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  Es geht auch wieder aufwärts! (vorsicht, lang!)
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   Rainer
schrieb am 04.03.2005 15:04
Hallo zusammen,

die "alten Hasen" werden uns vielleicht noch kennen: Wir haben insgesamt 5 IVFs hinter uns, die letzte mit ICSI und nie hat es geklappt. Wir haben dann vor drei Jahren das Thema drangegeben. Meine Frau musste aufgrund der Stimulationen mehrfach operiert werden, weil sie zusätzlich Endometriose hat und sich immer wieder Zysten gebildet haben. Es war eine ganz besch... Zeit. Nun ist sie erst mal in die Wechseljahre versetzt, aber sie leidet nicht mehr an der Endo.

Bei uns ging es dann nach einem langen Traum-Urlaub weiter. Der Beschluss, sich selbstständig zu machen war schon gefallen, und mittlerweile hat meine Frau - darum beneide ich sie - eine sehr gut laufende Lotto-Post Agentur mit insgesamt 6 Mitarbeitern aufgebaut. Die Arbeitszeiten sind zwar alles andere als toll, aber das spielt hier erst mal nicht zur Sache.

Parallel habe ich mich beruflich auch ein wenig verändert, aber unsere - leider etwas geringe - Zeit des Zusammenseins ist sehr schön! Was vorher für meine Frau zumindest unvorstellbar war ist jetzt der Alltag geworden, kinderlos und mittlerweile auch ausgefüllt und glücklich.

Es muss nicht immer ein Kind sein, dass euch glücklich macht. Eine gute Partnerschaft, mit vielen Möglichkeiten, die "Kinderhabende" jahrelang nicht machen können ist sehr viel wert. Abends ins Kino gehen, tanzen gehen, gemütlich essen oder ins Musical fahren, das sind die ganzen Dinge, die die Eltern sich erst mal nur mit Aufwand leisten können.

Auch lese ich hier immmer wieder, dass es das größte und wichtigste im Leben sein soll, ein Kind großzuziehen - das finde ich schlichtweg falsch. Für mich zählt in aller erster Linie meine Gesundheit und die meiner Partnerin sowie unsere Beziehung zueinander, dann kommt das Auskommen. Wenn das alles auf guten Beinen steht, dann ist ein Kind das Tüpfelchen auf dem i, aber sich nichts sehnlicher zu wünschen, als ein Kind zu haben, ist doch sehr kurz gedacht.

Die Kinderwunsch-Zeit, die wir hinter uns haben, war sehr schwer. Das Spritzen, warten, hoffen und bangen, dann die vielen OPs, wir sind froh, damit abgeschlossen zu haben. Die schwere Zeit hat uns noch enger zusammen gebracht.

Gerade habe ich auch zwei Beiträge gelesen von Männern, die nicht darüber reden wollen. Wenns den Männern an ihre Männlichkeit geht ... ich überlege gerade wie ich euch damit helfen kann. Bei mir war es in der Vergangenheit so, dass ich auch nicht darüber reden wollte. Mir persönlich half es 1998, das ich dieses Forum entdeckt hatte und mich "schlau" gemacht habe. Ich konnte hinterher meiner Frau die ganze Technik besser erklären und war ein fleißiger Teilnehmer des Forums. Somit bin ich quasi über mein Interesse daran an die Sache herangekommen. Zeigt euren Männern mal diese Seiten - sie werden zuerst so tun, als wüssten sie alles; dabei ist das Thema schwieriger zu verstehen als man meint - mir ging es so. Lasst eure Männer sich darüber aufklären, welche Behandlungsmethoden es im einzelnen gibt, vieles ist nämlich gar nicht so offensichtlich. Lasst euch die Männer darüber aufklären, wie der weibliche Zyklus funktioniert (außer dass es einmal im Monat blutet und vorher irgendwie das Ei fertig ist wusste ich auch nicht mehr). Als ich dann merkte, dass ich nicht alleine bin, konnte ich ganz locker über das vorherige Tabu-Thema reden. Ich habe es im Büroumfeld rausgestreut; auch die Kollegen haben dann immer mitgezittert und wussten immer Bescheid.

Ein Sprichwort ist immer wahr: Die Zeit heilt alle Wunden.

So hart es ist.

Ich wünche euch Abschiednehmenden alles erdenklich gute, eine gute Gesundheit und eine tiefe, glückliche Partnerschaft, bei der der Kinderwunsch keine größere Rolle mehr spielt.

Euer Rainer

.. und vielleicht liest dieser Beitrag noch die shusl, die SabineM, der Elmar ...


  Re: Es geht auch wieder aufwärts! (vorsicht, lang!)
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   renni
schrieb am 04.03.2005 15:58
Genauso ist es Rainer!

Das Tüpfelchen auf dem -i-, aber ein Kind löst nicht alle anderen Probleme, wie die Unzufriedenheit mit sich selbst, den evtl. falschen Weg den man im Leben eingeschlagen hat, oder Beziehungsprobleme. Das Wichtigste ist meines Erachtens mit sich selbst ins Reine zu kommen, Beziehungen zu pflegen und seine Gesundheit zu erhalten. Und sich immer wieder vor Augen zu halten, was man hat und nicht nur darüber zu grübeln, was das Leben einem verwehrt hat.

Ein Weg kann sein, auf dem Weg des Abschieds vom Kinderwunsch sich die Dinge zu erfüllen oder in Angriff zu nehmen, die man schon immer wollte, sei es Hobbies, eine Reise oder Freundschaften aktivieren. Das muß jede(r) für sich entscheiden.
Viel Kraft für alle, die noch auf der "Reise" des Abschiednehmens sind.

Renni


  Re: Es geht auch wieder aufwärts! (vorsicht, lang!)
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   Camille
schrieb am 04.03.2005 17:30
Bravo!!
Ihr sprecht mir aus der Seele, danke für diese Zeilen!
Camille


  Re: Es geht auch wieder aufwärts! (vorsicht, lang!)
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   Hummelbienchen n.e.
schrieb am 05.03.2005 12:21
Danke, Rainer für dieses posting! knutsch

ich bin zwar noch immer im KiwuForum unterwegs, aber ich denke, dass ich langsam doch auch Abschied nehmen müsste... v.a. ist mir klar geworden, WAS man alles "auf Eis legt", nicht wirklich anpackt, solange dieser Kiwu im Kopf schwirrt... mein Leben dreht sich zwar nicht ausschließlich um den Kiwu- das habe ich nie zugelassen-, er beeinflusst(e) aber doch unbewusst das Denken u. Handeln... blockierte dadurch doch so manches...

dabei sollten wir wirklich das Nehmen, was uns heute gegeben wird. das Anpacken, was heute ansteht.

dir & deiner Frau alles Gute!!
Hummelbienchen


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  Re: Es geht auch wieder aufwärts! (vorsicht, lang!)
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   soni2
schrieb am 07.03.2005 11:17
Danke Rainer, es sind wunderschöne Worte und sie werden mich begleiten...

Euch alles Gute !


  Re: leider nicht immer so einfach. (auch lang) zwinker
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   calvin71
schrieb am 07.03.2005 15:45
Hallo Rainer

Ich bin auch einer dieser Männer, die hier regelmässig mitlesen, aber nicht so viel schreiben.
Unter dein Posting möchte ich dir gerne meine Gedanken aus meiner Sicht schreiben.

Unser Kinderwunsch besteht nun seit exact 4 Jahren. 3ICSI’s und 4 Kryo’s haben wir bereits hinter uns. (Stecken momentan in der Warteschleife und bekommen diese Woche unser positiv oder unser 7.Negativ). Und so langsam aber sicher müssen wir uns auch überlegen,
wie und ob wir weitermachen sollen. Soweit so gut.

Das was du schreibst ist sicherlich richtig. Wir denken da ziemlich ähnlich. Auch ich versuche immer daran zu denken, das es auch ohne Kinder ginge. Es gibt sicher vieles was wir haben,… und was wir unternehmen können, was mit Kindern sicherlich nicht ginge. Auch wir gehen jedes Jahr 2-3Wochen in die Ferien. Wir haben zu zweit eine 5 ½ Zimmer-Eigentumswohnung. Wir gehen mindestens einmal in der Woche auswärts Essen. Wir können über’s Wochenende mal einfach so verreisen, etc. Ich könnte diese Liste fast unendlich fortfahren. Alles Sachen, an die ich denke, wenn der Kinderwunsch mal wieder überhand nimmt. (Wenn ich ganz schlecht drauf bin, geh’ ich sogar noch weiter. Was wäre in 10 oder 15 Jahren. Was wäre, wenn unser Kind schlecht in der Schule ist, keine Lehrstelle findet, Arbeitslos und zum Sozialfall wird, wenn es Drogensüchtig wird,…und und und. (OK, vielleicht ein bisschen krass. Aber es gibt wirklich Momente, wo ich so denke. Ich sehe mich dann um,…und denke, uns geht’s so wie es ist eigentlich verdammt gut). Wie gesagt, diese Gedanken habe ich nur dann, wenn’s mir wirklich schlecht geht.

Dann gibt es aber auch eine andere Seite.
Mich beschleicht immer wieder das Gefühl, uns fehlt was. Oft denke ich, das all’ das was wir haben, ja nur ein Ersatz ist. Ein Ersatz, der es uns ein wenig erträglicher macht. Und uns vom unerfüllten Kinderwunsch ablenkt.
Ich würde sofort auf all das, was ich oben beschrieben habe, verzichten, wenn ich nur einmal ein eigenes Kind im Arm halten könnte.
Besonders nach einem Negativ, versuche ich mich mit diesen (deinen) Argumenten (was wir alles haben), mich und uns zu trösten. Es gelingt mir manchmal ganz gut. Und es macht den Schmerz erträglicher. Auch in der Zeit in der wir auf den nächsten Versuch warten, geht es uns eigentlich ganz gut.
Dann gibt es aber wieder andere Situationen; Wir hören wieder, wer alles schwanger geworden ist. In der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis oder der Verwandtschaft. Oder mein Bruder kommt uns mit seiner Familie besuchen. (Wir haben am gleichen tag wie sie geheiratet. Und sie haben letzten Monat bereits ihr zweites Kind bekommen. Einfach so.)
In diesen Momenten verschwinden all meine schön zurecht gelegten Argumente. Auf einen Schlag sehe ich nur d a s was uns fehlt. Da sehe ich nicht mehr d a s was wir haben.
Es kommt mir dann vor, als wenn man mir damit immer wieder Wunden aufreisst. Ich brauche dann sehr lange, bis ich mich wieder im Gleichgewicht habe.

Was ich damit sagen will, ist; Solange ich nicht sehe, was uns fehlt, vermisse ich es a u c h nicht. Aber es lässt sich nicht immer vermeiden.
Vielleicht ist es wirklich einfacher wenn man damit abgeschlossen hat. Und auch die ständigen Auf und Ab’s nicht mehr ertragen muss.
Ich hoffe, das ich/wir auch eines Tages so denken können wie du. Und ich hoffe, das wir eines tages so stark sind, das wir uns mit Frischgebackenen Eltern sogar mitfreuen können.
Hmmm,…bestimmt noch ein weiter Weg.

So, nun hoffe ich, ich habe nicht allzu wirr geschrieben. Dies sind einfach so meine Gedanken zum Thema.

Ich wünsche euch alles Gute! winken winken
Gruss
Calvin


  Re: leider nicht immer so einfach. (auch lang) zwinker
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   Rainer
schrieb am 08.03.2005 06:51
Hallo Calvin,

Dein Schreiben hat mich sehr berührt - natürlich ist es so, dass wir immer noch nach den anderen "schielen", natürlich sind wir immer noch nicht hundertprozentig darüber weg - was ja auch beweist, dass ich mich hier wieder mal im Forum tummele.

Ab und an erwischt es uns doch noch, aber es wird weniger mit der Zeit.

Für Eure Warteschleife wünsche ich euch alles erdenklich Gute.

Geschichte am Rande: Mein bester Freund hatte geheiratet als irgend eine Köningn (Jette oder so, am 2.2.2002?) auch heiratete. Sie meinten damals, "mal sehen, wer schneller ein Kind bekommt, die oder wir". Nun, ich glaub ich brauch gar nicht weiter schreiben - sie haben die erste IUI hinter sich und gerade ist die erste ICSI voll fehlgeschlagen, weil keine Eizelle von 8 Stück befruchtet wurde. Ich habe so die Daumen gedrückt und bin selbst bedrückt, dass es da nicht geklappt hat. Das war vielleicht auch der Auslöser, hier mal wieder reinzuschauen.

Das Ganze kann wirklich jeden treffen, jeder fragt sich "Warum wir". ... Wenn wir doch nur die Antwort wüssten.


  Re: Es geht auch wieder aufwärts! (vorsicht, lang!)
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   joschi
schrieb am 08.03.2005 15:28
Hallo Ihr Lieben,

lange Zeit habe ich gar nicht mehr ins Forum geschaut, aber jetzt bin ich hier doch irgendwie hängengeblieben.
Ich finde die Zeilen von Rainer auch sehr treffend. Wir befinden uns auch in solch einer Situation.
Unsere "aktive Repro Zeit" hat allerdings nicht so lange gedauert, aber gedanklich waren wir schon seit 2000 beim Kiwu und es hat nicht geklappt.
Der Kiwu und vor allem die "Repro-Zeit" hatte fast alles bestimmt. Vor allem bei mir: wann machen wir wie Urlaub, wann suche ich mir einen neuen Job, suche ich mir überhaupt einen neuen Job, melde ich mich im Sportverein an oder nicht, trinke ich zuviel Alkohol, Kaffee.....etc. Meine ganzen Gedanken kreisten immer und immer wieder um den Kiwu wenn auch unbewußt.
Nach einer massiven ÜS im Oktober 2004 haben wir es auch gut sein lassen und ich/wir sind froh darüber. Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen mir noch irgendwelche Hormonspritzen in meinen Körper zu jagen. Hilfe, bei dem Gedanken graut es mir.
Ich (ich rede jetzt einfach nur mal von mir und nicht von uns) habe mich auch verändert seit der Zeit. Ich mache mir mehr Gedanken darüber was ICH eigentlich vom Leben will. Vorher habe ich immer nur im WENN....DANN.... (sprich: wenn ein Kind da ist, dann....) gelebt. Für mich war immer klar, daß Kinder für mich dazu gehören. In ganz kleinen Schritten lerne ich, daß ein Leben ohne Kinder auch sehr schön ist. Ich habe meinen ungeliebten Job geschmissen (das ist aber eine andere Geschichte), nächste Woche fahre ich mit meinem Schatz nach Mallorca, wenn wir wieder kommen melde ich mich ENDLICH zum Sport an...
So nach und nach bekomme ich mein Leben wieder in den Griff und da bin ich froh drüber.
Ich kann und will nicht immer einem unerfüllten Traum nachheulen sondern mein Leben wieder leben.

Euch alles Liebe

Joschi


  Re: leider nicht immer so einfach. (auch lang) zwinker
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   Estrid
schrieb am 08.03.2005 19:44
Hallo zusammen!Seit Tagen lese ich hier mit,und jedes einzelne Posting ist treffend und bringt die Dinge auf den Punkt!Ihr alle sprecht mir aus der Seele!
Auch ich hab vor Jahren Abschied genommen,weil ich mein Leben zurück wollte!Ich hab es zurück bekommen ,nur meine damalige Partnerschaft ging in die Brüche;nach dem ich aufgegeben habe kahm die Aussage der Schwie-mu.:"Mein Sohn wünsche sich eine Familie mit Kindern!"-Er gab kein Kommentar dazu,so wußte ich das dies auch seine Meinung war!Ich packte meine sieben Sachen und ging!
Heute geht es mir gut,und ich leide auch nicht mehr darunter kein Kind zu haben,.......fast nicht mehr!
Was ich dazu sagen will,das "es"nie ganz aufhört,nur die Abstände werden größer,und man lernt damit umzugehen,und leichter zurecht zukommen!
Man muß sich selbst helfen,und man muß auch bereit sein Abschied zu nehmen,nur wann ist der richtige Zeitpunkt?Diese Entscheidung ,glaube ich kann einem Niemand abnehmen,diese muß jeder für sich treffen,und das glaube ich ist sehr schwierig!
Ich finde es super das auch Männer hier posten,und gratuliere euren Frauen zu Euch,das Ihr so mitlebt und für Eure Frauen da seit!!!Selten das Männer sich mit diesem Thema so auseinander setzten!Hut ab!lg.Estrid


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   shusl
schrieb am 09.03.2005 14:03
  Re: leider nicht immer so einfach. (auch lang) zwinker
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   Holly
schrieb am 09.03.2005 15:31
Hallo zusammen
OH OH wie ich mich doch in den Zeilen von Calven und den anderen wiederfinde.Ich denke und fühle genauso wie alle man hir.Aber ich versuche jetzt ein wenig nach vorn zu schauen ich hoffe mir gelingt es auch es wird Frühling und hoffe das ich auch mal wieder so fröhlich sein kann wie früher.Es grüsst euch Holly


  Hallo Rainer, per Zufall entdeckt ....
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   SabineM und ihre Mäuse
schrieb am 10.03.2005 10:46
wünsche Euch alles Gute udn daß Ihr weiterhin so positiv gestimmt seid.

SabineM






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