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  Bin traurig...
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   mjuka
schrieb am 09.11.2020 16:44
Hallo,

ich möchte mir gerne etwas von der Seele schreiben:

Ich bin jetzt Anfang 50. Das ist schön, ich mag den Zuwachs an Lebenserfahrung, die Kinder werden groß, ich weiß, was ich kann...

Aber zunehmend sterben Menschen, die zu meinem Leben dazugehörten. Menschen, die mir viel bedeutet haben, manchmal auch nur meinen Weg kurz streiften...

So gibt es seit dem Frühjahr eine liebe Freundin nicht mehr. Sie wurde keine 70 und hätte noch sehr gerne gelebt. Meine langjährige Gesangslehrerin (die ich sehr mochte und sehr viel verdanke) hatte schon vor zwei Jahren einen tödlichen Unfall, ihr Mann, mein früherer Musikprof, lebt auch nicht mehr. Mein sehr geschätzter Zahnarzt, fast so etwas wie ein Freund (er war auch Organist, was ich sooo toll fand, seine Kinder sind ähnlich alt wie meine und wir unterhielten uns immer mal tief über das Leben), ist auch seit einem guten Jahr nicht mehr da. Die Liste ist noch länger, aber das waren die Menschen, um die ich immer noch trauere und deren Rat, Lachen, Gespräch mir fehlen.

Heute entdeckte ich zufällig, dass ein früherer Dozent Ende Oktober verstorben ist. Es gab ein paar Berührungspunkte mit ihm in meinem Leben. Zu einer Hochzeit musizierten wir zusammen, er war mein Prüfer in Chorleitung im 1. Staatsexamen, daher natürlich auch zeitweise mein Dozent und dann waren noch besondere, kleine Begegnungen nebenbei. Ich kannte ihn nicht sooo gut, aber mochte ihn, weil er so lustig war und sich nie zu ernst nahm. Außerdem war seine frühere Frau meine erste Querflötenlehrerin. (Meine Mutter, leicht dement, behauptet auch, sie sei ebenfalls schon länger verstorben. Das kann ich aber momentan nicht verifizieren)

Irgentwie hat mir das heute den Rest gegeben. Es ist kindisch, zu wollen, dass alle, die ich mag, für immer leben mögen... aber ich will das heute...

Traurige Grüße
mjuka


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 09.11.20 17:58 von mjuka.


  Re: Bin traurig...
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   akazie76
schrieb am 09.11.2020 17:14
Fühl dich getröstet von mir. Es klingt nach vielen lieben Menschen und guten Wegbegleitern, die du da in letzter Zeit verloren hast.
Leider kann man nicht alle bei sich behalten, von denen man es sich wünscht, aber in deinem Herzen werden sie weiterleben und sie haben so lange sie es konnten, dein Leben zu einem lebenswerten Leben gemacht. Und sicher gibt es noch andere, die dich noch länger begleiten werden. Ich kann dir wahrscheinlich nicht richtig Trost spenden, aber ich wollte dich in deiner Traurigkeit nicht alleine lassen...


  Re: Bin traurig...
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   auchschonälter
schrieb am 09.11.2020 21:11
Hallo mjuka,
auch von mir gibt es wahrscheinlich nicht die richtigen Worte ...
Ich bin 53 und mir geht es ähnlich. Leider wird das wohl nicht wieder besser werden mit zunehmendem Alter.
Versuche von jedem Freund (gutem Bekannten)/jeder Freundin (..) etwas in deinem Herzen zu bewahren und gib das Lachen, die guten Gespräche usw., die du mit ihnen erleben durftest, weiter an andere liebe Menschen.
Fühl dich verstanden und umarmt.
LG.


  Re: Bin traurig...
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   mjuka
schrieb am 09.11.2020 22:06
Danke, Ihr beiden.
Ihr habt wunderbare Worte gefunden. Besonders der Gedanke, dass sie ja noch weiter leben in meiner Erinnerung und sie ein Bestandteil meines Lebens bleiben hilft gerade.
Natürlich nicht zu vergessen die lieben Menschen, die noch da sind und es hoffentlich noch lange bleiben.

Es geht auch schon wieder ein bisschen besser. Ein paar Tränen später... ich denke, es hat mich auch so betroffen, weil es so unabänderlich ist. Aber auch das Traurig sein gehört zum Leben...

Fühlt euch mal dankbar zurückgedrückt!
mjuka


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  Re: Bin traurig...
avatar    Jadestern
Status:
schrieb am 10.11.2020 08:08
Das ist ein schwieriges und trauriges Thema, vielleicht hilft dir der Gedanke, das sie dich mit zu dem Menschen geformt haben der du heute bist und du formst auch weitere Menschen jeden Tag. So bleibt ein Teil eines jeden für immer erhalten...


  Re: Bin traurig...
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   PitPat
schrieb am 10.11.2020 19:23
Hallo mjuka,
ich sende Dir auch mitfühlende Grüße.

Mir hat neulich der Film "Coco" wieder so gefallen, der mich sehr an den bekannten Spruch erinnert: "Tot ist nur, wer vergessen wird."
Die mexikanischen Bräuche finde ich ich ebenfalls sehr schön, mit der Offrenda zu Hause, wo man Fotos der Verstorbenen zu Allerheiligen aufstellt usw. ...

Mein Vater ist gestorben, als ich 9 Jahre alt war, das ist jetzt auch schon 37 Jahre her...aber ich trage ihn immer noch in meinem Herzen.

Liebe Grüße!


  Re: Bin traurig...
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   mjuka
schrieb am 10.11.2020 20:31
Danke für die lieben Worte. Es tut so gut, nicht alleine zu sein mit dem Kummer und eure Gedanken zum Sterben und zum "Gegenseitig formen" sind wirklich gut für mich.
Den Film "Coco" habe ich bisher nicht gesehen, hole das aber sofort nach.das wollte ich schon richtig lange...

PitPat, das ist sehr schwer, mit neun Jahren den Vater zu verlieren. Wie schön, dass er noch immer fest in deinem Herzen wohnen darf!

Ich habe eine ganz besonders schöne Kerze gekauft und will sie bewusst anzünden und an all die Verstorbenen denken, die fehlen. Und ganz schön war heute auch, Menschen zu treffen, die noch da sind und auch wichtig sind.

Danke! mjuka


  Re: Bin traurig...
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   pmami
schrieb am 10.11.2020 21:11
Liebe mjuka,

ich will Dir auch noch einige Worte sagen.

Ich habe vor neun Jahren meinen Vater verloren. Ich bin jetzt Anfang fünfzig, war damals also Anfang vierzig. Nicht mehr ganz jung, aber dennoch etwas zu jung für einen solchen Verlust. Mich hat der Tod meines Vaters damals dazu gebracht, mich zu fragen, was will ich eigentlich wirklich mit meinem Leben anfangen? Was wünsche ich mir von meinem Leben? Damals war sehr schnell klar, dass es der Wunsch nach einem zweiten Kind war, der immer noch, trotz Aussichtslosigkeit einer KiWU-Behandlung vorhanden war. Für mich war es der Anstoß mich damals mit dem Thema ganz neu zu beschäftigen und so sind wir dann - nur sieben Monate nach dem Tod meines Vaters - auf einem ganz anderen Weg doch noch wieder Eltern geworden. Heute denke ich oft daran, wie sehr mein Vater sich über meinen kleinen Sohn gefreut hätte. Er hat Kinder sehr geliebt und die beiden hätten wahnsinnig viel Spaß miteinander gehabt. Aber ich denke das nicht wehmütig sondern ich freue mich darüber, dass mein Vater Freude an meinem Sohn gehabt hätte.

Vor einem Jahr ist meine Mutter gestorben. Sie fehlt mir jeden Tag und ich vermisse sie sehr. Aber es hat auch etwas sehr Schönes, dass ich sie so sehr vermisse, denn das zeigt doch, welche wichtige Roille sie in meinem Leben gespielt hat und wie wertvoll sie für mich war. Und immer noch ist.

Liebe Grüße pmami


  Re: Bin traurig...
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   himbeere
schrieb am 13.11.2020 10:09
Liebe Mjuka,

ich habe überlegt, was für mich tröstlich ist in Bezug auf die Menschen, die mir fehlen. Es sind oft kleine oder größere Dinge, die ich mit ihnen verbinde und die mich an sie erinnern - wenn ich über sie "stolpere", dann umgeben mich die guten Gefühle und Erinnerungen an die Personen und das, was ich mir davon bewahren möchte. Bei meiner für mich sehr wichtigen Nenn-Oma aus der Kindheit sind das ganz konkret zwei Möbelstücke, die ich aus ihrer Wohnung bekommen habe - ich habe sie aufwändig restauriert, sie leben nun statt ihrer mit mir weiter und damit all die Erinnerungen, die ich mit ihr verbinde. Bei meinem Vater sind es eher kleine Karten oder Widmungen mit seiner Handschrift.

Vielleicht gibt es Dinge, Erinnerungsstücke, die dich an die Personen erinnern, um die du trauerst? Eine bestimmtes Lied, das du bei deiner Gesamgslehrerin immer gesungen hast, oder ein bestimmtes Orgelstück des Zahnarztes...oder...?

Und abgesehen von allem Tröstenden: Ab und zu darf man auch einfach mal hemmungslos heulen und trauern um die Menschen, die früher abgebogen sind, die nicht mehr da sind aus welchen Gründen auch immer... So ist das Leben, aber das heißt ja nicht, dass man das nicht ab und zu richtig scheiße finden darf, dass man allein weitermachen muss! Eine große Tasse Kakao, eine Tafel Schokolade und eine Runde heulen. Lass dich mal in den Arm nehmen!


  Re: Bin traurig...
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   mjuka
schrieb am 14.11.2020 11:32
Liebe pmami,

dein Umgang mit Verlusten klingt sehr annehmend und man spürt die Liebe zu den Menschen, die du in deinem Leben vermisst. Ich versuche immer wieder, auch so positiv zu denken. Danke für den Gedankenanstoß!
mjuka


  Re: Bin traurig...
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   mjuka
schrieb am 14.11.2020 11:43
Liebe himbeere,

Danke für deinen Beitrag und deine Gedanken zum Thema! Ja, das mit dem "hemmungslos heulen" ist so eine Sache... aber manchmal hilft tatsächlich nur das. Ich sage das immer meinen Kindern... und neulich kam V. und sagte mir genau das auch. Schwäche, Verletztheit und Trauer zu zeigen ist nicht so leicht, aber es hilft.

Es gibt tatsächlich Dinge, die mich mit allen Menschen verbinden. Meine Freundin bildete Altenpfleger aus, mit Schwerpunkt auf die Pflege dementer Menschen. Von ihr bekam ich wunderbare Fachbücher zum Thema, weil sie natürlich die ganze Diskussion um meine Mutter mitbekommen hatte. Ich höre sie förmlich lachen, wenn ich die Bücher in die Hand nehme.

Die Gesangslehrerin schrieb für mich vor ein paar Jahren ein kleines Musical. Ein Lied daraus hätte ganz toll zum momentanen Musikthema gepasst. Hätten wir singen dürfen, hätte ich es eingebaut. Aber der Moment kommt noch!
Bei den anderen gibt es tatsächlich auch solche Dinge.

Ich glaube, die Abruptheit, mit der das Leben des Dozenten zu Ende war, hat mich so mitgenommen. Aber es wird schon wieder!

Ganz liebe Grüße
mjuka




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