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  Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   sturmfängerin
schrieb am 08.01.2022 15:30
Hallo zusammen,

ich muss mich mal ausheulen.
Ich habe seit einiger Zeit permanent so Stress mit meinem Sohn (12 Jahre). Es war noch nie ganz einfach mit ihm (sehr starker Wille, sehr früh sehr autonom) aber wir hatten immer ein recht enges und sehr gutes Verhältnis.

Ich weiß, es sind sicher auch die Vorboten der Pubertät, aber es ist gerade einfach trotz diesem Wissen so übel.

Es ist vor allem der Ton und der Umgang miteinander. Fragt man ihn etwas oder bittet um etwas dann werde ich entweder ignoriert oder bekomme eine dumme Antwort. Möchte er was von mir dann in einem Ton der einfach nicht angemessen ist. Und wenn man dann nicht gleich reagiert schreit er in einer Lautstärke wie ein Kleinkind. Nichts kann man ihm recht machen. Ich merke wie mich sein Verhalten extrem triggert und ich schnell auf 180 bin. Auch Schimpfwörter gegenüber dem kleinen Bruder sind echt übel.

Ich kann damit kaum mehr umgehen und bin teilweise einfach nur froh wenn er nicht zuhause ist…

Ich habe schon mehrere Versuche gestartet wieder Nähe zu schaffen, merke aber dass ich glaube ich mit meiner Wut im Bauch und irgendwie einer Enttäuschung was da los ist gar nicht mehr glaubhaft bin.

Hat mir jemand einen Rat?

Lg sturmfängerin


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.01.22 16:13 von sturmfängerin.


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Blüte
schrieb am 08.01.2022 17:04
Liebe Sturmfängerin,

mir fiel beim Lesen sofort folgender Satz ein: "Trenne das Verhalten deines Sohnes von eurem Verhältnis".

Ja, das ist leicht gesagt, ich weiß, mein Kind ist drei Jahre älter und ich weiß, wie anstrengend es ist, wenn die Jugendlichen sich im Ton vergreifen, aber egal, wie unangemessen der Ton ist, euer Verhältnis, euer enges Verhältnis, euer Vertrauen sollte dadurch nicht erschüttert werden.

In der pädagogischen Ausbildung (ich meine du kommst auch aus dieser Ecke) wird immer zu "professioneller Distanz" geraten. Das kann und soll man natürlich so bei den eigenen Kindern nicht anwenden, aber ich finde es wichtig, die Unverschämtheiten der Pubertierenden nicht an dein Herz zu lassen. Nicht dein Sohn ist anders, nur sein Verhalten. Er wird wohl auch gerade nicht wissen, wo oben und unten ist und dann diese unangemessene Form finden, sich auszudrücken.

Damit meine ich nicht, dass du sein Verhalten hinnehmen sollst, absolut nicht, aber lass zu nah an dich ran. Es ist kein erwachsener Mensch, der dich bewusst verletzten will, es ist ein Jugendlicher (mit besonderer Geschichte), der sich sucht, mit sich selbst nicht klar kommt und womöglich auch (unbewusst) testet, wie stark euer Bindung ist, wobei das natürlich Spekulation ist.

Wenn dich sein Verhalten triggert, geh aus der Situation raus. Schreit er rum, geh aus dem Raum. Will er etwas in unangemessenem Ton, reagiere nicht. Beschimpft er seinen Bruder, unterbinde es und sei, dass du den Bruder zu dir holst. Aber versuche es trotz allem nicht persönlich zu nehmen und suche in Situationen, in denen es gerade nicht "knallt" das Gespräch. Allgemein, aber auch über die schwierigen Situationen, wie er mit euch spricht, wie er gelernt hat, mit euch zu sprechen, wie ihr mit ihm sprecht usw.

Sollte die Situation zu sehr eskalieren, könnte man immer noch über eine Erziehungsberatung nachdenken, auch das ist immer ein Option.

Gute Nerven und viel Erfolg!

Blüte


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Sasa
schrieb am 08.01.2022 17:46
Liebe Sturmfängerin

das liest sich wirklich anstrengend und ich habe eine Ahnung davon, wie es sein kann.
Als erstes fällt mir ein: versuche dich zu stärken, dir Auszeiten zu nehmen, deine Gelassenheit zu stärken.
Versuche dir ein dickeres Fell zuzulegen, die Schwelle des Triggers zu erhöhen. Das ist definitiv keine leichte Aufgabe, aber vielleicht kannst du etwas finden!? Bei manchen hilft Yoga, Meditation, gezielte Unterstützung, Klavier spielen, laufen … 🤷🏼‍♀️

Auf dem Weg zur Pubertät zeigt sich bei unseren Kindern:
• Zweifel, ob ihre annehmenden Eltern sie lieben, so wie sie sind, nehmen zu.
• Die Attacken auf das Bindungssystem nehmen zu.
Zitat IW

Vielleicht hilft es dir, wenn du das annimmst?
Wenn dies Attacken „normal“ sind und nichts mit dir zu tun haben, nichts mit eurem Verhältnis, wie Blüte schrieb.

Was hilft?
Möglichst wenig Druck ausüben, kein „Machtwort sprechen, Kritik einbetten und Wertschätzung, Ressourcen betonen und einfach da sein.

IW:
„Sie wollen weiterhin gehalten und geachtet werden, auch wenn sie ihrerseits die annehmenden Eltern attackieren.“
• Inneres Notfallprogramm: Abschied nehmen von einem »harmonischen Familienleben«.
• Sich auf Sorgen und Probleme als zu ihrem Leben dazugehörig einlassen und einstellen.

Ich weiß, dass mir diese Zeit noch bevorsteht und ich weiß jetzt schon, wie schwer mir das alles hier fallen wird, aber ich glaube daran, dass wir nur mit unserer Haltung
arbeiten können.

Liebe Grüße!


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   sturmfängerin
schrieb am 09.01.2022 10:51
Ihr lieben Beiden,

Ihr habt es beide so wunderbar beschrieben, wie wenn Ihr hier dabei wärt smile.

Ich merke schon an mir, dass ich glaube ich das größte Problem habe zu denken, er liebt mich nicht mehr, möchte nicht mehr meine Rat, meine Beziehung usw. Da muss ich sehr an mir arbeiten, ich weiß auch, dass das eigentlich "mein" Problem ist (ich beschäftige mich gerade sehr mit dem Inneren Kind). Da muss ich tatsächlich lernen, meine Themen von der Beziehung zu ihm zu trennen.

Aus den Situationen rauszugehen das mache ich schon häufig. Gelingt aber auch nicht immer, je nachdem wie mein Befinden gerade ist. Das Thema "sich verabschieden von einem harmonischen Familienleben" gelingt mir auch sehr schwer. Er hat keinerlei Lust mehr auf gemeinsame Aktivitäten, das finde ich total schade. Das einzige ist Essen gehen oder ins Erlebnisschwimmbad. Gemeinsames Essen gehen mache ich tatsächlich immer wieder mal mit ihm.

Ich hatte es schon in einem anderen Beitrag mal geschrieben, mir fällt es unheimlich schwer, mir meine Auszeiten zu nehmen, ich bin dann eigentlich immer daran mich mit "Arbeit" zu beschäftigen. Auch ein Lernfeld für mich smile. Ich übe mich gerade in Meditation smile. Und habe mir ganz ganz fest fürs neue Jahr vorgenommen, endlich ins Fitness-Studio zu gehen, um für meine Gesundheit, speziell für meinen Rücken etwas zu tun.

Mir haben Eure beiden Beiträge schon so sehr geholfen, vielleicht auch zu erkennen, dass es nicht an mir liegt, sondern wohl einfach an dem Umbruch, der gerade da ist... ich bin sehr gespannt, ob die Frage nach der leiblichen Mutter von ihm irgendwann kommt, nun auch in dieser Phase, bislang hat es ihn Null interessiert.
Vielen lieben Dank Euch!

LG Sturmfängerin


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  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   henriette
schrieb am 09.01.2022 12:43
Willkommen in der Pubertät eines Adoptivkindes. Wobei auch andere Pubertäten nicht entspannt verlaufen müssen. Ich empfehle das Buch: Survival guide für Adoptiveltern und ansonsten gibt es natürlich viele gute Ratschläge (Sport im Verein, Musikinstrument, gelassen bleiben und und und), aber aus eigener Erfahrung weiss ich, dass man gegen vielen nur ganz schwer, wenn überhaupt, ankommt. Das wichtigste ist, irgendwie im Kontakt zu bleiben, und wenn du es nicht mehr so schaffst, delegier an den Vater, das klappt manchmal besser. Und pass auf dich auf. Und das meine ich ganz ernst. Ich wünsche gute Nerven und hol dir, wenn du meinst, es geht nicht mehr (vielleicht schon etwas früher) professionelle Hilfe, sei es für dich und/oder dein Kind. Manches muss man nicht alleine wuppen, wobei es, das schrieb ich ja schon mehrfach, wirklich schwierig ist, für Kinder gute! professionelle Hilfe zu finden.
Gute Nerven!


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Blüte
schrieb am 09.01.2022 12:45
Liebe Sturmfängerin,

vielleicht müssen wir Adoptiveltern uns auch bewusst machen, dass die Pubertät immer eine schwierige Phase ist, auch bei leiblichen Kindern. Auch da gibt es unterschiedlich starke und anstrengende Ausprägungen, aber in der Pubertät grenzen sich Jugendliche auf der Suche nach ihrer eigenen Identität immer von den Erwachsenn ab, besonders stark von den Erwachsenen, die ihnen am nächsten sind, den Eltern. Die ganze Jugendkultur basiert letztlich auf diesem Prozess und das ist ja auch völlig okay.

Meine Eltern haben sehr gute Freunde, die fünf leibliche Kinder haben. Der Vater antwortete einmal auf die Frage meiner Eltern, wie es denn so gehe, folgendermaßen: "Zwei sind wieder normal, zwei spinnen gerade und eine ist noch nicht so weit." grins

Natürlich können bei Adoptivkindern noch andere Aspekte hinzukommen und es ist wichtig, das im Blick zu behalten, aber die Pubertät als anstrengend und sehr anstrengende Zeit ist keine "Exklusiv-Veranstaltung" von Adoptivkindern.

Ansonsten... sei nicht so streng mit dir. Niemandem gelingt es, immer perfekt zu reagieren. Wir sind Menschen, wir haben auch Emotionen, anderweitigen Stress und die Jugendlichen SIND anstrengend. Und ich finde es auch wichtig, authentisch zu bleiben und dem Jugendlichen durchaus zu zeigen, dass es auch Grenzen gibt, die man bei aller Toleranz, bei allem Verständnis und bei aller Liebe eben nicht überschreitet.

Und zum Schluss ein Wort zum "harmonischen Familienleben". Da denke ich sofort an heitere Sommerwiesen über die die Familie tanzt, so wie man es sich oft in den wildesten Träumen ausgemalt hat als man ungewollt kinderlos war.
Jede Lebensphase hat ihre guten Seiten und ihre anstrengenden Seiten, auch mit einem zahnenden Kleinkind oder nach x schlaflosen Nächten mit Baby, ist die Welt des Familienlebens nicht so "harmonisch" wie man sich das wünschen würde. Und mit einem Jugendlichen eben auch nicht. Auch da gibt es anstrengende Zeiten und eben schöne, harmonische, siehe Erlebnisbad oder Essengehen bei euch. Ich finde wichtig, dass wir diese guten Momente nicht aus dem Fokus verlieren, ein "harmonisches Familienleben" als Dauerkonzept halte ich in jeder Lebensphase eher für ein Märchen...


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   henriette
schrieb am 09.01.2022 13:46
Ich gebe zu, dass ich mittlerweile ein wenig ungehalten reagiere, wenn es heisst: aber bei leiblichen Kindern gibt es doch auch so viele Probleme, das muss doch nicht an der Adoption liegen. Die Probleme von frühtraumatisierten Kindern sind anders, in den allermeisten Fällen schwerwiegender als die Probleme von Kindern mit einer "normalen" Biografie. Ich habe mir auch lang genug anhören müssen, dass das alles "normal" sei, obwohl mein Gefühl mir längst gesagt hat, dass das, was da abgeht eben nicht mehr "normal" ist. Wobei ich natürlich jeder Adoptivfamilie wünsche, dass sie nicht das erleben muss, was wir die letzten Jahre durchmachen mussten.


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Blüte
schrieb am 09.01.2022 13:55
Und ich gebe zu, dass ich mittlerweile etwas ungehalten reagiere, wenn es heißt, dass bei Adoptivkindern immer alles ganz schlimm ist und grundsätzlich jedes Problem immer an der Adoption liegt und alles auf jeden Fall in Tränen enden wird.

Und ich reagiere äußerst ungehalten, wenn man mir unterstellt, ich würde die Probleme von traumatisierten Kindern kleinreden oder grundsätzlich auf die Stufe von leiblichen Kindern stellen.

Pubertät ist ein normales Phänomen in der jugendlichen Entwicklung. Es ist eine schwierige Phase für alle Jugendlichen. Das KANN für Adoptivkinder noch mal etwas anderes bedeuten, muss es aber nicht. Deshalb muss man eine Blick darauf werfen, nicht mehr und nicht weniger.


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   henriette
schrieb am 09.01.2022 14:52
Ich habe Kontakt zu diversen Adoptiveltern und da sieht es eben zum Teil katastrophal aus und natürlich spielt die eigene Erfahrung da auch mit rein. Ich war früher auch immer auf dem Standpunkt, dass erstmal alles eher "normal" ist und man nicht immer direkt Richtung Adoption schauen sollte. Hatte ich Sorgen und meinte, dass gewisse Verhaltensweisen eben vielleicht doch nicht "normal " seien, wurde das fast grundsätzlich immer in Frage gestellt und klein geredet, auch von "Spezialisten". Und wenn man immer wieder mit seinen eigenen Einschätzungen gegen eine Mauer rennt, hört man irgendwann auf, diese zu äussern. Tja, und siehe da, ich hatte (leider) mit so ziemlich allem Recht, was idie Einstufung von Verhalten als "problematisch" anbelangte. Und jetzt bin ich müde, sehr müde.


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Blüte
schrieb am 09.01.2022 16:25
Meine Kontakte zu ebenfalls diversen Adoptiv -und Pflegeeltern zeichnen ein ganz anderes Bild und ja, es handelt sich auch durchaus um Familien mit inzwischen erwachsenen Pflege- und Adoptiv"kindern".

Und auch meine eigenen Erfahrungen mit "Spezialisten" sind keineswegs so negativ. Sofern es sich um vernünftige Traumatherapeuten handelt, Lehrer zum Beispiel zähle ich an der Stelle nicht zu Spezialisten.

Ich würde mal sagen, dass sich allgemeingültige Aussagen nie für die Interpretation des Einzelfalls eignen, der muss immer sehr individuell betrachtet, bewertet und behandelt werden.


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Claudi
schrieb am 09.01.2022 17:31
Hallo,

mein erster Gedanke ist: Willkommen in der Pubertät. Es wird anstrengend und zusätzlich zur Baustelle im Gehirn kommt bei unseren Kindern auch die eigene Identitätssuche dazu, zumindest war das bei meinen beiden so.
Da sein, wenn das Pubertier dich als Mutter oder Vater braucht aber ansonsten bitte in Ruhe lassen. Das ist das Schwierigste an der Phase, das Verhalten nicht zu persönlich nehmen, trotzdem sich nicht alles bieten lassen und versuchen ein "Familienleben" zu führen.

Damit uns der Abschied und das Loslassen unserer Kinder leichter fällt benehmen sie sich so, dass wir froh sind, wenn sie nicht da sind oder uns nicht nerven.

Liebe Grüße,


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Sasa
schrieb am 09.01.2022 17:40
Liebe Sturmfängerin

Zu deiner Antwort fällt mir noch eins ein: warte doch nicht bis er nach seinen LE fragt. Versuch doch, ihm hier ein Gespräch, ein Buch, ein Bild anzubieten, um ihm in dieses Thema zu helfen.
Ein „anbieten“ ist wie eine Brücke zu bauen. Vielleicht trat er sich nicht, vielleicht wurde zu selten darüber gesprochen, vielleicht ist er unsicher … man weiß ja nicht, was in seinem Kopf ist.
Ich finde das das ein sehr sehr wichtiges - das wichtigste Thema unserer Kinder ist und es muss besprochen werden, es sollte ein Thema sein. Es stärkt auch die Bindung. Einen Versuch
wäre es wert! 😊

Genauso wie ich immer wieder versuchen würde, etwas gemeinsam zu unternehmen.
Versuchen, versuchen, versuchen - und keine Erwartungen haben. Ohmmmm 🙆🏼‍♀️

Liebe Grüße!


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Ella Propella
schrieb am 11.01.2022 10:54
Und ich möchte als Mutter einer mittlerweile in allen Belangen vollkommen Pubertierenden noch ein paar Sätze dem bereits Gesagten hinzufügen:

Toll, wenn du dich mit dir selber beschäftigst. Versuch doch auch einmal deine eigene Pubertät zu reflektieren. Was war dir wichtig? Was war unwichtig? Was hat dich genervt? Wovon hast du viel gebraucht? Mir hat das unheimlich weitergeholfen sie zu verstehen und zu verstehen, dass ich als Mama nun einfach einen anderen Platz einnehmen muss. Der ist eigentlich auch nicht schlecht, nur ganz woanders. Eine sehr gute Psychologin hat mir dazu gesagt:

"Die Erziehung ist zu Ende, nun ist es Zeit eure BEziehung zu gestalten" <3

Und tatsächlich, auch wenn man oft Angst hat und sich denkt: "WAS? Hast du eigentlich alle Hoflichkeitsformen vergessen, die ich dir in den letzten 10 Jahren versucht habe einzutrichtern???".... Nein, haben sie nicht. Bei uns half hier mal ein gaaanz langer Spaziergang in der ich ihr sehr klare Regeln aufgestellt habe. Wenige aber eisern durchgesetzt. (da kann man noch froh sein, wenn sie erst 11 oder 12 sind, wenn sie beginnen zu pubertieren. Da entscheide nämlich wohl noch ICH, ob man Handyzeit hat oder ausgehen darf zwinker ) Dazu zählt die Beschimpfung der Schwester oder auch körperliche Übergriffe (tja.... glaub mir, damit ist man tatsächlich eher die Regel als die Ausnahme, kann jemand jetzt sagen was er will - versucht das ein Pubertier nicht zumindest, ist es keins zwinker ).

Vielleicht noch was zum Lachen (das braucht man in dieser Zeit besonders! LOL): zum erwähnten Spaziergang musste ich sie zwingen, weil sie ihre Pubertierhöhle "sicher nicht(!!!!!!!!)" wegen mir verlässt. Ich bin da aber recht schmerzbefreit und hab mich in den Garten gestellt und - nach Vorwarnung an sie - tatsächlich rumgebrüllt bis sie rauskam. Das war ihr so peinlich, dass sie erstmal 5m hinter mit mitgegangen ist. Dann hab ich ihr erklärt, wir würden uns so lange vom Haus entfernen, bis sie neben mir geht und vernünftig mit mir ein Gespräch führt. Ich hatte schon ein wenig Angst, dass wir uns ev. wo ein Zimmer nehmen würden müssen, aber so nach 3 km ging sie tatsächlich neben mir (dazwischen Drohungen von ihr "Ich geh wieder nach Hause!! ich drauf "Dann beginn ich wieder zu Brüllen!!!" usw...) und hat mir zugehört. So sind wir dann zurück spaziert LOL ich hab ihr sonnenklar gemacht, dass Beleidigungen und Schubsen/Zwicken/Haareziehen bei der Schwester ein absolutes Nogo sind und ab sofort ohne Vorwarnung Konsequenzen haben wird, ich aber auch verstehe, dass sich ihr Leben grad sehr ändert und sie auch von mir verlangen darf, dass ich sie nicht mehr so behandle wie ein kleines Mädchen zwinker. Manche Regeln müssen natürlich neu überdacht werden und manche Dinge muss man einfach hinnehmen, weil sie den Kampf nicht wert sind (zum Beispiel Chaos im Zimmer... seufz). War am Ende richtig gut und ich hatte das Gefühl durchgedrungen zu sein.

Mein Gott, es ist eben ein Auf und Ab, aber wir haben wirklich gute Phasen und seit diesem Gespräch läuft es meistens ziemlich schnell wieder in der richtigen Bahn, wenns mal eskaliert.

Ich glaube übrigens auch, dass Kinder mit einer frühtraumatischen Erfahrung anders pubertieren, aber dazu darf man wiederum nicht nur Adoptivkinder zählen. Auch andere Kinder haben mitunter sehr frühe Traumata (die zudem oft vom Umfeld unbemerkt bleiben). Und innerhalb dieser frühkindlichen traumatischen Erfahrungen pubertieren Kinder wiederum aus den unterschiedlichsten Gründen unterschiedlich stark. Während die einen von Grund auf resilienter durchs Leben gehen, müssen sich das andere erst hart erarbeiten oder erlangen diese Resilienz nur in zu geringem Ausmaß um gut durch die Pubertät zu kommen. Es ist wie es ist. Ja, für Adoptiv- und Pflegekinder birgt die Pubertät sicher größere Risiken für eine Eskalation, aber wir dürfen auch sicher sein, dass es hier Abstufungen gibt.

Und eins noch: besorg dir was pflanzliches für die Nerven. Alkohol birgt zu große Risiken. LOL


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.22 11:00 von Ella Propella.


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   henriette
schrieb am 11.01.2022 12:00
Rotwein ist 100 Prozent pflanzlich!


  Re: Dauernd Stress mit dem Sohn (12 Jahre)
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   Ella Propella
schrieb am 11.01.2022 12:49
Zitat
henriette
Rotwein ist 100 Prozent pflanzlich!

ich meinte die benötigte MENGE und DAUER wären eventuell bedenklich LOL LOL aber klar, hilft auch zwinker

PS: ich möchte hier noch einen Buchtipp dalassen, wenn auch nicht für die Mama, sondern fürs Kind:

Reine Mädchensache

das ist zwar für Mädchen, gibts aber sicher auch für Jungs in genau diese Richtung. Meiner Tochter hat das wirklich geholfen, mit ihrer eigenen Situation, als vollkommen durchgeknalltes Pubertier, besser zurecht zu kommen. Sie wissen ja oft selber nicht, was sie da reitet.....es beruhigt dann schon deutlich zu lesen, dass es wirklich bei ziemlich allen anderen Jugendlichen auch so ist.




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