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  Mein Seelenmüll
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   BlauerDelfin
schrieb am 20.10.2020 10:31
Hallo,

da es ein sehr langer Text werden wird wollte ich mich gerne direkt voran schon mal dafür entschuldigen.

Also... vor Jahren wurde ich verlassen. Ich hätte nie damit gerechnet, es passierte von einem Tag auf den anderen, es gab auch keinen Grund oder Auslöser und hätte er mir statt dessen erzählt, dass er garkein richtiger Mensch ist sondern ein Nindroid, sich jetzt aber zum Delfin umoperieren lassen möchte - ich hätte nicht überraschter sein können.

Er lag mir jahrelang in den Ohren mit Familie, dass er unbedingt Kinder wolle, eine Fußballmannschaft, dass Familie sein größtes Glück sei. Er gab den Vorzeigepapa, so glücklich mit seinen Kindern, so verliebt in seine Frau, ich weiß, dass viele uns beneideten. Doch dann kam die Wende. Ich bemerkte, dass er psychische Probleme bekam, er war unzufrieden in seinem Job - zumindest habe ich es damals rein auf die Arbeit bezogen aber er war wohl retrospektiv auch unzufrieden mit mir, mit seiner Familie. Was wirklich sehr tückisch war, denn obwohl wir so viel und offen über alles geredet haben, hat er darüber nie ein Wort verloren. Und dann war er auf einmal weg und an seiner Stelle stand ein fremder Mensch vor mir.

Ich habe den Mann, den ich mehr geliebt habe als alles andere seitdem nie wieder gesehen. An seiner Stelle steht bis heute eine groteske Version, die ich nie für möglich gehalten hatte. Er hat alles, was ihm ehemals wichtig war, was ihn ausgemacht hat, ins Gegenteil verkehrt, von seinen Essgewohnheiten begonnen, über seine Kleidung, bis hin zu seinen Einstellungen, was es für mich sehr schwer macht, mit ihm auszukommen. Was ich leider muss, wegen der Kinder. Er erzieht inzwischen gegen mich, gegen das, was er selbst früher an Erziehung richtig und wichtig fand. Wenn sie bei ihm sind, lässt er sie einfach raus und alleine, das bezeichnet er als "sie selbstständig werden lassen". Grundschulkinder. In der Großstadt. Aber naja, er sieht die Kinder nicht sehr häufig. Er ist ständig dabei, mit seiner neuen Frau (Ehe Nummer 4 inzwischen) die Welt zu bereisen. Nur wenn er dann mal da ist, soll alles bereit sein dass er sie holen kann. Das gefällt mir vom Prinzip her im Allgemeinen und während Corona im Speziellen absolut nicht aber das ist ein anderes Thema.

Mein eigentliches Problem ist diese Bitterkeit, die alles einnimmt und das nun seit Jahren. Ich bin so enttäuscht, ich fühle mich wie zerschlagen, vertraue niemandem mehr, glaube niemandem mehr. Ich bin zerbrochen. Und am schlimmsten ist es, wenn ich meine Situation von außen betrachte: er hat meine berufliche Laufbahn ruiniert. Ich hatte alles im Vertrauen darauf so gemacht, dass er sein Wort hält und mich unterstützt, sobald das Alter der Kinder es zulässt und mein Studium fertig ist. Statt dessen ist er gegangen, lässt sich vielleicht alle paar Wochen mal blicken, übernimmt nichts von der Verantwortung, lässt mich mit allem alleine, interessiert sich auch nicht für die Kinder (nicht für ihre Themen, ihre Befindlichkeiten, eines der Kinder hatte dieses Jahr einen Unfall und musste ins Krankenhaus - pures Desinteresse), sie bekommen keine Geschenke zu Weihnachten und Geburtstagen, manchmal kommt nicht mal eine Gratulation. Er verdient inzwischen einen fünfstelligen Betrag monatlich weil ich ihn schön brav jahrelang unterstützt und gepusht habe und ich dreistellig in Teilzeit. Ich erhoffe mir hier keine Tipps von euch, meine berufliche Situation ist verfahren, ich habe sie auch schon extern durchchecken lassen aber da ich keine Unterstützung habe gibt es nur Job oder Kinder. Und da die Kinder nicht zuletzt aufgrund der Umstände sehr sensibel und auf mich fixiert sind, sind sie klar meine Priorität. Sie sind noch zu klein, um mein Ding durchzuziehen. Trotzdem weine ich oft nächtelang um das, was aus mir hätte werden können, ich habe Angst vor Altersarmut, bin so wütend auf mich, dass ich so naiv war, so leichtgläubig, dass ich mein Leben und meine berufliche Laufbahn tatsächlich auf die Versprechen des Falschen gestützt habe. Dass ich so viele Jahre damit verschwendet habe, in die falsche Richtung zu laufen. Ich trauere um meinen Mann, der von einem Tag auf den anderen weg war und um meinen Seelenverwandten, der mich besser kannte als ich mich selbst. Ich bin so wütend. Ich hasse Ungerechtigkeiten und das hier fühlt sich ungerecht an. Er hat seit Jahren den Unterhalt nicht aktualisiert aber ich will im Grunde nur meine Ruhe und kein einziges Wort zu viel mit ihm wechseln also mache ich nichts mehr. Er kommt immer nur wieder mit neuen Ausreden und Abzügen, die sein Gehalt mindern. Einen Titel beim JA unterschreibt er nicht. Er schuldet meiner Familie, den Kindern und mir noch 4- und 5stellige Beträge - zahlt er nicht. Aber jedes Wochenende wegfahren (weswegen er dann auch die Kinder nicht nehmen kann), das geht. Er nimmt sie niemals in den Ferien, denn sein Urlaub gehört ihm. Mein Urlaub reicht nicht, um die Ferienzeiten der Kinder abzudecken und seine Antwort darauf ist, dass das nicht sein Problem sei.

Das Schlimmste daran: ich kenne mich so wütend nicht. Ich bin ein sehr ruhiger und sanftmütiger Mensch und doch sehe ich ihn manchmal vor mir, wie ich ihn an den Schultern festhalte und ihm mein Knie in den Magen ramme. Und es fühlt sich so gut an! Und gleichzeitig so schlecht, weil ich so nicht sein möchte.

Ich mache eine Therapie und inzwischen weiß ich, dass es nichts mit mir zu tun hatte. Dass er jemand ist, der sich schnell langweilt, sich von der Verantwortung und Routine erdrückt fühlte und dem Ruf der Freiheit folgte. Denn das war tatsächlich auch das Einzige, was er auf mein "warum?" beitragen konnte: er wolle sein Leben für sich. Ich wünschte nur, er würde sich dann wenigstens ganz verziehen und nicht diese egoistische Nummer abziehen bei der er dann das nächste Mal, wenn er dazwischen mal ein Wochenende im Lande ist, grinsend vor der Tür steht und mich fragt, wie denn das Leben so läuft und wieso ich denn nicht ein wenig netter zu ihm bin.

Ich habe Angst, dass diese Wut nicht nachlässt sondern schlimmer wird. Ich habe Angst, dass es nicht aufhört und mich zu einem bitteren, schlechten Menschen macht.


  Re: Mein Seelenmüll
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   pmami
schrieb am 20.10.2020 12:42
Lieber BlauerDelfin.

wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich ihm auch das Knie in den Magen (oder noch etwas tiefer) rammen wollen und es geschähe ihm auch recht. Der einzige Grund, warum Du es tatsächlich nicht tun solltest, ist nicht, dass es "falsch" wäre sondern, dass es Dich in erhebliche rechtliche und finanzielle Schwierigkeiten bringen würde. Das letzte, was Du jetzt gebrauchen kannst, ist ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und eine Schmerzensgeldklage.

Ich will an einem Punkt gerne ansetzen. Du sagst, dass er sich um die Kinder nur kümmert, wenn er es will und Du aus diesem Grund ansonsten die Verantwortung für sie hast. Das ist so nicht ganz richtig, denn niemand könnte Dich daran hindern, genauso verantwortungslos zu sein, wie er. Auch Du könntest ja sagen "Ich bin dann mal weg." Die Folge wäre, dass jemand anders sich um die Kinder kümmern müsste, so, wie Du es jetzt tust, wenn er sich der Verantwortung entzieht. Dieser andere wäre dann zunächst einmal er. Wenn er auch in dieser Notsituation kneifen würde, wäre die Folge, dass das Jugendamt sich um eine Unterbringung Eurer Kinder kümmern würde - und sich die Kosten dafür von ihm holen würde.

Eure Kinder würden immer noch Essen und Kleidung bekommen und zur Schule gehen. Dennoch wirst Du das vermutlich nicht wollen. Und der Punkt, auf den ich hinauswill ist, dass ich möchte, dass Du diesen Aspekt Deines Lebens als eine posuitive Entscheidung begreifst und nicht als etwas, dass Dir negativ aufgezwungen wurde. Du kümmerst Dich um Eure Kinder, weil es das ist, was Du willst. Und das ist gut so.

Du schreibst, dass es so ist, als ob der Mann, den Du kanntest und liebtest verschwunden ist und jetzt ein alien vor Dir steht. Und das macht auch Deine Bitterkeit und Deine Wut verständlich. Stell Dir vor, er wäre tatsächlich plötzlich verstorben. Dann würdest Du sicherlich auch heute noch trauern. Und diese Trauer musst Du Dir in Deiner Situation auch zugestehen. Sie soll nur nicht in Bitterkeit umschlagen. Deshalb bist Du in Therapie. Es ist der richtige Weg. Es wird keine schnellen Erfolge geben. Es wird ein steiniger Weg bleiben. Aber Du wirst ihn gehen. Dass Du nicht mehr vertrauen kannst, ist auch verständlich. Wenn Du nicht alleine bleiben willst - letztlich ist ja auch das eine Option - wirst Du Dich zwingen müssen wieder zu vertrauen. So, als ob Du Dich zwingen würdest, von einem Zehn-Meter-Brett zu springen. Das heisst aber nicht, dass Du Dich nicht vorher vergewissern solltest, dass tatsächlich Wasser im Becken ist und ein Bademeister in der Nähe ist.

Ganz pragmatisch solltest Du einige Dinge angehen. Dies betrifft den Umgang, den Unterhalt und das Geld, dass er Dir schuldet (ich hoffe, die Darlehen sind dokumentiert und beweisbar).

Geh zu einem Fachanwalt für Familienrecht und lass den Unterhalt gerichtlich festsetzen, ebenso den Umgang und klage das Geld ein, das Dir zusteht. Nicht, um ihn zu ärgern oder Dich zu rächen, sondern weil es Dir zusteht. Wenn Du nur dreistellig verdienst, wirst Du für diese Verfahren Prozesskostenhilfe bzw. Verfahrenskostenhilfe bekommen. Bring die rechtlichen Probleme auf eine sachliche Ebene. Wenn Dein Auto kaputt ist, bringst Du es in die Werkstatt. Wenn Du Zahnschmerzen hast, gehst Du zum Zahnarzt. Wenn Dir jemand das Geld nicht zahlt, das er Dir schuldet, gehst Du zum Anwalt. Punkt.

Bei der Umgangsregelung muss klar sein, dass er feste Termine einzuhalten hat. Üblicherweise ist das jedes zweite Wochenende. Wenn er ein Wochenende ausfallen lässt, kann es nicht nachgeholt werden. Umgang in den Ferien ist nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht. Vielleicht hilft es, wenn ein Familienrichter ihm das einmal sagt.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.

Viele Grüße pmami


  Re: Mein Seelenmüll
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   Solani2
Status:
schrieb am 20.10.2020 16:02
Hallo BlauerDelfin,

rechtlich und finanziell solltest du das wirklich genauso regeln (lassen), wie pmami das beschrieben hat. Nicht nur für dich, sondern auch für eure Kinder. Die haben das Recht darauf, weil er ihr Vater ist. Ganz einfach.
Ansonsten sehe ich es etwas anders als deine Psychologin. Da geht es nicht um Freiheit oder Einschränkungen. Er hat dich geliebt und wollte dich unbedingt und hat sich deshalb für dich verstellt. Sodass er dein Traummann war. Perfekter Vater, perfekte Ehe. Ihr habt über alles geredet, über das du reden wolltest. Er hat dir immer nur etwas vorgespielt. Er hat eine Meinungen gespiegelt. Ich glaube, dass dir das klar sein sollte. Vielleicht hilft dir das auch, damit fertig zu werden. Das ist natürlich in keinster Weise deine Schuld, sondern seine. Vielleicht kannst du es irgendwann mal als eigenartiges Kompliment sehen, dass jemand bereit war, sich selbst so zu unterdrücken und zu verleugnen, für dich. Das macht natürlich deine jetzige Situation nicht besser.

Viel Kraft,
Solani


  Re: Mein Seelenmüll
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   BlauerDelfin
schrieb am 21.10.2020 09:05
Liebe pmami,
Ganz lieben Dank für deine ausführliche und empathische Antwort! Ich habe sie mir jetzt schon mehrmals durchgelesen und finde immer noch wieder neue Gedankenansätze darin.
Du hast Recht, ja, das würde ich nicht wollen. Nur: ich hatte Angst vor der Familienplanung. Er wollte unbedingt Kinder, für mich war es ein "ja, aber reicht später auch noch...". Ich habe monatelang, wahrscheinlich sogar jahrelang immer wieder mit ihm diskutiert, dass ich solche Angst davor habe, weil ich niemals nie nicht, also wirklich unter absolut keinsten Umständen alleinerziehend sein möchte und mich dieser Gedanke in Panik versetzt. Und doch, genau das hat er mir letztlich aufgezwungen. Er hat mich einfach zurück gelassen, hat alles gebrochen was er jemals dazu gesagt hatte, weil er festgestellt hat, dass das, was er unbedingt zu wollen geglaubt hatte, doch irgendwie dann in der Realität nicht ganz so super war. Er hat mich exakt in die Situation gebracht, die ich von meinem rein emotionalen Spektrum her am meisten versucht habe, zu umgehen und bestimmt können es viele nicht nachvollziehen und ch weis auch selbst, dass es nichts Schlimmes ist, aber ich schäme mich jeden Tag in Grund und Boden. Ich bin alleinerziehend und ich finde es schrecklich. Ich liebe meine Kinder unendlich, aber ich bin keine Familie. Ich bin nur ich, mit kleinen Kindern und keinem, an den ich mich wenden kann, der mich stützt oder sich mit mir darüber unterhält, wenn ich mir mal wo nicht sicher bin.

Was die Umgangsregelung angeht (und das betrifft auch Solani2s Beitrag), so bin ich da rein von den Fakten her ganz bei euch. Ich frage mich nur immer, wieso ich das tun sollte. Die Kinder haben ein Recht auf ihren Vater, so weit, so klar. Aber wenn ich mir davor schon anhören darf, dass sie lieber daheim bleiben wollen und er im Gegenzug ebenfalls keine Lust hat, sich mit Ihnen zu beschäftigen, sie vor dem Fernseher parkt, wieso sollte ich mich dann auf die Hinterfüße stellen, wenn keiner Interesse an diesem Recht hat? Wir hatten sogar schon die Situation, dass er sie an einem der wenigen Wochenenden, wo er sie holt, bei einem Babysitter geparkt hat weil er doch lieber feiern wollte. Ich sehe da keinen Sinn, oder denke ich da falsch?

Der Rest betrifft Solani2:
Dein Beitrag tat beim ersten Lesen sehr weh und ich habe die ganze Nacht gebraucht, um das erst mal sacken zu lassen. Ich würde dir gerne ein paar mehr Informationen geben und möchte wissen, ob das dann immer noch in das Bild deiner Auslegung passt, dass er sich verstellt habe, um mir zu gefallen. Denn ich kann mir tatsächlich nicht vorstellen, dass das, was du meintest, auf ihn zutrifft - möchte aber auch keine Möglichkeit unbedacht vom Tisch wischen nur weil sie für mich ggf unbequem ist.

Ich habe für ihn die Uni gewechselt, nicht er für mich.
Er wollte unbedingt Kinder, so früh wie möglich, hat mich lange bequatscht bis ich eingewilligt habe.
Ich wollte gerne zurück in die Großstadt wo ich früher bereits gearbeitet hatte, er meinte er würde große Städte hassen, das würde für ihn garnicht in Frage kommen und da er Kinder möchte erst recht nicht, das sei kein Umfeld für Kinder, er möchte nicht, dass sie damit in Berührung kommen. Nach der Trennung zog er geradewegs genau in diese Stadt und lässt die Kinder nun alleine dort herumstreunen.
Ich wollte gerne zurück in meine Heimat, in die Nähe meiner Familie, er wollte lieber eine Arbeit am ADW annehmen, wo wir dann auch mit Sack und Pack hingezogen sind, schließlich wollte ich ihn ja unterstützen.
Als wir uns kennenlernten war ich noch sehr auf Feiern und Party, er fand es furchtbar, meinte das koste außerdem zu viel Geld und brachte mich dazu, zu Hause zu bleiben. Jetzt, 15 Jahre später, geht er feiern und haut das Geld raus.
Ich mag fremde Menschen nicht so gerne, er hat ständig welche angeschleppt, auch welche, die sogar ihm fremd waren, hat ihnen angeboten bei uns zu schlafen und zu essen... ich denke nicht, dass er davon ausgegangen ist, dass mir das gefallen könnte.
Er hatte einen Tick was Textilien betrifft, sagen wir mal es sei die Farbe grün gewesen. Es durfte sich also partout nichts Grünes in seiner Nähe befinden, einmal war ein grüner Farbtupfer auf der Bettwäsche, die konnte ich gleich wieder abziehen und entsorgen. Jetzt trägt er ständig grün (ist natürlich eine Analogie).
Ich hatte ihn immer wieder mal gebeten, ein Hemd zu tragen, gerade bei feierlichen Anlässen - keine Chance. Jetzt trägt er jedes Mal ein Hemd, wann immer ich ihn sehe.

DAS meine ich mit kompletter Veränderung! Und das passt für mich nicht zu deiner Auslegung, es waren ja eher Dinge, die nicht meinen eigentlichen Vorstellungen/Wünschen entsprachen und von teilweise schon sehr großer Tragweite waren. Ich würde daher gerne wissen, ob das für dich mit deiner Vermutung in Einklang zu bringen ist?


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  Re: Mein Seelenmüll
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   littlemeamy
Status:
schrieb am 21.10.2020 09:55
Liebe Delfin,

Ich hoffe sehr, dass du es irgendwann schaffst, deine Sicht auf die Dinge zu ändern.

Gerade, wenn ich deinen letzten Beitrag lese, kommt bei mir sofort der Gedanke auf: "Gott sei Dank is sie den Typen los und muss nicht mehr auf Farbtupfer auf der Bettwäsche achten, muss sich nicht mehr selbst verbiegen, sondern kann wieder sie selbst sein".
Ich weiß, im Alltag ist es natürlich nicht so einfach. Schließlich hast du nun die Verantwortung für 2 Kinder und kannst nicht einfach wieder da ansetzen, wo du vor der Beziehung mit deinem Ex aufgehört hast.

Aber kannst du denn nicht zumindest in einigen Punkten dein altes Ich wieder hervorkramen?
Gibt es denn so gar keine Optimierungsmöglichkeiten für euren Alltag, die dir die Chance geben, wieder ein Stück weit du selbst zu werden?

Babysitter, damit du auch mal raus kommst und wieder feiern gehen kannst oder einem anderen Hobby nachgehen kannst?
Umzug in die Stadt, in die du immer wolltest? Vielleicht sind ja da dann sogar die Betreuungsmöglichkeiten besser, sodass du mehr und besser arbeiten gehen könntest?

Bzgl. Umgang wäre ich wohl genauso unentschlossen. Auf der einen Seite sehe ich dein Recht und das Recht der Kinder auf Betreuung durch den Vater, auf der anderen Seite würde ich unter den geschilderten Umständen wohl auch erstmal keinen Sinn darin sehen.
Aber letztlich... schadet es deinen Kindern wirklich, wenn sie dann die Zeit bei einem Babysitter verbringen oder auch mal vor dem Fernseher? Dafür bekommen sie am Ende des Besuchswochenendes eine ausgeglichene Mama zurück, die wieder Kraft sammeln konnte.
Solange keine Kindeswohlgefährdung durch den Vater vorliegt, solltest du ruhig auch mal ein wenig egoistisch sein. Er zeigt dir ja ganz gut auf, wie wunderbar man damit leben kann.

LG amy


  Re: Mein Seelenmüll
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   Impala-34
Status:
schrieb am 21.10.2020 11:26
Lieber Delfin,

kann es sein, dass Du hier schonmal geschrieben hast?
Deine Verletzung sitzt sehr tief, was ich gut nachvollziehen kann. Ja, Dein Mann ist ein Idiot und verhält sich mehr als verantwortungslos. Seine Kinder und Du Ihr seid ihm nicht mehr wichtig.
Aber die Situation ist nunmal so wie sie ist. Du wirst ihn nicht zu einem besseren Vater oder Ex-Mann machen können, egal was Du tust. Das liegt schlichtweg nicht innerhalb Deiner Möglichkeiten.
Aber: Du kannst das Beste aus der Situation machen. Was würdest Du tun, wenn es ihn gar nicht mehr gäbe, also er z.B. verstorben wäre? Du musst ja auf seine Befindlichkeiten und auch auf die Bindung der Kinder zum Vater keinerlei Rücksicht mehr nehmen, sie scheint ja sowieso nicht da zu sein.

Wie alt bist Du denn? Ich würe jetzt mal schätzen, dass Du noch nicht jenseits der vierzig bist, wenn Du Deine Kinder bekommen hast, als Du noch nicht mit dem Studium fertig warst. Deine Kinder sind (schon) Schulkinder. Sie werden schneller groß als es Dir lieb sein wird.
Und was spricht denn gegen eine ganztägige Betreuung, damit Du mehr arbeiten kannst?#Was spricht dagegen mit den Kindern umzuziehen, wieder in die Nähe der Familie oder dahin wo Du mehr Möglichkeiten der Betreuung hast.

Und sorry, wenn ich das so hart sage - wenn er nicht den Unterhalt zahlt, den er zahlen muss, er keinen Titel beim Jugendamt unterschreibt und seine Schulden nicht zurückzahlt- dann lass ihm das doch nicht durchgehen. Nimm Deine Wut und richte sie darauf, dass er wenigstens finanziell im richtigen Umfang für die Kinder einzustehem hat. TU was! Änder was!
Schieb nicht allein die Schuld auf Ihn. Ja er hat Dich im Stich gelassen. ja ihr habt es anders besprochen, ja das Leben, dass Du (oder Ihr) Euch ausgemalt habt wird so nicht stattfinden.
Aber: Auch Du hast Dich für die Kinder entschieden, dafür entschieden, sie auch nach der Trennung nicht wegzugeben, Du liebst die Kinder, Du willst mit Ihnen leben. Frag Dich ob Du es wirklich gut fändest, wenn er sagen würde: Ja hej, Du hast recht, dass Du jetzt dran bist Dich beruflich zu verwirklichen: Die Kinder leben zukünftig bei mir und meiner neuen Frau, Du kannst sie dann jedes zweite Wochenende und die Hälfte der Ferien sehen. DAS würdest Du wohl auch kaum wollen.
Für eine Partnerschaft gibt es nunmal keine Garantie. Frag Dich was Dein Plan hätte sein können, wenn er gestorben oder sehr krank geworden wäre. Auch dann hätte es weitergehen müssen.
Es ist DEIN Leben. wieviel Raum willst Du ihm denn noch in DEINEM Leben einräumen. Wieviel Einfluss soll er denn noch (mental) auf Dich (und die Kinder) haben.
Es würde ihm wohl am Meisten stören, wenn Du ein glückliches und erfülltes Leben hättest, in dem für ihn kaum Raum mehr ist - auch nicht in Deinem Kopf.
Und es liegt allein an Dir das zu erreichen.

Stell Dir folgende Fragen:

Was will ich?
Wie kann ich das erreichen?
Wenn es nicht gleich geht, was kann ich tun, um dem Ziel näher zu kommen?
Was macht mich - unabhängig von einem Mann - zufrieden?

Wenn es eine andere Umgebung ist - dann zieh um. Kinder verkraften das besser als man denkt, vor allem, wenn damit eine glücklichere Mutter einhergeht.
Wenn Du mehr oder anderes arbeiten willst- Tu das! Kinder verkraften das besser als man denkt, vor allem, wenn damit eine glücklichere Mutter einhergeht.

Ein bisschen entsteht bei mir das Bild, dass es ja auch recht einfach ist, sich im Elend der Verlassenen zu suhlen. Denn dann ist an allem schlechten und negativen in Deinem Leben ja jemand anderes Schuld.
Wenn die Trennung schon Jahre zurückliegt, dann musst Du lernen nicht zurück sondern nach vorne zu schauen. Denn an der jetzigen Situation ist nicht mehr allein Dein Ex schuld. komm aus Deiner Opferrolle heraus.
Es gibt Kinderbetreuung, man kann sich Netzwerke aufbauen, es gibt Schulbetreuung etc. etc. und für alles gilt in der Regel (außer das Kind ist krank o.ä.)
Kinder verkraften das besser als man denkt, vor allem, wenn damit eine glücklichere Mutter einhergeht.

Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

LG Impala


  Re: Mein Seelenmüll
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   BlauerDelfin
schrieb am 21.10.2020 15:48
Liebe Impala,
ich kann leider gerade nur kurz, aber wollte dir sagen, dass du Recht hast! Ich fürchte nämlich auch ganz stark, dass ich mich suhle - und das will ich nicht. Das ist genau das was ich meinte als ich sagte, ich hätte Angst, dass es nicht aufhört. Es muss endlich aufhören! Ich will, dass er verschwindet, komplett. Ich gebe ihm eigentlich nur an einem die Schuld: dass ich beruflich nun dort stehe, wo ich stehe. Und nein, das lässt sich nicht einfach so ändern, auch nicht wenn ich mir viele Fragen stelle. Ich weiß nicht, welch unverwüstliche Kinder ihr alle habt oder ob das nur ein Spruch ist, der in der Realität selbst noch nicht getestet wurde, aber meine Kinder hier sind da irgendwie... weniger robust habe ich den Eindruck. Allerdings ist das auch garnicht das Kernthema. Eigentlich ging es mir um meine Psyche und dass ich aufhören möchte... muss... so schrecklich bitter zu sein. Es gibt Phasen... manchmal bin ich wochenlang okay mit allem. Und dann wieder könnte ich schreien und um mich treten, dafür gibt es dann oft nicht mal nen Auslöser, es ist nur als wäre die gute Welle abgeebbt und ich hänge fest, bis die nächste kommt. Auch alle Mantra-Sprüche und Vergegenwärtigungen (bspw. wie du es gesagt hattest... ich würde nicht wollen, dass die Kinder bei ihm leben) helfen dann nichts. Dabei wäre es so schön, wenn die Tiefs aufhörten. Vielen Dank für deine eindringliche Antwort!


  Re: Mein Seelenmüll
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   pmami
schrieb am 22.10.2020 12:04
Liebe BlauerDelfin,

es gibt einen sehr guten Grund, warum Du Dich auf die Hinterfüße stellen solltest, damit Dein Ex die Umgangskontakte mit den Kindern verläßlich wahrnimmt. Und der ist, dass es DEINE Wochenenden sind, and denen DU endlich mal Zeit für DICH hast. Ohne die Umgangswochenenden bist Du jeden Tag alleinerziehende Mutter - etwas, was Du nie sein wolltest. Wenn die Kinder alle 14 Tage für ein Wochenende bei dem Vater sind, bist Du an diesem Wochenende eine unabhängige Single-Frau.

Du schreibst:

Ich wollte gerne zurück in die Großstadt wo ich früher bereits gearbeitet hatte

Ich wollte gerne zurück in meine Heimat, in die Nähe meiner Familie


Ich frage mich, ob diese Wünsche immer noch aktuell sind. Denn falls das der Fall ist, ist es meiner Meinung nach völlig egal, wie robust Deine Kinder sind. Du willst ja mit Ihnen nicht an den Nordpol oder nach Sibirien. Natürlich würden sie Freunde und die vertraute Umgebung verlieren. Ja. Aber Dein Problem ist doch, dass Du Dich schon jahrelang verbogen hast. Du hast die Uni gewechselt, früh Kinder bekommen, Deine beruflichen Ziele zurückgesteckt, bist aufs Land gezogen, hast Partys und Feiern aufgegeben, hast sogar auf grüne Bettwäsche verzichtet. Alles für einen anderen Menschen. Jetzt willst Du darauf verzichten in die Großstadt oder zu Deiner Familie zu ziehen. Für andere Menschen. Warum tust Du nicht einfach mal das, was Du willst und für Dein Seelenheil brauchst? Das klingt egoistisch, aber auch als Mutter darf man egoistisch sein.

Zitat

diese egoistische Nummer abziehen bei der er dann das nächste Mal, wenn er dazwischen mal ein Wochenende im Lande ist, grinsend vor der Tür steht und mich fragt, wie denn das Leben so läuft und wieso ich denn nicht ein wenig netter zu ihm bin.

Diese Begegnungen sind nicht zwingend notwendig. Deine Kinder sind im Grundschulalter. Wenn er sie abholt, kann er klingeln und Du schickst sie raus. Ebenso, wenn er sie zurückbringt oder Du sie abholst. Du musst ihn nicht sehen, treffen, mit ihm sprechen oder sein Grinsen ertragen und ich glaube, es würde Dir besser gehen, wenn Du dise Treffen so schnell als möglich abstellst.

Viele Grüße pmami


  Re: Mein Seelenmüll
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   coco1968
schrieb am 22.10.2020 16:18
Hallo Delfin,
nach dem Lesen deines Beitrages war mein erster Gedanke -> hier fehlt etwas ......
Es ist die Anerkennung für dich selbst und das, was du leistest. Auch wenn die Rolle der Alleinerziehenden Mutter nicht in deinen Plänen vorgekommen ist, stellst du dich tagtäglich dieser riesigen Herausforderung - und ich denke, du machst keinen schlechten Job - dafür sollte es doch an dieser Stelle extra Applaus geben smile.
Ich habe keine guten Ratschläge für dich, aber ich wünsche dir sehr, dass die Müllabfuhr vor dein Haus fährt und deinen „Mist“ mitnimmt - denn eines ist gewiss, die Müllabfuhr bestellst DU und nicht dein Exmann.


  Re: Mein Seelenmüll
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   Solani2
Status:
schrieb am 22.10.2020 18:12
Hallo BlauerDelfin,

nach deiner weiteren Beschreibung der Situation sehe ich die Lage auch anders. Und gleichzeitig Frage ich mich, wieso du ihn als so perfekt empfunden hast. Ich weiß, viele neigen dazu, sich ihr Leben selbst zu idealisieren. Das führt leider oft dazu, dass der Fall tief ist ... Tatsache ist aber, dass er dich offensichtlich unbedingt haben wollte. Eine Frau quasi mit Kindern zu beschäftigen ist vielleicht auch eine Form von Kontrolle. Sinnlose Forderungen stellen wie "kein grün" auch. Auch, kein Hemd zu tragen, wenn du es in bestimmten Situationen angebracht findest. Und er will dir offensichtlich eins Reinwürgen, indem er jetzt genau diese Dinge macht. Dass du nicht mehr Feiern gehen kannst und dein Leben nicht mehr so leben kannst, wie du das gerne machst. Diese Kontrolle hat er jetzt immer noch über dich. Es ist schon richtig hart, dass er sich (vielleicht absichtlich) nicht ordentlich um eure Kinder kümmert, damit du die Kinder ungern bei ihm lässt. Er weiß, dass du nicht weg kannst, dein Leben nicht leben kannst. Einfach, dass er dich immer noch im Griff hat. Irgendwann wirst du froh sein, dass du ihn los bist.
Ich kann dir nur raten, dich in eine Situation zu begeben, wo die Hilfe bei der Betreuung deiner Kinder besser ist. Damit du die Freiräume bekommst, die er dir nicht zugestehen will, die du aber brauchst und definitiv verdienst!

lg,
Solani


  Re: Mein Seelenmüll
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   Alina
schrieb am 23.10.2020 10:47
Hallo BlauerDelfin,

ich war vor 16 Jahren in gleicher Situation-gerade ein Kind bekommen (Frühchen), Haus gebaut (Kredite) und wurde verlassen. Natürlich war ich wütend, deprimierend, traurig
ABER ich habe mir gesagt- ich bin Stark, Ich brauche ihn nicht, ich schaffe alles alleine. !!!!! Als meine Tochter 3 Jahre alt war, müsste sie in die KITA und zwar von 7 bis 16.30 Uhr. Ich habe meine alte Stelle wieder bekommen und in Vollzeit gearbeitet. Sie war manchmal traurig wenn andere Kinder um 12 nach Hause gehen dürften. Später in der Schule war sie in OGS, ich habe sie fast immer als letzte abgeholt.Das war für sie nicht so schön, aber es ging nicht anders. Der Vater hat sich nie interessiert für sie, sie ist heute 17 und er hat sie vielleicht insgesamt 20 mal gesehen. UND er tut mir echt leid. Er hat seine Tochter nicht aufwachsen sehen, er hat sie niemals lachen gesehen, er hat nicht die tolle selbst gemalte Bilder bekommen, er hat von ihr keine geschriebene Karten bekommen, die so lieb waren, dass ich immer vor Glück heulen müsste. DESWEGEN ist er für mich ein armer Mensch. Seine Reisen, sein Haus ist nichts Wert in Vergleich zu dem, was er verloren hat.. Ich habe auch inzwischen das Haus abbezahlt und wir zwei bereisen auch die Welt.
SEI stark, Du schaffst das auch, mach das Beste aus der Situation. Sei mit den Kindern glücklich, das musst DU nur wollen. Lass deine Wut nicht über Dein Leben bestimmen, so machst Du Dich nur kaputt.

Liebe Grüße
Alina




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