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  Kinderlose, wo seid Ihr
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  tette
schrieb am 30.11.2013 10:22
Hallo!
Ich finde es sehr schade, dass der Austausch hier nur so "langsam" verläuft. In meinem Umfeld (sowohl beruflich als auch privat) kenne ich keine kinderlosen Paare in unserem Alter. Laut Statistik soll es eine ganz große Menge geben. Aber wo trifft man diese und kann sich mal austauschen. Ich komme mir wirklich wie ein Exot vor und ärgere mich über die vielen gedankenlosen und oberflächlichen Kommentare, die man sich täglich anhören muss. Werde immer mehr zu einer verbitterten, alten .... Wie geht es Euch denn? Wie geht ihr mit der Situation um?
Liebe Grüße
Tette


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
avatar  Friesin
Status:
schrieb am 30.11.2013 11:07
Hallo liebe Tette,

ich brauche einfach den Abstand, daher ist mein Austausch in diesem Forum sehr schwankend. Und ich glaube, so ist es auch im realen Leben: ich mag einfach nicht den ganzen Tag darüber reden, dann halte ich gedanklich wieder so daran fest. Ich versuche mich anders zu orientieren und dazu gehört, die Kinderlosigkeit auch mal zu Hause zu lassen.

Aber ab und an brauche ich auch den Austausch - allerdings habe ich im privaten Umfeld auch nur Eltern als Freunde. Und es klingt komisch, ich habe das Gefühl, sie können mich sogar wirklich verstehen - vermutlich liegt es daran, das sie mich lange Zeit so haben leiden sehen und "irgendwie" haben meine Freunde auch eine Entwicklung in Sachen Kinderwunsch mitgemacht. Und ich glaube, diese Mütter genießen es auch mal, die weniger schönen Seiten des Eltern-seins aussprechen zu dürfen, bei anderen Müttern werden ihnen schlechte Gefühle vermittelt und bei mir dürfen sie offen ihren Kummer loswerden. Auch das hilft mir beim Abschied nehmen - beide Seiten zu hören.

Bei der Arbeit habe ich mehrere kinderlose Kollegen. Aber es sind alle, die auch keinen Partner haben. Einige von Ihnen leiden bestimmt auch sehr darunter - unter beidem, kein Partner und kein Kind. Aber ich habe dort nicht das Bedürfnis mich darüber auszutauschen, dazu ist es mir dann doch zu Privat.

Fühl Dich mal in die Arme genommen knuddel


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  kinderlos2013
schrieb am 30.11.2013 12:09
Ich habe die Erfahrung machen müssen, das nach einer Zeit, eigentlich schon recht schnell, niemand, selbst beste Freunde und Familie, es noch hören wollen, wenn du darüber sprichst.
Über die Tatsache das man nie Kinder haben wird.
Auch wenn es den einen oder anderen gibt, der versuchte mich zu trösten gab es recht schnell niemand mehr, der diese tief sitzende Traurigkeit noch nachvollziehen kann.
während ich immer noch sehr leide und traurig bin, mit meinem Leben so ohne Kind mich einfach nicht anfreunden kann, erwarten die anderen, das ich doch nun endlich Ruhe gebe und nicht mehr damit nerve.
Ich habe das Gefühl das es sozusagen erwartet wird, das nundoch gut ist, mit der Trauer und ich mich doch nun endlich damit abfinden soll, da es ja eh nicht zu ändern ist.
Aber wie das gehen soll, das verrät man mir nicht.
Fast ist es ein bisschen als müsse ich mich schuldig fühlen,das ich einfach nicht glücklich werden kann oder zumindestens immer etwas fehlen wird.
Selbst maein Mann will es nicht mehr hören...
Aber es geht halt nicht weg...die Trauer und die Angst was nun aus meinem Leben werden soll.

Ich kann mir vorstellen das ich nicht die einzige bin, die einsam vor sich hin leidet...

von den anderen zum Schweigen verdonner......


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
avatar  Kama.
Status:
schrieb am 30.11.2013 12:44
Hallo tette,

ich glaube es liegt ein Stück weit in der Natur der Sache, Kinderlosigkeit das da nicht viel Austausch besteht.
Es ist eben wie es ist, es ist nicht mehr viel los mit dem Thema Kinder. Das ist der Unterscheid zwischen uns und Eltern oder solchen die es noch versuchen zu werden.
Wir basteln nicht mehr, wir planen nichts mehr,keine Versuche und hoffnungsvollen Euphorien mehr. Wir sind an einem traurigen, ruhigen Ziel/Ort angekommen. Wir können uns gegenseitig nur noch helfen indem wir uns bei Bedarf zuhören, trösten und sehen das wir nicht allein sind.
Als ich mal eine andere Kinderlose kennen lernte, kam bei der zufällig entstandenen Unterhaltung ebenso zufällig raus das wir beide keine Kinder kriegen können.
Und außer woran es medizinisch liegt, wie dämlich manche Komis der Mitmenschen sein können, und das wir nun eben beide mit unseren Jobs und unseren Katzen (ich noch mit meinem Mann) zufrieden zu sein versuchen, kam nicht viel raus dabei. Nach 10 Min waren wir durch.
Es gibt eben bei uns nicht so viel auszutauschen wie z.B. bei Eltern oder Kiwu-Paaren die noch aktiv dran sind.

Ich habe oft das Bild eines Bahnhofes im Kopf. Dieses Forum z.B. , stell es dir als einen Bahnhof vor:

Zyklusforum: Wir wissen das wir auf eine Reise gehen wollen, sind fröhlich und aufgeregt, die Welt steht uns offen, wo fahren wir Hin? Jungenhausen oder Mädchenburg? Oder vielleicht sogar Zwillingshafen? Alles ist möglich, egal, die Züge sind frei. Rucksack geschultert und einsteigen bitte. Auf der Reise treffen wir natürlich viel andere gutgelaunte Rucksacktouristen.
Das wäre der Eingangsbereich des Bahnhofes.

Infoschalter: Fragen was, wie, wo, Tickets kaufen, Die Reiseroute planen,wanderkarten und Balsenpflster inder Bahnhofsapotheke kaufen, Preise abfragen, dann fällt mal ein Zug aus und man muss warten, umständlich umbuchen, aber der nächste Zug kommt bestimmt. Und vielleicht führt er uns zum Ziel.
Das wäre das Kinderwunschforum.

Bahnhofsmission: akute Notfälle,Stürze und Verwundungen, starke Schmerzen und Trauer, niemand will da rein. Aber auch dort, Trost und Verständnis. Nachdem die Wunden verarztet sind und es hoffentlich nicht mehr blutet, gehen die Leute wieder auf den Bahnhof um hoffentlich den richtigen Zug zu finden.
Das Fehlgeburtenforum.

Die verschiedenen Elternforen:
Ganz klar, erreichtes Ziel. Und am Urlaubsort gibts Aktion, Ausflüge , Abenteuer , Herausforderungen. Und viele Leute mit denen man die vielfältigen Erfahrungen teilt. Nach der Fahrt am Ziel angekommen, gehts erst richtig los.

Abscheidsforum:
Es ist Nacht geworden, die gestrandeten Passagiere sitzen in der Wartehalle und müssen begreifen das der Reiseverkehr eingestellt wurde. Es gibt keinen Zug der sie irgendwo hin bringen könnte.
Da sitzen sie, noch irgendwie orientierungslos, jedoch froh das sie nicht allein in der Halle sind. Es gibt nicht viel zu erzählen, nicht mehr. Müde sind sie, und ausgelaugt von der Warterei. Der Mons scheint durchs Glasdach,
gemeinsam warten sie still auf dem Morgen.

Thats it!

LG Khama


3 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.11.13 12:50 von Khama.


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  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
avatar  Friesin
Status:
schrieb am 30.11.2013 12:53
Hallo Khama,

Deine Bahnhofserklärung ist sehr treffend!


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  chocolat
Status:
schrieb am 01.12.2013 10:54
Hallo Tette,

ich gehöre offenbar zu den wenigen, die auch im Freundeskreis einige kinderlose Paare haben (zum Teil bewusst, zum Teil aber auch ungewollt). Dafür bin ich echt dankbar, besonders weil sich dann die Gesprächsthemen im Freundeskreis nicht ständig nur um Kinder drehen.
Dennoch ist es nicht so, dass wir uns ständig über das Thema unterhalten. Die meisten sind schon "durch" damit und manchmal habe ich auch den Eindruck, dass ich viele nerve, wenn ich immer wieder damit anfange und sie insgeheim denken "jetzt soll sie doch endlich mal zufrieden sein...". Ist schade, aber es ist so.
Ich habe mir angewöhnt, nur noch sehr vereinzelt über das Thema zu sprechen, z.B. wenn es mir wirklich schlecht geht und dann auch meistens nur unter 4 Augen mit einer Freundin. Ansonsten bin ich nur enttäuscht. Und da ist es dann egal, ob sie Kinder hat oder nicht. Ich habe ein paar Freundinnen, da weiß ich, ich kann immer mit ihnen über meine Probleme reden (und sie auch mit mir) - die müssen dann auch mal Jammern und Traurigkeit aushalten.
Ansonsten kann ich Gott sei Dank viel mit meinem Mann reden, das ist uns beiden sehr wichtig. Ab und zu "gönne" ich mir ein Gespräch bei einer Psychologin zum Verarbeiten der Trauer.
Am Besten kann ich mit Freundinnen reden, die gerade auch im Abschiedsprozess sind. Das sind die wertvollsten Gespräche. Erst letztes Wochenende traf ich eine alte Bekannte, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir kamen im Gespräch darauf, dass sie auch keine Kinder hat und gerade sehr mit dem Abschied kämpft bzw. der Frage, ob sie noch weitere Behandlungen machen sollen. Mittlerweile bin ich sehr offen, was meinen Kinderwunsch-Leidensweg betrifft und so ergab sich ein tolles Gespräch. Das wünsche ich mir für die Zukunft öfter. Ich habe so viel durchgemacht, vielleicht kann ich anderen Frauen mit meinen Erfahrungen helfen auf dem Weg.
Denn der Abschied ist einfach ein Prozess. Manchmal denke ich, ich kann ganz gut damit umgehen, dann tut es wieder sooo weh. Ich hoffe, ich versöhne mich irgendwann mit meiner Situation, aber ein gewisser Schmerz wird immer bleiben. Ich wünsche mir nur, dass er nicht so groß ist, dass ich das Schöne nicht mehr genießen kann. Denn ich habe auch manchmal Angst, bitter zu werden (hat diese Bekannte auch gesagt), aber das will ich nicht, nein!

Liebe Grüße
choco

@Khama: Der Bahnhofs-Vergleich ist echt sehr treffend, mir schossen sofort Tränen in die Augen. Du hast schon mal so einen tollen Vergleich geschrieben - ich sage nur "Alaska" - das hat mir schon oft geholfen.


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  Maigloeckchen11
schrieb am 01.12.2013 13:45
Hallo Tette,

ich schwanke zwischen den Foren - will hier nicht dazugehören, fühle mich aber immer öfter im KiWu-Forum nicht mehr "heimisch".

Heute mag ich gar nicht mehr schreiben, bin etwas trübsinnig gestimmt, nur so viel: ich denke, dass der Austausch hier eben schleppender ist, weil dieses Forum eine Zwischenstation ist, denn die Frage "endgültiger Abschied oder Weitermachen" wird (bei mir aber sicherlich auch bei anderen) heute so, morgen so beantwortet.

Austausch mit anderen außerhalb des Forum ist bei mir schwierig, wirklich hineinversetzen kann sich meinem Empfinden nach niemand. Bin schon froh, wenn jemand halbwegs rücksichtsvoll ist und nicht hartnäckig Ersatztermine anbietet, wenn ich zum offiziellen Baby-Gucken nicht kommen konnte...

Schönen 1. Advent allerseits!
Maiglöckchen (heute eher: Adventsglöckchen)


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  Magma
schrieb am 04.12.2013 18:44
Hallo Tette,

ja, das frag ich mich auch, wo die ganzen Kinderlosen sind. Ich fühle mich auch wie ein Exot, wie irgendwie übrig geblieben, den Zug verpasst, auf einer tieferen Entwicklungsstufe stehen geblieben. Soweit also zum Selbstwertgefühl. Alle Freundinnen haben inzwischen Kinder, die letzte, die wie ich einen langen Leidensweg hinter sich hat, ist überraschend, ach und gar nicht mehr gewünscht nun auch schwanger. auf einmal auch kein Verständnis mehr für mich (oder bilde ich mir das nur ein?). Irgendwie kenne ich viele, die Probleme hatten, aber wirklich alle haben es letztendlich "geschafft". Ich merke, dass ich mich auch in den Freundschaften entferne, weil die Interessen zwangsläufig auseinandergehen. Vielleicht wird das etwas besser, wenn man die anderen nicht mehr um die Kindererlebnisse beneidet (ach war dieser Laternenumzug schön...). Tja, auch wenn ich gerade keine traurige bis schwermütige Phase habe und das Leben ohne Kinder in die Hand nehmen möchte: es fehlen die Menschen, mit denen man Aktivitäten teilen kann, die nicht auf Kinderfütterungszeiten und auf Babysitter angewiesen sind. Ja, ich kenne einige Paare, deren Kinder gerade flügge werden und die Ihre neue Freiheit genießen. die sind natürlich auch recht gute Gesellschafter, aber irgendwie fühle ich mich dann auch minderwertig:ich kann diese Freiheit nicht genießen, ich hab sie ja immer. Und was einige schreiben, dass die Freundinnen mit Kindern sagen, dass man sich gerne mit einem trifft, weil man eine gute Abwechslung zu den ganzen Eltern im Umfeld ist: da könnte ich brechen: schön, wenn man diese Funktion ausfüllen darf. Das Gejammere über Kinder höre ich auch gerne, trotzdem gibt es etwas ganz Tiefes, was die jammernden Eltern stärkt, beflügelt etc., das die negativen Seiten des Elterseins wieder wett macht; und sei es schlicht die biologische Vorsehung, die Erfüllung des Lebensplans. Puh, ich schweife und philosophiere. Manchmal ist es wirklich gut, sich gar nicht mit der Thematik zu befassen, was mich auch bisher daran gehindert hat, in diesem Forum etwas zu schreiben. Aber in Ermangelung von Leidensgenossen vor Ort (Jemand aus Flensburg hier?) und ohne Vorhandensein einer Selbsthilfegruppe, ist mir doch nunmal danach zu schreiben. Kurz zu mir: ich bin jetzt 42. Ich und mein Mann haben im April unsere 4. IVF hinter uns gebracht und jetzt einen Schlusstrich gezogen. (wenn das so einfach wäre). Ich hatte 2007 eine Fehlgeburt und danach passierte gar nichts, woraufhin wir uns ein Jahr später in Behandlung begaben. Da so wirklich keine Ursachen gefunden wurden, und keine Unterstützung anschlug,haben wir dann erst 2011 unsere erste IVF gestartet: 2x als Kassenleistung und jetzt 2x als Selbstzahler eine IcxI: krass, wieviel ein Kind schon kosten kann, bevor es da ist. Tja, jetzt ist uns allmählich das Geld zu schade, wir haben keine Kraft mehr, immer wieder zu hoffen und wieder abzustürzen und wollen unser Leben "einfach" wieder genießen. Dazu kommt natürlich das Alter, das keine Pause und auch allmählich keine verantwortungsvolle Schwangerschaft mehr zulässt. Auch leider keine Adoption etc. mehr. Ja, ich habe auch Angst, so eine verbitterte alte Schrappnelle zu werden. Es ist schwer, sich etwas anderes Sinnvolles im Leben auszudenken, diese Plan-B.-Tipps, die man auch gerne bekommt. Klar, die, bei denen das mit dem anderen Lebensplan klappt, haben nicht die Situation darüber nachdenken zu müssen, was die Lücke füllen könnte. (Obwohl die sicherlich zum Teil auch Lücken haben: ist ja nicht alles rosig).Ist es vielleicht sogar sinnbringender, nicht "einfach " Kinder zu bekommen und das als Sinn zu wahrzunehmen, sondern z.B. in soziale Projekte einzusteigen, Flüchtlingshilfe etc.? Dazu hätte man im Zweifel mit Kindern keine Zeit. Aber diese ganzen Familiennummern mit Großeltern, die sich so sehr freuen und stolz auf ihre Enkel sind etc. Und jetzt langweiliges Weihnachten, was man für Kinder so nett machen könnte.. Ich hab so viel verworrene und halbe Gedankenstränge im Kopf, aber es ist auch echt schwer, von 6 Jahren und dem nie zu erreichenden Ziel der Familienplanung abzuschwenken, und sich positiv zu polen. Ich hab auch keine Lust mehr auf frustend vertane Lebenszeit. Und es gibt immer viel schlimmere Sachen, wie schlimme Krankheiten und Tod. vielleicht besser etwas nicht zu haben, als etwas zu verlieren. Puh, nun reicht es und ich denke keiner liest das ganze Geschreibsel bis zum Ende, obwohl ein wenig Verständnis für diese Wirren genau hier wohl zu finden ist. Ach so, Tette: wie Du siehst, ich gehe verworren schwarz bis weiß mit der Situation um...


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  tette
schrieb am 08.12.2013 18:00
Hallo!
Lieben Dank an alle die geantwortet haben. Das war alles unheimlich interessant zu lesen!!! Es geht uns doch allen sehr ähnlich! Ich hoffe ich bleibe gesellschaftsfähig! Ich bin sehr sauer
Liebe Adventsgrüße und ich wünsche Euch viel Kraft, den richtigen Lebensweg auch ohne Kinder zu finden!!!???
Tette


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  bujazza
Status:
schrieb am 08.12.2013 23:16
@Magma: Ich habe dein "Geschreibsel" nicht durch durchgelesen, sondern mich darin wiedergefunden. Wenn man die Situation kennt, sind diese Gedanken, die hin und her springen und mal in die eine, mal in die andere Richtung gehen all zu bekannt. An einem Tag bin ich glücklich, meinen Mann an der Seite zu haben und leben zu dürfen, weil ich eine schlimme Erfahrung eines schwer Kranken gelesen habe. Manchmal denke ich, ich komme auch ohne Kinder zurecht. Das viele Geld für erfolglose Behandlungen weiß ich besser auszugeben. Ich plane den Kauf neuer Möbel, schmiede Urlaubspläne für die Zukunft und kleide mich endlich mal wieder neu ein. Und dann bricht es doch wieder über mich herein, die Sehnsucht nach dem Kind. Als ich kürzlich meinen Neffen ausnahmsweise vom Kindergarten abgeholt habe, spürte ich, wie viel mir alleine so etwas bedeuten könnte und fühle mich dann doch irgendwie wie ein Eindringling in eine mir verschlossene Welt. Was willst du hier. Du hast doch keine Kinder und kennst dich gar nicht aus in unserer Welt der Familien. Bilder schießen durch den Kopf. Die Kollegin, die mir vor wenigen Wochen behutsam ihre Schwangerschaft eröffnete, nachdem sie im Juni noch in einem Gespräch zweifelte, ob sie ein Kind wirklich wolle. Doch dann hat es gleich geklappt. Was kann sie wiederum von meiner Welt wissen? Von sieben Jahren Sehnsucht und Traurigkeit, wenn es schon nach wenigen Wochen klappt? All die Freunden, die entweder kaum noch Zeit haben, da sie ein Baby haben oder diejenigen, mit mehreren Kindern, dir sich ohnehin von uns oder wir uns von ihnen entfremdet haben und die sich meist mit anderen Eltern treffen, da dann die Kinder miteinander beschäftigt sind. Das können wir nicht anbieten. Bilder davon, wie nun Weihnachten in den Familien vorbereitet wird. Der ausführliche Bericht eines Freundes vom Laternenumzug. Usw. Dann fühle ich mich auf einmal minderwertig, unerfahren, zurückgeblieben. Aus dem Forum hier habe ich mich zurückgezogen, da letztlich doch fast alle, auf die ich getroffen bin, schwanger geworden sind. Am besten hilft es mir mittlerweile, das Thema so gut es geht zu umschiffen. Ach ja, und noch viel besser hilft mir das Antidepressivum. Die Momente der Trauer sind viel weniger geworden, ich lache wieder mehr und habe das Gefühl, mein Leben zurückzuerobern, wieder "ich zu sein".

Euch allen viel Kraft, die schweren Momente gut zu meistern, aber auch Kraft, um die schönen Dinge wahrzunehmen und schätzen zu können.

Gruß

Kerstin

Komisch, eigentlich wollte ich nur in ein zwei Sätzen antworten und habe nun doch einiges hier am Handy niedergetippt. zwinker


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  mato
schrieb am 11.12.2013 08:56
Hallo Magma,

dein Bericht ist einfach Klasse, es tut so gut dies zu lesen, so wie Du es schreibst ist es. Danke

Viele Grüsse mato


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
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  sonnensuche
schrieb am 12.12.2013 19:33
Danke für die Bahhofsgeschichte!!!
Ich bin neu hier und hatte nach dem heutigen Tag ein dringendes Bedürfnis nach Austausch....nur mit wem?
Ich bin 39 und hatte 3 Fehlgeburten, die letzte ist 6 Jahre her und seitdem ist NIX mehr passiert. Ich bin glücklich verheiratet und mein Mann genießen unser Leben mit den Freiheiten die man OHNE Kind hat. Ich bin immer tapfer wenn schwangere Kunden kommen und teilweise freue ich mich für sie...ich bin stark und merke aber an Tagen wie heute dass es nur eine dicke Mauer ist die meine Seele schützt...heute war ich mit 2 Freundinnen unterwegs...die eine hat ein Kind von 1 Jahr und die andere ist auch kinderlos....bis heute..da sagte sie mir dass sie schwanger ist....und ich....für mich brach innerliche eine Welt zusammen. Ich bin tapfer sagte ich mir und habe sie beglückwünscht!.....Aber die Themen zwischen den beiden ging nur noch um die SChwangerschaft und ich dachte...ich zerbreche! Wollte was sagen und dachte: Nein du bist tapfer....es ist DEIN Problem nicht das deiner Freunde. Und fühlte mich einsam...sehr einsam!
Wie verhält man sich richtig? Ich kann Schwangeren nicht aus dem Weg gehen und schon gar nicht im FReundeskreis. Die eine von den beiden weiß das von mir und meiner Problematik und war in ihrer SChwangerschaft sehr zurückhaltend- ich da auch der schlechteste Gesprächspartner den es gibt! Und die andere weiß es im GRunde auch- wahrscheinlich die Hormone...ich weiß es nicht.
Es gibt ein paar unter meinen Freunden die ohne Kinder leben- auch gewollt kinderlos sind- das macht die Sache einfacher....nur ich.....kam nach Hause und habe nur geheult und fühle mich noch immer leer...dabei habe ich doch alles so gut im GRiff und bin manchmal auch ganz froh keine Kinder zu haben...nur heute...da tats weh..und meine Mauer hat nen Riss bekommen....aber DEN zeig ich niemand.....nur Euch! DAnke!


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
no avatar
  lonely
Status:
schrieb am 14.12.2013 11:21
Es ist schon traurig, wenn man die Antworten auf Tettes Frage liest. Den letzten Zug verpasst, zurückgelassen auf dem Bahnhof, verwirrt, durcheinander, heimlich bemüht, die Risse in der Mauer zu kitten...
Ja, das trifft es alles, ich kann es soooo gut verstehen, es geht mir genauso und es ist richtig traurig. Aber ich finde es auch toll, wenn jemand hier seine Gefühle teilt. Dann weiß man, man ist nicht allein.

Ich fürchte, wir sind die Unsichtbaren der Nation. Wir haben nichts offiziell verloren, um was man trauern darf bzw was auf großes Verständnis stößt und wir haben sowieso ja keinen Grund zu jammern, denn uns geht es doch gut, also was wollen wir eigentlich?

Ich fürchte, es wird auch niemand sehen, aber wir, die wir alle Ähnliches durchgemacht haben, wir wissen, wie stark wir sind oder sein müssen und ich bin mir sicher, wir werden viel Kraft daraus schöpfen und die wird uns helfen, wieder viel Lebensmut und Freude zu finden...irgendwann...bald hoffentlich.

Das wünsche ich mir und euch fürs neue Jahr.
Lonely


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
avatar  Friesin
Status:
schrieb am 14.12.2013 18:31
Ja Lonely, es ist wirklich traurig dies alles so zu lesen. Und man findet sich selber wieder in den Geschichten, den Gedanken, den Gefühlen..... traurig
Mist Weihnachten, ich habe jetzt auch seit einigen Tagen wieder zu kämpfen. Die Traurigkeit übermannt mich zum Glück nicht übermäßig aber wenn ich zur Ruhe komme ist sie da, diese tiefe Bedrücktheit, die nicht in Worte zu fassen ist. Diese Bedrücktheit, die mich auf die Überholspur lenkt nur um nicht fühlen zu müssen.......und dann verlässt man mal diese Spur und sie ist wieder da, läßt manchmal auch wieder Tränen kullern........und dann setzt man den Blinker wieder nach links......


  Re: Kinderlose, wo seid Ihr
no avatar
  fieselchen
schrieb am 18.12.2013 11:26
ihr sprecht mir alle sowas von aus der Seele mit euren Beiträgen hier....
(gucke nur selten hier ins Forum, deshalb komme ich jetzt ein bisschen hinterher!)

Auch wenn es einige Freundinnen und Freunde gibt, mit denen ich über meine Trauer und meinen Schmerz reden kann, es werden immer weniger bzw. so langsam will es keiner mehr hören. Ich lerne zwar ganz langsam, besser mit der Kinderlosigkeit umzugehen, aber Trauer und Schmerz kommen immer mal wieder auf, und sind auch immer wieder sehr heftig. Ich bin also noch lange nicht "drüber weg", wie es mein Umfeld so erwartet (oder hofft), und das macht es für die meisten wohl sehr anstrengend.

Mir das Ganze immer mal wieder von der Seele zu reden oder schreiben tut immer sehr gut, deshalb sind Foren wie dieses hier, selbst wenn wenig los ist, toll!

liebe Grüße, fieselchen




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