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  Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   RoteBeete
schrieb am 02.02.2021 21:37
Liebe Frauen,

Ich durfte nach vielen Jahren Mutter eines Jungen werden. Dafür bin ich zutiefst dankbar. Seit ein paar Tagen denke ich an die vergangenen Behandlungen, an die Überstimulationen, die Warterei, die Enttäuschung, die Embryonen mit denen es nicht geklappt hat...Und da wird mir klar, ich hab noch nicht abgeschlossen mit der Zeit.
Deswegen möchte ich ein paar Dinge schreiben, einfach so, um sie auszusprechen unter Menschen, die nachvollziehen können wie ich fühle.

Ich bin so traurig, wenn ich an diese Zeit zurückdenke.
Es schockiert mich, dass ich zwei Mal OHSS hatte und einmal fast im Krankenhaus gelandet wäre. Dass ich wochenlang nicht aus dem Haus bin, weil ich aussah wie im 7. Monat ohne schwanger zu sein.
Wenn ich darüber nachdenke, was ich für Hormone gespritzt habe, fange ich an mir Sorgen zu machen, ob ich mir damit irgendwie geschadet haben könnte.
Es macht mich betroffen, dass der unerfüllte Kinderwunsch mich so eingenommen hatte, dass es so schwer war, meinen Fokus auf etwas anderes zu richten.
Ich bin traurig, wenn ich daran denke, dass ich in meinem Schmerz nicht in der Lage war empathisch auf den Schmerz anderer zu reagieren, die in einer anderen Lebenssituation waren als ich.
Ich habe versucht mein Leben zu leben, und trotzdem habe ich so viele Dinge in dieser Zeit verpasst, auch beruflich. Es war mir einfach nicht anders möglich.

JA, ich habe mich damals entschlossen diesen Weg zu gehen.
JA, ich habe die Chance auf ein Kind gewählt und das zu meiner Priorität gemacht.

Jetzt blicke ich zurück und muss das erst mal setzen lassen, dass ich gefühlt extrem viel Zeit in irgendeiner Klinik verbracht habe. Ich bin neidisch auf Leute, bei denen ich denke, dass sie in der selben Zeit unbeschwert ihre Wünsche verfolgen konnten und deshalb auch beruflich woanders stehen als ich.

Ich wünsche mir, das akzeptieren zu können, damit ich weiter gehen kann.

Danke fürs Lesen!


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   Merle_77
schrieb am 02.02.2021 21:52
Liebe RoteBeete,

ich schließe mich an: Ich bin traurig, dass ich jahrelang nur auf den Kinderwunsch fokussiert war. Dass ich meinen Sport praktisch aufgegeben habe, weil ich neben den Behandlungen keine Kraft mehr hatte. Dass ich alles andere in meinem Leben hintenan gestellt habe. Und auch ich bin betroffen, was ich alles an Medikamenten in mich rein gestopft, wie ich meinen Körper bis zum Äußersten gequält habe. Ich hab immer nur den nächsten Schritt angeschaut und gedacht, "das geht auch noch". Das einzig Gute daran: Ich zweifle nicht, dass ich alles versucht habe. Seelenfrieden gibt es vielleicht, wenn die biologische Uhr endgültig ausgetickt hat.

Liebe Grüße!

Merle


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   Chorus
Status:
schrieb am 03.02.2021 14:13
Diese Überlegungen habe ich auch manchmal, mit dem Unterschied, dass ich nicht mal schwanger geworden bin. Was hätte ich mir für Energie, Zeit und Geld gespart, hätte ich schon vorher gewusst, wohin das bei mir geführt hat (war sozusagen "the road to nowhere")

Aber ich kann dir nur sagen, was vergangen ist, ist vergangen, und du kannst dein Leben eh nur jetzt leben.

Wünsche dir deinen Seelenfrieden, und genieße dein Kind!


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
avatar    Alice Cullen
Status:
schrieb am 03.02.2021 23:56
Diese Gedanken kenn ich vor allem dieses „was gibts du dir da Zyklus für Zyklus für Spritzen und Medikamente“
Ich muss dazu sagen ich habe eine Spritzenphobie, durchaus komisch denn ich arbeite beim Zahnarzt. Ich habe früher vor jeder Impfung richtige Angst gehabt. Und dann stand ich da das erste mal denkt man ja noch „das wird schnell klappen“.
Und drei Jahre später nach der letzten ICSI war für mich Ende, die Überstimmulation hat mich echt geschafft... ich musste ein Hotel nehmen konnte nicht (als Beifahrer) heim fahren jeder Hubbel/Doledeckel über den wir fuhren tat so weh, wir hatten aber knappe 120 km bis nach Hause. Das war der Punkt wo ich beschlossen hatte jetzt reichts.
Dann die Eileiterschwangerschaft in genau diesem Zyklus. Dann war klar ich mache keine Stimmu mehr ich wähle Plan C.

Ich habe meinen Körper gehasst so sehr gehasst... Jahre lang... ich habe extrem zugenommen, und nicht nur das Kortison war schuld. 125 Kilo wog ich.

Ich hatte früher schon Angst in Kliniken zu gehen, mir wurde als Kind ohne Vollnarkose die Mandeln raus genommen. Jetzt nach all den BS, Punktionen ist es noch viel schlimmer. Ich kann nicht ohne Begleitung in eine OP, Beruhigungsmittel helfen nicht. Ich heule vor jeder Narkose und bekomme Panikanfälle.
Ich musste letztes Jahr zur Mammographie ins Ärztehaus, im gleichen Gebäude ist die Klinik in der ich die OP wegen der Eileiterschwangerschaft war und auch als ich mit den Zwillingen stationär war, da ich massive Blutungen in der Frühschwangerschaft hatte. Ich bin dahin gefahren und ab da wo ich in die Straße bog hat es sich in mir alles zusammen gezogen.

Ich habe lange gebraucht um aus diesem Tunnel raus zu kommen und wieder mich zu finden. Dabei kam leider auch raus dass ich so in diesem Tunnel steckte und nicht bemerkte dass mein damaliger Mann und ich uns in so unterschiedliche Richtungen entwickelt haben aber diese eine Ziel „gemeinsame Kinder“ der einzige Fokus in diesen Jahren war. Die Probleme die wir hatten schoben wir immer auf die Kiwu Behandlung. Dann waren die Kinder da und die Probleme wurden nicht weniger.

Ich habe mein Leben so auf den Kopf gestellt und bin echt froh darum wieder ich zu sein, positiv, offen und meist gut gelaunt! Ich habe fast 50 Kilo abgenommen, mache Sport und habe nicht nur den Fokus auf meine Kinder sondern ich bin auch Frau...

Ändern kannst du es nicht mehr aber du kannst jetzt deine Segel in die richtige Richtung setzten!

Und was ich tatsächlich nicht mag ist dieses überspitzt gesagt „ja ihr habt wenigstens Kinder / ihr jammert auf hohem Niveau“ ja wir haben Kinder. Aber deswegen muss es uns nicht gut gehen, nicht jede Mutter muss immer eine happy Mom sein!


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  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
avatar    Juna30
Status:
schrieb am 04.02.2021 02:52
Liebe Rote-Beete,
ich habe diesbezüglich gemischte Gefühle. Ich sehe meine Kinder und bin sicher, dass es das wert war. Jeder Cent (und davon gab es viele), jede Spritze, jede Narkose, jede Träne. 12 Jahre Kinderwunsch liegen hinter meinem Mann und mir vom Beginn bis zu unseren zweiten (dritten) Zwillingen.
Und jetzt kommt das Aber. Ich sehe andere Familien, Kinderanzahl egal, die eigentlich da im Leben stehen, wo wir stehen. Familienplanung abgeschlossen. Kinder von ganz klein bis etwa 10. Und ich sehe, was diese Paare vorher hatten und wir nicht. Und das ist der bittere Beigeschmack. Wir haben durch den Fokus auf den Kinderwunsch beide etwas länger studiert = mehr Studienschulden. Wir haben jeden Cent in den Kinderwunsch gesteckt = keine (großen) Urlaube, keine Rücklagen, keine materiellen Sprünge gemacht, keine Ausflüge, ausgehen etc. oft nicht wahrgenommen. Diese Paare haben vor ihren Kindern viel mehr gelebt und Erinnerungen geschaffen. Das finde ich heute schade, dass wir das "nur" im Leben vor dem Kinderwunsch hatten, was zwar immerhin 4 Jahre waren, aber auch schon so lang her ist.

Außerdem empfinde ich für mich den Aspekt als negativ, dass wir durch die lange Wartezeit aufs erste Erdenkind (2008-2014) so viel Zeit hatten, uns Gedanken über alles und nichts zu machen. Meinem Mann und mir hätte es vielleicht ganz gut getan, manches etwas spontaner zu erleben. Natürlicher. Unvorbereiteter.

Was mich mein Leben lang negativ begleiten wird sind natürlich meine "verlorenen" Kinder. Ich war immerhin schwanger mit 10 Embryonen. 4 Kinder habe ich bei mir. 2 gehe ich sogar auf dem Friedhof besuchen.
Das hat uns verändert. Es hat uns ernster gemacht, uns die Unbeschwertheit genommen, was mir oft fehlt. Aber ein zurück gibt es nicht. Es ist keine Entscheidung, ob man Dinge, Ereignisse, Situationen "locker nehmen" kann oder nicht. Es ist ein Gefühl, das kommt ungefragt. So oder so.

War es das wert? Ganz klar: ja. Wenn ich meine Kinder ansehe, weiß ich, dass es das war. Da ist dennoch. Es hat uns sehr geprägt und das bleibt.


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   Blüte
schrieb am 04.02.2021 11:05
Ich sehe es so:

Es wird immer und in jedem Leben Situationen, Phasen geben, die man in der Rückschau bedauert oder gerne anders angegangen wäre. Nur, das Problem mit dem Vergangenen ist... es ist vergangen.

Du kannst deine mangelnde Empathie für andere damals nicht rückgängig machen, nur JETZT empathischer mit deinen Mitmenschen sein.
Dur kriegst keine Minute zurück, die du in der Klinik verbracht hast, du kannst nur JETZT jede Minute genießen, die du außerhalb von Kliniken mit deiner Familie usw. verbringen kannst.

Du magst neidisch auf Leute sein, die in deiner Kinderwunschzeit unbeschwert ihre Wünsche verfolgten. Es gab aber sicher genug Menschen, die das auch ohne unerfüllten Kinderwunsch nicht konnten. Oder die jetzt Probleme haben.

Kein Menschenleben ist dauerhaft unbeschwert und läuft immer wunschgemäß.

Wichtig ist, wie ich finde, für das, was einem das Leben schenkt, dankbar zu sein und versuchen das Beste daraus zu machen.
Vergangenes kann man nicht ungeschehen machen, aber daraus lernen. Damit hat man schon sehr viel gewonnen.

Blüte, gerade auf dem Weg ins Krankenhaus mit dem Kind, dem ich wahrlich auch sehr, sehr viel weniger Klinikzeiten wünschen würde, aber auch das... es ist nicht zu ändern, also muss ich ermutigen, begleiten und stärken. Ich habe auch gehadert und tue es manchmal noch, aber ich weiß... es bringt mich nicht weiter und das Kind, das mit seiner Krankheit ein Leben lang leben muss, auch nicht.


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   HulksMother
schrieb am 04.02.2021 11:54
Es gibt inzwischen Studien, die belegen, dass Kinderwunschbehandlungen zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen können - auch wenn die Behandlung erfolgreich war. Das Phänomen kennt man auch von Krebspatienten.
Hier nur mal zwei Artikel dazu:
[www.livescience.com]

[www.nytimes.com]


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   pmami
schrieb am 04.02.2021 13:41
Ich habe beruflich - mittelbar - gelegentlich mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu tun gehabt und sehe die inflationäre Verwendung dieser Diagnose sehr kritisch. Eine PTBS liegt nach der ICD-10 nur vor, wenn man einem Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß ausgesetzt war, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Nach der DSM-5 muss man direkt oder mittelbar erlebt oder miterlebt haben a) Tod oder tödliche Bedrohung, b) schwere Gewalt oder deren Androhung c) sexuelle Gewalt oder deren Androhung. Nichts davon trifft auf eine Kinderwunschbehandlung, gleich ob erfolgreich oder nicht, zu.

Ich will nicht in Abrede stellen, dass eine Kinderwunschbehandlung belastend ist und auch zu extremer Belastung führen kann. Dafür gibt es letztlich auch psychiatrische Diagnosen - Anpassungsstörung, akute Belastungsreaktion, Burn Out, Angststörung - aber eine posttraumatische Belastungsstörung ist ganz sicher nicht Folge einer Kinderwunschbehandlung.

Viele Grüße pmami


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   HulksMother
schrieb am 04.02.2021 17:33
du hast den artikel nicht gelesen, oder?


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   pmami
schrieb am 04.02.2021 19:35
Nein, habe ich nicht, Ich habe mich auch nicht auf einen der beiden Artikel bezogen sondern auf Deine Aussage

Zitat

Es gibt inzwischen Studien, die belegen, dass Kinderwunschbehandlungen zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen können - auch wenn die Behandlung erfolgreich war.

und dieser Aussage habe ich widersprochen und zwar unabhängig davon, was Studien belegen. Kinderwunschbehandlungen können nicht zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen.

Viele Grüße pmami


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   Merle_77
schrieb am 04.02.2021 22:56
@Chorus: Im ersten Moment dachte ich, "Ja, 'road to nowhere' trifft ins Schwarze" - aber bei näherem Nachdenken denke ich, wir sind ohne Kind einfach irgendwo ganz anders gelandet. Zumindest bei mir hat das auch Seiten, über die ich froh bin.

@Alice: Spritzenphobie kommt mir bekannt vor. Zumindest war's am Anfang so. Am Ende hat es mir nicht mal was ausgemacht, wenn die den Zugang für die Narkose gelegt haben.

@Juna: Ich hab manchmal auch das Gefühl, dass andere uns überholt haben. Viele Freunde sind jünger, haben lange ihr Leben genossen, während ich bereits in Kinderwunschbehandlung war - und dann haben sie mal kurz zwei Kinder in die Welt gesetzt. Ein bisschen neidisch bin ich da schon, vor allem auf die Unbeschwertheit (auch wenn ich natürlich nicht sicher weiß, wie es innen aussieht). Du hast jedenfalls recht: Unsere eigene Kinderwunschgeschichte hat uns sehr geprägt - und das bleibt.

@Blüte: Manchmal möchte ich mich selbst bemitleiden. Das geht dann schon wieder vorbei. Aber mir immer tapfer sagen, "was vergangen ist, ist vorbei" - das kann ich nicht.
Alles Gute für dein Kind!

@Hulks Mother: Danke für die Artikel!

Ich wünsch euch allen alles Gute - egal ob mit Kind oder ohne.


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   Chorus
Status:
schrieb am 05.02.2021 08:31
Mit "road to nowhere" habe ich natürlich nicht mein gesamtes Leben gemeint, sondern nur meine Kinderwunschbehandlungen. Und da war einiges dabei, bedenkt man, dass ich jetzt kinderlos dastehe. Hätte es zu etwas geführt, hätte ich meinetwegen noch mehr gemacht (3 IFVs, 1 Kryo, 2 EZS, eine OP, bei der ich übrigens einen zwischenzeitlichen Herzstillstand während der OP hatte). So gesehen erfülle ich sogar die genannten Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung, weil mein Leben tatsächlich in unmittelbarer Gefahr war.

Einziges Glück hatte ich generell, dass ich, außer etwa 7kg über Normalgewicht, die ich plötzlich hatte (allerdings meiner Meinung nach gleich viel gegessen, und auffälligerweise war fast alles nur am Bauch, der Stelle, an der ich immer flach war, mein ganzes Leben lang). Die habe ich allerdings mehr als runter, bin sogar noch schlanker als vorher, allerdings habe ich auch echt gekämpft.

Ansonsten habe ich schon viel Zeit später für Dinge gehabt, die Menschen mit Kindern wahrscheinlich nicht so haben, halt viel Freizeit für jede Menge Hobbys, spiele nach wie vor viel Gitarre (mit Unterricht) habe das Zeichnen für mich entdeckt, lerne Spanisch, mache mehrmals die Woche Yoga, und einen täglichen Spaziergang etc. Unsere Urlaube waren auch, wenn ich das mal so sagen darf, geil (Kenia mit Safari, Malediven etc... wir haben uns da dann wirklich ausgetobt).

Dennoch, der Wermutstropfen bleibt und wird immer bleiben.


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   Geschockt...
schrieb am 05.02.2021 08:50
Zitat
pmami

und dieser Aussage habe ich widersprochen und zwar unabhängig davon, was Studien belegen. Kinderwunschbehandlungen können nicht zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen.

Sorry, aber dem möchte ich deutlich widersprechen!! Und dir aus meiner langen Kinderwunsch Geschichte berichten, dass der dauerhafte Eingriff in den intimsten Bereich der Frau NATÜRLICH zu einer PTBS führen kann. Genauso wenn in dieser Zeit Fehlgeburten etc stattfinden (oder auch “nur” der Verlust von Embryonen bei fehlgeschlagenen Versuchen)! Dass man das nicht sehen kann als ehemals selbst Betroffene finde ich sehr befremdlich!!
Viele von uns haben in der Zeit zumindest annähernd sexuelle/intime Übergriffe plus den Verlust/Tod von nahen Menschen erlebt - den eigenen ungeborenen Kindern!! Es macht mich wirklich traurig und sprachlos, was du hier gesagt hast...
Bitte denke über deine Aussagen noch mal nach!

Ich habe auch nach 2 lebenden Kindern und langer Kiwu Behandlung immer noch mit der Zeit zu kämpfen und denke oft, dass eine Therapie dringend nötig wäre... wahrscheinlich werde ich es irgendwann in Angriff nehmen...

An die TE - du bist definitiv nicht alleine mit deinen Gefühlen und Gedanken!!


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   henriette
schrieb am 05.02.2021 09:04
Ähm, die Kiwu-Zeit war belastend, ohen Zweifel.
Frauenarztbesuche sind nie lustig, aber ich habe das alles nie als einen wie auch immer gearteteten Übergriff empfunden, es war meine eigene Entscheidung, die ich jederzeit hätte revidieren können. Dann müsste ja auch jeder Frauenarztbesuch Gefahr bergen, zu einer Traumatisierung zu führen. Ich finde eher empörend, dass man denjenigen, die Kinderwunschfrauen behandeln, unterstellt, dass sie eine Art sexuellen Übergriffs vornehmen. Eine seltsame Sicht der Dinge. Und anmaßend gegenüber Frauen, die wirkliche sexuelle Übergriffe haben erleben müssen.
Ein Embryo ( ich rede vom Zellklumpen) ist für mich kein naher Mensch, welche Anmaßung denjenigen gegenüber, die Mutter, Vater, Partner oder gar Kind durch Tod verloren haben. Mir sind viele Embryonen transferiert worden, aus keinem ist ein Mensch geworden, sondern sie sind zwei Wochen nach Transfer einfach normal abgegangen. Das ist keine Fehlgeburt, da ist kein Mensch gestorben. Das waren keine ungeborenen Kinder, sondern Zellklumpen, die eventuell Kinder hätten werden können. EIn Wunsch, eine Idee. Ich würde es anmaßend Frauen gegenüber finden, die wirklich eine Fehlgeburt erlitten haben, wenn ich sagen würde: ich habe während meiner Kinderwunschzeit 30 Fehlgeburten erlitten, ich glaube, soviele Embryonen wurden mir insgesamt eingesetzt, hab mir die genaue Zahl nicht gemerkt.


  Re: Therapeutisches Schreiben: Frieden schliessen mit IVF
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   pmami
schrieb am 05.02.2021 09:42
Was mich immer wieder erstaunt, ist, dass all die anderen psychiatrischen Diagnosen, die durchaus passen könnten auf Frauen, die die Kinderwunschbehandlung als sehr belastend empfunden haben und den Verlust von Embryonen, Fehlgeburten etc. erleben mussten, irgendwie nicht gerne gesehen sind. Klingt Posttraumatische Belastungsstörung besser als Anpassungsstörung, akute Belastungsreaktion, Burn Out oder Depression?

Ich habe über meine Aussage erneut nachgedacht und stehe dazu. Voll und ganz. Auslöser für eine PTBS können Naturkatastrophen, Kriegserlebnisse, sexueller Missbrauch, schwere Gewalt und schwerste Verkehrsunfälle sein, aber keine Kinderwunschbehandlung.

Bei allem Verständnis für das Leid der Kinderwunschbehandlung kann man diese doch nun wirklich nicht gleichsetzen mit dem Trauma und den Folgen einer Vergewaltigung. Das würde das Leid und das Trauma von Vergewaltigungsopfern schlicht und ergreifend bagatellisieren und banalisieren.


Viele Grüße pmami




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