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  Re: Demenz oder Altersstarrsinn?
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   Impala-34
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schrieb am 14.09.2020 11:02
Ich weiß wie schwierig ältere und alte Menschen werden können.
Vielleicht hilft es, wenn Du mal seine Position einzunehmen versuchst.
Es ist nicht leicht, wenn man morgens aufwacht und alles tut weh, wenn man nicht mehr um Rat gefragt wird und langsamer ist als die anderen, wenn sich das Leben auf einen immer kleiner werdenden Umkresi beschränkt, wenn so nach und nach die Freunde und Verwandte krank werden und weg sterben...

Vieles von dem was hier oft geschrieben wird, wenn es um Kleinkinder/Kinder geht, wird dann wieder auf einer anderen Ebene aktuall.

Wichtig ist Verständnis zu zeigen, ihm zuzuhören und vielleicht mal zu versuchen hinter die Kulisse des grantigen alten Mannes zu schauen.

Das fällt schwer, vor allem, wenn es der eigene Elternteil ist, der vielleicht in der eigenen Kindheit und Jugend nicht der liebevollle, zugewandte, zärtliche Elternteil war. Da wird sicher so einiges getriggert. Männer der Generation Deines Vaters fällt es sehr, sehr schwer Schwäche zuzugeben. Mein Vater hat z.B. auch nie gefragt oder angerufen, dafür war meine mama zuständig. Aber sie hat mir z.B. oft erzählt, dass mein Vater gesagt hat, wolltest Du nicht mal wieder Deiner Tochter anrufen?
Er erfährt doch alles (ungefragt) von Deiner Mutter, warum soll er Da nochmal direkt nachfragen - ist doch total ineffizient smile

Frag Dich mal selbst, was es für Dich ändern würde, wenn das Kind einen Namen hätte (z.B. beginnende Demenz). Macht das wirklich einen Unterschied? Nein, tut es in meinem Augen nihct. Eine Behandlung (im Sinne es abzustellen) gibt es nicht.
Eine leichte Demenz, Vergesslichkeit, Starrsinnigkeit ist mit 80 vollkommen normal. Selbst wenn ein Arzt die bestätigen würde, ja das ist leichte Demenz, wird Deinen Vater in keiner Weise entgegenkommender, entspannter, verbindlicher oder interessierter machen.

Nimm ihn so hin wie er ist, Lächeln und winken, ihn ernst nehmen und auf ihn eingehen schadet auch nicht. Du wirst ihn nicht mehr ändern, also Diskussionen einfach lassen, dann wird es friedlicher. Und die eigenen Grenzen ziehen ohne sich auf einen Streit einzulassen.

Und ganz ehrlich - ich bin jetzt 51 und stelle schon bei mir zunehmend fest, dass ich immer unflexibler werde Ohnmacht Geht Euch das nicht so?

LG

Impala


  Re: Demenz oder Altersstarrsinn?
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   summertime70
schrieb am 14.09.2020 21:45
Eine Demenz ist ein Abbau der Hirnfunktionen, die länger als 6 Monate anhält - erstmal ist es ein Symptom und es können ganz verschiedene Krankheiten dahinter stecken - einige wenige sind ursächlich behandelbar, für einige (Alzheimer) gibt es symptomatische Therapien, die so eine gewisse Symptombesserung bringen.
Welche Funktionen schlechter werden, hängt davon ab, welcher Bereich des Hirnes in erster Linie betroffen ist. Wenn es das Frontalhirn (hinter der Stirn), das für Soziales Verhalten, Mitfühlen, Handlungsplanung zuständig ist, entsteht so ein starrsinniges, nicht Kritisierbares Verhalten. Es muss nicht der Gedächtnisverlust immer im Vordergrund stehen. Daher macht es jetzt auch nicht soviel Sinn, einen Test einzuschmuggeln. Der Uhrentest z.B. prüft u.a. Raumverständnis und ist für Alzheimerdiagnostik geeignet. Und wenn jemand den nicht mehr hinbekommt, ist schon sehr viel im Argen.
Dass die Leute das nicht wahrhaben wollen, und lange versuchen, auch gegenüber der Familie eine Fassade, dass ja alles noch gut geht, aufrecht zu halten, ist meistens so. Die meisten Leute kommen in ihrem gewohnten Umfeld ja auch lange gut zurecht. Von daher ist es schwierig, eine Diagnostik oder Therapie zu bekommen, wenn der Betroffene das nicht möchte.
Falls die Symptome sehr schnell zunehmen, würde ich aber schon raten, mal mit dem Hausarzt darüber zu sprechen, was man machen kann (Blutentnahme mit Schilddrüsenwerten, Routinewerten, B-Vitaminen und ein CCT wäre da so ein Minimalprogramm).
Alles Gute für Euch


  Re: Demenz oder Altersstarrsinn?
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   himbeere
schrieb am 15.09.2020 13:02
Ich habe vor ca. drei Jahren auch sehr damit gekämpft, dass sich meine Mutter so verändert hat. In meinen Augen wurde sie zunehmend hinterhältig, ignorant, richtiggehend gemein zu uns, vor allem setzt sie alles daran, ihre Kinder zu entzweien, behauptet aber natürlich, ihr einziges Ziel sei, dass wir uns alle gut verstehen usw.

Ich hätte sehr, sehr gern eine Diagnose bekommen und hätte gern all diese Veränderungen auf eine beginnende Demenz schieben können. Ich bin mehrere Stunden in eine Demenzberatung gegangen und musste dann doch einsehen, dass es keinerlei Gründe für eine solche Diagnose gab und gibt. Aber die Auseinandersetzung mit den Veränderungen, auch mit der "Verlusterfahrung" (warum ist meine Mutter nicht oder nicht mehr liebevoll, mütterlich, gerecht,..das ist doch nicht mehr meine Mutter) war wichtig für mich.

Mein Fazit: Es ist schwer zu akzeptieren, dass sich die eigenen Eltern im Alter so verändern. Es ist noch mal eine Art Loslösungsprozess - wir können das nicht ändern, wir können nur zu einer Art nachsichtigen Akzeptanz, im besten Fall liebevollen Akzeptanz finden. Ich werde keine Einsicht mehr erreichen, auch die früher vielleicht vorhandene Reflexionsfähigkeit ist - jedenfalls bei meiner Mutter - leider inzwischen gleich null. Ich kann also nur so darauf reagieren, dass ich mich schütze und ich meine Grenzen wahre. Das tue ich z.B., indem ich meiner Mutter kaum mehr Persönliches von mir erzähle, ich argumentiere und diskutiere nicht mehr, ich frage mich stattdessen oft: "Was will sie jetzt hören?" und merke, dass ich damit am besten fahre.

Anfangs kam es mir vor, als verleugne ich mich selbst. Inzwischen weiß ich: Es ist das beste für mich. So kann sie mich nicht mehr so tief kränken und wir kommen am besten miteinander klar.

Ich habe keinen wirklichen Rat für dich, außer: Versuche, die Veränderung deines Vaters weitgehend zu akzeptieren. Schau auf dich, statt auf ihn. Ihn kannst du nicht ändern, und auch eine Diagnose wird dir nicht viel helfen, denn Demenz ist ja nicht wirklich behandelbar. Vielleicht gibt es dann eben keine "Kaffeekränzchen" mehr, sondern nur noch kurze Besuche? Und wenn er merkwürdige Dinge behauptet, dann stell auf Durchzug und versuche nicht mehr, ihm seinen Irrtum zu beweisen. Vielleicht kannst du ihm mit über 80 einfach das Recht zugestehen, komisch und starrsinnig zu werden. Aber das heißt ja nicht, dass du dich kränken lassen musst. Justiere den Abstand zwischen euch neu - und lass ihn ansonsten so sein, wie er grad ist.


  Re: Demenz oder Altersstarrsinn?
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   himbeere
schrieb am 15.09.2020 13:19
Ich bin dir übrigens richtig dankbar, dass du dieses Thema aufgeworfen hast! Mich hat das jahrelang beschäftigt, ich habe monatelang nicht schlafen können deswegen, das war für mich eine sehr harte Zeit. Und es stimmt, oft hat man das Gefühl, alle außer mir haben liebevolle, großzügige alte Eltern, die sich aufopferungsvoll um die Enkel kümmern, die Kinder unterstützen, wo sie nur können usw. Es tut mir gut, hier zu lesen, dass auch andere Erfahrungen mit schwierigen, starrsinnigen und wenig liebevollen alten Eltern machen.

Es ist offenbar immer noch eine Art Tabuthema. Beruflich organisiere ich eine Vortragsreihe zu sog. "Eldercare-Themen" und habe lange nach einem Referenten/einer Referentin für das Thema "Persönlichkeitsveränderungen im Alter" gesucht. Ich habe bis heute keine gefunden...! Zu Demenz, Parkinson, Altersdepression usw. gibt es haufenweise Fachleute und Literatur. Aber nicht zu Persönlichkeitsveränderungen.


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  Re: Demenz oder Altersstarrsinn?
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   Alterssorgen
schrieb am 15.09.2020 16:54
Ich konnte die letzten Tage leider gar nicht antworten und bin jetzt ganz überrascht, wie viele Antworten ich bekommen habe. Danke Euch dafür!

Ich möchte kurz etwas zum Leidensdruck schreiben der entsteht;
Meine Mutter hat diesen sicher, das weiß ich von ihr selbst. Wenn jemand in Diskussionen derart laut oder gar ausfallend wird, klar ist dass für den daneben sitzenden Ehepartner unangenehm und in dieser Generation glaube ich mehr wie in unserer. Ich selbst lasse mich ganz ganz selten in Diskussionen verwickeln, aber bei familiären Anlässen entstehen diese zwischen den Anwesenden Schwestern, Schwagern, etc. Und sein Verhalten ist da einfach manchmal anstrengend, manchmal aber eben einfach nicht mehr okay.

Ich finde es ganz schwierig, dass hier so kurz zu erklären, aber nachdem in manchen Beiträgen die Frage aufkam, wo denn da überhaupt der Leidensdruck sei, wollte ich das nochmals versuchen zu erklären.

Mein Leidensdruck ist ein anderer. Meine Eltern werden immer hilfsbedürftiger, d. h. ich bin in manchen Situationen bereits involviert und es ist eigentlich klar, dass es in den nächsten Jahren auch auf eine Pflegebedürftigkeit hinauslaufen wird. Nicht dass ich das in vollem Umfang übernehmen müsste, dennoch gibt es natürlich einige organisatorische Dinge die ich übernehmen kann (und ja auch will) oder eben auch praktische Dinge, die ich für sie erledigen kann. D. h. die eigenen Grenzen abzustecken oder sich zu distanzieren in dieser Lebensphase ist nicht einfach. Im Gegenteil, man ist ja eigentlich mehr gefordert oder möchte mehr unterstützen als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig muss man aber viel einstecken.

Um mal noch ein Beispiel zu nennen: Im April war sein Geburtstag und wegen der Corona-Krise viel dieser natürlich ganz ganz klein aus. Wir haben uns trotzdem viel Mühe gegeben dass es schön wird, die Kinder haben gemalt und gebastelt und ganz liebe Dinge für ihn geschrieben, wir haben Luftballons besorgt, ein schönes Geschenk, und versucht, es für ihn festlich und schön zu machen. Ich weiß gar nicht, ob er die Bilder der Kinder groß angesehen hat oder gleich weggelegt mit einem "Oh Danke". Er hat nicht ein Mal was zum Rest gesagt, was wir gemacht/ mitgebracht haben. Kein "Hey das war schön oder "Ich freu mich". Egal, irgendetwas halt. Ich hatte sowieso schon gar nicht mehr damit gerechnet, für meine Kinder hat es mir leid getan. Was soll ich ihnen dann sagen? Hey, bastelt nichts, es lohnt nicht? Das ist schwierig.

Aber wenn ich andere Eltern meiner Freunde oder in meiner Familie erlebe, ist es ein schmerzhafter Prozess, das zu erleben, dass man selbst nicht in der Situation ist. Meine Mutter ist anders und das ist ganz toll. Aber trotzdem bleibt es eben so, dass es schwierige Situationen gibt. Die kann auch meine Mutter nicht kompensieren. Ich bin froh, dass wir so ein gutes Verhältnis haben.

Himbeere, Dein Beitrag hat mir so sehr gut getan. Ich neide es nicht dass andere keinen grantigen Elternteil haben, aber ich habe niemanden, den ich fragen könnte, wie derjenige dieses Nähe/Distanzverhalten und die Akzeptanz geschafft hat bei gleichzeitig zunehmender Hilfebedürftigkeit. Niemand der eben so ganz mitfühlen kann.

Ich bemühe mich sehr um Akzeptanz und doch bleibt es natürlich eine innere Auseinandersetzung, bis immer wieder Akzeptanz eintritt.

Ich habe nach Artikeln und Beiträgen zu Persönlichkeitsveränderungen im Alter gesucht und wie Angehörige damit umgehen, aber es ist tatsächlich kaum etwas zu finden.

Eine Diagnose wäre insofern nützlich, als es mehr Beratung und Information gibt. Es würde schon etwas an meinem Verständnis ändern. Ich glaube es wäre größer als im Moment. Ich bemühe mich, aber manchmal denke ich eben "So jetzt ist es aber gut". Der Punkt träte dann evtl. viel später ein.


  Re: Demenz oder Altersstarrsinn?
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   pmami
schrieb am 15.09.2020 19:23
Wie war das denn, als Du klein warst und ihm Bilder zum Geburtstag gemalt hast? Hat er sich da hingesetzt, sich von Dir das Bild erklären lassen und Dir seine tiefe Verbundenheit und Freude gezeigt? Haben Deine Bilder dann einen Ehrenplatz bekommen?

Vielleicht mag er keine Kinderbilder.

Vielleicht mag er Kinderbilder, kann oder will aber seine Freude aber nicht zeigen.

Beides ist sein Vorrecht.

ETA: Was ich mich frage, ist, ob du Dir vielleicht insgeheim eine freundlicheren, zugewandteren, liebevolleren Vater wünschst und er dieser Vorstellung nicht entspricht, ohne dass dies pathologische Gründe haben muss.

Der Leidensdruck Deiner Mutter ist zunächst einmal das Thema Deiner Mutter. Wenn sie Dich um Rat oder Hilfe fragt, ist das etwas anderes. Aber bislang ist das, wenn ich Dich richtig verstehe, nicht geschehen.

Das gilt auch für die Übernahme praktischer und organisatorischer Dinge. Es ist Aufgabe Deiner Eltern, Dich damit zu beauftragen. Eine Sache allerdings könntest Du in der Tat schon jetzt ansprechen, nämlich eine Patientenverfügung und eine Betreuungs- und Vorsorgevollmacht. Auch hier bleibt es aber die freie Entscheidung Deiner Eltern, ob sie rechtlich vorsorgen wollen.

Viele Grüße pmami


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 16.09.20 13:22 von pmami.


  Re: Demenz oder Altersstarrsinn?
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   Serena15
Status:
schrieb am 17.09.2020 17:48
Hallo,

ich glaube es gilt vor allem an sich selbst zu arbeiten (im Sinne von eigenen Grenzen abstecken, Distanz aufbauen wenn nötig, eigene Bedürfnisse zurückstecken = man kann einfach nicht über alles mehr reden).

Ändern wirst du ihn nicht mehr können.

Es ist sicher ein ganz schwieriger Prozess des langsamen Loslassens. Den Vater, wie es ihn früher gab, gibt es wohl in der Form nicht mehr. Den Gesprächspartner, Ratgeber, Freund auf Augenhöhe gibt es dann nicht mehr so. Es wird langfristig nur helfen das zu akzeptieren und eine andere Rolle einzunehmen, zu der notfalls auch Abgrenzung - zumindest im emotionalen Bereich - gehört. Ich würde über das reden, was ihn interessiert und ihm sein Recht lassen. Alles andere hat wohl leider keinen Sinn. Und notfalls eben die Dauer oder Anzahl der KOntakte reduzieren oder eher mal was organisatorisches übernehmen (so beauftragt von deinen Eltern).

Viel Glück




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