Unsere Foren

Die Kinderwunsch-Seite
 
News rund um den Kinderwunsch
amicella Network    ICSI bei normalem Spermiogramm: Nicht sinnvoll neues Thema
   Niedriger AMH: lohnt sich eine Insemination?
   Warum muss eine Mutter ihr Kind adoptieren?

  Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   RoteBeete
schrieb am 27.07.2020 21:29
Liebe Frauen, die mit Hilfe von IVF Mamis werden durften,

Wie habt ihr das erste Jahr erlebt? Was für Themen sind bei Euch hochgekommen? Vielleicht etwas wieder, was lange keinen Platz hatte?

Ich durchforste das Internet nach Erfahrungsberichten, finde aber selbst auf Englisch sehr wenig. Bei mir selber stelle ich mit Erstaunen fest, dass mich meine Vergangenheit einholt und zwar die VOR dem Kinderwunsch. Dabei dachte ich, dass ich gewisse Dinge verarbeitet habe und, dass sie im Angesicht des schweren Weges zum Wunschkind an Bedeutung verlieren. Jahrelang ging viel Energie auf den Kinderwunsch, ich hatte das ganz klar im Fokus und nun ist das weg. Ich schwimme etwas ziellos herum. Ich arbeite auch schon seit einem halben Jahr wieder (mein Kleiner ist 8 Monate), das ist zwar sehr anstrengend, aber dennoch gut.

Freu mich auf Eure Berichte,
LG
RoteBeete


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   Hamamelis71*
schrieb am 28.07.2020 13:44
Interessantes Thema, ich habe gerade vorhin zufälligerweise an die ersten Wochen nach der Geburt gedacht. Mein Sohn ist jetzt 12. Für mich waren die ersten Wochen sehr unwirklich, aber sehr schön, obwohl mein Sohn mit 4 bis 5 Wochen plötzlich am Magenpförtnerkrampf operiert werden musste und es ihm sehr schlimm ging. Aber da merkte ich, was für ein tolles Team wir waren, von jetzt auf gleich. Mein Sohn war und ist sehr anhänglich und kuschelig und ich bin immer noch sehr wichtig für ihn. Ich erlebe das, was meine Freundin mit 3 Kindern erlebt mit einem Kind.

Ich habe jede Minute bewusst mit meinem Sohn gelebt und genossen. Viele Sachen konnte ich sehr gelassen sehen, weil meine Freundinnen ältere Kinder haben.

Es wäre vielleicht schön gewesen, wenn unser Sohn im Alter der Kinder unserer Freunde gewesen wäre, aber das sollte so nicht sein. Wir haben allerdings sehr oft davon profitiert, dass er der Jüngste war. Und ich habe zusätzlich viele neue nette Leute kennengelernt, die unser Leben bereichern.

Ich werde in etwas über einem Jahr 50 und bin sehr zufrieden, so wie es ist. Auch ohne Geschwisterkind. Mein Sohn ist gerne Einzelkind, das macht es leicht. Außerdem hat mein Sohn viele Freunde mit jüngeren Geschwistern, da kann ich mich dann nochmal austoben und genießen und bin danach trotzdem froh, dass mein Sohn schon so groß ist.

Unsere Kinderwunschzeit dauerte ungefähr 7 Jahre, nächstes Jahr sind wir 20 Jahre verheiratet. Mein Mann hat immer daran geglaubt, dass die Icsis erfolgreich sein werden, warum auch immer. Und er wusste, dass die 2. Icsi erfolgreich sein wird, obwohl wir wieder keine Kryos hatten. Ich habe keine Ahnung, wie weit wir gegangen wären, wäre ich nicht nach der 2. Icsi schwanger geworden. Und vielleicht hätte unsere Ehe es ( Kinderlosigkeit) nicht überlebt, weil ich es meinem Mann übel genommen hätte, weil er jahrelang geglaubt hat, dass ich doch noch ohne Kinderwunschbehandlung schwanger werde. (Er ist der Verursacher und wir sind erst in Behandlung gegangen, als ich nicht mehr konnte und bereits 36 Jahre alt war.) Aber unser Sohn ist jetzt 12 Jahre alt und wir sind glücklich und dankbar. Aber ein Blick in die Glaskugel hätte es für mich leichter gemacht, wobei ich auch unsere kinderlose Zeit sehr genossen habe und mich gedanklich auch auf ein Leben ohne Kinder eingelassen habe.

Zwei Jahre war ich in Elternzeit und bin danach gerne wieder arbeiten gegangen, aber ich habe den Job gewechselt, um mittags immer Zeit für meinen Sohn zu haben. Ich habe vor der Geburt 18 Jahre den ganzen Tag gearbeitet und habe dann gerne wegen dem Kind halbtags gearbeitet. Allerdings verdient mein Mann gut, hatte deswegen aber unter der Woche nicht viel Zeit mich zu unterstützen. Dafür hat mein Mann sich am Wochenende immer viel eingebracht und unternimmt auch jetzt noch viel mit unserem Sohn.

Mein Sohn ist jetzt 12 Jahre alt und weiß noch nichts von der Kinderwunschbehandlung, aber er weiß, dass wir ihn lieben und dass er sehr erwünscht war und ist in unserem Leben. Und wir uns vom ersten Moment sehr gefreut haben. Zwei seiner Freunde sind im Leben ihrer Mütter noch nicht geplant gewesen, aber trotzdem willkommen. Daher war das schon mal Thema.

Dank Corona wurde der Sexualkundeunterricht der 6. Klasse innerhalb von 6 Schulstunden abgefertigt. Ich habe dann mal das Thema Kinderwunschbehandlung etwas angesprochen, aber für meinen Sohn ist das kein spannendes Thema . Er hatte eher so die Vorstellung, dass Kinderwunschbehandlung nur Befruchtung mit Spendersamen bedeutet. Und das findet er befremdlich, weil es dann nicht die Gene vom Vater sind. Also hier muss ich die nächsten Jahre immer wieder mal Aufklären. Mein Sohn sieht übrigens aus, wie mein Mann, wie eine exakte Kopie, da sieht man die Gene.


4 mal bearbeitet. Zuletzt am 28.07.20 14:20 von Hamamelis71*.


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
avatar    Alice Cullen
Status:
schrieb am 28.07.2020 22:01
Hallo,

ich bemerke in erster Linie ich habe mich viel zu sehr mit dem Thema Kiwu beschäftigt, dass alles ist jetzt 7 Jahre her. Und manchmal denke ich, meine Güte soviel negative Gedanken haben diese Zeit belastet. Aber ja nun auch ich hatte diese Glaskugel nicht.

Daher spielt die Art wie die Kids zu uns gekommen sind keine all zu große Rolle mehr. Klar diese eine Besonderheit bei uns durch die Spende ist immer ein Teil unserer Familiengeschichte und ich gehe da auch ganz offen mit den Kids um.

Aber ja früher hat man dem Thema sehr viel Lebenszeit gewidmet.
Um danach festzustellen da hab ich ganz schön viel am Leben dran durch gelebt. Ich hab gedacht dass all unserer Eheprobleme daher kommen weil wir eben diesen Druck wegen den ganzen Diagnosen usw hatten.
Tja Kids kamen, das Leben ging weiter. Ich bin seit drei Jahren getrennt und es geht mir so viel besser.

Lg


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   Kala1005
schrieb am 29.07.2020 09:11
Liebe Rote Beete,

Mein (bin 44 Jahre alt) Leben vor dem Kind: Arbeit, Sport, Reisen und gleichaltrige Freunde ohne oder mit großen Kindern.
Mein Leben nach dem Kind (3,5) sieht anders aus. Arbeit immer noch, aber die Priorität ist nicht mehr die, wie früher. Ich stelle nichts mehr dafür zurück. Ich muss aber auch sagen, dass mein jetziger (kinderloser) Chef deutlich mehr Verständnis für Eltern hat, als meine ehemalige (kinderhabende) Chefin..
Sport hat deutlich gelitten. Ich versuche, 3x pro Woche Sport zu machen, aber kann es oftmals nicht einhalten. Auch die Länge der Einheiten ist deutlich kürzer. Statt immer 120km Rennrad gibt es 1,5h Inlinern, Walken oder auch mal Laufen. Dementsprechend knabbere ich auch noch an den Kilos, die mir von der Schwangerschaft geblieben sind. Sie werden weniger, aber es dauert....
Reisen ist nicht mehr so ein Thema. Wir haben viel gesehen und gemacht in unserer Zeit ohne Kind und ich vermisse nichts. Ich muss nicht mehr jeden Berg erklimmen, sondern mir reicht auch eine leichte Tour, gerne gleich mal bei uns zuhause durch die Wiesen und den Wald. Ich freue mich darüber, wie der Zwerg seine Welt entdeckt und ich habe Spaß daran, ihm die Natur zu zeigen. Niemals hätte ich mir vor dem Kind vorstellen können, wie wunderbar und faszinierend es ist, ihm dabei zuzusehen.
Freunde ist schwierig. Wir haben ettliche Freunde verloren, einfach dadurch, dass wir Eltern geworden sind. Kinderlose Paare haben sich zurückgezogen, was ich verstehen kann. Bei machen habe ich anfangs versucht, den Kontakt zu halten, aber es sollte nicht sein. Freunde mit großen Kindern haben oft vergessen, wie es mit einem Baby/Kleinkind ist. Grilleinladungen um 20.00 Uhr bedeuten für uns eben einen Ausschluss. Manche richten sich ein, andere nicht und da ist dann schnell das Ende klar.. Als echte Freunde sind nur noch eine handvoll Menschen übrig geblieben. Aber es sind durch den Zwerg auch viele neue Leute in mein Leben gekommen. Ob sie zu echten Freunden werden, wird sich zeigen. Ich habe auch wieder mit Leuten Kontakt, mit denen ich früher als Kinderlose nichts anfangen konnte. Plötzlich trifft man sich im Kiga und hat wieder einen gemeinsamen Schnittpunkt. Allerdings verwende ich nicht mehr so viel Zeit darauf, Kontakte zu pflegen, wo ich immer Diejenige bin, die die Initiative ergreifen muss. Manchmal kommen die Leute dann doch von alleine oder aber es hat sich erledigt. Dafür ist mir meine Freizeit einfach zu kostbar..

Ein Leben mit Kind ist als Kinderloser schwer vorstellbar. Man kann sich was erträumen, aber die Wirklichkeit erlebt man erst in dem Moment, wo es passiert. Früher waren meine Tage planbar. Heute nur bis zu einem gewissen Punkt. Das muss man erst lernen. Besonders, wenn man so lange als Paar alleine zusammengelebt hat, wie wir (18 Jahre). Mein Mann hat damit hin und wieder noch Schwierigkeiten. Ich nicht mehr. Man lernt, gleichmütiger zu werden. Dann ist es eben so.. Uns hat es gut getan, spontaner sein zu müssen. Wenn ich manchmal gleichaltrige Leute treffe, kommen die mir "alt" vor in ihren Gedanken, Themen und Aktivitäten. In dieser Beziehung ist der Knirps für uns ein Jungbrunnen.

LG Kala


  Werbung
  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   mrsb3cker
schrieb am 29.07.2020 10:11
Mein Sohn ist gerade ein Jahr geworden, wir sind aber quasi noch mittendrin in der Kinderwunschmühle, denn wir wünschen uns in 2021 noch ein Geschwisterlichen für ihn. Wir hatten ingesamt 3 IVFs, wobei eine leider mit einer stillen Geburt in der 24 SSW endete. Das alles hat mich tougher gemacht. Vielleicht war ich es auch vorher, aber mir war es nicht bewusst. Ich habe die IVFs als Teil unserer Geschichte akzeptiert und kann es mir gar nicht vorstellen, wie es ohne funktioniert. Ich habe gelernt, mich nicht mehr so an kleinen, unwichtigen Dingen festzumachen, mich aufzuregen oder reinzusteigern. Ich habe gelernt, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich bin gelassener geworden (manchmal). Das Betrachte ich als positiven Change.
Ansonsten bin ich, wie wahrscheinlich viele Mamas, ein wenig gefangen in der Kind-Karriere-Frage


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
avatar    Juna30
Status:
schrieb am 29.07.2020 18:49
Sehr spannendes Thema.
Eine etwas unkonkrete Antwort von mir:

Bei unserem KiWu waren viele Jahre nicht der Weg das Ziel. Es ging darum, das Ziel zu erreichen: Ein lebendiges, bleibendes Baby im Arm.
Und dann waren wir endlich am Ziel unď stellten fest, dass das Ziel auch nicht das Ziel ist und kein Happy End. Denn dann gehts ja erst los. Dann erst beginnt alles - oder beginnt neu, wie die von dir geschilderten "Altlasten".

Und erst jetzt, ganz am Ende des Weges habe ich das Gefühl, dass ich ein bisschen zur Ruhe komme, was die vergangenen 12 Jahre KiWu angeht.


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   berlink
Status:
schrieb am 29.07.2020 22:17
Hallo,

im ersten Jahr war gar keine Zeit, über i.was nachzudenken. Da war eigentlich nur Stress. Wir hatten ja nur 5 IUI, 1 IVF und 1 ICSI, nie was zum Einfrieren. Manchmal denke ich, was für ein Glück, 2 EZ von 17 entnommenen haben sich nur weiter entwickelt, und die haben gerade Superzeugnisse bekommen und sind nun beide Gymnasiasten.
Gern hätte ich noch mal einen Einling zum Genießen gehabt, aber das Glück wollte ich nicht nochmal herausfordern. Es ist gut so, wie es ist. Ich arbeite wieder, seit sie 1,5 Jahren wurden.
Meine Schwester bekam vor 4 Jahren ebenfalls ein gesundes Pärchen. Es ist wirklich ein unglaubliches Glück.


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   Murmel08
Status:
schrieb am 30.07.2020 12:18
Vor vielen Jahren habe ich durch das Forum liebe Freunde gefunden und wir treffen uns noch heute regelmäßig.

Alle wurden früher oder später durch IVF/ ICSI schwanger und alle (bis auf mich) wurden sogar noch spontan schwanger. Wir sprechen noch heute oft von dieser Zeit, wie sie uns geprägt, zusammengeschweißt hat und alle damit verbundenen Höhen und Tiefen. Es entstand dadurch sogar eine KiWu Krabbelgruppe und seither haben wir uns immer wieder gemeinsam „Therapiert“. Für uns alle war das ein großer Halt und ich kann sagen, dass jeder einzelne heute anders damit umgeht.

Mein Eindruck ist, die welche spontan Schwanger wurden, konnten besser mit der Vergangenheit abschließen als z.B. ich ohne spontane Schwangerschaft. Vielleicht lag es auch an der Drillingskonstellation aber letztlich waren für mich die ersten 4 Jahre nur überleben angesagt. Alles andere wurde verdrängt und hat dadurch auch sehr tiefe Spuren hinterlassen.
Letztlich fließen auch so viele weitere Faktoren mit ein wie mit dieser Situation umgegangen wird. Eigene Belastbarkeit, Dauer der KiWu Zeit bis zum Erfolg, Geburt, erstes Kind oder folge Kind, Frühgeburt, Krankheiten usw.

Unsere Drillinge werden im Herbst 11 und für mich ist es heute noch eine sehr schmerzhafte Erinnerung welche mich für mein Leben geprägt hat. Mein Lebensinhalt wurden die Kinder weil ich mich auch so sehr verpflichtet fühle mit: „ich habe mir die Kinder so sehr gewünscht ich muss mich dafür würdig erweisen“. Klar total blöd aber so fühlt es sich nun mal an.

Allerdings konnte ich zwischenzeitlich für mich auch die Erkenntnis gewinnen, dass alles letztlich an mir liegt wie ich damit umgehe und das eigentliche Problem bei mir liegt. Das wie ich durch die Kinderwunschzeit ging auch daran lag was für Probleme ich vorher hatte, über die ich mir gar nicht klar war.

Früher dachte ich auch, wenn ich endlich am Ende des KiWu angelangt bin ist alles gut und vergessen. Das war für mich der größte Trugschluss. Der Kinderwunschweg, wie alle anderen Meilensteine in unserem Leben, verändert Menschen. Die einen gewinnen an innere Stärke, andere fallen in Depression wieder andere sind leer. Aber jeder Mensch hat seinen eigen Weg und anderes Gepäck und das Ergebnis ist so vielfältig wie die Anzahl derer die diesen Weg gegangen sind.

Mein Fazit: Ich kenne persönlich keinen, der gesagt hat: "Mit Geburt des Kindes war alles vergessen und ich konnte die Kinderwunschzeit hinter mir lassen".

Liebe Grüße
Murmel


2 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.07.20 12:26 von Murmel08.


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   PitPat
schrieb am 30.07.2020 23:24
Ich schließe mich zu großen Teilen murmel08 an.

Unser Sohn wird dieses Jahr 12, wir hatten einen langen und schweren Kinderwunschweg und die Geschwisterchen-Versuche blieben leider erfolglos.

Das erste Jahr mit Baby war für mich einfach nur geprägt von ANGST. Die Verantwortung für dieses Menschenleben, das wir uns so sehr gewünscht hatten, hat mich schier erschlagen. Das und die absolute Fremdbestimmung. Leider ist es mir nicht gegeben, nach nächtlichem Stillen leicht wieder einzuschlafen, ich bin im ersten Jahr herumgelaufen wie ein Zombie (obwohl unser Sohn in der Hinsicht im Rückblick ein absolut normales Kind war).
Heute glaube ich, dass ich eine postnatale Depression hatte, die niemand erkannt hat (ich war in diversen Sprechstunden, weil unser Sohn halt unruhig war...aber so unruhig war er eigentlich gar nicht, sondern er wird eher meine Not gespürt haben...ach keine Ahnung.)

Und es tut mir heute so unendlich Leid, dass das erste Jahr für mich so schwer war - ob unser Sohn etwas davon mitbekommen hat? Schwer zu sagen...

Eben auch dieser große Gedanke: Da hast Du jahrelang ALLES dafür getan, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht - also sei gefälligst jetzt auch rund um die Uhr 1000-prozentig glücklich! Dem konnte ich leider nicht gerecht werden traurig

Mist. traurig

Unser Sohn ist nach wie vor für uns das größte Geschenk, das wir nur erhalten konnten, und wir haben ein gutes Verhältnis. Aber die Kiwu-Zeit hat definitiv Spuren hinterlassen (bei mir weit mehr als bei meinem Mann - wir haben erbittert darüber gestritten, ob meine Stimmungsschwankungen während der ganzen Hormonbehandlungen nun durch die Medikamente (wenigstens teilweise) zu entschuldigen seien oder ob ich das nur als Ausrede nehmen würde...)

Was auch hochgekommen ist: Ich habe den Kontakt zu meiner Familie (vor allem zu meiner Mutter) auf ein absolutes Mindestmaß reduziert, denn erst als wir ein Kind hatten, wurde überdeutlich, dass ich in meiner Kernfamilie total überflüssig bin (drittes Kind, ungeplant). Meine Brüder warfen mir meine gesamte Lebensführung vor (nach deren Vorstellung hätte ich meinen Beruf fürs Kind ganz aufgeben sollen) und meine Mutter hätte mir am liebsten unseren Sohn ganz weggenommen, um noch mal nur ein Kind ganz nach ihren Vorstellungen zu formen (wir haben hier therapeutische Hilfe in Anspruch genommen, die uns die Situation verdeutlichte - meine Mutter kann aber bis heute nicht aus ihrer Haut).

Ohne Kind wäre die für mich unwürdige Behandlung (nie gut genug) in meiner Ursprungsfamilie wohl noch lange so weitergegangen.

Meine Familie (Mann & Sohn) sind für mich das Wichtigste überhaupt. Ich würde den Weg wieder so gehen.


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   HulksMother
schrieb am 30.07.2020 23:42
Es gibt seriöse Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass auch ein erfüllter Kinderwunsch zu posttraumatischen Störungen führen und das Mutter-Kind Verhältnis massiv belasten kann.
Die psychologische Betreuung ist leider für den ganzen Themenbereich jedoch selten gut, so dass - wie sonst auch - erwartet wird, dass man irgendwie damit klarkommen soll.
.


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   PitPat
schrieb am 31.07.2020 00:16
Zitat
HulksMother
Es gibt seriöse Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass auch ein erfüllter Kinderwunsch zu posttraumatischen Störungen führen und das Mutter-Kind Verhältnis massiv belasten kann.
Die psychologische Betreuung ist leider für den ganzen Themenbereich jedoch selten gut, so dass - wie sonst auch - erwartet wird, dass man irgendwie damit klarkommen soll.
.

Oh, das klingt ja interessant! Ja, vielleicht war es auch eine posttraumatische Störung bei mir...


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   lisa74
Status:
schrieb am 31.07.2020 11:31
Hallo,

unser Weg war auch lang (9 Jahre bis zum ersten Kind, wir haben alles mögliche ausprobiert...). Die Schwangerschaft verlief völlig "langweilig", war aber mit sehr vielen Ängsten bei mir verbunden. Dazu kommt dann, dass alle erwarten, dass man vor Freude platz, dabei hangelt man sich nur ängstlich von Arzttermin zu Arzttermin.
Erst nach der 30 Woche konnte ich die Schwangerschaft wirklich geniessen.

Die Geburt war lang, lang, lang und wenig selbstbestimmt. Ab dem Moment, wo ich ein Schmerzmittel (?) gespritzt bekommen habe, habe ich alles nur noch durch einen Nebel wahrgenommen. Die Maus selbst kam erschöpft aber ohne Probleme auf die Welt.

Die erste Zeit mit Kind war ich wahnsinnig verletzlich. Selbst ein Mittagessen bei der Oma (10 Minuten mit dem Auto) hat mich beinahe überfordert. Dabei war auch hier "objektiv" alles bestens. Ich wollte mit diesem kleinen, so lange ersehntem Wunder einfach nur zu Hause bleiben. Spatzieren, ok - aber alles andere war Stress für mich. Die erste Dienstreise meines Mannes endete mit einer fetten Brustentzündung bei mir.

Im Nachhinein würde ich da ein paar Stellschrauben anders machen und hätte schon viel, viel früher meine Hebamme kontaktieren und die ss mehr von ihr begleiten lassen sollen.


Beim Sohn war dann vieles anders. Durch die vorhandene, einjährige Tochter lief einiges nebenbei. Was mit zwar manchmal ein schlechtes Gewissen gemacht hat, dafür aber auch alles einfacher, entspannter, freier hat erleben lassen. Die ss war ohne grössere Probleme. Die Geburt ging schnell (obwohl der Mister kurz mal mit der Schulter hängen blieb), ich habe alles sehr, sehr bewusst miterleben dürfen. Das hat auch im Hinblick auf die erste Geburt viel wieder "gerade gerückt".
Das neue Baby war vom ersten Augenblick an vertraut. Da hatte ich auch keine Probleme, rauszugehen. Im Gegenteil, "Programm" zu haben tat mir gut.
Schwierig war nur der Spagat zwischen der (noch gar nicht soooo) großen Tochter, die mir ziemlich deutlich gemacht hat, dass sie das alles gar nicht so toll findet. Aber da haben wir uns schon durchgefunden.



Insgesamt bin ich natürlich sehr glücklich, dass wir diese beiden Wunschkinder haben. Aber die lange KiWu-Zeit hat bei mir, meinem Mann, bei der Partnerschaft und vermutlich auch beim Umgang mit den Kids Spuren hinterlassen. Die Zeit bis zur ersten Schwangerschaft hat mich deutlich verändert. Ob das ohne den ausgeprägten KiWu auch so gewesen wäre, ???

Ich habe auch gelernt, dass man auch von absoluten Wunschkindern genervt, angestrengt, mal überfordert sein darf. Dass es "ganz normale" Kinder sind und wir "normale" Eltern, mit allen Ecken und Kanten. Dass trotzdem nicht immer alles perfekt sein muss. Aber auch das war ein Weg, eine Entwicklung.



Wäre der Weg zu unseren Kindern einfacher und schneller gewesen, hätte es vielleicht auch noch ein drittes Kind gegeben. Aber nur mit etwas Abstand zu den anderen und das war nun einfach nicht mehr drin. Unser Alter, Kosten, Aufwand, KiWu-Mühle. Das alles könnte ich nicht mehr. Will ich nicht mehr. Eine Schwangerschaft und einen Säugling hätte ich dagegen schon noch gewollt. Das hat mich auch eine Weile ziemlich beschäftigt.
Es hat ein paar Jahre gedauert, dass zu akzeptieren. Aber inzwischen ist es gut so, wie es ist.


  Re: Erfahrungsberichte zum Leben nach erfolgreicher IVF
no avatar
   Solani2
Status:
schrieb am 31.07.2020 14:02
Ich finde diesen Thread sehr spannend. Obwohl ich durch Fügungen des Schicksals und eigenen Entscheidungen nie eine KiWu Behandlung durchlebt habe (in der KiWuKlinik war ich alleine vor Jahren), hat mich das Thema doch sehr viele Jahre beschäftigt, obwohl ich es natürlich noch mehr Jahre verdrängt habe.
Was ich beitragen will:
Die Meinung, dass man etwas mehr genießt oder schätzt, nur weil man darauf länger warten oder kämpfen müsste, ist Unsinn. Das sollte man von sich selbst auch nicht erwarten. Die Narben bleiben, bei jedem.
Jede neue Mutter unterschätzt völlig, wie verletzlich man in dem Zustand ist. Ich bin psychisch, glaube ich, recht stabil, und kann mich auch gut einschätzen. Ich habe z.B. diesen Oxytocin Nasenspray nach der Geburt (war was wegen der Gebärmutter), schnell verweigert, weil der mir offensichtlich nicht gut getan hat. Aber ich war insgesamt überrascht, wie sehr mich manche Aussagen von Krankenschwestern und Hebammen getroffen haben, die sicher nicht böse gemeint waren. Es ist eine sehr verwirrende Zeit und darauf (wie auch auf die Realität der Geburt), wird man leider nur sehr schlecht vorbereitet. Aber ich funktioniere in solchen Zeiten ganz gut, ich male mir aber auch selten genau aus, wie etwas sein wird. Weil es ohnehin immer anders kommt. Ich wäre eine miese Hochzeitsplanerin. zwinker
Dazu kommt ja, dass heutzutage sogar manche alte Männer, die nicht aus dem medizinischen oder psychologischen Bereich kommen, eine Meinung zum Thema Stillen etc. haben und die auch gerne offen kundtun. Der Druck auf neue Mütter ist einfach riesig, in einer physisch und psychisch sehr empfindsamen Lage. Mit zusätzlichem Ballast durch die Vorgeschichte wird es sicher nicht einfacher! Aber ich glaube, dass die Situation alleine schon zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen kann.




Zum Antworten klicken Sie bitte auf" "Beitrag antworten" oder "Beitrag zitieren" unter dem gewünschten Beitrag auf den Sie antworten möchten.



Bitte beachten Sie: In unseren Foren können nur allgemeine Informationen zum Inhalt der Fragen gegeben werden. Ferndiagnosen sind nicht möglich. Die Antworten sind unverbindlich und können aufgrund der räumlichen Distanz keine Beratung für den Einzelfall darstellen. Bitte wenden Sie sich dazu an die Ärztin oder den Arzt Ihres Vertrauens.

Starflower
Home | Theorie | Zentren| Bücher| Links | Forum | News | Impressum | Datenschutz

© wunschkinder.de 1998-2020