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  Schwieriges Verhältnis zur Mutter
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   CathyNumberTwo
schrieb am 27.01.2022 12:32
Hallöchen,
ich war schon lange nicht mehr im Forum unterwegs. Aber jetzt komme ich alleine nicht mehr klar.
Es geht um das Verhältnis zu meiner Mutter. Innig und liebevoll war es noch nie. Es gab immer wieder mal Bemerkungen oder Taten von meiner Mutter die nicht besonders mütterlich waren. Zum Beispiel hat sie mich schon mehrmals aus der Telefonleitung geschmissen, weil jemand anderes gerade angerufen hat.
Aber neulich hat sie mir gesagt, so ganz lapidar, dass sie gar nicht mehr meinen 2. Vornamen weiß.
Ich komme da gar nicht drüber weg, das ist doch schon mehr als krass.
Möchte dazu sagen, dass meine Mutter nicht dement oder sowas ist.
So, mir geht es hierbei gar nicht so sehr um das Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir, sondern um meine eigene Rolle als Mutter.
Ich möchte eine gute Mutter sein, das ist mein höchstes Ziel. Ich möchte es besser machen als meine Mutter. Ich habe Angst, dass das Verhältnis zu meiner Mutter mich davon abhält.
Vielleicht findet sich hier jemand, der einen Rat für mich hat. Oder sehe ich das alles zu eng?
Vielen Dank für's Lesen.
Cathy


  Re: Schwieriges Verhältnis zur Mutter
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   xX-Spirit-Xx
Status:
schrieb am 27.01.2022 12:51
Hallo Cathy,

ich kann dich gut verstehen. Das Verhältnis zu meiner Mutter ist auch so. Früher habe ich sie sehr geliebt, als kleines Kind. Ich glaube so bis 11 oder so. In der Pubertät ist dann alles anders geworden. Ich war nicht mehr die liebe Tochter sondern schwierig und das wurde mir auch gezeigt.
Meine Mutter ist sehr übergriffig. Sie hat Dinge weggeschmissen, die mir wichtig waren z.b. alte Liebesbriefe von meinem ersten Freund, meiner ersten großen Liebe.
Wenn ich sie anrufe erzählt und fragt sie nichts. Sie könnte die ganze Zeit schweigen.

Ich denke auch ständig daran, dass ich es anders machen will, aber ich weiß gar nicht so richtig warum es zum Bruch mit meiner Mutter kam. Meine kleine Tochter liebt mich abgöttisch, so wie ich meine Mutter früher geliebt habe. ich habe große Angst, dass es bei ihr auch so schnell sich wandeln wird ins Gegenteil.

Tun kann ich glaube ich nicht viel. Ich werde viel von meiner Genetik geprägt, versuche aber auch achtsam zu sein. Ende des Sommers hatte ich z.B. nur noch an allen rumgemotzt, war unfair zu den Kindern, habe sie als extreme Belastung empfunden und habe mich genauso verhalten wie meine Eltern früher, was ich ja nie wollte.
Das hat mich wachgerüttelt, dass ich etwas tun muss und zwar für mich.

Jetzt meditiere ich, kümmere mich um mich, entspanne bewusst und werde wieder mehr ich selbst und kann anders reagieren als ich es letztes Jahr konnte.

Zumindest in dem bin ich meiner Mutter voraus- ich merke wenn etwas schiefläuft und reagiere darauf. Ich hoffe sehr, dass das ausreicht, damit meine Kinder mich in besserer Erinnerung behalten.

Vielleicht hilft dir das ja schon etwas? Du hast erkannt, dass du nicht so werden solltest und das ist doch schonmal der erste Schritt.


  Re: Schwieriges Verhältnis zur Mutter
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   CathyNumberTwo
schrieb am 28.01.2022 11:10
Hallo Spirit,
vielen Dank für deine Nachricht.
Ich finde es gut, dass du dich um dich selbst kümmerst. Vielleicht sollte ich das auch mal tun.
Ich denke es ist normal, dass man Kinder manchmal als Belastung empfindet. Wir sind ja auch nur Menschen und es ist nicht immer alles toll.
Übergriffig ist meine Mutter nicht, eher desinteressiert.
Unser Verhältnis hat sich auch nicht sonderlich geändert, es ist nur so, dass ich dieses Desinteresse erst mit der Zeit sozusagen kapiert habe. Als Kind kannte ich es nicht anders, habe erst gemerkt wie es auch sein könnte wenn ich Freundinnen mit ihren Müttern erlebt habe.
Meine Mutter ist auch keine Vertraute für mich. Ob es mir gut geht oder schlecht, das erfährt sie nicht, ich habe gar nicht das Bedürfnis ihr etwas zu erzählen.
Ach ich weiß auch nicht, vielleicht sollte ich den Vorfall einfach vergessen.
Liebe Grüße, Cathy


  Re: Schwieriges Verhältnis zur Mutter
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   akazie76
schrieb am 28.01.2022 16:37
Ich glaube, dass du da schon viel richtig machst. Du bist nicht desinteressiert gegenüber deinen Kindern und ihr habt ein gutes Verhältnis.

Deine Mutter war schon immer eher desinteressiert, wie ich es verstehe. Aber jetzt bist du die Mutter und du weißt, dass du deine Kinder liebst und dich für sie interessierst. Du passt drauf auf, dass sich das nicht ändert. Und klar, Kinder nerven immer mal und sind anstrengend und man will seine Ruhe - aber das ist ja ein ganz anderes Level wie "außerdem weiß ich gar nicht mehr wie du heißt".

Als Kind konntest du die Situation nicht einordnen und dachtest, das ist normal. Aber jetzt bist du erwachsen und kannst das Verhältnis zu deinen Kindern viel besser einschätzen. Und es klingt so, als ob du das alles ganz gut hinbekommst.


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  Re: Schwieriges Verhältnis zur Mutter
avatar    Juna30
Status:
schrieb am 28.01.2022 17:35
Ich hab mich vor kurzem mit meinem Mann darüber unterhalten. Er möchte ein anderer Vater sein, als sein Vater war. Und ich möchte eine andere Mama sein als meine leibliche Mutter war.

Nun wissen wir nur, was für uns damals besser gewesen wäre und wir müssen aufpassen, dass wir das nicht unseren Kindern aufdrücken. Dann würden wir dem Prinzip nach genau so handeln wie unsere Eltern.
Wir wollen stattdessen mit liebevoller Zuwendung offen und aufmerksam bleiben für unsere Kinder, um hoffentlich zu erspüren, was sie brauchen. Bestimmt ist da auch jedes Kind anders. Wir versuchen sie in ihren Wünschen und Neigungen zu bestärken und unterstützen. Und dadurch erhoffen wir uns, dass wir auch dann noch Teil ihres Lebens bleiben, wenn sie ihre eigenen Wege gehen.

Ich finde, dass an dieser Stelle auch ein Negativbeispiel als Mutter in meiner Mutterrolle etwas Positives bewirken kann. Der Negative Teil ist kein Selbstläufer. Ich kann und muss mich immer wieder dafür entscheiden anders zu handeln.


  Re: Schwieriges Verhältnis zur Mutter
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   Nessa15
schrieb am 28.01.2022 21:08
Hallo,
ich bin mit einem Vater aufgewachsen, der selbst zwei schwierige Elternteile hat. Meine Oma väterlicherseits hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, hat in der Kindheit meines Vaters ihre Kinder immer wieder belogen und wiederholt für ihre Interessen benutzt (hat zum Beispiel die Kinder krank gemach um Zeit mit den attraktiven Kinderarzt zu verbringen). Mein verstorbener Opa war entweder arbeiten oder war in der knappen Freizeit emotional abwesend, hat die Kinder nie auf dem Fußballfeld oder beim Ballett gesehen geschweige denn im Krankenhaus besucht wenn sie dort waren.

Trotzdem ist mein Vater liebevoll, fürsorglich und extrem emphatisch geworden, ein großartiger Papa und Opa. Er hat mir als ich mit Luise schwanger war, erzählt dass er seit meiner frühester Kindheit sich einmal bis zweimal im Monat Zeit nimmt und sein Verhalten als Ehemann und Vater stark reflektiert und angefangen hat Strategien für Stress oder Streitsituationen zu erarbeiten und sich überlegt was ihn in seiner Kindheit so verletzt hat, um gerade das zu vermeiden. Er hat sich viel angeeignet, dass er eben nicht erfahren hat und gerne erlebt hätte. Ich denke wenn du so selbstkritisch und vor allem ehrlich mit dir selbst und deinen Kinder bleibst, dann bist du die Art von Mutter die du sein kannst und möchtest.


  Re: Schwieriges Verhältnis zur Mutter
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   CathyNumberTwo
schrieb am 31.01.2022 12:23
Ach ich danke euch vielmals für eure Nachrichten. Es geht mir doch glatt schon viel besser.
Klar, letztendlich entscheide ich, was für eine Mutter ich sein möchte. Das war mir gar nicht so bewusst. Sicherlich gelingt die Umsetzung nicht zu 100 Prozent, es gibt ja immer noch die Gene etc., aber doch sicherlich zum großen Teil. So, zumindest, dass ich mit mir selbst zufrieden sein kann.
LG Cathy


  Re: Schwieriges Verhältnis zur Mutter
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   blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 02.02.2022 11:45
Zitat
CathyNumberTwo
es gibt ja immer noch die Gene etc., aber doch sicherlich zum großen Teil. So, zumindest, dass ich mit mir selbst zufrieden sein kann.
LG Cathy

Ich mag da doch noch was dazu sagen, da du das mit den Genen jetzt nochmals betont hast.
Ich glaube nicht, dass es an den Genen liegt, sondern an den eigenen Erfahrungen. Denn die bestimmen, was man als Normal ansieht. Oft ist man nämlich so geprägt davon, dass man da eigentlich gar nicht raus kann. Allerdings ist es gerade bei Eltern teilweise schwer herauszubekommen, was sie denn in der Vergangenheit so beeinflusst hat, da sie darüber nicht reden.

Lass mich als Beispiel meine Familiensituation nennen: Meine Mutter ist ein Kriegskind und hat ihre Kindheit zuerst in Polen verbracht und später als Flüchtlingskind in Süddeutschland, wo sie zuerst allein im Heim war. Und man merkt ihr noch heute an, dass sie en Leben ohne Vater hatte, viel auf sich allein gestellt und wenig zum reden hatte. Familie war kein wirklicher Zusammenhalt, da sie einfach andere Probleme hatten. Viele Möglichkeiten konnte sie einfach aufgrund ihrer Situation nicht nutzen. Ich weiß darüber nur sehr wenig. Aber man merkte all diese Erfahrungen auch in der Erziehung. Für sie war es normal, dass sich Geschwisterkinder um die Kleinen kümmerten. Bei Berufswunsch konnte sie mir nicht helfen und auch Schule war für sie ein anderer Ort als für mich. Beziehungen spielten eine ganz andere Rolle. In all diesen für mich sehr wichtigen Bereichen konnte sie mir nie helfen und es war für mich schlimm. Ich warf ihr vor, dass sie mich nicht verstand und mich nicht unterstützte. Man könnte es als Desinteresse bezeichnen, das du ja auch empfunden hast.
Ich habe aber durch andere Familien, in denen ich mich aufgehalten habe, gemerkt, wie es anders geht. Habe mich im Studium weiterentwickelt und wusste, wie ich eine Mutter-Kind-Beziehung möchte. Und ich habe, seitdem ich Kinder habe verstärkt, angefangen, dass bei meiner Mutter einzufordern. Ich habe mich so verhalten, wie ich es immer tun wollte und wenn sie mir nichts zurückgeben konnte, dann habe ich das akzeptiert. Sie kann noch immer nicht alles, was ich gern von ihr möchte, aber wir haben zwischenzeitlich ein gutes Verhältnis. Wir freuen uns über die Zeit, die wir zusammenverbringen. Und verglichen mit meiner Pubertät und der Entfernung unserer Wohnorte, ist das viel.

Ich habe daraus gelernt, dass ich nicht immer über meine eigenen Erfahrungen hinwegkomme und das immer mein Verhältnis zu meinen Kindern beeinflussen wird. Aber ich werde immer ein offenes Ohr haben und möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie immer zu mir kommen und erzählen können. Und dann werden wir auch mal aneinandergeraten, weil wir andere Vorstellungen haben. Ich werde mich sicherlich öfters entschuldigen müssen, dass ich meine Kinder nicht immer verstanden habe. Aber ich bin eh ein Mensch, der mit seinen Defiziten offen umgeht.

Alles Gute!




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