Unsere Foren

Die Kinderwunsch-Seite
 

News rund um den Kinderwunsch
amicella Network   ICSI statt IVF: Gibt es Vorteile, wenn die Spermien in Ordnung sind?neues Thema
   IVF und ICSI: Wie hoch muss die Gebärmutterschleimhaut sein?
   Gelbkörperhormon bei IVF und ICSI: Was, wann und wie lange?

  Abschied vom Geschwisterchen nach FG
no avatar
  Jani1977
schrieb am 11.08.2014 21:36
Hallo Ihr Lieben,

es fällt mir sehr schwer, hier zu schreiben, denn ich weiss, es gibt so viele unter Euch, denen es nicht vergönnt ist, auch "nur" ein Kind zu bekommen. Solltet Ihr Euch vor den Kopf gestossen fühlen, tut es mir sehr sehr leid! Ich dachte immer, ein Kind zu haben ist super, ein zweites das i-Tüpfelchen. Leider stellt sich jetzt raus, dass der Wunsch nach dem zweiten fast genauso groß ist, wie nach dem ersten, was ich nie gedacht hätte. traurig

Ich hatte das Glück vor 5 Jahren eine wundervolle Tochter zur Welt zu bringen. Wir haben nach gut einem Jahr bereits versucht, ein Geschwisterchen zu zeugen (Kryo), aber erfolglos. Es folgten zwei erfolglose ICSIs (die 2. mit TESE) und dann eine Kryo, die erfolgreich war. Bereits zu Beginn gab es ganz leichte Blutungen, aber das Herzchen schlug. In SSW 7 stürtzte ich schwer auf unserer Treppe. Einige Tage später setzen Blutungen ein und weitere paar Tage später verlor ich das Kind. Das war vor zwei Jahren. Ein halbes Jahr später hatten wir noch einen Kryoversuch, aber erfolglos.

Wir wollten schon nach der 1. ICSI aufhören, da wir Angst hatten unser kleines Glück durch die Behandlungen oder irgendwelche anderen Sachen zu zerstören. Die Vernunft sagt, dass wir alles haben zum glücklich sein, aber das Herz ist anderer Meinung....

Seit zwei Jahren versuche ich verzweifelt, mit dem Wunsch abzuschließen, noch ein Kind zu bekommen. Aber ich denke jeden einzelnen Tag an das verlorene Kind und empfinde starke Schuldgefühle und bin unendlich traurig. Ist irgendwie blöd auszudrücken... Ein weiterer Versuch kommt für uns nicht in Frage, wie gesagt, die Vernunft ist strickt dagegen und die Befunde (Spermiogramm) auch. Ich muss etwas tun, denn so kann es nicht weitergehen. Ich kann die Gefühle selbst nicht verstehen und überlege, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wovor ich mich allerdings ziemlich scheue.

Ich habe niemanden im Umfeld, der meine Situation annähernd versteht. Ist jemand von Euch in einer ähnlichen Situation gewesen? Wie habt Ihr die Situation überwunden? Ich wäre sehr dankbar für Rückmeldung!!!

Danke fürs "Zuhören" und ganz liebe Grüße
Jana


  Re: Abschied vom Geschwisterchen nach FG
avatar  Friesin
Status:
schrieb am 12.08.2014 16:38
Liebe Jana,

"herzlich Willkommen" hier im Forum. Der erste Beitrag ist vermutlich der Schwierigste, denn hier wollte man niemals etwas schreiben.
Nein, ich fühle mich nicht vor den Kopf gestossen weil du ein Kind hast. Ich lebe mit der Auffassung "wenn etwas fehlt, dann fehlt es" und dann hast du alles Recht der Welt, darüber zu trauern.

Beim Lesen deiner Zeilen hatte ich das Gefühl, du hast den großen Verlust deines zweiten Kindes nicht verarbeitet. Ich habe eine Fehlgeburt zum Glück nicht selber erfahren müssen, könnte mir aber vorstellen, das es unheimlig schwierig ist, damit alleine klar zu kommen. Und es ist nicht deine Schuld! Deine Gedanken über psychologische Hilfe finde ich sehr treffend. Ich habe diesen Schritt aufgrund meiner Fixierung auf den KiWu unternommen und bin heilfroh, dieses getan zu haben. Ja, es ist eine große Hemmschwelle über die man treten muss aber es lohnt sich. Dort kannst du deinen Verlust deines zweiten Kindes aufarbeiten und auch den unerfüllten Wunsch nach deinem weiteren 3. Kind.
Versuche, diesen Schritt zu gehen. Mir hat es für den schwersten Teil des Weges sehr geholfen, um mit dem unerfüllten Kinderwunsch besser klar zu kommen.

Ich wünsch dir alles Gute, Friesin


  Re: Abschied vom Geschwisterchen nach FG
no avatar
  Jani1977
schrieb am 12.08.2014 21:46
Liebe Friesin,

vielen lieben Dank fuer Deine verstaendnisvollen Worte! Sitze hier schon wieder in Traenen und habe auch das Gefuehl, dass irgendwas nicht richtig verarbeitet ist. Der Schritt zur psychologischen Hilfe ist fuer mich total schwer. Mache die Sachen eigentlich immer mit mir aus und das ging bisher sehr gut. Aber wenn man nach zwei Jahren immernoch jeden Tag tiefe Schmerzen empfindet, wenn man an das Kind und den KiWu denkt und das obwohl man so ein tolles Leben hat und die uebermaechtige Trauer selbst nicht begreifen kann, scheint irgendwas nicht in Ordnung.

Ich glaube, ich muss auch dringend mal in Ruhe mit meinem Mann reden. Da treffe ich nur auf Unverstaendnis, was ich zum einen gut verstehen kann, denn ich kann es ja selbst nicht begreifen, aber zum anderen kann ich mir dadurch selbst keinen Raum zum trauern geben. Habe auch irgendwie niemanden, mit dem ich sonst richtig reden kann.

Warst Du bei vielen Sitzungen bei der Psychologin und wie kommt man aus der Therapie-Schiene dann wieder raus? Man sieht, ich bin wirklich sehr skeptisch...

Ganz liebe Gruesse
Jana


  Re: Abschied vom Geschwisterchen nach FG
no avatar
  PippiLangstrumpf2014
schrieb am 25.08.2014 21:35
Liebe Jana, ich lese Deine Worte und ich verstehe Dich so gut.
Auch ich habe eine kleine entzückende und gesunde Tochter. Sie ist 3,5 Jahre und ein absolutes Wunschkind, das ich mit Begleitung durch eine Kinderwunschbehandlung (eine andere Geschichte) nach 5 Jahren endlich in den Armen halten durfte. Da war ich 38 Jahre.
Mit 40 bin ich bei meiner ersten ICSI direkt wieder schwanger geworden. Was für ein Glückskind...zunächst. Der FA hat in der 12. SSW bei einem einfachen Kontrolltermin eine stille Fehlgeburt festgestellt. Ganz ohne Voranzeichen.
Mein KiWu-Arzt hat darauf bestanden, dass das Kind untersucht wird. Es hatte Trisomie 21. Laut Ärzten wäre es nicht lebensfähig gewesen. Ich war "froh" zu wissen, woran es lag... aber dennoch - auch wenn es ein kleiner Trost ist, dies zu wissen, bleibt diese große Trauer. Nach der FG haben wir alle Versuche und Wünsche "eingestellt". Ich wollte und konnte nicht mehr. Vor allem aber war es auch eine finanzielle Entscheidung.
Jetzt bin ich 42. Und der Wunsch nach einem 2ten Kind ist immer noch da. Ich kann nicht loslassen und habe das Gefühl, es wird immer schlimmer. Ich bin wie besessen... aber auf natürlichem Wege wäre es so unwahrscheinlich wie ein Lottogewinn.
Ich klammere mich an alles - sobald ich lese, dass ein Promi mit 44 schwanger ist, meine Frauenärztin sagt "ach, bis 45 ist alles möglich" oder ich von irgendwelchen Wundergeschichten höre. Ich ziehe mir alles rein. Furchtbar.
Ich kann Deine Worte so gut verstehen. Wir haben ein Kind (was für ein Glück) und sind trotzdem nicht ganz glücklich? Wie unverschämt! Wie viele Frauen kennt man, bei denen auch dieser Wunsch sich nicht erfüllt - ob das Single-Leben "schuld" ist oder sie ein ähnliches Schicksal teilen wie wir und einfach nicht auf natürlichem Wege schwanger werden. Es ist so traurig.
Gerade daher mag man dieses Trauergefühl wegen eines unerfüllten Geschwisterkinderwunsches nicht aussprechen.
Das kann einfach niemand verstehen, wenn man nicht selber in der Situation ist.
Im Moment sehe ich um mich - und sehe nur Babybäuche, Mütter mit Geschwisterkindern... es ist absurd und es nervt mich. Ich gehe mir selbst auf die Nerven und weiss nicht, wie ich da raus kommen soll. In diesem Punkt bin ich Dir also auch keine große Hilfe, denn Du siehst, ich bin da noch keinen Schritt weiter als Du. Den Gedanken, mir Hilfe zu holen, habe ich auch - mit den gleichen Bedenken. Aber ich weiss auch, ich muss etwas tun. Allein schafft man das nicht.
Hinzu kommt, dass meine Tochter seit einiger Zeit immer wieder sagt "Mama, ich möchte auch gern ein Baby.". Das war mein Albtraum - und ich wusste, dass es so kommt. Den Wunsch äußern sicherlich fast alle Kinder. Meine Tochter ist außerdem die totale Puppenmami, da muss natürlich auch ein "echtes Baby" her.
Aber Jana, was würden wir einer Freundin raten? "Hol Dir Hilfe von aussen..." - oder? Das wäre mein Rat.
Da ich schon Erfahrung habe, weiss ich auch, dass man keine Angst haben muss, da nicht wieder raus zu kommen, denn diese Profis (wenn man einen Guten findet) bringen uns auf neue Gedanken und zu ganz neuen Sichtweisen. ...und einfach mit jemandem darüber sprechen zu können, ist schon erleichternd. Denn das ist echt schwierig...
Zuhause habe ich einen Spruch stehen "Eigentlich ist alles ganz einfach." steht darauf zwinker Tja, eigentlich...
So - 5 verheulte Taschentücher und viele Worte später bin ich nun am Ende meines Kommentars. Du siehst, Du bist nicht allein - lass von Dir hören, wenn Du magst.


  Werbung
  Re: Abschied vom Geschwisterchen nach FG
no avatar
  Jani1977
schrieb am 26.08.2014 19:41
Liebe Pippi,

vielen tausend Dank, dass Du Dich auf meinen Beitrag gemeldet hast. Es tut so gut, von jemandem zu lesen, der anscheinend sehr ähnlich fühlt wie ich. Das allein hilft unwahrscheinlich doll!!!!!!

Ich habe gerade versucht, Dir eine private Nachricht zu senden, aber das geht irgendwie nicht?!?!

Würde mich sehr freuen, von Dir zu hören! Vielleicht kannst Du ja eine PN schicken?

Liebe Grüße
Jani


  Re: Abschied vom Geschwisterchen nach FG
no avatar
  PippiLangstrumpf2014
schrieb am 27.08.2014 21:13
Hallo Jani, ich bin im Forum nicht registriert, daher geht das mit den PNs vielleicht nicht. Ich probiere es gern mal aus, aber meinetwegen können wir uns auch hier weiter schreiben... LG




Zum Antworten klicken Sie bitte auf" "Beitrag antworten" oder "Beitrag zitieren" unter dem gewünschten Beitrag auf den Sie antworten möchten.



Bitte beachten Sie: In unseren Foren können nur allgemeine Informationen zum Inhalt der Fragen gegeben werden. Ferndiagnosen sind nicht möglich. Die Antworten sind unverbindlich und können aufgrund der räumlichen Distanz keine Beratung für den Einzelfall darstellen. Bitte wenden Sie sich dazu an die Ärztin oder den Arzt Ihres Vertrauens.

Starflower
Home | Theorie | Zentren| Bücher| Links | Forum | News | Impressum | Datenschutz

© wunschkinder.de 1998-2019