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  Wunschmama bereut?
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   Schlechte_Mutter
schrieb am 10.09.2020 20:00
Heute muss ich mir mal meine Last von der Seele schreiben, die ich mit niemandem teilen kann. Anonym.

Ich war hier lange aktives Mitglied und habe viele Jahre Kinderwunsch hier verbracht, habe Rat bekommen und gegeben und nun ist es da, das Leben mit Kindern. Ich habe 3 Söhne durch ICSIs bekommen (2 bis 8 Jahre alt), hatte auch 2 Fehlgeburten und immer und immer wieder haben wir gesagt: wenn erstmal... dann...
Wenn wir erstmal Eltern sind, dann ist alles gut.
Wenn wir erstmal ein zweites Kind haben, dann ist alles gut.
Wenn wir erstmal den Kinderwunsch abgeschlossen haben, dann ist alles gut.

Und nun ist alles überhaupt nicht gut sehr treurig Mir geht es schlecht, wirklich richtig schlecht.

Ich kenne Frauen mit endgültig unerfülltem Kinderwunsch, die sagen "es hat nicht sollen sein". Soetwas hätte ich nie gesagt. Probleme sind da, um sie zu lösen. Kinder werden nicht zugeteilt. Es bekommt nicht jeder auf natürliche Weise, was er verdient hat oder schaffen kann. Da gibt es keine höhere Macht, die das lenkt. Das glaube ich aus tiefstem Herzen. Und dennoch pocht diese drängende, schmerzende, bohrende Frage seit meinem letzten Kind in mir: Sollte ich keine Kinder gehabt haben? War von vornherein klar, dass ich mich gar nicht als Mutter eigne und mit Karriere anderen Menschen viel hilfreicher gewesen wäre als ich es jetzt für meine Familie bin?

Ich bin keine gute Mutter. All zu viel weiß ich besser als ich es umsetze, dabei haben meine Söhne nur das allerbeste verdient und das kann ich ihnen nicht geben. Warum nur? Warum muss ich gerade in diesem so wichtigen Bereich so sehr versagen? So vieles wollte ich so nie sehr treurig

Ich bin Perfektionistin, nachtragend und sehe immer das Schlechte, das es gilt zu optimieren. Das ist eine sehr anstrengende Sicht auf die Welt. Sehr traurig auch. Mein Leben hat mich dazu gemacht. Im Job hilft mir das, perfekt zu sein. Aber im Privaten macht das sehr traurig und sehr einsam - und auch leider keine gute Mutter.

Noch dazu kommt, dass vieles, was meine Kinder sind, tun, sagen, erleben,... bei mir große Triggerpunkte berührt, mich täglich Panikattacken erleben lässt und und ich auch deshalb sehr daran zweifle, dass ich Mutter werden sollte. Warum habe ich das alles nicht vorher gewusst? Das hätte in der Waagschale gegen das verklärte Mamabild ja viel schwerer gewogen und ich hätte die Entscheidung gegen Kinder treffen können. Ich wäre nicht so ein nervliches Wrack geworden, nicht ständig am meckern, meine Beziehung wäre nicht davon belastet und meine Kinder müssten mich nicht aushalten.

Auch dass ich mit steigendem Alter meiner Kinder immer weniger in der Hand und unter Kontrolle habe, setzt mir unheimlich zu. Und dann laufen da draußen gleich 3 Menschenkinder von mir rum, denen jederzeit alles passieren und zustoßen kann. Das ist gefühlt ein unkalkulierbares Risiko geworden Ohnmacht Ich dachte nach meinem ersten Sohn,dass sich das mit einem weiteren auf mehrere Schultern verteilt. Leider ist das gar nicht so. Es vergrößert das Risiko zu leiden, unglücklich zu werden, Krankheiten, Unfälle,...

Danke fürs Lesen. Bitte haltet mich nicht für verrückt.
Wer etwas antworten mag, den bitte ich, freundlich zu sein. Unfreundlichkeit, Schuldzuweisungen, Bagatellisierungen, aber auch Dramatisierungen kann ich nicht gut wegstecken.

Unglückliche Mama


  Re: Wunschmama bereut?
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   MamaHH
Status:
schrieb am 10.09.2020 20:55
Hi,

Hat Dir vielleicht auch Corona zugesetzt? Mir (als ehemaliger Perfektionistin) hat es den Rest gegeben. Und ich habe nur zwei Kids (3 und 6).
Und auch ich komme mir oft als schlechte Mama vor, weil ich so viel meckere und mich die Kids nerven. Dabei sind sie ja eigentlich nur Kinder. Was mir geholfen hat meinem Mann zu sagen, dass ich nicht mehr kann. Somit hatte ich einen Verbündeten. Und ich habe meine Ansprüche runtergeschraubt. Dann bin ich halt nicht so schlank wie die anderen Mamas. Egal meine Familie liebt mich trotzdem. Dann sieht meine Wohnung halt nicht wie der Ikea Katalog aus, aber wir leben hier ja auch. Es ist normal sauber, aber es liegt eben auch mal ein Buch rum. Wenn ich keine Lust auf Wäsche waschen haben, sammel ich auch mal zwei Wochen. Inzwischen versuche ich viel mit Humor zu nehmen und zerre von den lustigen Momenten mit den Kids. Habe eine Zeitlang das 6 Minuten Tagebuch geführt, das hat geholfen zu sehen, dass es auch viele tolle Momente gibt. Kinder sind halt super anstrengend. Und wenn ich gerade den Flur gesaugt habe und dann nach fünf Minuten sieht er wieder aus als wäre ein Sandkasten explodiert, bin ich schon sauer. Inzwischen denke ich darüber nach einen Eimer hin zustellen, dann könnte ich den Sand direkt für die Buddelkiste sammeln. 🙈 Was ich eigentlich sagen will. Du bist keine schlechte Mama. Du bist immer die beste Mama für Deine Kids! Es ist eben nur so anstrengend. Probier mal abends die tollen Sachen des Tages aufzuschreiben mit Bezug zu den Kids. Ich war erstaunt wieviel kleine tolle Dinge es neben Trotzanfällen und Co es gibt. Und nimm Dir mal eine Auszeit für Dich. Ich gehe ab und zu mal zu meiner Freundin auf ein Glas Wein, wo wir einfach über Gott und die Welt ablästern. Völlig sinnfrei, aber entspannt mich ungemein.


  Re: Wunschmama bereut?
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   blackmoon
Status:
schrieb am 10.09.2020 22:02
Viel kann ich dazu nicht schreiben, ich lebe absolut fern von jeglichem Perfektionismus 😅

ABER: wen würdest Du in einer TV-Show als schlechte Mutter sehen

-die, die ihre Kinder verwahrlosen lässt, der egal ist, ob sie zur Schule gehen, wie sie sich anderen Menschen gegenüber verhalten,...
Oder
-die, die Fehler bei sich selbst sucht, immerzu Angst hat, dass ihren Kindern etwas schlimmes zustößt, dass sie kein erfülltes Leben haben,... ?

Du bist doch keine schlechte Mutter, weil Dein Perfektionismus Dich im Bezug auf Deine Kinder überfordert. Du liebst Deine Kinder sehr offensichtlich, woher sonst diese vielen Ängste ?
Diese Gedanken, die Du Dir machst, sind sehr belastend und dagegen habe ich leider keinen Rat, aber ich garantiere Dir, dass ich alleine aufgrund Deiner Wortwahl und Schreibweise sicher sagen kann, dass Du eine liebende Mutter bist - und das ist unendlich viel mehr, als viele Kinder auf dieser Welt haben !!!
Vielleicht suchst Du Dir Rat bei einem Psychologen ?! Dieser hilft Dir Deine Sicht auf die Dinge etwas zu verändern. Dafür hat er studiert. Du bist sicher keine Ausnahme.
Ich wünsche Dir, dass es Dir ganz bald besser geht und Du Dein Leben mit Deiner Familie endlich richtig genießen kannst !!

Ganz liebe Grüße bm


  Re: Wunschmama bereut?
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   blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 10.09.2020 22:12
Zitat
Schlechte_Mutter
Ich bin Perfektionistin, [...]
Noch dazu kommt, dass vieles, was meine Kinder sind, tun, sagen, erleben,... bei mir große Triggerpunkte berührt, mich täglich Panikattacken erleben lässt und und ich auch deshalb sehr daran zweifle, dass ich Mutter werden sollte. Warum habe ich das alles nicht vorher gewusst? Das hätte in der Waagschale gegen das verklärte Mamabild ja viel schwerer gewogen und ich hätte die Entscheidung gegen Kinder treffen können. Ich wäre nicht so ein nervliches Wrack geworden, nicht ständig am meckern, meine Beziehung wäre nicht davon belastet und meine Kinder müssten mich nicht aushalten.

Genau diese zwei Teile zeigen für mich, dass du dich nicht vorher hättest anders entscheiden können, also gegen den Kinderwunsch. Ich gehe nämlich davon aus, dass du diese Triggerpunkte, selbst wenn sie dir gesagt worden wären, nicht so wahrgenommen hättest. Eben weil du Perfektionistin bist. Ich kann mir vorstellen (mich allerdings auch irren), dass Kinder für dich irgendwie in das perfekte Bild dazugehört haben. Und Das Mutter sein wäre auch nur ein Problem gewesen, das man hätte lösen müssen.
Es ist schwer, ein ganzes Bild zu sehen, wenn man selbst Teil davon ist. Du hast das Bild der Familie gesehen, aber den Teil der Mutter darin eben noch nicht.

Ich habe da einen anderen Blick auf das Leben als du. Ich weiß nicht, ob ich dir da wirklich helfen kann. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich anders geprägt bin. Für mich ist Gemeinschaft und Bildung wichtig. So erleben wir viel gemeinsam und entdecken die Geheimnisse der Welt (mit Bildung mein ich also nicht hinsitzen und lernen). Und ich bin absolut für Authentizität. Was hab ich nicht schon alles falsch reagiert! Und ich nehm mir immer wieder die Zeit und erkläre es dann meinen Kindern, warum ich so ätzend war. Dazu gehört natürlich auch sehr viel Selbstreflexion. Zwischenzeitlich sind wir dann soweit, dass sie in meinen zickigen Momenten einfach nur noch verstehend nicken - und kooperieren, weil sie wissen, dass ich an anderen Stellen dann kooperiere und akzeptiere.


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  Re: Wunschmama bereut?
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   Solani2
Status:
schrieb am 10.09.2020 22:48
Hallo,

du schreibst ja, dass du noch in Elternzeit bist. Zum Ende hin habe ich ja schon mit einem Kind beinahe einen Lagerkoller bekommen, und das ohne Corona und ich bin nur in Bereichen Perfektionistin. zwinker Ich denke, dass es dir besser gehen wird, wenn du wieder arbeiten gehen kannst. Die Kinder werden automatisch größer (ja, hoffentlich! Wir haben alle Ängste, dass etwas passieren könnte ...) und eine "perfekte" Mutter für Kleinkinder ist nicht unbedingt perfekt für pubertierende Teenager. Wir müssen einfach alles irgendwie hinkriegen. Und Kinder müssen auch lernen, mit nicht perfekten Menschen klarzukommen.
Alleine schon die Tatsache, dass du dein eigenes Verhalten reflektierst, spricht für dich als Mutter. Wenn du das Gefühl hast, dass du an einem Tag ungerecht zu deinen Kindern warst, dann entschuldige dich einfach. Am besten Abends, wenn man zur Ruhe kommt und vielleicht den Tag bespricht. Erkläre, warum du so gehandelt hast und dass es dir leid tut. Ist nichts dabei und hilft allen, dir selbst vermutlich am meisten. Ich habe mich heute übrigens auch bei meinem Kleinen entschuldigt, weil ich (ich schiebe es auf sehr schlechten Schlaf und die Schwangerschaftshormone) wirklich unnötig heftig geschimpft habe, als er die Packung Milch selbst aufgemacht und in der Küche verteilt hat. Wollte er nicht und ich habe einfach völlig überreagiert. Er hat meine Entschuldigung sehr großzügig angenommen. smile "Alles gut, war nicht schlimm. Mama wieder fröhlich."

lg,
Solani


  Re: Wunschmama bereut?
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   HulksMother
schrieb am 11.09.2020 13:13
wer definiert denn überhaupt, was eine gute Mutter ist? Wir sind soooo vielen teils widersprüchlichen Definitionen von gute Mutter ausgesetzt, die wir meinen alle erfüllen zu müssen... was nicht geht.
Ich erkläre meinem Kind auch, dass ich manchmal echt doof bin, und er findet das ok.
Das Idealwesen gute Mutter kann im echten Leben auch eine Belastung für die Kinder sein.


  Re: Wunschmama bereut?
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   mrsb3cker
schrieb am 12.09.2020 14:30
Du bist keine schlechte Mutter! Lies dir das bitte 100mal am Tag durch bist du es selber kapiert hast!

Ich kann mich da nur den anderen anschließen, professionelle Hilfe wirkt Wunder! Ich habe nach meiner stillen Geburt eine Gesprächstherapie begonnen und es kamen so viele Dinge an die Oberfläche. Ich gehe auch 2 Jahre später regelmäßig hin und wir sprechen schon lange nicht mehr über die stille Geburt.

Ich denke das ist für viele hier im Forum ein wichtiger Punkt. Je größer der Kinderwunsch, je größer die Anstrengung, desto verklärter das Bild der Familie, die da kommen mag. Was hab ich mir alles ausgemalt, lange zu Hause, gleich noch ein zweites hinterher, alles rosarot und voller Geigen. Nun ist das Wunschkind 14 Monate alt, wird abgöttisch geliebt und trotzdem kann ich es kaum erwarten, wieder arbeiten zu gehen. Ich mag keine Legos und vermisse eine Aufgabe für den Kopf. Von einem zweiten Kind spricht hier niemand mehr (wir haben allerdings auch künstliche Befruchtung, stille Geburt, schwierige FolgeSS und Frühchen) erleben müssen). Was ich damit sagen will - je mehr man sich etwas wünscht, desto schöner malt man es sich aus. Und Familie und Kinder ist große Freiude und Veränderung und auch Stress. Dafür muss man selber so gut es geht im Gleichgewicht sein.


  Re: Wunschmama bereut?
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   wunschkrümel
schrieb am 12.09.2020 18:21
Hallo,

Ich kann nur von mir berichten. Ich habe 11 Jahre mit Familien gearbeitet und wir haben fast 3 Jahre für unser Wunschkind gekämpft. Ich dachte also ich wüsste was Familie und eltern sein bedeutet. Ich hab sooooo viele Tränen vergossen weil sich unser kinderwunsch nicht erfüllen wollte.
Dann kam meine Tochter nach einer katastrophalen Schwangerschaft zur Welt und am 3. Tag nach der Geburt hab ich gedacht, was für eine blöde Idee das war. Ich war total überfordert und das hörte auch ewig nicht auf.
Sie ist sehr sehr willensstark und alles war und ist anders und schwieriger als ich es mir je vorgestellt habe.
Ich habe auch die starken Gefühle wie tiefe Liebe, Sorge und Verantwortung total unterschätzt.
Ich bin also vom ersten Tag an alles andere als eine perfekte Mutter. Meine Tochter ist jetzt 11 Jahre alt und ist der tollste, Schlagfertigste, sozialste und ehrlichste mensch den ich kenne. Ich höre ganz oft, dass sie super ist und wir wohl alles richtig gemacht haben und sie gut erzogen haben.....wenn die leute wüssten was hier manchmal abgeht. Oje.
Mein kind und ich sprechen viel über unsere Ängste, Sorgen und Defizite. Ich spreche auch offen mit ihr wenn ich mich überfordert fühle und nicht weiter weiß. Mit Ehrlichkeit und Kompromissen kommen wir am besten zurecht.
Eine Gesprächstherapie hat mir auch sehr geholfen. Vielleicht wäre das mal eine Idee.
Alles Gute
Liebe Grüße von wunschkrümel


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.09.20 18:27 von wunschkrümel.




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