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  So viele wirre Gedanken
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  dasmaedl
schrieb am 09.01.2014 07:09
So richtig gehöre ich noch nicht hierher, aber im KiWu- Forum fühle ich mich auch fremd. Nach 6 Jahren KiWu mit allen möglichen Behandlungen und 3 MA weiß ich nicht mehr weiter. Mal sehe ich langsam sogar ein Leben ohne Kinder nicht mehr ganz so ausweglos wie früher, mal bin ich am Boden zerstört beim Gedanken daran.
Es macht mich noch immer völlig fertig, wenn schon wieder xy schwanger ist oder Kind soundsoviel bekommt. Ich bin dann traurig, aber auch neidisch und vor allem so entäuscht vom Leben. Ich kann einfach nicht damit klar kommen, wieso andere keine Probleme haben und wir nichts ausser Problemen ( schon das schwanger werden war nicht immer so ganz problemlos, aber dann es 3 mal wieder zu verlieren...). Ich kenne viele der so oft beschriebenen Frauen, die sich erst um ihre Karriere gekümmert haben und dann mit 38, 39 Jahren problemlos ss wurden. Wir haben mit 31 angefangen.
Ich kenne Leute, die ihre ungewollten Kinder abtreiben lassen, weil sie einfach nicht gewollt sind.
Ich komme einfach nicht klar, mit dem Gedanken, warum wir so leiden und andere ihr Glück nichtmal sehen, oder noch schlimmer- denken, es wäre ihr Verdienst Mutter zu werden!
Wir stehen vor der Entscheidung kinderlos, ein weiterer Versuch mit eigenen EZ oder EZSP und nicht zuletzt aufgrund der völlig unterschiedlichen Arztmeinungen schwanke ich fast täglich hin und her.
Ein Leben ohne Kinder will ich aber einfach noch nicht wahr haben. Aber ich merke, wie mich das alles langsam auffrisst und verbittert.
Danke, dass ich mir das mal von der Seele schreiben konnte, ich freue mich über eure Meinungen


  Re: So viele wirre Gedanken
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  chocolat
Status:
schrieb am 10.01.2014 14:35
Hallo maedl,

erstmal will ich dir sagen, dass es mir Leid tut, dass du so viel durchmachen musstest. Da sind deine Gedanken von Wut, Neid, Trauer doch ganz normal.
Einen Rat oder eine Meinung zu deiner Situation kann ich dir nicht schreiben. Denn ich denke, es gibt keine Pauschalantworten beim Kinderwunsch. Jede Frau hat ihre eigene Belastungsgrenze und ihren eigenen Weg.
Aber ich will dir gerne schreiben, wie es bei mir nach sechs erfolglosen Behandlungen (und im Alter deutlich jenseits der 40) aussieht. Wir hatten schon vor meiner 6. Behandlung beschlossen, dass es die letzte sein wird. Als sie (im Mai!) negativ war, wusste ich, das wir kinderlos bleiben. Über Adoption haben wir mal nachgedacht, aber das ist nicht unser Weg. Eizellenspende kam für uns nie in Frage.
Dennoch habe ich noch das ganze letzte Jahr drüber nachgedacht, ob es vielleicht doch noch einen Versuch geben könnte oder doch EZSP...? Auf der anderen Seite wusste ich im Innern, der Weg aufzuhören, ist für mich der richtige. Ich kann und will keinen weiteren Versuch mehr durchhalten.
Ich will damit sagen, dass ich relativ lange hin und her gerissen war, auch jetzt noch manchmal schwanke, aber die Entscheidung getroffen ist. Nur ist sie eben nicht leicht.
Und ich denke, es werden immer wieder solche Gedanken kommen. Es werden auch immer wieder Neidgefühle, Wut auf andere und Versagensgefühle usw. da sein. Vor allem dann, wenn ich Schwangere oder Babys treffe ist es schwer und wird immer schwer sein.
Lies doch mal hier im Forum - ich glaube der Abschied ist ein Prozess und der Schmerz wird immer Teil unseres Lebens sein. Mir war nur immer wichtig, selbst zu entscheiden, wann Schluss ist mit den Behandlungen und nicht bitter zu werden. Das erste hab ich geschafft, das zweite schaffe ich hoffentlich auch.
Ich denke, nur du selbst (bzw. ihr beide) kannst entscheiden, was dein (euer) Weg ist.
Ich habe glücklicherweise kinderlose Paare im Bekanntenkreis und stelle immer wieder fest, diese Ehen sind nicht die unglücklichsten. Das macht mir Mut.

Ich wünsch dir die richtige Entscheidung für dich und dass ihr glücklich werdet, egal welchen Weg ihr geht.

Liebe Grüße
choco


  Re: So viele wirre Gedanken
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  Tiger77777
schrieb am 21.01.2014 17:23
mmmmhhhh - dass andere Leute keine Probleme haben, nur weil sie nicht kinderlos sind, halte ich für ein Gerücht. Ich kenne zwar nicht viele Leute und kommen aus einem kleinen Dorf, trotzdem kann ich ganz spontan das aufschreiben:
- drei gescheiterte Ehen mit 2/2/1 Kind(ern) wegen wiederholter Untreue des Ehemannes
- massive Geldsorgen in einer Familie mit zwei Kindern (Mann verdient nicht gut, Frau findet einfach keinen Job)
- eine Familie mit totem Kind (Fahrradunfall mit knapp 6 Jahren ==> die Eltern werden sicherlich nie mehr froh)
- eine Familie mit zwei toten Kindern (Sohn direkt nach Geburt gestorben, Tochter Autounfall mit 18)
- zwei Familien mit schwer behinderten Kinder gepaart mit massiven Geldsorgen, da Behinderung teuer und Frau
nicht mehr wirklich mitarbeiten kann)
- eine Familie mit autistischem Kind, was dazu führt, dass sie kaum noch aus dem Haus gehen kann, weil
Sohnemann dann komplett durchdreht
- dauernd drohende Arbeitslosigkeit und damit verbunden viele schlaflose Nächte bei meiner Freundin und ihrem Mann
(2 Kids)
- wohnen in einer Bauruine ohne Aussicht, aus der Nummer wieder herauszukommen bei einer anderen Bekannten (1
Kind)
- ca. 80 kg Übergewicht mit beginnender Diabetes bei einer guten Freundin (1 Kind) - alles versucht an Diäten etc.,
selbst eine Magenverkleinerung hat nicht wirklich was genutzt. Die ist sooooooooo unglücklich!!
- Single trotz Partnerwunsch bei meiner Bürokollegin - alle Männer verlassen sie ständig

Ich will damit Dein Problem nicht herunterspielen - natürlich ist es ein großes Problem, ungewollt kinderlos zu sein. Dass alle anderen glücklich sind, "nur" weil sie Kinder haben, ist aber schlichtweg falsch. Sie sind genauso glücklich oder unglücklich wie ihr, nur aus anderen Gründen.

LG, Tiger777777


  Re: So viele wirre Gedanken
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  dasmaedl
schrieb am 25.01.2014 10:21
Vielen Dank für eure Antworten und Gedanken!
@ Choco: Danke für die offenen Worte! Ich bewundere, dass du trotz der manchmal aufkeimenden Zweifel so genau weisst, was der richtige Weg ist. Ich denke, die "hätte ich, sollte ich, hab ich was verpasst"-Gedanken werden immer wieder auftauchen, aber sicher werden auch diese Momente mit der Zeit seltener. Ich finde toll wie du damit umgehst und bewundere deine Stärke!
@Tiger7777: Ich habe mich da vielleicht missverständlich ausgedrückt? Natürlich snd Menschen mit Kindern nicht grundsätzlich glücklicher, das habe ich nie sagen wollen! Meine Aussagen bezogen sich wirklich einzig und allein auf den Umstand " glückliche SS, Baby im Arm, keine schmerzhaften Behandlungen und Verluste beim KiWu". Tut mir also leid, wenn du meinen Beitrag so aufgefasst hast, ich bin mir sicher, dass ein Baby nicht alle Bereiche des Lebens "heilt" zwinker
@alle: toll, dass es euch gibt und ihr immer ein offenes Ohr habt!


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  Re: So viele wirre Gedanken
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  Elisha
schrieb am 27.01.2014 12:39
hallo,

ich kann dich sehr gut verstehen, wir selbst haben fast das gleiche durch. Erst probleme mit dem schwanger werden wegen Pco und schlechtem Spermiogramm, dann mit Hilfen aus Kiwuzentrum dreimlal ss und jedes mal FG traurig...Untersuchungen dazwischen immerwieder wo immer wieder was gefunden wurde und man mit neuer Therapie hoffnungsvoll reingeht, aber immerwieder mit Fg negativ rauskam.
Wir haben jetzt auch ganz bewusst ohne erneute FG den Entschluss gefasst aufzuhören, einfach auch weil es keine reelle Chance gibt, dass die nächste Schwangerschaft wirklich halten würde oder zum Erfolg führt.... Dieses Wissen hat es uns ein wenig leichter gemacht, diese Entscheidung zu treffen, wenn da vielleicht wirklich irgendwo noch ne reale chance wäre, würden wir sie vielliecht ergreifen, aber die gibt es für uns nicht, Mit all den Diagnosen haben wir einfach ein sehr großes FG-risiko...und nach insgesamt 4 Fg glaube ich daher auch nicht mehr daran, dass die 5.6. oder 7.ss, das FG-risiko einfach auslassen würde..wobei es vielleicht möglich wär.
Mir tat es gut, so wie du es auch beschrieben hast, dass wir selbst diese Entscheidung getroffen haben..einfach ganz bewusst, als aus verzweilfung heraus, dem schicksal gegenüber...aber auch ich bin aus der stelle mit der verbitterung noch nicht heraus....es ist schwer es voll und ganz zu akzeptieren und sich auf andere Dinge auszurichten, wenn man im Alltag immerwieder in Situationen gerät, wo man daran erinnert wirdm, was man nie haben wird, obwohl man es so gern wollte.

Ich habe gestern etwas sehr hilfreiches gelesen...vielleicht hilft euch es ja auch....

Es ist die radikale Akzeptanz, zu erkennen und damit zu leben, dass man sich auf ein reise in die Karibik vorbereitet hat, sich vorher dahin mit aller Energie hineingeträumt hat...dann aus dem Flugzeug steigt und man knallahrt erkennen muss, dass man statt in der Karibik in Alaska gelandet ist.
Und nun steht man da und friert in dieser neuen Situation. Nun bleiben nur zwei Dinge...den nächsten Flieger nehmen, wieder darin einsteigen und hoffen, dass der nächste Flug einen wirklich ans Ziel bringt oder eben in Alaska bleiben, sich dem zu öffnen und zu schauen und zu entdecken, das selbst Alaska sehr schön sein kann, wenn man wahr nimmt, was dieses kalte land zu bieten hat.

Ich bin jetzt an dem Punkt, dass ich in Alaska am Flughafen stehe und vor Kälte und Enttäuschung bewegungsunfähig bin und festgefroren zu sein scheine....aber ich weiss, ich möchte nicht nochmal ins flugzeug steigen....eine weitere enttäuschung will ich nicht mehr....und vielleicht würde der nächste flug noch tragischer enden....ich hoffe, irgendwann taue ich auf und beginne loszulaufen um Alaska zu entdecken....

....keine Ahnung aber vielleicht hilt euch mein posting...

in tiefster vebundenheit...elisha


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 27.01.14 12:44 von Elisha.


  Re: So viele wirre Gedanken
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  snowflake30
Status:
schrieb am 07.03.2014 08:38
Hallo maedl,

auch wir haben nach 6 Jahren Kinderwunsch und 3 FG den Weg verlassen.
Ich finde mich in chocos Worten, ebenfalls bei Elisha, auch sehr wieder und kann sie nur unterschreiben.
Ich halte es darüber hinaus für wichtig, dass man auf sein Bauchgefühl hört, wenn einem das flüstert: es reicht, es war genug.
Aufkommende Panik und Trauer beim Gedanken an einen endgültigen Abschied sind normal. Gehören dazu. Das schwanken, die Gedanken, noch einen letzten Versuch zu wagen, die Angst, nicht "alles probiert zu haben" spielt sicher Anfangs noch eine Rolle. Schließlich kennt jeder "eine", die fast aufgegeben hätte, aber dann mit der x. ICSI doch endlich "Erfolg" hatte. daher raten viele gerne: halt durch. Und das Stimmchen im Kopf lässt einen auch selber zweifeln. Und...auch nicht jede EZS ist erfolgreich. Liest sich aber gerne so.
Fakt ist, wir werden, wenn wir den Weg beenden, nie wissen, ob nicht der nächste Versuch, oder die nächste Schwangerschaft glücklich geendet wäre. Andersrum wissen wir aber auch nicht, ob nicht der nächste Versuch, die nächste gescheiterte Schwangerschaft uns endgültig emotional über die Klippe hätten stürzen lassen. Jeder negative Versuch, jede FG kostet viel Kraft, Schmerz und Tränen. Es wird nicht leichter sondern von mal zu mal auch schwerer nach meiner Erfahrung. Der Rucksack immer schwerer. Viele denken: wenn ich jetzt aufgebe, war alles umsonst. Aber der Preis, den man zu zahlen halt, kann auch immer höher werden. Statt dass sich am Ende alles "gelohnt hat".


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 07.03.14 08:55 von snowflake30.


  Re: So viele wirre Gedanken
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  Maigloeckchen11
schrieb am 11.03.2014 21:58
ich finde mich sehr in Snowflakes Worten wieder...

schreibt eine, die viel ans Aufhören denkt, aber doch noch die gefühlt 100. ICSI durchführen wird, demnächst. Und ja, der "Rucksack", der Preis, den ich zahle, wird immer höher und es wird mit jedem Mal schlimmer...


Maiglöckchen




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