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  Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
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  BNutzername
Status:
schrieb am 23.11.2018 20:22
Hallo Ihr Lieben,
wir haben 3 Kinder. Unsere beiden Söhne sind 3 Jahre alt, unsere Tochter ist 1 Jahr alt.
Wir haben uns das Ziel gesetzt, möglichst gut auf ihre Bedürfnisse einzugehen und ihnen möglichst zu erklären, wenn ein Verhalten nicht in Ordnung ist. Strafen und Schimpfen soll es bei uns eigentlich nicht geben, weil das die Eltern-Kind-Beziehung und das Selbstbewusstsein negativ beeinflussen kann.
Nun haben wir aber folgendes Problem seit einigen Monaten und stoßen nun wirklich an unsere Grenzen:
Einer unserer Söhne stößt unsere Tochter täglich mehrfach um, so dass sie auf ihren Hinterkopf fällt und bitterlich weinen muss. Er macht das einfach im Vorbeigehen. Sie sitzt oder steht irgendwo und er schubst sie einfach um.
Wir haben ihm unzählige Male erklärt, dass das nicht geht, weil er ihr sehr weh tut. Wir haben versucht, das Verhalten zu ignorieren und nur sie zu trösten. Wir haben unzählige Male versucht, herauszufinden, wieso er das macht, er sagt aber immer nur "weil ich das will".
Wir wissen, dass es nicht einfach ist, ein Geschwisterchen zu bekommen und schenken allen Kindern möglichst viel Aufmerksamkeit.
Nichts scheint zu helfen. Langsam denken wir doch darüber nach, so zu handeln, wie wir es eigentlich nie wollten und ihm, wenn er nicht damit aufhört, dann an dem Tag keine Süßigkeiten mehr zu erlauben...
Es ist wirklich verzwickt. Ich wollte unsere Kinder nie bestrafen. Hat jemand Tipps? Alternativvorschläge? Er stößt sie täglich mehrfach um seit sie etwas mobiler geworden ist, also etwa seit 4 Monaten


2 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.11.18 20:37 von BNutzername.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
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  Hamamelis71*
schrieb am 23.11.2018 22:40
Also Süßigkeiten Verbot fände ich nicht zielführend, wahrscheinlich wird er dann erst richtig wütend. Hast Du in der Situation mal ein deutliches NEIN oder HALT probiert? Einfach, dass er merkt, dass er gerade eine Grenze überschreitet. Außerdem musst Du ja seine kleine Schwester schützen.

Mein Sohn ist zwar Einzelkind, aber ich beobachte oft, dass Geschwister oft einfach mal grob miteinander umgehen. Meine Freundin bezeichnet es als Revier markieren. Vielleicht testet Euer Sohn einfach seine Grenzen aus.

Aber irgendjemand muss ihm ja seine Grenzen aufzeigen und nur mit netten Worten ist das schwierig. Du musst Deinen Sohn ja nicht anschreien, aber klare Worte finden. Ich kann Dein Dilemma verstehen, mein Sohn ist extrem harmoniebedürftig und eher ruhig und angepasst. Schimpfen und Schreien findet er furchtbar. Allerdings konnte man mit ihm früh reden und Geschäfte vereinbaren.

Vielleicht könntest Du ja mit ihm eine Vereinbarung schließen? Etwas, das ihn vielleicht motiviert, seine Schwester nicht mehr so arg zu ärgern.

Vielleicht findest Du ja eine Lösung!


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 24.11.2018 07:00
Hallo BNutzername,
unerwünschtes Verhalten zu ignorieren funktioniert hier aus 2 Gründen nicht. Erstens: Auf sein Verhalten folgt ja doch eine notwendige Reaktion. Die Tochter wird getröstet. Könnte spannend sein allein das zu beobachten als Folge seines Verhaltens. Zweitens: Auch (und ich finde gerade) in der bindungs- und bedürfnisorientierten Erziehung müssen Grenzen von anderen aufgezeigt werden und authentische Reaktionen gezeigt/ gelebt werden. Hier wird (zumindest wäre das bei mir so) nicht nur die Grenze der Tochter verletzt, die natürlich das Bedürfnis der körperlichen Unversehrtheit hat, sondern auch eure als Eltern. Mich zumindest macht es wütend, wenn meinem Kind weh getan wird. Auch das kommuniziere ich: "Stopp! Du darfst XY nicht schubsen! Schau, du hast ihr weh getan!" Dabei natürlich trösten. Ich sage aber auch deutlich mit entsprechendem Gesichtsausdruck "Ich bin wütend, dass du das getan hast!" Mir ist dabei wichtig deutlich zu machen, dass es um die Handlung geht, nicht um das Kind.
Es geht also nicht darum, neiner Wut Luft zu machen, das wäre fehl am Platz. Aber um z. B. den Perspektivwechsel vollziehen zu können, Reaktionen anderer Menschen einordnen zu können, Folgen von eigenem Handeln irgendwann voraussehen zu können, etc. sind authentische Reaktionen von Bezugspersonen notwendig.
Da euer Sohn erst 3 Jahre alt ist, würde ich diese für ihn unangenehme Situation so kurz wie möglich halten, indem ich sehr schnell nach meiner Äußerung, dass ich über sein Verhalten wütend bin, anbiete, zu helfen die Schwester zu trösten, ihr vielleicht ein Kühlkissen zu bringen, sie zu umarmen, etc. Wiedergutmachung leisten, aber als Angebot, damit er sieht, welches Verhalten von euch erwünscht ist und - wichtiger noch - sich für ihn auch gut anfühlt.
Falls du Literatur dazu möchtest, kann ich das 2. Buch von Danielle und Snowqueen empfehlen. Es behandelt zwar das Alter 5 bis 10, hier werden aber genau diese zusammenhänge nochmal sehr gut erklärt und mir hat es deutlich vor dem 5. Geburtstag schon enorm geholfen.
LG
Juna


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.11.18 07:46 von Juna30.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
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  BNutzername
Status:
schrieb am 24.11.2018 08:45
Vielen Dank für Eure Antworten. Natürlich haben wir schon deutlich nein gesagt, ihm deutlich gesagt, dass uns es traurig und wütend macht, wenn er ihr absichtlich weh tut.
Das mit den Süßigkeiten hatten wir als Ansporn gesehen - er soll sie ja bekommen, wenn er dieses Verhalten unterlässt. Aber es widerstrebt mir noch immer, so zu handeln.

Wir werden versuchen, ihn zu motivieren, auch zu trösten. Das klingt nach einem guten Ansatz. Danke für die Idee, Juna


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.11.18 10:17 von BNutzername.


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  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
no avatar
  SandraT
schrieb am 24.11.2018 12:00
Hallo,
ohne schimpfen und Konsequenzen (nicht Strafen!) werdet Ihr Kinder nicht erziehen können.
Süßigkeiten haben Null Bezug zum Thema und werden dadurch nur interessanter und wichtiger (wie auch TV/Geld oder sonstwas als Belohnung/Bestechung/Strafe).
Besser sind da „natürliche Konsequenzen“ bzw. logische Konsequenzen.
Eben, was sich als Folge ergibt (keine Jacke - erkältet, Brot vergessen - Hunger, Wand angemalt - Stifte weg, Boden dreckig - wischen und eine andere Aktion fällt aus Zeitmangel aus, ...)
In dem Fall würde ich wohl schimpfen und das eine Kind erstmal trösten und dann müsste das andere auf meinem Schoß sitzenbleiben bzw. eine Zeit neben mir, damit das Geschwisterkind in Ruhe und ohne Angst spielen kann. Und zwar solange „Kontrolle“ bei/neben mir, bis die Langeweile und Untätigkeit „Strafe“ genug ist. Also weder vorlesen noch beschäftigen oder was Interessantes machen sondern Du liest etwas für Dich dabei oder sonstwas.
Ansonsten auch - er darf nicht mehr alleine zur spielenden Schwester, muss in der Küche bleiben mit einem Spielzeug oder so.
Am nächsten Tag dann evtl. nochmal drüber sprechen mit Ansage vor neuem Versuch. Die „Trennung“ dann notfalls verlängern oder langweiliger gestalten.
Vielleicht auchmal die Schwester als Trost alleine mit seinem Lieblingsspielzeug spielen lassen oder sowas. Eben einen Nachteil mit Bezug spüren lassen. Dazu die Verbindung zum Schmerz herstellen - wann hat er mal ganz doll geweint? Sagen, dass es der Schwester genauso weh tut, sie vielleicht ins Krankenhaus muss.
Und natürlich versuchen rauszufinden, warum er das macht bzw. in welchen Situationen und diese klären.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 24.11.2018 12:34
Zitat
SandraT
Hallo,
ohne schimpfen und Konsequenzen (nicht Strafen!) werdet Ihr Kinder nicht erziehen können.
Süßigkeiten haben Null Bezug zum Thema und werden dadurch nur interessanter und wichtiger (wie auch TV/Geld oder sonstwas als Belohnung/Bestechung/Strafe).
Besser sind da „natürliche Konsequenzen“ bzw. logische Konsequenzen.
Eben, was sich als Folge ergibt (keine Jacke - erkältet, Brot vergessen - Hunger, Wand angemalt - Stifte weg, Boden dreckig - wischen und eine andere Aktion fällt aus Zeitmangel aus, ...)
In dem Fall würde ich wohl schimpfen und das eine Kind erstmal trösten und dann müsste das andere auf meinem Schoß sitzenbleiben bzw. eine Zeit neben mir, damit das Geschwisterkind in Ruhe und ohne Angst spielen kann. Und zwar solange „Kontrolle“ bei/neben mir, bis die Langeweile und Untätigkeit „Strafe“ genug ist. Also weder vorlesen noch beschäftigen oder was Interessantes machen sondern Du liest etwas für Dich dabei oder sonstwas.
Ansonsten auch - er darf nicht mehr alleine zur spielenden Schwester, muss in der Küche bleiben mit einem Spielzeug oder so.
Am nächsten Tag dann evtl. nochmal drüber sprechen mit Ansage vor neuem Versuch. Die „Trennung“ dann notfalls verlängern oder langweiliger gestalten.
Vielleicht auchmal die Schwester als Trost alleine mit seinem Lieblingsspielzeug spielen lassen oder sowas. Eben einen Nachteil mit Bezug spüren lassen. Dazu die Verbindung zum Schmerz herstellen - wann hat er mal ganz doll geweint? Sagen, dass es der Schwester genauso weh tut, sie vielleicht ins Krankenhaus muss.
Und natürlich versuchen rauszufinden, warum er das macht bzw. in welchen Situationen und diese klären.

Die natürliche Folge von "Wand angemalt" ist nicht "Stifte weg", sondern "Wand bemalt" zwinker

Was du beschreibst ist nichts anderes als zu strafen. Nur dass deine Strafe thematisch mit dem Vergehen zusammengängt.
Ohne Strafen und Konsequenzen kann man sehr gut erziehen. Dazu und auch darüber warum Strafen sogar kontraproduktiv sein können, gibt es mittlerweile viele Untersuchungen, Experimente und Studien.

@BNutzername
Genau das Schimpfen würde ich weglassen. Schimpfen dient nur dazu, deinem Ärger (der verständlich ist) Luft zu machen. So erreichst du aber keine Verhaltensänderung, die ja dein eigentliches Ziel ist.
Dann wäre es vielleicht auch sinnvoll, sich die Situation und den Kontext anzusehen. Gobt es erkennbare Muster, wann er sich so verhält? Vielleicht kann man da auch ansetzen.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
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  BNutzername
Status:
schrieb am 24.11.2018 14:01
@Juna:
Leider reicht ihre bloße Anwesenheit. Er läuft durch den Raum, sie sitzt irgendwo oder steht irgendwo rum und dann stößt er sie um. Oder sie stehen beide am Wohnzimmerisch, er behauptet, sie habe sein Spielzeug berührt, was in aller Regel nicht einmal stimmt, und schon schubst er sie um.
Auf Nachfrage streichelt er sie aber auch mal.
Ich weiß nicht genau, wieso er sich so verhält und wenn wir nachfragen, sagt er wie gesagt auch nur, dass er das will. Er bekommt von allen 3 Kindern die meiste Aufmerksamkeit. Mehr geht da einfach nicht. Mein Mann vermutet, dass er es lustig findet, dass sie sich nicht halten kann


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
no avatar
  Impala-34
Status:
schrieb am 24.11.2018 15:36
Zitat
BNutzername
Vielen Dank für Eure Antworten. Natürlich haben wir schon deutlich nein gesagt, ihm deutlich gesagt, dass uns es traurig und wütend macht, wenn er ihr absichtlich weh tut.
Das mit den Süßigkeiten hatten wir als Ansporn gesehen - er soll sie ja bekommen, wenn er dieses Verhalten unterlässt. Aber es widerstrebt mir noch immer, so zu handeln.

Wir werden versuchen, ihn zu motivieren, auch zu trösten. Das klingt nach einem guten Ansatz. Danke für die Idee, Juna

Da frag ich mich, WIE ihr das sagt. Also eher mit gehobener Stimme aus der das Ärgernis spürbar ist: Hey, was soll das denn. Lass das, Du sollst Deine Schwester nicht umstossen. das finde ich gerade richtig blöd. Ich bin stinkesauer.
Oder eher: sivh sichtlich beherrscht herunterbeugend: Du das gefällt mir jetzt überhaupt nicht. Ich möchte nicht, dass Du deine Schwester umstösst, das tut ihr doch weh und macht mich sehr traurig.

Icg denke er muss einfach spüren, dass Du stinkesauer bist und das Verhalten einfach nur sch... findest. Da kann mann auch schon mal nachdrücklich und lauter werden. Und das ist nicht „schimpfen“ im herkömmlichen sinne. Das wäre: „ kannst Du das nicht kapieren. Ich hab Es Dir schon tausendmal gesagt, lass Deine Schwester in Ruhe, wenn Du es noch einmal machst, dann erlebst Du aber was. Finger wg oder muss ich erst bis drei zählen etc... „

Ich hab schon den Eindruck, dass Dein Sohn nicht den Ernst der Lage spürt. Und ja er darf ruhig merken, dass Du sauer aufgrund seines Verhaltens bist.

LG
Impala


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
no avatar
  SandraT
schrieb am 24.11.2018 16:45
Keine natürliche Konsequenz aber schon eine logische, damit die Wand nicht noch mehr angemalt werden kann, wenn das Kind es noch nicht versteht oder verstehen will. Ebenso auf dem Schoß sitzen oder bei Mama sein - tut es der Schwester weh, kann es halt erstmal nicht mehr in ihre Nähe. Würde ich übrigens auch nach Entschuldigung (ob echt oder pro forma) nicht direkt aufheben.
Ich würde Dich gerne in 10-15 Jahren nochmal hören.
Ich würde mal behaupten, dass Du kein einziges Beispiel findest, wo Eltern ohne schimpfen erziehen konnten und die Kinder brav auf Erklärungen gehört haben.
Kinder sind auchmal zickig oder frech - sie wollen auch einfach mal nicht hören oder eben ihren Willen durchsetzen. Manches können sie noch nicht verstehen, manches evtl. verstehen aber machen es trotzdem nicht (manche z.B. eklige Medizin schlucken). An anderen Stellen testen sie Grenzen aus. Und zur Erziehung gehört es auch, den Kindern eine gewisse Streitkultur zu vermitteln. Sie müssen auch lernen, mit Kritik umzugehen, dass sie von Fremden oder Lehrern (auch zu Unrecht) angemotzt werden usw.. Was ich da schon an Lautstärke und Vokabular mitbekommen habe, ist echt heftig. So rede ich weder mit meinen noch mit fremden Kindern. Sie müssen lernen, was trotz Verweigerung zu tun.
Ich finde das sehr löblich ohne schimpfen und Konsequenzen erziehen zu wollen und auf das Verständnis, die Einsicht, Wohlwollen und liebe Kinder, die nie zicken, zu hoffen, denke jedoch, dass Du da zuviel von Kindern erwartest und erhoffst und dass es nicht funktionieren wird.
Ohne unsinnige Strafen (dauernd Handy weg), Brüllerei, Klaps (eh verboten) usw. ist das schon so schwer genug. Bei manchen funktionieren ja Belohnungssysteme (= Bestechung - ging mit meinen nicht). Jedoch nicht bei allen.
Ich finde, bis drei oder sogar Vorschulkind muss man auch noch nicht viel schimpfen, da reicht eben ein „nein“ (oder 1.000) und erklären. Vieles ist da auch noch nicht so bewusst. Wir hatten da Weinflaschen aus dem Weinregal ziehen oder so, wo ich gefühlt 1.000x nein sagen und wegheben musste. War phasenweise wie ein Spiel für ein Krabbelkind. Oder Sachen runterwerfen.
Bei abschnallen als Kindergartenkind oder nicht anziehen lassen wurde es dann schon schwieriger. Ein Kind war mal im Schlafi in dem einen KiGa (fand es nicht schlimm, die Erzieher auch nicht), das andere mal in Unterwäsche im anderen Kindergarten (Sachen in Tüte mit) und wurde da quasi mit Gewalt von zwei Erzieherinnen zusammen angezogen.
Ich finde, in der Pubertät muss man am Meisten schimpfen. Wobei das von Kind zu Kind auch schwankt. Ohne kenne ich es bis jetzt von nirgendwo.

Berichte dochmal, wie es weitergeht...


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.11.18 17:01 von SandraT.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
no avatar
  BNutzername
Status:
schrieb am 24.11.2018 19:53
Hallo Impala,
er hört definitiv meinen Ärger und meine Verzweiflung. Nicht jedes Mal, aber wenn er es an einem Tag schon mehrfach gemacht hat, definitiv.
Ich sage ihm dann auch immer, dass ich will, dass es allen unseren Kindern gut geht, weil ich sie alle sehr lieb habe und ich verzweifelt und wütend bin, weil er seiner Schwester ständig absichtlich weh tut.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
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  SandraT
schrieb am 24.11.2018 20:41
Was mir grade erst auffiel - seit vier! Monaten! mehrfach! täglich! geht das so?
Das bedeutet, weil Ihr Euer eines Kind w/ psychischer Bedenken vonwegen Selbstbewusstsein etc. nicht ausschimpfen oder Konsequenzen folgen lassen wollt, muss Euer anderes Kind körperlich leiden und lernen, dass ihm bewusst Schmerzen zugefügt werden dürfen ohne dass Mama und Papa es schützen?
Da hätte ich eher Bedenken wegen Traumata oder fehlendem Urvertrauen. Übrigens hatte von Bekannten ein Kleiner vom im Sitzen! umkippen mal einen Schädelbasisbruch, den die Mutter erst am nächsten Tag an einer weichen Beule bemerkte und eher zufällig rauskam beim Arzt.
Wenn er sogar sagt „weil ich das will“ und weiß, er darf das nicht - will Deine Tochter evtl. nicht umgeschubst werden? Hat er mehr Rechte auf „Unversehrtheit“? Muss man nicht in dem Fall das kleinere Kind sogar mehr schützen? Das grenzt ja schon fast an Misshandlung (eben durch ein Kind) - da seid Ihr Eltern eigentlich sogar verpflichtet die Kleine zu schützen.
(Mal überspitzt formuliert - überlegt mal, was Ihr tun würdet, wenn er sie die Treppe runterschubsen oder mit einem Messer stechen würde. Da müsstet und würdet Ihr sicher auch reagieren und nicht Monate täglich mehrfach bitten, das doch netterweise zu lassen?)
Aus meiner Sicht bleibt da bei „schimpflos“ nur an der Hand bei Mama bleiben bzw. streng räumlich getrennt von der Schwester.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
no avatar
  BNutzername
Status:
schrieb am 24.11.2018 21:21
Dass wir sie nicht schützen, ist absoluter Quatsch. Wir versuchen immer, es zu verhindern, was meistens gelingt, aber leider viel zu oft auch nicht.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
no avatar
  isolde35
Status:
schrieb am 24.11.2018 21:44
Was passiert denn, wenn ihr ihn daran hindert, sie zu schubsen, also zum Beispiel indem ihr die Kleine hochnehmt, so dass er nicht mehr ran kann. Oder wenn ihr sanft seinen Arm festhaltet in der Situation, bevor er das schubsen ausführen kann und sagt: die Kleine wird nicht geschubst. Und mehr würde ich dann auch nicht sagen. Ich würde nicht sagen, dass es dich traurig macht, oder dass es der Kleinen weh tut, sondern einfach Tatsachen schaffen: sie wird nicht geschubst und fertig. Das muss ja nicht laut und schimpfend sein, sondern bestimmt, so dass klar wird, dass da kein Verhandlungsspielraum besteht.

Isolde


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 24.11.2018 21:46
Zitat
BNutzername
Dass wir sie nicht schützen, ist absoluter Quatsch. Wir versuchen immer, es zu verhindern, was meistens gelingt, aber leider viel zu oft auch nicht.

Lass dich nicht in eine Ecke drängen!

Ich würde wirklich mal versuchen, eigenen Ärger und Verzweiflung eben doch rauszuhalten, nicht viel zu erklären, zu umschreiben, zu begründen. Bei vielen Kindern, die ich kenne, hilft es klar und deutlich in einfachen Sätzen zu sagen, was Sache ist. Das sollte helfen, dass die notwendigen Informationen wirklich ankommen, gleichzeitig kein Machtkampf oder Spiel daraus entsteht und alles, was interessant an der Situation ist, auf ein Minimum reduziert wird. Und ich möchte nochmal betonen wie wichtig es ist, auf positives Verhalten umzulenken, die Schwester mit zu trösten. In dem Moment musst du dann allen Zorn herunterschlucken und deinen Sohn ehrlich anlächeln und so bestärken, dass er das Richtige tut.

Zum Thema bewusstes Verletzten:
Quatsch mit Sauce. Im Alter von 3 Jahren hat ein Kind in der Regel gelernt, wie es sich verhalten sollte. Das heißt aber üblicherweise, dass es sich abgeschaut hat, wie andere es tun und es kennt die Reaktion von Mama, wenn es doch mal haut. Was aber überhaupt nicht der Fall ist, ist dass ein Dreijähriger bewusst verletzt. Solche Handlungen sind Übersprungshandlungen, Ausdruck von Hilflosigkeit oder abgegucktes Verhalten. Dass sich ein Kind bei seinen Handlungen (z. B. auch die Wand zu bemalen) etwas denkt, also vorausplant, ist noch wesentlich länger nicht der Fall als bis zu 3 Jahren. Deshalb würde ich auch schlicht nicht fragen, warum er es tut. Er weiß es selbst nicht und das ist ganz normal.

Deshalb würde ich mir nochmal die Situationen anschauen. Nicht nur, was die Schwester tut, sondern vielleicht den Tagesablauf. Gab es vorher schon Reibereien? Könnte es Frust sein? Irgendwas besonderes gegessen? ...

Sicherlich hast du schonmal gehört, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht benötigt dein Sohn eine andere Form von Aufmerksamkeit als die, die du ihm anbietest?


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.11.18 21:49 von Juna30.


  Re: Nur an die, die ohne Strafen erziehen wollen. Brauche Rat
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 24.11.2018 22:14
Zitat
SandraT
Keine natürliche Konsequenz aber schon eine logische, damit die Wand nicht noch mehr angemalt werden kann, wenn das Kind es noch nicht versteht oder verstehen will. Ebenso auf dem Schoß sitzen oder bei Mama sein - tut es der Schwester weh, kann es halt erstmal nicht mehr in ihre Nähe. Würde ich übrigens auch nach Entschuldigung (ob echt oder pro forma) nicht direkt aufheben.
Ich würde Dich gerne in 10-15 Jahren nochmal hören.
Ich würde mal behaupten, dass Du kein einziges Beispiel findest, wo Eltern ohne schimpfen erziehen konnten und die Kinder brav auf Erklärungen gehört haben.
Kinder sind auchmal zickig oder frech - sie wollen auch einfach mal nicht hören oder eben ihren Willen durchsetzen. Manches können sie noch nicht verstehen, manches evtl. verstehen aber machen es trotzdem nicht (manche z.B. eklige Medizin schlucken). An anderen Stellen testen sie Grenzen aus. Und zur Erziehung gehört es auch, den Kindern eine gewisse Streitkultur zu vermitteln. Sie müssen auch lernen, mit Kritik umzugehen, dass sie von Fremden oder Lehrern (auch zu Unrecht) angemotzt werden usw.. Was ich da schon an Lautstärke und Vokabular mitbekommen habe, ist echt heftig. So rede ich weder mit meinen noch mit fremden Kindern. Sie müssen lernen, was trotz Verweigerung zu tun.
Ich finde das sehr löblich ohne schimpfen und Konsequenzen erziehen zu wollen und auf das Verständnis, die Einsicht, Wohlwollen und liebe Kinder, die nie zicken, zu hoffen, denke jedoch, dass Du da zuviel von Kindern erwartest und erhoffst und dass es nicht funktionieren wird.
Ohne unsinnige Strafen (dauernd Handy weg), Brüllerei, Klaps (eh verboten) usw. ist das schon so schwer genug. Bei manchen funktionieren ja Belohnungssysteme (= Bestechung - ging mit meinen nicht). Jedoch nicht bei allen.
Ich finde, bis drei oder sogar Vorschulkind muss man auch noch nicht viel schimpfen, da reicht eben ein „nein“ (oder 1.000) und erklären. Vieles ist da auch noch nicht so bewusst. Wir hatten da Weinflaschen aus dem Weinregal ziehen oder so, wo ich gefühlt 1.000x nein sagen und wegheben musste. War phasenweise wie ein Spiel für ein Krabbelkind. Oder Sachen runterwerfen.
Bei abschnallen als Kindergartenkind oder nicht anziehen lassen wurde es dann schon schwieriger. Ein Kind war mal im Schlafi in dem einen KiGa (fand es nicht schlimm, die Erzieher auch nicht), das andere mal in Unterwäsche im anderen Kindergarten (Sachen in Tüte mit) und wurde da quasi mit Gewalt von zwei Erzieherinnen zusammen angezogen.
Ich finde, in der Pubertät muss man am Meisten schimpfen. Wobei das von Kind zu Kind auch schwankt. Ohne kenne ich es bis jetzt von nirgendwo.

Berichte dochmal, wie es weitergeht...

Gegen Totschlagargumente kommt man natürlich nicht an. Jetzt ist nicht in 10-15 Jahren. Deshalb kann ich dazu nur sagen, was ich denke, nicht wie es sein wird. In 15 Jahren werde ich dann vielleicht einfach die falschen Kinder gehabt haben oder zu wenige oder zu männlich oder zu gleichgeschlechtlich, um das aus deiner Sicht wirklich beurteilen zu können.

Ich kenne glücklicherweise Familien, in denen weder Strafen noch Konsequenzen notwendig waren, um die inzwischen jugendlichen und jungen erwachsenen Kinder auf dem richtigen Weg zu begleiten. Sind keine Messerstecher, Schulabbrecher, Graffitisprayer,... dabei.

Interessant ist, dass du sagst, es gehört zur Erziehung, Kindern Streitkultur zu vermitteln. Das sehe ich auch so. Aber ich wünsche nicht, dass meine Kinder streiten, indem sie andere bestrafen und sie unterdrücken. Deshalb tue ich es auch nicht.
Wann immer meine Fähigkeiten als Erwachsener gefordert sind, z. B. dass ich vorplanen kann, Weitsicht habe, Erfahrungen, Wissen oder einfach nur den Perspektivwechsel vollkommen vollziehen kann, nutze ich diese Fähigkeiten auch, um Regeln und Grenzen aufzuzeigen. Aber auch das geht hervorragend ohne Strafen, ohne Konsequenzen und schon erst recht ohne Schimpfen. Ungerechtigkeiten und Kritik... da gehen die Meinung auseinander. Kritikfähigkeit gehört fast gar nicht in diesen Themenkomplex, weil Kritikfähigkeit nicht durch Resignation erlernt wird (wenn Kinder deiner Meinung nach lernen müssen etwas trotz Verweigerung zu tun) und Ungerechtigkeiten aushalten, aussitzen, runterschlucken werden meine Kinder hoffentlich nie lernen.

"denke jedoch, dass Du da zuviel von Kindern erwartest und erhoffst"
Eigentlich gar nicht so sehr von meinen Kindern. Viel mehr doch von mir, meinem Mann, unserem Reflektionsvermögen.

"Ohne unsinnige Strafen (dauernd Handy weg), Brüllerei, Klaps (eh verboten) usw. ist das schon so schwer genug. Bei manchen funktionieren ja Belohnungssysteme (= Bestechung - ging mit meinen nicht). Jedoch nicht bei allen.
Ich finde, bis drei oder sogar Vorschulkind muss man auch noch nicht viel schimpfen, da reicht eben ein „nein“ (oder 1.000) und erklären. Vieles ist da auch noch nicht so bewusst. Wir hatten da Weinflaschen aus dem Weinregal ziehen oder so, wo ich gefühlt 1.000x nein sagen und wegheben musste. War phasenweise wie ein Spiel für ein Krabbelkind. Oder Sachen runterwerfen.
Bei abschnallen als Kindergartenkind oder nicht anziehen lassen wurde es dann schon schwieriger. Ein Kind war mal im Schlafi in dem einen KiGa (fand es nicht schlimm, die Erzieher auch nicht), das andere mal in Unterwäsche im anderen Kindergarten (Sachen in Tüte mit) und wurde da quasi mit Gewalt von zwei Erzieherinnen zusammen angezogen.
Ich finde, in der Pubertät muss man am Meisten schimpfen. Wobei das von Kind zu Kind auch schwankt. Ohne kenne ich es bis jetzt von nirgendwo
."

Was du hier beschreibst, bedingt sich doch. Druck auf Kleinkinder/ Kinder durch Strafen auszuüben führt eben dazu, immer mehr Strafen anwenden zu müssen, weil die Kinder Auswege suchen, weil sie älter werden und Strafen, die früher griffen, jetzt ihre Wirkung verfehlen.
Und interessant ist auch: Unseren Weg findest du abwegig, weil das Kind nicht sofort und ohne Umschweife wunschgemäß reagiert. Da wird einer Hilfe suchenden Mutter schonmal unterstellt, dass sie ein Kind dem anderen vorziehe, das sie schützen müsste, aber nicht täte.
Mit Strafen und Verboten konntest du offenbar auch nicht sofort umsetzen, was dein Kind nicht tun sollte.
Da setze ich doch lieber weiter auf Verständnis und Erkenntnis im entwicklungsbedingt richtigem Alter.

Ein Kind war mal im Schlafi in dem einen KiGa (fand es nicht schlimm, die Erzieher auch nicht), das andere mal in Unterwäsche im anderen Kindergarten (Sachen in Tüte mit) und wurde da quasi mit Gewalt von zwei Erzieherinnen zusammen angezogen.
Ist das Streitkultur? Dann verzichte ich.

Juna




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