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  Gender disappointment
avatar    Nora90
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schrieb am 20.07.2020 19:12
Hi zusammen,

Ich muss das hier irgendwie posten, weil ich nie so ganz offen sein kann, noch nicht mal meinem Mann gegenüber, da kommt recht schnell bis sofort Unverständnis. Es ist generell ein Thema, was spaltet, weil manche ganz einfach nicht verstehen können, dass man über das Geschlecht des Babys unzufrieden ist. Auch diese Meinungen finde ich OK, sie zeigen ja, dass manche da einfach zufrieden sind mit dem, was sie bekommen - was so schön ist.

Vorweg möchte ich sagen, dass ich dieses Baby im Bauch bereits liebe. Was vor der Schwangerschaft unvorstellbar war (werde ich ein 2. Kind lieben?), ist bei mir nun also schon jetzt eingetreten, was ja auch super ist.

Wo ist dann das Problem? Ich hab mir halt einfach ein Mädchen gewünscht. traurig Mann, ich wäre so gerne einmal beim Ultraschall ohne ein Penisbild am Ende. Ich will einmal happy sein über das Geschlecht und beschwingt rausgehen (in Bezug auf das Geschlecht). In beiden Schwangerschaften wünschte ich mir Mädchen (Es versteht sich von selbst, dass mein 1. Sohn unersetzlich ist).
Von Anfang an hab ich mir in dieser Schwangerschaft verboten, an ein Mädchen zu denken. Nur ein einziges Mal kam ganz kurz Hoffnung auf und es war so schön. Aber ich verdrängte das schnell wieder, war ja auch gut so.

Die Endgültigkeit hat es einfach in sich, denn ein drittes Kind kann ich mir nicht vorstellen, aus so vielen Gründen, selbst das zweite war schon mehr eine Entscheidung, als ein Wunsch - für meinen Mann kam ein Einzelkind nicht in Frage. Und nun kommt wieder ein Junge ... ich habe schon unglaublich zugenommen, warum auch immer und freue mich einfach nicht, bin mit allem so unzufrieden.

Ich kämpfe seit Tagen mit den Tränen und weiß nicht, wie ich andern begegnen kann, wenn sie mich nach dem Geschlecht fragen bzw. mit den darauffolgenden Kommentaren umgehen kann, denn es kommt immer eine Art höfliche Betroffenheit, mal ein dummer Spruch. Besser wäre es vielleicht gewesen, es niemandem zu sagen oder es gar selbst nicht zu erfahren bis zur Geburt. Aber ob es das besser gemacht hätte, ist fraglich.
Kennt ihr schlagfertige Antworten darauf? traurig

Dann ist da immer noch ein Teil in mir, der hofft, dass es vielleicht falsch war, da erst 16+2. Die Hoffnung macht es aber evtl. nur noch schlimmer. Mein nächster Vorsorgetermin findet aber ausgerechnet erst sechs Wochen später statt. Mein Frauenarzt ist aber sehr erfahren und generell zurückhaltend beim Geschlecht, deswegen bezweifle ich, dass er falsch lag.

Traurige Grüße (2. Runde) und ich entschuldige mich bei jedem, dem ich mit diesem Post auf den Schlips trete, z. B. kinderlosen Frauen. Es ist wahrlich eine große Portion Egoismus in meiner derzeitigen Gefühlslage, aber dennoch stecke ich da momentan noch fest.


  Re: Gender disappointment
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   himmelblau23
schrieb am 20.07.2020 20:37
Hallo, ich weiß genau was du meinst.

Mein erster Sohn war gewünscht und erhofft als Sohn. Dann war ich wieder schwanger. Alle um mich herum waren fest der Überzeugung, bestimmt ein Mädchen, dann hast du beides wie schön.

Ich wollte es mir gar nicht sagen lassen, mein damaliger Mann wollte es wissen. Was im Nachhinein gut so war.
Freitag war Arzttermin und das Wochenende danach für mich gelaufen.

Das war so ca. 16 SSW. Ich habe dann für mich überlegt was sind denn die Vorteile.

Ganz praktisch gedacht: Kleidung, Schuhe, Spielsachen alles ist schon da. Zwei Jungs können super miteinander spielen, ob Feuerwehr, Lego, Playmobil oder Fußball, es hat immer gut gepasst.

Mit meinem 2. Mann war dann die Überlegung noch ein Kind? Ich wollte gerne wieder einen Jungen, hab ich auch von Anfang an allen so gesagt, und nie weiter drüber nachgedacht. Blöde Sprüche hat es deshalb nie gegeben, als es tatsächlich hieß ein Junge. Ich wusste und weiß was auf mich zukommt und empfinde das immer noch als großen Vorteil.

Es ist völlig normal und okay zu hadern. Die Umwelt tut ihr übriges mit dazu, aber wenn sie merken wie sehr es dir nahe geht, kommen nur blöde Sprüche. Also sag dir und ihnen welche Vorteile es gibt und mit der Zeit wirst du es selbst so sehen.

Du hast noch Zeit bis zur Geburt, und ich bin mir sicher, dass du nicht traurig sein wirst wenn du ihn das erste Mal gesund im Arm hast.


  Re: Gender disappointment
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   jennialexa
schrieb am 20.07.2020 21:57
Mein Schwager hat gesagt, als sie erfahren haben, dass sie das 3. Mädchen bekommen: "Die kann ich eh am besten!"

Vielleicht wäre das ja auch eine Antwort, wenn die Frage nach dem Geschlecht kommt: "Wir können am besten Jungen!" ich könnte mir vorstellen, dass du damit blöde Kommentare von Anfang an unterbindest....

Ich glaube übrigens auch, dass sich die Freude, nach Überwindung der anfänglichen Enttäuschung, einstellen wird.

Liebe Grüße
Jennialexa


  Re: Gender disappointment
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   Malohne
schrieb am 20.07.2020 23:55
Ich hab ein Mädchen und wurde wieder schwanger. Wünschte mir wieder ein Mädchen. US zeigte aber zuverlässig einen Jungen.
Ich hatte die ganze Schwangerschaft Probleme damit.
Hab mich immer als Mädchen-Mama gesehen und gefühlt. Hab mich nie als Jungs-Mama gesehen.
Konnte mir nicht vorstellen, einen Jungen um mich zu haben und groß zu ziehen.
(Ja, auch obwohl ich wusste dass man sich kein Geschlecht bestellen kann.)
Jungsklamotten, Jungsspiele, diese "Jämmerlichkeit" und Mama-am-Rockzipfel-hängen, die Aggressionen usw die sich halt anders zeigen als bei Mädchen.
So wie ich es immer bei anderen Jungs erlebt hatte. Ich hatte einfach eine innere Abneigung gegen kleine Jungen.
Ich hatte Sorge, dieses Kind nicht lieben zu können.
Und ich hatte fürchterliche Schuldgefühle wegen meinen Ablehnung.
Sollte ich doch dankbar sein, wenn dass Kind einfach nur gesund auf die Welt käme!

Nun, als er dann geborgen war und auf meinem Bauch lag, so liebte ich diesen kleinen Jungen vom ersten Augenblick an!
Es war halt einfach ein Baby.
Ein zauberhaftes Baby.
Mein Baby.
Die typischen Jungs-Zeichen kamen erst Stück für Stück (abgesehen vom kleinen Schnipi, der ja von Anfang an da war).
Ich hatte also Zeit, da reinzuwachsen.

Ja, die Jungsmode finde ich immer noch nicht so toll. Und mit den klassischen Jungsspielen komme ich auch nicht so klar.
Aber meinen Jungen liebe ich weiterhin sehr.

Deine Gefühle sind nicht rational.
Ich finde, alle Gefühle haben Existenzrecht.
Du darfst enttäuscht sein.
Du darfst traurig sein.
Du darfst es blöd finden, dass es kein Mädchen sondern wieder ein Junge wird.
Je mehr du versucht, deine Gefühle zu leugnen und zu verdrängen, desto eher wird sich ein innerer Groll gegen das Baby festsetzen.
Lasse lieber alles zu und raus, lass es existieren, da sein und auch wieder gehen.
Damit dein Kind später frei von alldem auf die Welt kommen kann.

Rede mit deinem Baby im Bauch, dass du jetzt all diese Gefühle durchgehst, damit du es vom ersten Moment an lieben kannst, wenn es geschlüpft ist.
Weil deine Gefühle jetzt nur was mit dir zu tun haben und überhaupt nichts mit diesem kleinen Wesen in deinem Bauch.

Die Idee mit "Jungs können wir am besten" finde ich gut.
Die männlichen Samen sind ja auch die schnelleren, ist dein Mann halt besonders flink. zwinker


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  Re: Gender disappointment
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   Malohne
schrieb am 21.07.2020 00:29
PS: Ich finde es völlig legitim, dass du bedauerst und betrauerst, kein Mädchen zu bekommen.

Keiner Tochter süße Kleidchen mit Rüschen in rosa anzuziehen, Zöpfe zu flechten, Barbie zu spielen, Schminktipps zu geben usw.
Ja, kann man alles auch mit Jungs machen, wenn sie es wollen, ist aber einfach nicht das Selbe. Und manche Mädchen interessieren sich nicht für Kleider und Co.
Trotzdem, Jungs ticken eben anders als Mädchen und umgekehrt.
Als Frau fühlt man sich meist dem eigenen Geschlecht auch näher, man fühlt sich in die eigene Kindheit rein und sieht sich als Mini-Me in der Tochter.
So wie Väter im Sohn. Das ist ja auch schön und gut so. (Im gewissen Maße.)
Und ja, auch als Frau kann man sich in Jungs und Männer einfühlen, sogar oft auch besser als Männer in Frauen und Mädchen.
Ist trotzdem nicht das Selbe.

Und ich finde, nur weil man bedauert, z.B. kein Mädchen zu bekommen, so bedeutet es ja nicht, dass man sich nicht über das kleine Lebewesen freut, das in einem heranwächst.
Klar, es ist nicht die "Geschlechtsfreude", aber nur weil der Kleine sehr wahrscheinlich ein Junge wird, so wird er nicht minder geliebt!
Zum Glück fühlen wir nicht monoton, in uns sind tausend Gefühle und die sind halt oft gegensätzlich:
Und dürfen alle sein.
Es liegt an uns, wie viel Gewicht, Bedeutung und Wertung wie den einzelnen zuweisen.


  Re: Gender disappointment
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   Hamamelis71*
schrieb am 21.07.2020 09:33
Jungs können wir besser, das finde ich gut!

Ich war damals sehr offen und das Geschlecht war mir egal. Hauptsache schwanger. Mein Sohn (12) ist sehr kuschelig, ruhig und extrem lieb. Hier läuft alles sehr friedlich und freundlich ab. Zwei Freundinnen wollten unbedingt Mädchen und haben sie auch bekommen. Aber das läuft dort überhaupt nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben. Und es kommt dort zu extremen Spannungen. Sie bemerken immer wieder, wie gut (und besser) es bei uns doch läuft, in fast allen Bereichen. Da kam die Enttäuschung also nicht in der Schwangerschaft, sondern erst später. Und das finde ich viel schwieriger, auch für die Kinder.

Das sind Deine Gefühle und in der Schwangerschaft ist die Gefühlswelt manchmal etwas komplizierter.

Alles Gute!


  Re: Gender disappointment
avatar    Nora90
Status:
schrieb am 21.07.2020 12:41
Hi,

mir geht es generell viel besser und zu 90% hab ich mit dem Thema auch abgeschlossen. Man darf die vielen Vorzüge zwei gleichgeschlechtlicher Kinder nicht unterschätzen, speziell im gemeinsamen Spiel. Da freue ich mich natürlich für meinen Sohn.

@ Himmelblau: Gut möglich, dass es mir da gehen wird wie dir. smile wäre ja schön

@ jennialexa: Die Antwort wär schon mal eine. Aber ich überleg mir noch was zwinker inzwischen geht es mir ja auch schon fast wieder gut, vllt. tut es auch ein "rosa bleibt mir erspart", da regen sich dann manche dann schön auf. Ich wars nicht

@ Malohne: Zum Glück brauche ich jetzt speziell rosa Rüschen und diesen Kram gar nicht, das zumindest geht mir null nah. Der mit Mädchen verbundene Kitsch muss für mich nicht sein. smile Hab heut morgen ein Geschenk für ein neugeborenes Mädchen gekauft und die Mädchenabteilung hat mich so gar nicht angemacht, vielleicht weil es mich nicht betrifft? Oder ich selbst in der Kindheit sehr mädchenhaft war und mich für dieses Leben ausgelebt habe? Mit war zu viel rosa da und zu wenig Abwechslung - auch wenn speziell die gepriesen wird bei den Mädchensachen, ich werds wohl nie begreifen, wie 80% rosa Abwechslung sein kann.


Liebe Grüße


  Re: Gender disappointment
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   Solani2
Status:
schrieb am 21.07.2020 16:09
Schön, dass es dir schon besser geht!
Und Schuldgefühle wegen dieser Gedanken sind sicher nicht angebracht! Es sind ja deine Gefühle und wenn man die unterdrückt, aus welchen Gründen auch immer, wird es praktisch immer nur schlimmer. Heul dich bei deinem Mann aus, auch dafür ist er da. Eine Bekannte ist mit ihrer Enttäuschung übrigens ganz offen umgegangen. Das war sehr erfrischend. Weil sie hatte ja Recht, wieso Schönreden? Das übliche "Hauptsache gesund!" kommt mir auch immer komisch gegenüber den Familien vor, die eben ein nicht gesundes Kind haben. Die lieben das Kind deshalb ja auch nicht weniger. Aber um das geht es ja nicht. Eltern würden ja auch nicht ein krankes Kind gegen ein anderes gesundes tauschen wollen. Nicht mal, wenn sie das Geschlecht mittauschen könnten.
Schlimm ist glaube ich, wenn man ein bestimmtes Geschlecht will, das Geschlecht sogar von einem Arzt bestätigt wird, aber dann doch das andere Geschlecht rauskommt. Hat's ja alles schon gegeben. Passiert Gottseidank sehr selten.


  Re: Gender disappointment
avatar    Nora90
Status:
schrieb am 21.07.2020 18:16
@ Solani: "Hauptsache gesund." ist zu einer stumpfen Phrase in unserer Gesellschaft geworden - keiner denkt da je weiter als A. Ich verwende den Spruch nie. Eben, was wenns krank ist? Auch dann ist es meins. Ich hab auch keine Nackenfaltenmessung & co. gemacht. Nicht, dass ich diese Tests schlecht finde, jedem das seine, aber das muss weh tun, wenn man eben kein gesundes hat und ständig alle mit diesem Spruch um sich werfen.


  Re: Gender disappointment
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   Blüte
schrieb am 21.07.2020 18:51
Zitat

@ Solani: "Hauptsache gesund." ist zu einer stumpfen Phrase in unserer Gesellschaft geworden - keiner denkt da je weiter als A. Ich verwende den Spruch nie. Eben, was wenns krank ist? Auch dann ist es meins. Ich hab auch keine Nackenfaltenmessung & co. gemacht. Nicht, dass ich diese Tests schlecht finde, jedem das seine, aber das muss weh tun, wenn man eben kein gesundes hat und ständig alle mit diesem Spruch um sich werfen.

Ach, ich weiß nicht.... Das ist auch wieder eine ganz eigene Interpretation des Spruchs "Hauptsache gesund".

Es kommt doch immer auf die Relation an: Wenn mein "Problem" die Frage ist, dass ich einen gesunden Jungen bekomme und eigentlich lieber ein Mädchen gehabt hätte, ist die Frage des Geschlechts, angesichts der Tatsache, dass ein Kind gesund ist... eher sekundär. Und es ist auch wurscht, ob das Kind blaue Augen hat oder braune oder nun am 24.12 geboren wird, was allgemein als kein erstrebenswertes Geburtsdatum gilt.

Der Umkehrschluss, dass ein krankes Kind nicht "meins" ist oder weniger geliebt wird oder was auch immer, erschließt sich mir nicht. JEDES Elternteil der Welt wünscht seinem Kind Gesundheit, denn nur Gesundheit ermöglicht ein relativ unbeschwertes Leben, bietet dem Kind alle Chancen, die ein Leben nun mal so bietet, schließt keine Türen, ist also ein sehr legitimer Wunsch, wie ich finde.

Mein Kind ist schwer chronisch krank und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es mir "weh" tut, dass Menschen sich gesunde Kinder wünschen. Wieso auch? Siehe oben, es ist ein sehr legitimer Wunsch. Ich würde meinem Kind das auch wünschen.
Was mich als Mutter eines kranken Kindes eher nervt und immer genervt hat, wenn die Menschen gar nicht begreifen, welch großes Glück ihrem Kind mit seiner Gesundheit (die natürlich auch nicht ewig halten muss) zuteil wurde. Wie das immer als "selbstverständlich" genommen wird. NICHTS ist selbstverständlich, gar nichts. Nicht dass man sehen, laufen, sprechen, hören kann, nichts. Es ist nicht selbstverständlich, sondern eine große Gnade.

Zur Mädchen-Jungen-Problematik:

Ich habe mir IMMER ein Mädchen gewünscht, seitdem ich ein Kind war, warum auch immer. Dann konnte ich keine Kinder bekommen und wir entschieden uns nach gescheiterten Behanldungen für eine Adoption. Jahrelanges Warten, irgendwann kam der ersehnte Anruf vom Jugendamt. Die Dame sprach immer vom "Kind", ich liebte es schon bevor ich es kannte und.. .kurz vorm Auflegen fragte ich: "Ist es ein Junge oder ein Mädchen?" Es war nämlich letztlich EGAL, es geht um das Kind, dieses eine Kind genau, der Rest ist wurscht. By the way... die Antwort lautete: "Es ist ein kleines Mädchen."


  Re: Gender disappointment
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   Viero
schrieb am 21.07.2020 20:03
Liebe Nora,
ich verstehe dich. Ich habe vier Jungs zwischen 23 und 6. Ich habe mir in jeder Schwangerschaft ein Mädchen gewünscht, schon der Abwechslung wegen.
Abwechslung habe ich jetzt trotzdem, denn sie sind alle total unterschiedlich. Ich würde immer noch gerne eine Tochter haben, aber natürlich „dazu“... niemals würde ich einen der vier Boys dafür eintauschen wollen!
Sie sind alle vier wunderbare Menschen! Und für ihr Geschlecht können sie ja nix, nicht wahr?
Ich glaube, ich kenne alle verletzenden Sprüche, die man sich als Jungsmama so anhören muss. Manchmal habe ich es geschafft, zu kontern, manchmal nicht.
Eine Auswahl:
„Oh...(betroffener Blick) wieder nur ein Junge, du Arme!“
„Naja, du bist ja Kummer gewohnt.“
„Das ist schlimm, wie geht es dir damit?“ usw. in der Preisklasse und am Besten: „ Ach je, hoffentlich kriegst du nette Schwiegertöchter, sonst wirst du im Alter alleine sein.“
Ich habe dann zum Beispiel geantwortet: „ ich bekomme ein Kind, keine Altersvorsorge“ oder auch: „ ich mag die Kids trotzdem“ oder auch pampig: „ Ja und nun? Zurückgeben geht leider nicht“ oder ähnliches.
Erstaunlich fand ich, dass diese Sprüche nur von Frauen kamen. Auch von Frauen, die selber einen Sohn haben. Da hat dann oft geholfen, zu fragen, ob sie ihren Sohn weniger lieben als ihre Tochter weil er das falsche Geschlecht hat.
Oft haben sich dann daraus aber auch gute Gespräche entwickelt. Viele sagen so etwas auch gedankenlos und weil glaube ich alle das Ideal von Vater, Mutter, Sohn, Tochter im Kopf haben. Viele denken auch, Jungs seien anstrengender und haben deshalb Mitleid.
Fühl dich gedrückt, du wirst eine tolle Familie haben und wer es wagt, solche Sprüche zu machen, sollte auch mit einer direkten Antwort konfrontiert werden.
Liebe Grüße


  Re: Gender disappointment
avatar    Nora90
Status:
schrieb am 21.07.2020 23:21
@ Blüte: Ja, ist meine eigene Interpretation, natürlich. Der Spruch kommt halt immer. Ist doch klar, dass man sich selbst und jedem anderen wünscht, dass die Kinder gesund sind. Du hast aber auch recht, dass es als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Mir geht es auch so, dass ich generell zu wenig zu schätzen weiß, wie toll es ist, ein gesundes Kind zu haben und vielleicht jetzt auch wieder das Glück habe, dass es gesund ist. Ich wünsche dir und eurer Tochter weiterhin alles Gute.

@ Viero: Manche scheinen es wohl tatsächlich zu übertreiben mit den Sprüchen, da wird es dann schon unverschämt. Vielleicht sollte man es dann einfach direkt sagen: Wieso so unverschämt?
smile


LG


  Re: Gender disappointment
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   JungsMami
schrieb am 23.07.2020 11:22
Ich habe mir immer einen Jungen gewünscht. Am liebsten drei. Ich konnte mir nie ein Mädchen vorstellen.

Als ich zum ersten Mal schwanger war und es hieß, es wird ein Junge, war ich im siebten Himmel. Es war so stimmig, so perfekt. Leider hatte ich ihn sehr früh verloren. Als ich zum zweiten mal schwanger wurde, wollte ich bloß, dass das Kind gesund und lebendig zur Welt kommt. Junge, Mädchen, egal. Der Schock nach der ersten Geburt war zu groß, um wählerisch zu sein. Es wurde wieder ein Junge, gesund und lebendig und ich konnte mein Glück kaum fassen. Dann wurde ich zum dritten Mal schwanger. Ich ließ Harmony-Test machen, um Down-Syndrom auszuschließen, gleichzeitig konnte man auch sehr früh das Geschlecht zu 99% bestimmen lassen. Als ich in der Praxis anrief, um nach Ergebnis zu fragen, war ich natürlich sehr erleichtert, als es hieß, das Kind sei gesund. Die zweite Frage nach Geschlecht war aber für mich von der Anspannung fast noch schlimmer. Ich hatte Angst, man sagt mir, es wird ein Mädchen. Ich wollte es echt ganz früh und sicher wissen. Denn bei einem Mädchen wollte ich viel Zeit haben, um mich damit zu arrangieren und es zu akzeptieren. Zum Glück hieß es, es wird ein Junge.

Jetzt habe ich also zwei Erdenjungs (und einen Sternensohn). Es ist perfekt, ich weine immer noch manchmal vor Glück, so schön es ist. Ich kann es überhaupt nicht verstehen, wie man es anders haben möchte smile Wenn ich in der Stadt unterwegs bin und Familien mit zwei Mädchen sehe, dann denke ich immer "Oh, die Armen". Für mich ist es auch so. Ich bemitleide sie wirklich, das wäre für mich so eine kleine persönliche Katastrophe mit zwei Töchtern.

Wenn ich von jemanden wegen zwei Jungs bemitleidet werde, kann ich gar nicht nachvollziehen. Das ist soooooo gewollt und sooooo gewünscht und soooo toll. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, wie man sich ein Mädchen wünschen kann.

Ich will damit sagen, dass es auch anders rum gibt. Solche wie ich, die sich im Stillen denken, zwei Jungs, wie toll. Sie sagen es Dir vielleicht nicht, aber sie beneiden Dich dafür. Bevor ich Kinder hatte, hatte ich jede Mutter beneidet. Aber besonders die Mütter von Jungs. Nur Jungs.


  Re: Gender disappointment
avatar    Nora90
Status:
schrieb am 23.07.2020 14:43
@ JungsMami: Zunächst tut es mir leid, dass du dein erstes Kind verloren hast. Das muss schrecklich sein.

Was das Wunschgeschlecht angeht, gibt es halt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen uns: Du hast es immer bekommen, ich nie. Es geht ja nicht darum, ob das Wunschgeschlecht Mädchen oder Junge ist, sondern darum, enttäuscht zu sein, weil es nicht das ist, worauf man gehofft hatte. Ich wollte in beiden Schwangerschaften ein Mädchen, nun wird es wohl - wieder - ein Junge. Das wäre, als hättest du nur Töchter.

Rückblickend erscheint mir die Präferenz in der ersten Schwangerschaft als lächerlich, wo ich meinen Sohn so sehr liebe - ein wirklich tolles Kind, kein Mädchen könnte mir ihn ersetzen, nicht mal wenn das zweite nun ein Mädchen wäre, könnte ich mir diese Liebe ein zweites Mal vorstellen. Und ich bin auch stolz, einen Sohn zu haben. Auch dem zweiten fühle ich mich bereits sehr verbunden, es scheitert nicht an der Liebe am Ende, nur eben daran, nie die gewünschte Tochter zu haben

Dennoch werde ich damit gut klar kommen, denn "schlimm" ist das wahrlich nicht. Es gibt Paare, die niemals Kinder bekommen nach langem Kinderwunschweg und dagegen ist gender disappointment ein Luxusproblem, ebenso im Vergleich zu Eltern, die ihre Kinder verloren haben.


Liebe Grüße


  Re: Gender disappointment
no avatar
   MamaHH
Status:
schrieb am 23.07.2020 21:24
Hallo Nora,

Kann ich voll nachvollziehen. "Mein Mann kann nur Jungs" ist auch unser Spruch. Wobei ich es schon unverschämt von anderen finde sich da überhaupt zu äußern.

Ich bin ab dem ersten Blick verliebt in den Zweiten gewesen. Wird bei Dir nicht anders sein. Und inzwischen bin ich froh zwei Jungs zu haben. Die beiden toben wild rum und sind ein Herz und eine Seele. Und sie zicken nicht so viel wie gleichaltrige Mädels. Ausserdem sparst Du jede Menge Geld. Ich hab mich immer gefreut, wenn ich die "alten" Sachen rausholen konnte. Und der kleine freut sich als wären sie neu. Meine haben übrigens auch mit Puppen gespielt. Meine alte Babypuppe wurde liebevoll umsorgt und von den Nachbarmädels haben wir uns einen Puppenwagen geliehen. Perlen fädeln mögen sie auch. Bekommst Du später viele Ketten. Ich kann Dich verstehen, aber aus eigener Erfahrung sagen. Jungsmama sein ist super! Und weil ich ja das Mädchen bin, dekorieren sie mir zum Geburtstag immer alles mit rosa Flamingos. Und sind immer sehr nett zu mir. 🙂

Ich wünsche Dir noch eine schöne Schwangerschaft!




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