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  Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  Clodinchen
Status:
schrieb am 13.11.2018 07:59
Ich bräuchte mal euern Rat oder Tipps.

Folgendes: unser Kleiner wird im März 4 und geht seit Juli diesen Jahres in den Kindergarten. Die Eingewöhnung lief super, er ist gerne dort und hat auch schon "Freunde" gefunden. Zumindest betitelt er manche Kinder als eben diese. Nun wurden wir aber zum Gespräch gebeten, weil der Kleine täglich Ärger macht. Sei es in Form von Hauen, Schubsen, mit Sand nach anderen Kindern werfen, die Rutsche versperren, beißen oder aber auch die anderen zum Blödsinn anstiften. Die Erzieherinnen sind ratlos, denn sie kommen nicht weiter. Sie ermahnen immer dreimal, dann muss das Kind entweder nach drinnen eine Pause machen oder wenn sie drinnen sind, dann muss es sich an den Tisch setzen für 5 Minuten und die Pause eben so machen.

Die Erzieherinnen sagen, dass er eigentlich ein liebes Kind ist, was sehr intelligent ist, sprachlich am weitesten in der Gruppe ist, auch mal mithilft, auch den anderen hilft und sehr geduldig auch bastelt oder spielt. Er würde auch ganz genau wissen, dass man diese Sachen eben nicht macht, aber dann würde er eben diese "Aussetzer" haben, wo er wie in seiner eigenen Welt ist und er auf rufen auch nicht mehr reagieren würde.

Ich bin jetzt verunsichert, weil die Erzieherinnen im Moment ratlos sind und wir als Eltern hilflos daneben stehen. Was können wir tun? Zu Hause ist alles in Ordnung. Wenn man mit ihm redet, weiß er, dass man nicht haut oder schubst oder was auch immer. Er hatte - weil wir auf dem Dorf leben und hier wenig Angebot bestand - auch wenig Sozialkontakt und der Kindergarten ist eben die erste Bewährungsprobe für ihn. Es sind neue Regeln und eine komplett neue Situation, mit der er doch erst klarkommen muss.

Meine Frage ist eigentlich, wie Ernst muss ich das nehmen bzw. muss ich mir Sorgen machen?


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  SandraT
schrieb am 14.11.2018 00:52
Hallo,

naja - klarkommen mit der Situation muss er schon (haben andere genauso) - aber doch nicht auf Kosten anderer! Sollen die voller Angst in den Kindergarten kommen und sich deswegen verletzen lassen? Wie fändest Du das andersherum?
Ernstnehmen sollte man das definitiv.
Können die Erzieherinnen da ein System feststellen (wenn er nicht mitspielen darf? etwas möchte, was andere haben? wenn Freunde mit anderen spielen? immer dieselben Kinder oder einfach völlig wahllos? Langeweile? Dreierkonstellationen? ...) bzw. direkt fragen in den Situationen, was er da grade doof fand? Wütend? Traurig?

Als zweiten Punkt würde ich alternative Handlungsoptionen trainieren. Er hat das Gefühl, es muss was raus aber es fehlen evtl. andere Wege dafür. Also zusammen Alternativen entwickeln. Auf ein Kissen hauen? In den Pulli beißen? Aufstampfen? Eine alte Zeitung zerfetzen?

Ansonsten finde ich aus der Situation herausnehmen richtig und wichtig. Auch erklären, dass so bald keiner mehr mit ihm spielen will.

Wenn es Zuhause läuft, evtl. mal mehrere Kinder gleichzeitig auf Spielbesuch einladen und in der Nähe sein?
Über eine erzählte Geschichte (Kind erlebt ... haut andere - was könnte es stattdessen tun? Wie fühlt sich sich das andere Kind? Wie würdest Du Dich fühlen, wenn....?


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  Joaninha
schrieb am 14.11.2018 08:53
Mir gehen mehrere Dinge beim Lesen durch den Kopf.

Erst einmal finde ich es gut, dass die Erzieherinnen Euch in Kenntnis setzen, wie es im KiGa läuft. Ich würde das auch wissen wollen. Ich denke aber, ohne jetzt direkt alles auf die Erzieherinnen abwälzen zu wollen, dass es erst einmal deren Problem ist, da es im KiGa passiert und nicht zu Hause. Das heißt nicht, dass ich nicht kooperativ wäre, doch ich würde schon erwarten, dass sie mir nicht nur das Problem, sondern auch Lösungsansätze bieten, die man evtl. auch zu Hause umsetzen kann. Ich finde es schwierig, so ins Blaue hinein von zuhause aus das Verhalten im KiGa steuern zu wollen. Konkret: Du schreibst, er haut und schubst Kinder. Na ja, und was ist denn die Vorgeschichte davon? Macht er das einfach, weil ihm danach zumute ist, oder macht er es, weil da eine vorhandene Streitsituation eskaliert? Ich finde, das ist ein großer Unterschied. Du würdest zu Hause wahrscheinlich auch unterschiedlich reagieren, je nachdem, was genau passiert ist. Im ersten Fall würdest Du eher allgemein sagen, dass man nicht hauen darf, und im zweiten Fall würdest Du eher auf die Verhältnismäßigkeit der Reaktion auf (vermeintliches) Ärgern abheben.

Rutsche versperren ist bei uns (aber auch bei anderen Kindern!) der absolute Klassiker, und zwar seit sie angefangen hat zu rutschen. Es wird jetzt langsam besser. Der Unterschied zu Deinem Sohn ist da vielleicht tatsächlich der, dass meine Tochter mit 16 Monaten in die KiTa kam und seitdem vermutlich täglich gehört hat, dass sie die Rutsche nicht versperren soll. Insofern sind wir da vielleicht etwas weiter als ihr und da ist seitens der Kindergärtnerinnen auch Geduld und immer wieder wiederholen gefragt.

Zum Thema "Zum Blödsinn anstiften" kann ich gar nichts sagen, das hatten wir noch nicht.

Dass er in seiner eigenen Welt ist, finde ich einerseits nicht so spektakulär, da ich auch bei meiner Tochter beobachte, dass sie in Augenblicken der Wut "nicht hört". Ich habe das noch nie als pathologisch betrachtet, sondern habe einfach gedacht, dass das eine normale Folge der Tatsache ist, dass kleine Kinder halt von ihren Gefühlen überwältigt werden, und dass das irgendwann von selbst aufhört. So, nun sagen das die Erzieherinnen aber andererseits im Kontext einer Liste negativer Eigenschaften, also sieht es so aus, als würden sie das "komisch" oder "anders" und "unangebracht" finden. Also, da würde ich einfach noch mal nachfragen: Sehen sie jetzt in Deinem Sohn tatsächlich Züge, die bedenklich sind und z.B. der psychologischen Abklärung bedürfen? Ich finde, das kann man dem, was Du schreibst, überhaupt nicht entnehmen. Ich würde mich da von den Erzieherinnen nicht so im Vagen halten lassen wollen. Entweder sie denken, dass Dein Sohn therabiebedürftig ist - dann sollen sie aus der Deckung kommen und das auch so sagen. Oder sie denken das nicht, dann sollen sie es aber bitte auch nicht andeuten.

Generell denke ich, dass der KiGa schon eine enorme Anpassungsleistung vom Kind erfordert. Meine Tochter hat jetzt mit drei Jahren den KiGa gewachselt und ihre jetzigen Erzieherinnen meinten, sie rechnen mit fünf Wochen, bis sie ganz dort angekommen ist - und zwar darum, weil sie zuvor schon im KiGa war und sich daher leichter tut. Wenn ein Kind diesen Kontext so gar nicht kennt, kann ich mir schon vorstellen, dass es länger dauert. Ok, es sind jetzt schon viereinhal Monate bei Euch, aber dennoch würde ich ihm das zugute halten.


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  SandraT
schrieb am 14.11.2018 09:56
Kann sein, dass ich es falsch verstehe - aber erziehen müssen immer noch die Eltern, nicht KiGa oder Schule (regt sich die Schule immer auf, wenn manche Eltern erwarten, die Schule/KiGa solle ihr Kind „retten“, was die Eltern „verkorkst“ haben). Von daher finde ich „deren Problem“, „müssen die Lösungsansätze für Zuhause bieten“ und „Anpassung zugutehalten“ etwas viel Verantwortung abschieben.
Man hat andere nicht zu schubsen oder hauen. Egal, aus welchem Grund (echte Notwehr ausgenommen). Punkt. Macht mein (Dein) Kind das, habe ich mich auch darum zu kümmern. Macht es woanders mehrfach absichtlich Dinge kaputt, kann ich ja auch nicht sagen, dass die eben besser aufpassen müssen. Das gehört zur normalen Erziehung dazu, dass man sich darum kümmert, wenn das eigene Kind woanders Sachen zerstört, respektlos ist, klaut oder „gewalttätig“ ist. Und das können normalerweise Vierjährige verstehen. Gründe suchen, ja. Ausreden oder Verantwortung abgeben oder geduldig verständnisvoll abwarten, nein. Denn da sind andere, die gehauen werden und da habe Kinder evtl. Angst etc..
Von daher würde ich mich darum kümmern, dass mein Kind das nicht mehr macht - egal wo oder warum. Dass das mit „Man haut nicht“ erledigt ist, sagt ja keiner.
Wie gesagt, ich würde versuchen, rauszufinden, warum er das macht (er wird ja schon schon sprechen können), im KiGa bitten, zu beobachten, ob es ein Muster gibt, aber auch direkt mit meinem Kind daran arbeiten - ja, notfalls mit Beratung. Denn, wenn der KiGa es anspricht, scheint es ja nicht mal oder leicht zu sein (kommt ja tagtäglich in KiGäs vor) sondern schon auffällig.
(Ich weiß - teilweise etwas überspitzt geschrieben zur Verdeutlichung, nicht alles persönlich, sondern auch allgemein gemeint zwinker. Und ja, Schule hat auch einen Erziehungsauftrag - jedoch nicht in diesem Sinne bzw. an Eltern stelle/statt, sondern allgemeiner).


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.18 09:59 von SandraT.


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  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  Joaninha
schrieb am 14.11.2018 10:29
Zitat
SandraT
Kann sein, dass ich es falsch verstehe - aber erziehen müssen immer noch die Eltern, nicht KiGa oder Schule (regt sich die Schule immer auf, wenn manche Eltern erwarten, die Schule/KiGa solle ihr Kind „retten“, was die Eltern „verkorkst“ haben). Von daher finde ich „deren Problem“, „müssen die Lösungsansätze für Zuhause bieten“ und „Anpassung zugutehalten“ etwas viel Verantwortung abschieben.

Nein, das hast Du selektiv gelesen. Ich würde schon Verantwortung übernehmen, aber bitte in einer vertretbaren Form. Und dazu brauche ich a) mehr Informationen seitens des KiGa - was Du auch schreibst: In welchen Situationen findet das eigentlich statt? und b) konkrete Vorschläge, auf die ich eingehen, die ich umsetzen oder modifizieren kann.

Meiner Meinung nach ist das Thema zu komplex, als dass man es auf die Formel "Man schlägt nicht" bringen kann. Ich gebe mal ein Beispiel: In der Gruppe meiner Tochter ist ein Kind, das sehr transgressiv ist - Haare ziehen, hauen, kratzen gehört voll zum Alltag. Nun erzählt mir neulich meine Tochter: "Wir hauen immer den M., weil der böse ist". Bei mir schrillten Alarmglocken, anders kann ich es nicht sagen. M. ist offensichtlich verhaltensgestört und ich möchte nicht, dass meine Tochter dieses in dem Fall schwächere Kind - noch dazu im Schutz des "wir" - angeht. Andererseits ist M.s Krankheit vor allem für Kinder alles andere als offensichtlich, er ist jedoch sehr offensichtlich aggressiv. Ich möchte nun auch nicht, dass meine Tochter - gerade als Mädchen - sich alles gefallen lässt. Also, was machst Du da jetzt? Ernsthaft zum Mädchen sagen "Wenn er Dich schlägt, dann halte die andere Wange hin"?

Wohlgemerkt, ich schreibe das nicht, um diese Situation jetzt analysieren zu lassen. Schließlich ist das nicht mein Post (vielleicht eröffne ich demnächst selbst mal einen zu dem Thema). Ich schreibe das nur, um zu veranschaulichen, dass solche Konstellationen komplex sind. Und wir sind uns ja offenbar einig, dass die Erzieherinnen dieser Komplexität nicht Rechnung tragen.

Übrigens: Das Kind ist drei. In der Gruppe meiner Tochter sind nur dreijährige, sie erzählt öfter einmal, dass andere Kinder da hauen. Ich glaube jetzt eigentlich nicht, dass das alles Ergebnisse verkorkster Erziehung sind, zumal wir uns in einem Land befinden, in dem die Erziehung deutlich traditioneller ist als in Deutschland.


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
avatar  patty 2
Status:
schrieb am 14.11.2018 11:09
Huhu,

ich würde jetzt erst mal zum Gespräch gehen und hören um was es genau geht.
Du musst keine fertigen Lösungen mitbringen, man darf nach dem Gespräch erst mal eine Überlegungszeit einfordern.

Dein Kleiner ist 3 Jahre alt und geht seit 4 Monaten in die Kita, hat das alles gut bewältigt, wunderbar.

Zitat

Die Erzieherinnen sagen, dass er eigentlich ein liebes Kind ist, was sehr intelligent ist, sprachlich am weitesten in der Gruppe ist, auch mal mithilft, auch den anderen hilft und sehr geduldig auch bastelt oder spielt.

Wenn dein Kleiner so beschrieben wird, hat er sehr viele Kompetenzen. Vielleicht wird deshalb von ihm zu viel erwartet. Vielleicht benötigt er mehr Anleitung und Begleitung, ist vielleicht zeitweise überfordert sich jetzt schon eigenständig zu strukturieren und zu regulieren.

Zitat

Sie ermahnen immer dreimal, dann muss das Kind entweder nach drinnen eine Pause machen oder wenn sie drinnen sind, dann muss es sich an den Tisch setzen für 5 Minuten und die Pause eben so machen.

Wo ist hier der Lerneffekt? Welche Handlungsalternativen werden mit ihm geübt bzw. begleitet?

Zitat

aber dann würde er eben diese "Aussetzer" haben, wo er wie in seiner eigenen Welt ist und er auf rufen auch nicht mehr reagieren würde.

Hier wird nicht mit dem Kind in den Kontakt gegangen. Die Situation ist schon überspannt, da kann ein 3-jähriges Kind sich nicht mit rufen eigenständig regulieren.

Ich sehe hier Stresssymptome bei deinem Kind, gleichzeitig aber auch entwicklungsgerechtes Verhalten (Empathiefähigkeit).

LG Patty


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
avatar  Jadestern
Status:
schrieb am 14.11.2018 11:25
Ich bin da ganz bei Joaninha, meine kleiner Sohn war auch recht schwierig was das abgeht und ich musste leider in nun insgesamt 6 Jahren Kitazeit immer wieder fest stellen, dass die Erzieherinnen es sich da doch oft recht einfach machen. Da wird man angeschaut mit großen Augen und einem gesagt "sie wüssten nicht was sich machen sollen" "und sowas hätten sie noch nie gehabt" das ist Nonsens....und ich habe auch einmal entgegnet, dass ich bei einer ausgebildeten Pädagogin schon etwas mehr erwarte als ein Schulterzucken. Denn schließlich wurden sie jahrelang für so etwas ausgebildet. Ich nicht..ich kann da keine Lösungswege geben. Vor allem nicht da meine Lösungen für Zuhause im Umgang Mama/Kind funktionieren...das heißt selten dass sie auch für die Kita funktionieren. Außerdem bin ich in den Situationen ja nicht dabei und kann dann weder eingreifen noch die Situation beurteilen.. Dies hat die Erzieherin zum Nachdenken gebracht und sie gab mir dann recht, dass sie schon das Rüstzeug haben sollte für solche Dinge.
Und es handelt sich ja hier nicht um ungewöhnliche Ausfälle (wie bei uns auch) sondern um durchaus ganz normales und Altersgerechtes Verhalten.

Leider geht das nun in der Grundschule genauso weiter grins "hatten wir noch NIE!" "was sollen wir nur machen"....

Und diese Erfahrung habe ich von vielen Eltern gehört mit verschiedensten Probleme (war 4 Jahre Elternvertreter und Beirat in der Kita und nun in der Schule). Scheinbar haben ALLE Eltern das schwierigste und kompliziertes Kind sobald es nur etwas aus der gewünschten Norm schlägt und etwas mehr Aufwand verursacht.


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  Clodinchen
Status:
schrieb am 14.11.2018 15:07
Vielen Dank für Euer Feedback.

Wir hatten gestern ein recht langes Gespräch mit der Erzieherin. Sie hat uns Entwarnung gegeben, dass ihrer Meinung nach dieses Verhalten in diesem Alter normal sei. Ich war eher skeptisch, weil gerade Hauen und Schubsen und auch Beißen gefährlich sein bzw. werden kann. Mein Mann und ich haben deswegen auch schon viel gestritten. Und wir haben uns richtig Vorwürfe gemacht, an unserer Erziehung gezweifelt. Wir fühlten uns so hilflos, weil alles im Kindergarten passiert und wir darauf keinen Einfluss nehmen können. Unser Kleiner weiß, dass all das falsch ist, wenn man mit ihm spricht, merkt man, dass es ihm erstens leid tut und zweitens, dass man das nicht macht. Er echauffiert sich ja auch, wenn andere jemanden schubsen und meint dann besserwisserisch "das macht man aber nicht". Wenn wir in der Nähe sind, er im Alltag mit anderen Kindern spielt, passiert nichts. Daher hat es uns auch so kalt erwischt, als uns die Erzieherin das erste mal davon erzählt hat.

Zurück zu gestern. Bei dem Gespräch gestern war auch eine zweite Erzieherin anwesend, die wohl beobachtet hat, dass unser Knirps das nicht mit böswilliger Absicht macht.

2 Beispiele:

Er spielte in der Spieleckt mit Bauklötzen. Er saß am Boden. Ein anderes Kind kam angerannt und stolperte, fiel auf ihn drauf. Er hat es gebissen. Und zwar so fest, dass das andere Kind grün und blau wurde an der Stelle. Unserer hat dann gesagt, der andere hat ihn am Kopf weh getan. Die Erzieherin meinte, das war eine klare Affekthandlung, und dass das Kinder in dem Alter eben noch lernen müssen, wie man "richtig" reagiert.

Das andere war, dass sie draußen fangen gespielt haben. 6 Jungs haben unseren gefangen. Der hat sich dann aus welchem Grund auch immer, unter dem Spielgerüst versteckt. Die anderen haben ihn an der Kapuze gefasst und herausgezogen, woraufhin er gehauen und geschubst hat.

Dass sein Verhalten falsch ist, ist klar. Keiner will das schön reden. Er wird die nächsten 2 Wochen jetzt erst einmal unter genauer Beobachtung gehalten. Immer mit einer Erzieherin an seiner Seite. Damit wollen sie ihm helfen, andere Lösungsansätze zu finden. Denn wie gesagt, das Wissen hat er, er muss es nur in dem Moment dann auch umsetzen. Impulskontrolle sozusagen.

Wir sind froh, dass die Erzieherinnen sich für uns die Zeit genommen haben und diese zweite Erzieherin ein bisschen mit aufklären konnte. Dass man Lösungen finden möchte und nicht unserem Kind den Buhmann aufdrückt oder uns als Eltern.

LG


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  Joaninha
schrieb am 14.11.2018 15:57
Zitat
Clodinchen
Das andere war, dass sie draußen fangen gespielt haben. 6 Jungs haben unseren gefangen. Der hat sich dann aus welchem Grund auch immer, unter dem Spielgerüst versteckt. Die anderen haben ihn an der Kapuze gefasst und herausgezogen, woraufhin er gehauen und geschubst hat.

Echt jetzt? Das Beispiel für Aggressivität seitens Deines Sohnes ist, dass er sich wehrt, wenn sechs andere Kinder ihn angehen? Krass!

Also meine Tochter hat in den letzten Wochen vielleicht zwei, dreimal die tolle Idee gehabt, sich entweder hinten an meinen Pulli zu hängen, während ich saß, oder gleich direkt die Arme von hinten um meinen Hals zu legen und sich dranzuhängen. Da war bei mir auch Schluss mit lustig. Es tut weh, man hat ganz schnell das Gefühl, keine Luft zu bekommen, und es ist wirklich nicht einfach, das Kind hinter einem zu fassen zu bekommen, damit es aufhört.

Insofern denke ich wirklich, die Erzieherinnen sollten einen ganzheitlicheren Ansatz in Erwägung ziehen, bei dem nicht nur ein Kind der Schuldige ist.

Edit: Ach so, und um den Bezug herzustellen: Ich glaube, das Ziehen an der Kapuze kann bei geschlossener Jacke einen ähnlichen Effekt haben wie das, was ich eben schilderte.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.18 15:59 von Joaninha.


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  isolde35
Status:
schrieb am 14.11.2018 16:32
Also, ich würde das echt locker sehen, die beiden Beispiele, die du genannt hast, finde ich völlig normal in dem Alter. Ich würde das Thema vorsichtig und ohne Druck zu Hause mal zur Sprache bringen, du schriebst ja, er sei sprachlich schon sehr weit, vielleicht kannst du ihm Vorschläge dazu machen, wie er sich verbal wehren kann, wenn ihm etwas nicht passt im Kindergarten. In unserer Kita hat man den Kindern zum Beispiel beigebracht, dass sie einem anderen Kind oder Erwachsenen, die etwas machen, was sie nicht möchten, die Handfläche entgegenstrecken und laut sagen: Stopp, ich möchte das nicht! Das finde ich ganz gut, es erregt Aufmerksamkeit und unterbricht solche Abläufe.

Für deinen Sohn ist der Kindergarten udn vor allem der Umgang mit so vielen anderen Kindern ja noch recht neu, das muss sich noch einspielen. Ich denke, du kannst ihn da unterstützen, indem du dich erstens auf seine Seite stellst und ihm den Rücken stärkst und ihm zweitens mögliche Lösungen für Konfliksitationen aufzeigst. In eurer Situation würde ich zum Beispiel ein Buch zum Thema Emotionen oder Teilen oder Rücksichtnahme kaufen und ihm das abends mal vorlesen. Das führt bei meiner Tochter oft zu Versuchen, das, was wir gelesen haben, zu übertragen und auszuprobieren. Das Buch "Ängstlich, wütend, fröhlich sein" aus der Wieso Weshalb Warum Reihe finde ich gut, um sich allgemein mit verschiedenen Gefühlen zu beschäftigen. Das weckt auch Verständnis dafür, wenn andere mal wütend oder frech oder was auch immer sind.

isolde


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  SandraT
schrieb am 14.11.2018 19:35
Danke für Deine Antwort.
Dann sehen wir es ja im Prinzip ähnlich - ich etwas mehr als Du die Eltern in der Verantwortung als „fertige Lösungen“ vom KiGa präsentiert zu bekommen. Das fällt sicher auch nicht unbedingt in deren Kompetenzbereich, wenn es über das normale Maß (nicht alle Kinder hauen, ja, manche ab und an, wenn ihnen noch alternative Handlungsweisen fehlen, hinzunehmen sollte das jedoch auch nicht sein zwinker) hinausgeht.
Schrieb ich ja auch - hauen lassen? Nein! Eben. Da gibt es ja die andere Seite - die Gehauenen/Geschubsten und da entstehen dann auch Problematiken. Wenn man angegriffen wird, darf man sich (auch rechtlich) wehren (Rache ist nicht erlaubt) und Kinder haben auch in der Schule und sicher auch im KiGa ein Recht auf Schutz. Klar kann man nicht alles verhindern. Ich bin dennoch der Meinung, dass ständig! hauende Kinder oder so - auch, wenn sie verhaltensauffällig, entwicklungsverzögert, traumatisiert sind oder sonstwas, nicht einfach im Rahmen von Inklusion als „gehören dazu, sind nunmal so“ hingenommen werden müssen. Auch da gilt, dass die Freiheit da endet, wo anderen geschadet wird und das kollidiert mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit.
Gibt es ein Problem muss! eine für alle akzeptable Lösung gefunden werden. Erwachsene kranke gewalttätige aber nicht Kriminelle Leute kommen ja nicht ins Gefängnis aber werden zum Schutz anderer auch in speziellen Einrichtungen untergebracht.
Ich hätte es weder akzeptiert, dass meine Kinder dauernd gehauen werden und es hinnehmen, noch, dass sie sich ständig verteidigen müssten. Viele Kinder trauen sich auch gar nicht sich zu wehren oder lernen so, dass hauen normal ist.
Grade, wenn das betroffene Kind als blöd bezeichnet wird und auch gehauen werden soll, kann das wohl keine Lösung sein und ist nachteilig für alle Beteiligten. Evtl. sollte das Kind in eine andere Einrichtung. Integrative Kindergärten und Miteinander ist gut und sinnvoll und alle können davon profitieren, wenn es harmonisch verläuft, was bei Sehbehinderung, Gebärdensprache, Rollstuhl oder auch Letnschwierigkeiten oder emotionalen Schwierigkeiten wie z.B. bei vielen Autisten (auch nicht allen) generell ja funktioniert - jedoch eben nicht in allen Fällen. Das würde ich auch so kommunizieren. Vielleicht reicht auch eine 1:1-Begleitung, die evtl. die meisten Angriffe verhindert und so beide Seiten schützt? Wie auch immer - „normal“ (=hinzunehmen) ist Hauen nie.


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  Viefra
Status:
schrieb am 15.11.2018 13:39
Zitat
Joaninha
Zitat
Clodinchen
Das andere war, dass sie draußen fangen gespielt haben. 6 Jungs haben unseren gefangen. Der hat sich dann aus welchem Grund auch immer, unter dem Spielgerüst versteckt. Die anderen haben ihn an der Kapuze gefasst und herausgezogen, woraufhin er gehauen und geschubst hat.

Echt jetzt? Das Beispiel für Aggressivität seitens Deines Sohnes ist, dass er sich wehrt, wenn sechs andere Kinder ihn angehen? Krass!

Genau das habe ich mir auch gedacht, oder habe ich da was falsch verstanden?


Zitat
Clodinchen

Insofern denke ich wirklich, die Erzieherinnen sollten einen ganzheitlicheren Ansatz in Erwägung ziehen, bei dem nicht nur ein Kind der Schuldige ist.

Genau, sonst ist es ganz schnell geschafft, ein Kind zum "Schuldigen" zu machen. Ich denke, mit vier Jahren kann sich ein Kind oft noch garnicht selbst regulieren, kann seine Handlungen noch nicht reflektieren! Dass Du von Kindergarten in Kenntnis gesetzt wirst ist ja soweit gut, aber ich denke, Du kannst da grundsätzlich wenig machen, um die konktreten Situationen im Kiga zu entschärfen. Da sind die Erzieherinnen gefragt, ganz nah dran zu sein, die Kinder zu begleiten. Dass das bei den üblichen Betreuungsschlüsseln oft sehr schwierig ist, streitet keiner ab. Aber dafür können die Kinder ja nichts.


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
no avatar
  Clodinchen
Status:
schrieb am 15.11.2018 15:24
Zitat
Viefra
Zitat
Joaninha
Zitat
Clodinchen
Das andere war, dass sie draußen fangen gespielt haben. 6 Jungs haben unseren gefangen. Der hat sich dann aus welchem Grund auch immer, unter dem Spielgerüst versteckt. Die anderen haben ihn an der Kapuze gefasst und herausgezogen, woraufhin er gehauen und geschubst hat.

Echt jetzt? Das Beispiel für Aggressivität seitens Deines Sohnes ist, dass er sich wehrt, wenn sechs andere Kinder ihn angehen? Krass!

Genau das habe ich mir auch gedacht, oder habe ich da was falsch verstanden?

Die Erzieherinnen haben das als Beispiel genommen, dass er eben nicht einfach so böswillig den anderen weh tut, sondern aus der Situation heraus. Stichwort: keine Impulskontrolle. Und das Problem ist einfach, dass es eben auch schnell böse ausgehen kann, wenn er ein Kind schubst oder haut. Oder feste zubeißt wie neulich. Hier wollen die Erzieherinnen aber ansetzen. Gestern und auch heute war unser Knirps nie sich selbst überlassen. Eine Erzieherin war immer an seiner Seite und musste insgesamt dreimal verbal eingreifen. Er hat mit den anderen Kindern schön zusammen gespielt, hat niemandem etwas getan und die Erzieherinnen sind begeistert, wir als Eltern erst einmal beruhigt, dass diese Maßnahme fruchtet. Der Sinn soll sein, ihm direkt andere Möglichkeiten aufzuzeigen, als eben zu hauen oder zu schubsen. Wehren ja, aber bitte ohne Gewalt.

Und ja, auch den anderen Kindern wird Hilfestellung gegeben, zumindest meinte das mein Mann heute, als er den Knirps aus dem Kiga geholt hatte. Man hat wohl auch mit den "Jägern" gesprochen, die das aber auch nicht böse gemeint haben. Heute haben dann alle, auch unserer, ganz wunderbar zusammen gespielt, ohne Zwischenfälle. Es sind Kinder, das darf man eben nicht vergessen und man wird ja als Eltern heutzutage leicht ängstlich oder verunsichert. Man müsste viel häufiger einfach mal tief durchatmen und abwarten. Seufz.

LG


  Re: Hauen und Schubsen im Kindergarten
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  SandraT
schrieb am 15.11.2018 19:08
Beim ersten Beispiel stellt sich ja die Frage, ob er dachte, der Junge hätte ihn von hinten angegriffen oder gesehen hat, dass er nur gefallen war.
Das zweite war ja einfach Notwehr und gerechtfertigt und erlaubt. Wenn einer einem extra wehtun will, Eigentum beschädigen oder so (und ja, im Gesetz ist sogar Ehre genannt - beleidigt z.B. ein Mann eine Frau und hört nicht auf, darf sie ihm durchaus eine Ohrfeige geben, damit er aufhört), darf man sich wehren. Angemessen muss halt auch gelernt werden. Beißen würde ich daher generell ausschließen, birgt ja noch andere Risiken. Auf den Arm hauen oder so kann man ja “erlauben”.




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