich hoffe, hier ein paar Gleichgesinnte zu treffen oder liebe Menschen, die mir bei meinem Weg helfen können.

Meine Geschichte in Kurzform:
Ich bin fast 39 und bin seit 10 Jahren mit meinem Mann zusammen (er hat ein 14-jähriges Kind aus vorheriger Beziehung) und wir versuchen seit 6 Jahren eine eigene Familie zu gründen.
Nach etlichen Tests auf beiden Seiten wurde festgestellt, dass bei mir alles in Ordnung ist (soweit alle möglichen Tests das beurteilen können) und mein Mann sehr schelchtes Sperma hat. Nur mit einer ICSI hätten wir die Chance auf eine Schwangerschaft. Dieses haben wir bis heute 3 mal versucht und sind jedes Mal grob enttäuscht worden. Es wollte sich einfach nichts einnisten. Wir haben alles versucht, von chinesische Kräutern, über Akupunktur, Vitamine etc.

So, nun zu dem Problem, mit dem ich alleine irgendwie nicht mehr weiterweiß und mich einfach nur elendig fühle.
Das Schlimmste für mich an dieser Situation ist Folgendes:

Ich könnte mich glaube ich damit irgendwann arrangieren, die Vorteile eines kinderlosen Lebens zu genießen und auszunutzen und mit meinem Mann ein Leben nur für "UNS" leben, ABER: weil mein Mann sein Kind hat (sie ist jedes 2. Wochenende und jeden Dienstag bei uns), wird mir immer wieder präsentiert, was mein Mann mir nicht geben kann aber mit einer anderen (leider unaustehlichen) Frau hat und wie glücklich es ihn macht. Ich kann einfach nicht anders als ihm im Stillen die Schuld für mein Unglück zuzuweisen. Ich sage es ihm natürlich nicht, weil ich mir natürlich dessen bewusst bin, dass es nicht seine Schuld ist und er alles tun würde, um mich glücklich zu machen. Aber das Gefühl, dass er bereits das hat, was ich mir mein Leben lang so sehr wünsche, ich es aber wegen ihm nicht haben kann, tut so schrecklich weh.
Vielleicht sagen einiges von euch, dass es egoistisch wäre, weil mein Mann für seine Unfruchtbarkeit nichts kann, aber ich kann meine Gefühle diesbezüglich einfach nicht ändern und ich weiß im Moment einfach nicht weiter.
Dazu kommt noch, dass sein Kind lieb und nett ist und ich es mag, aber ich werde einfach nicht warm mit ihr. Entweder berühren Menschen das eigene Herz oder eben nicht. Da ist es egal, ob Kind oder Erwachsener. Ich kenne einige Kinder von Freunden, die ich auf der Stelle mitnehmen würde und andere wiederum kann ich nicht leiden. Ich denke mal, das ist normal.
Ich bemühe mich sehr mit dem Kind und wir machen immer schöne Sachen zusammen und sie kommt immer oft zum Schmusen - aber sie ist eben nicht mein Kind, was ich mir seit meiner Jugend wünsche und leider sieht sie aus, wie ihre Mutter, was auch nicht gerade meiner Vorstellung eines niedlichen Kindes entspricht. Aber das behalte ich natürlich auch für mich.
Der Gedanke, dass sie in einigen Jahren eigene Kinder haben könnte und mein Mann dann Großvater wird und ich dann wieder daran erinnert werde, was er mir nicht geben konnte, bricht mir das Herz.
Dazu kommt noch, dass mein Mann sich seinem Kind gegenüber immer sehr schuldig fühlt, weil er nicht mit ihr zusammenlebt - daher werden alle mit mir verbrachten Urlaubstage mit denen, die er mit ihr verbringt, verglichen. Wenn er mit mir weg war, dann muss er auch mit ihr weg etc. zwar kürzer von der Zeit her, aber ich kann dieses Schuldgefühl von ihm nicht nachvollziehen.
Auch, wenn ich ihm sage, dass er dich wichtigste PErson in meinem Leben ist, würde er das nie erwieder, weil er sich dann seiner Tochter gegenüber schuldig fühlt ...

Ich weiß einfach nicht weiter und finde keinen Weg meinem Mann in meinem Herzen "zu verzeihen", was er mir mit seiner Unfruchtbarkeit antut.
Ich weiß, dass sich das alles vielleicht etwas hart und egoistisch anhört, aber ich habe lange versucht das Positive zu finden, aber ich kann es einfach nicht.

Ich fühle mich so hoffnungslos verloren in meinem Leben. Ich liebe ihn sehr und möchte ihn auch nicht verlassen, aber ich möchte endlich "okay" damit sein, wie es nunmal ist, aber es fällt mir so schwer.
Und alles, was er macht, was seine Unfruchtbarkeit noch mehr beeinflussen könnte, wie trinken, rauchen und keinen Sport treiben, macht mich innerlich immer sehr wütend und wir haben uns schon sehr oft über seinen Lebensstil (den er sehr zum Positiven geändert hat) gestritten.

Vielleicht ist eine von euch in einer ähnlichen Situation? Es gibt doch viele Männer, die eine Vasektomie haben machen lassen und keine Kinder mehr kriegen können und einen neue Beziehung eingegangen sind?
Vielleicht ist da draußen jemand, der weiß, wie es sich anfühlt, und kann mir sagen, wie man diese innere "Schuldzuweisung" nicht mehr als so belastend empfindet?

bobby 007


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  Cookie313
schrieb am 23.02.2015 22:08
Hallo bobby007,

ich kenne deine Gefühle sehr gut, auch ich war oft sehr wütend auf meinen Mann und ich habe ihm die Schuld gegeben.

Letztendlich führen diese Gedanken und auch diese Gefühle dazu, dass sie dich auffressen.
Eure Beziehung auffressen.

Ihr habt doch alles für die Erfüllung eines Kinderwunsches getan.
Schlechtes Sperma kann so viele Ursachen haben. Auf vieles hat dein Mann doch kein Einfluss.
Eine Infektion. Umwelteinflüsse.

Verzeihe ihm. Sei nicht so streng.
Vieles läuft doch bei euch gut oder?
Richte dein Augenmerk auf das was gut ist.

Diese Gedanken sind zerstörrerisch und das schlimmste, sie haben auch die Macht aus einem positiven Menschen einen kleinen Pessimisten zu machen.

Viele Grüße
Cookie313


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  bobby007
schrieb am 24.02.2015 17:32
Danke für die lieben Worte cookie313.
Deine Worte sind sehr wahr, aber wie bist du denn dahin gekommen, um das Leben so zu akzeptieren? Ich sehe immer nur, was ich wegen meinem Mann aufgeben muss, was er aber mit einer anderen hat.
Manchmal denke ich, mein Leben vergeudet zu haben und alles vorbei ist. traurig


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  Mimi111111111111
schrieb am 24.02.2015 19:44
Ich kann Dich so gut verstehen!!! Ich habe genauso gefühlt und gedacht wie Du!!! Auch, wenn man weiß, dass bei dieser Problematik es keine Schuld gibt, kam ich trotzdem nicht aus dieser Gedankenspirale raus!!! Ich hätte mir was vorgemacht, wenn ich diese essentielle unerfüllteLebensplanung so hingenommen hätte! Für mich stand einfach fest, dass die Beziehung diese Last nicht getragen hätte! Und , wenn die Liebe noch so groß ist! Irgendwann wäre die Partnerschaft daran zerbrochen und ich weiterhin kinderlos geblieben , vor allem dann, wenn sie in die Brüche über die 40 Jahre gegangen wäre! Hätte mein Mann nicht von sich aus Samenspende nach gescheiterten Icsi Versuchen vorgeschlagen , hätte ich ihn verlassen! Ich wollte meine Fruchtbarkeit und das Elternsein nicht einfach so " verschenken"!
Nie im Leben wäre ich mit dem Verlust, nicht Mutter sein zu dürfen , klar gekommen !
Jeder muss für sich entscheiden, was er leben bzw aushalten kann! Alle Vorteile ohne Kinder weiter zu leben, wäre pure Selbsttäuschung für mich gewesen!
Die Erfahrung mit unseren Kindern nicht erleben zu dürfen, ist kaum vorstellbar!!! Auch nicht für meinen Mann!!!
Es ist, auch wenn es oft mal sehr anstrengend ist, so wunderbar....!
Ich wünsche Dir viel Glück bei Deiner Entscheidung !


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  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  bobby007
schrieb am 25.02.2015 19:09
Hallo Mimi1111111,
Mit dem Fremdsperma wäre es für mich keine Option.
Es wäre für mich als hätte er dann sein Kind und ich meins.
Ich möchte ein Kind mit ihm, das von uns beiden entstammt.
Und wenn das nicht geht, dann möchte ich mit ihm alleine
weiterleben und die Vorzüge einer Kinderlosigkeit genießen können.
Aber bis ich emotional 100% damit ok bin, wird es wohl noch
ein wenig dauern. Aber ich habe das Gefühl, dass ich auf dem
richtigen Weg bin. Wer weiß wofür es gut ist, dass wir wahrscheinlich
nie ein Kind haben werden.


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  Freestyle 37
schrieb am 26.02.2015 12:12
Hallo Bobi,
deine Geschcihte hat mich sehr gerührt. Ich kann das alles nachvollziehen,was Du fühlst und schreibst, und ich denke, es ist normal. Ich denke es wäre für Dich einfacher gewesen, wenn Du nicht miterleben müsstest, wie er mit seiner Tochter umgeht. Aber es ist auch nicht schön, sich zu wünschen, dass er keine Tochter hätte.
Stell dir mal die Frage: Wie würde die Situation für Dich aussehen,wenn er keine Tochter hätte?Würdest Du weniger leiden müssen? Würdest Du ihm einfacher verzeihen können? Ich denke, vielleicht Gott hat Dich in diese Situation gebracht. Vielleicht musst Du mit Dir selbt im Klaren sein, wie Du wieterleben willst: Mit diesem Mann und ohne eigenes Kind, oder mit einem anderen Mann, der dir dein Kinderwunsch vielleicht erfüllen kann? Du hast einen freien Willen. Um die Antwort auf diese Fragen zu finden, müsstest Du deinem Mann aus deinem ganzen Herzen verzeihen können. Es ist einfacher gesagt asl getan, ich weiss. Ich war in einer ähnlichen Situation wie Du. Mein Mann hatte zu wenig bewegliche Spermien. Ich habe ihm gesgat, dass er mein Mann ist, egal was passiert und egal ob wir Kinder kriegen werden oder nicht.Das habe ich auch so gemeint, obwohl ich jeden Monat bitter geweint habe, wenn meine Periode gekommen ist. Er hat sich eine Behandlung mit Antibiotika unterzogen und jetzt bin ich schwanger. Ich will Dir Mut machen. Wie Du schreibst, wer weiss wozu es gut ist, wenn die Leute Kinder kriegen können oder eben nicht. Ich persönlich bin gläubig und glaube, dass die Seelen von Gott kommen. Wie Du selber miterlebt hast, die so entwickelte Wissenschaft und Repoduktivtechnik hat auch Ihre Grenzen. Denke Mal über dieses Gebet nach:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich wünsche Dir alles Gute!

LG
Freestyle


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  bobby007
schrieb am 27.02.2015 12:28
Hallo Freestyle,

danke für deine nette Antwort.
Ich habe mich schon oft gefragt, was der richtige Weg für mich wäre.

Das Ergebnis ist immer das Folgende:
Wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, wenn ich meinen Mann verließe, dass ich in den nächsten 1-2 Jahren mich in einen Mann verliebe, der Kinder zeugen kann und dies auch mit mir versucht? Wie groß ist dann überhaupt noch die Wahrscheinlichkeit, dass es dann klappt?

Ich liebe meinen Mann sehr - auch wenn ich manchmal im Herzen auf ihn wütend bin - weil ich ihm nur schwer verzeihen kann - jedenfalls bis jetzt. Ich versuche sehr, ihm zu verzeihen, zumal er es ja nicht extra macht, dass er unfruchtbar ist. Nur jedes bisschen, was er tut, was die Fruchtbarkeit noch mehr vermindern könnte, wie rauchen oder trinken, macht mich oft sehr wütend. Er raucht sehr selten mal eine Zigarette und trinkt jedes Wochenende sein 3-4 Bier, habe mir aber von Ärzten bestätigen lassen, dass das keinen Einfluss bei ihm mehr hat, weil die Unfruchtbarkeit von einem zu spät erkannten Hodenhochstand kommt. Trotzdem denke ich dann immer, dass ihm das wichtiger ist als meinen Schmerz zu stoppen. Aber er muss ja auch irgendwie leben und unser beider Leben immer nur auf Stillstand halten, weil ja alles irgendwie die Fruchtbarkeit beeinflussen kann, ist sehr zermürbend. Irgendwo muss ja auch ein Stressabbau stattfinden.

Also, die Vorstellung noch mal von vorne anzufangen, alleine zu sein und den Trennungsschmerz zu spüren ... das möchte ich nicht. Ich möchte bei ihm bleiben, weil ich unser gemeinsames Leben liebe.

Ich versuche mir auch immer zu sagen, wer weiß wofür es gut ist, vielleicht wäre das Kind krank oder ich würde die Geburt nich überleben und und und. Außerdem frage ich mich dann, möchte ich die nächsten 18 Jahre die Minna sein wollen, fremdbestimmt sein, keine Freiheit mehr haben? Ja und nein.

Dann schreibe ich mir alle rationalen Vorteile auf, die gegen Kinder sprechen - und das sind eigentlich sehr sehr viele.
Es gibt nur emotionale Gründe für ein Kind.

Es ist ein langer Weg, den ich gehen muss, aber ich habe ihn schon vor einer Weile betreten und merke, dass ich gute und schlechte Tage habe - aber an den guten Tagen genieße ich meine Freiheit - ich arbeite freiberuflich von Zuhause - und bin mir bewusst, dass so eine Freiheit kaum jemand leben kan.

Daher könnte ich aus einem Leben ohne Kinder sehr viel Gutes für mich ziehen - müsste nur emotional damit leben können, niemals eine Liebe zu meinem eigenen Kind empfinden zu können und nie mein eigenes Kind im Arm halten zu können und meinem Mann verzeihen, dass ich das wegen ihm aufgeben musste. Und das schaffe ich eben noch nicht traurig

Bobby


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  Verwundert_
schrieb am 27.02.2015 19:17
Hallo Bobby,
habe Deine Berichte gelesen! Ist die Tochter Deines Mannes tatsächlich seine leibliche Tochter?
Wenn er einen Hodenhochstand hatte, sind die Spermien doch meistens noch nie gut gewesen....


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
no avatar
  Impala-34
Status:
schrieb am 01.03.2015 13:42
Liebe Bobby,

eigentlich hänge ich meine Signatur hier nicht an, aber bei Dir möchte ich eine Ausnahme machen. Wie Du siehst haben wir 8 Versuche der künstlichen Befruchtung gebraucht, damit ich schwanger werde und ein Kind bekomme.
Natürlich kannst Du ihm die "Schuld" geben, aber ich gebe mal bei Dir zu bedenken, dass Du eben auch "schon" 39 bis und auch bei Beginn Eures Kinderwunsches bereits über 30 warst. Hormonell war bei mir auch alles in Ordnung, ich hatte jeden Monat einen Eisprung etc. Aber ich war eben "alt". Vielleicht hilft es Dir ja dabei, dass Du eben auch an dem längeren Kinderwunsch mitträgst. Man kann nämlich Pest und Cholera haben... Und ab Mitte dreißig ist die EZqualität eben nicht mehr so gut.
Ich hoffe Du verstehst das jetzt nicht falsch. M.E. nach hat das alles nichts mit Schuld zu tun, sondern leider mit Schicksal. Du darfst wütend sein und traurig, das ist nur verständlich, schließlich wird Dir etwas "genommen" was für Dich essentiell ist.
Und ihr seid noch lange nicht am Ende Eures Weges, wenn Ihr das nicht wollt.... Ihr könnt weitere Versuche machen (z.B. auch natural ICSI).
Evtl käme ja eine EMS (Embryonenspende) für Euch in Betracht. Das Kind ist dann leiblich weder von Dir noch von ihm, es wäre, als würdet Ihr gemeinsam einen Embryo adoptieren.

Jedenfalls musst Du daran arbeiten, dass Du nicht verbitterst. Ich weiß dass das ungeheuer schwer ist, aber Kinderlosigkeit wird immer etwas sein, dass einen sein Leben lang begleitet. Leider...
Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du lernst Deinem Mann und Dir selbst zu "vergeben". Und ganz vielleicht klappt es ja auch noch mit einem Kind.

Alles Gute für Dich

Impala


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
avatar  patty 2
Status:
schrieb am 01.03.2015 20:03
Hallo Bobby,

ich habe deine Berichte mehrmals gelesen und es wurde auch schon viel geschrieben.
Trotzdem möchte ich dir noch meine Gedanken schreiben.
Mir ist aufgefallen, dass in eurer Beziehung die "Schuld" eine größere Rolle spielt.
Du gibst deinem Mann die Schuld für seine Unfruchtbarkeit.
Dein Mann hat dir gegenüber Schuldgefühle wg seiner Unfruchtbarkeit.
Dein Mann hat Schuldgefühle gegenüber seiner Tochter.

Man könnte es damit übersetzen, dass es "Täter" und "Opfer" gibt. Und wie es auf dem ersten Blick aussieht, ist dein Mann mehr "Täter" und du und die Tochter seid die "Opfer".
Wie es wohl deinem Mann in dieser Rolle geht?
Wann hat er seine "Schuld" abgetragen und was wird sich dann für ihn und euch verändern?

Du beklagst dich darüber, dass dein Mann mit seinem Kind in den Urlaub fährt. Gäbe es eine andere Option und wenn ja, hast du mit deinem Mann darüber gesprochen?
Wie oft fährt er im Jahr mit ihr alleine in den Urlaub und was machst du in der Zeit?
Mir kommt es so vor, als würdest du mit der Tochter konkurrieren. Wie viele Jahre werden beide ohne dich noch in den Urlaub fahren und wie viele Jahre geht das schon so?

Zitat
Bobby
Mit dem Fremdsperma wäre es für mich keine Option.
Es wäre für mich als hätte er dann sein Kind und ich meins.
Ich möchte ein Kind mit ihm, das von uns beiden entstammt.
Und wenn das nicht geht, dann möchte ich mit ihm alleine
weiterleben und die Vorzüge einer Kinderlosigkeit genießen können.

Du hast zurzeit sehr starre Glaubenssätze, jedenfalls wirkt es auf mich so.
Das ist auch nicht schlimm, aber ich frage mich, ob du dir damit nicht selber Steine in den Weg legst.
Du hast dir einen "gebrauchten" Mann mit "Anhang" gewählt und möchtest ein Kind mit ihm. Das ist sehr verständlich, aber in eurem Fall vielleicht unmöglich.
Hier kommt aber deine Verantwortung für dein Leben ins Spiel, denn wenn du bei dieser Meinung bleibst, entscheidest du, dass du diese Option ausschlägst und dich an einer "Idealvorstellung" festhältst, obwohl die Faktenlage eine andere Sprache sprichst. Du würdest dich bewusst dagegen entscheiden.
Das kannst du machen, aber du trägst dann auch die Verantwortung für diese Entscheidungzwinker

Zitat

Das Ergebnis ist immer das Folgende:
Wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit, wenn ich meinen Mann verließe, dass ich in den nächsten 1-2 Jahren mich in einen Mann verliebe, der Kinder zeugen kann und dies auch mit mir versucht? Wie groß ist dann überhaupt noch die Wahrscheinlichkeit, dass es dann klappt?

Auch hier entscheidest du deinen weiteren Weg bewusst, die Verantwortung liegt bei dir und nicht bei deinem Mann. Du wählst die Sicherheit und die Liebe.
Stehst du zurzeit wirklich dahinter?

Was ich eigentlich damit sagen möchte,ist, dass du immer auch eine Wahl hast und auch immer eine Verantwortung für dein Handeln/Nichthandeln übernehmen musst. Vielleicht fällt es dir mit diesem Gedanken leichter, von der "Schuld" etwas abzurücken.

Zitat

Dann schreibe ich mir alle rationalen Vorteile auf, die gegen Kinder sprechen - und das sind eigentlich sehr sehr viele.
Es gibt nur emotionale Gründe für ein Kind.

Deine Liste mit den Vorteilen der Kinderlosigkeit , ist sicher ein hilfreicher Baustein für die aktuelle Situation. Ob es dir aber auf Dauer im Abschiedsprozess helfen wird?
Den Abschiedsprozess, wenn es darum gehen sollte, wirst du nicht alleine umsetzen können. Dein Mann gehört dazu, nicht zu jeder Zeit, aber er ist ein wichtiger Teil.
Vielleicht wäre es eine Option, wenn du für euch Unterstützung von außen beteiligst, dann wäre vielleicht die Chance groß, dass die "Schuld" einen kleineren Raum erhält.

Alles Gute


2 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.03.15 20:06 von patty 2.


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  bobby007
schrieb am 10.03.2015 14:48
Hallo Patty,

ersteinmal vielen Dank für deine lange Antwort. Ich verstehe, was du mir damit sagen möchtest und ich finde auch, dass du sehr viel Wahres ausgesprochen hast.
Ich bin mir meiner Gedankenansätze und auch meiner "Entscheidungen" bewusst und weiß, dass ich quasi selber die Entscheidung treffe, ob ich dieses Leben leben möchte. Und ja, ich wähle wahrscheinlich lieber die sichere Variante, weil ich mich einfach zu müde fühle, nochmal von vorne zu beginnen. Außerdem liebe ich meinen Mann und der Gedanke, dass wir getrennt sind, zerreißt mir das Herz.
Ich versuche mal in Worte zu fassen, was in mir so vor sich geht:
Es ist, als kämpften zwei Seiten gegeneinander an. Die eine sagt "lass es gut sein, nimm es an und kämpfe nicht gegen dein Schicksal und erfreue dich, dass du gesund bist und ein schönes Leben mit deinem Mann führst. Provoziere das Glück nicht heraus". Die andere Seite in mir tobt und wüted und kämpft, dass ich das, was ich mir eigentlich für mein Leben gewünscht hatte, wegen meinem Mann nicht haben darf - er es mir quasi unbeabsichtig vorenthält und mir dann schön jede Woche seine Tochter präsentiert, um noch mal schön Salz in die Wunde zu streuen. (natürlich nicht beabsichtigt vor ihm)
Und so geht es immer mal wieder einen Schritt vor für mich und einen Schritt zurück. Ich bin mir des Guten in meinem Leben sehr bewusst, aber es ist wie ein rebellisches Kind, das in mir schreit und tobt und einfach nicht akzeptieren will, was ist.

Tja, und wie ich diese "Rebellion" in mir langsam zum Schweigen bringe, das weiß ich leider nicht. traurig Ich war letztes Jahr bei einer Gesprächstherapie, die mir gutgetan hat, aber sie hat mich auch nicht weitergebracht, diesen "Kampf" in mir zum Versiegen zu bringen.
Vielleicht ist es etwas, was Zeit braucht. Ein Weg, ein Prozess.

Bobby


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
no avatar
  bobby007
schrieb am 10.03.2015 14:53
Danke für deine Antwort Impala.
Ja, du hast Recht mit meinem Alter und dass es auch nicht hilfreich ist, dass ich jetzt schon so alt bin.
Ich habe da oft unterschiedliche Gedanken.
Manchmal denke ich, dass es vielleicht einfacher wäre, wenn ich die "Unfruchtbare" wäre, denn dann wäre ich vielleicht dankbar dafür, dass mein Mann ein Kind hat, damit ich wenigstens "ein bisschen" das Gefühl von Muttersein haben darf.
Und dann habe ich diese anderen Gedanken, dass ich alles von mir abweisen möchte und darauf bestehe, dass bei mir alles untersucht wurde und bei mir alles in bester Ordnung ist, denn wäre ich unfruchtbar, würde ich mich wie eine Versagerin fühlen, noch nicht mal das zu schaffen, was das "Natürlichste" auf der Welt für alle anderen in meiner Familie und meinem Freundeskreis zu sein scheint.
Ich bin innerlich wie zweigeteilt und finde einfach keinen gearden Weg in meiner Gedanken- und Gefühlswelt traurig

Bobby


  Re: Mein Mann hat ein Kind aus vorheriger Beziehung, ist aber jetzt unfruchtbar traurig
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  Ziva
schrieb am 19.03.2015 21:44
ich verstehe dich sehr gut. als ich mit meinem mann zusammen kam hatte er einen 11 jährigen sohn. bei uns wolllte es am anfang auch nicht klappen. es hat mich zu einem monster gemacht. ich hasste alles und jeden, schwangere konnte ich gar nicht sehen und wenn auch noch sein sohn zu uns kam ging es mir lange richtig schlecht.

warum versucht ihr nicht noch so lange zu kämpfen?
du bist jetzt 39 jahre. ich würde mir eine altersgrenze setzen und es bis dahin versuchen. dann kannst du dir sagen, hey, wir haben alles versucht, es sollte nicht sein.
dein mann willst du nicht verlassen. was ich natürlich verstehe.
aber gerade dann würde ich es noch versuchen.
vielleicht kannst du dann besser los lassen.




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