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   Ohneviele
schrieb am 19.06.2020 22:23
Ich muss mir einfach mal was von der Seele schreiben, was mich sehr belastet.

Ich habe in den letzten Jahren einige Schickalsschläge hinnehmen müssen. Das geht vielen so und ich kann damit umgehen. Das, und die Tatsache des Alters (ü40) bringt aber eine gewisse Reflektion mit sich, was ja auch gar nicht schlecht ist.

Nun Zum Punkt. Ich habe ein paar Bekannte, mit denen ich alle paar Monate mal was mache. Die Gespräche sind da nett, aber oberflächlich weil wir uns eher nicht so ähnlich sind. Aber sie sind sehr nett. Dazu gibt es drei Freundinnen (alle mehr als 17 Jahre lang schon).

Die erste ist mit ihren Kindern (Kleinkinder) und Job sehr ausgelastet, treffen beschränken sich so auf 2-3 Stunden ca. Alle drei Wochen. Als Familien machen wir gar nichts zusammen. Nur wir Frauen mit den Kindern. Allerdings sind meine schon älter (10 und 12) und da muss man immer schauen wie das hinpasst.

Die zweite; da passt es vom Wesen der Kinder leider gar nicht, deswegen treffen wir uns alle paar Monate alleine abends (wir wohnen aber relativ weit auseinander).

Die dritte, tja. Sie wohnt weit entfernt so dass treffen nur ganz wenige Male pro Jahr möglich sind, und dann nur zu ihren Bedingungen. D.h. Nur an einem Datum welches ihr absolut passt und keinerlei Kompromiss von ihr erfordert. Das ist tatsächlich so und sie freut sich immer sehr auf unsere gemeinsame Zeit, das sagt sie auch und man merkt es. Kontakte sonst, Telefon oder sms gibt es nicht (sie hat keine Zeit und so weiter). Das war bisher kein Problem weil ich flexibel war und fast jedes Datum möglich gemacht habe. Das geht jetzt aus organisatorischen Gründen nicht mehr so und jetzt tritt einfach das ganze so offen zu Tage.
Ich habe diese Freundschaft daher für mich schon unter „bekannte“ abgelegt. Aber es schmerzt.
Ansprechen bringt nichts, habe ich versucht. Wenn es an ihren passenden Daten im Jahr nicht geht bei mir (meist gibt es drei Daten pro Jahr an denen sie Zeit hätte) - dann eben nicht. Und diese Erkenntnis stecke ich nicht so leicht weg. Mir ist das in den Jahren davor nicht so aufgefallen bzw. Es war ja kein Problem. Jetzt ist es eines und ich merke, dass ihr nichts daran liegt das zu ändern. Von den erwähnten Schicksalsschlägen habe ich ihr teilweise gar nichts mehr gesagt, wann auch. Warum auch.

So. Der Punkt ist jetzt, dass mir wirklich gute, unkomplizierte Freundschaften fehlen. Ich lerne natürlich ab und zu nette Frauen kennen, deren Kinder sind aber meist viel jünger und daher ist mittags etwas zusammen machen oft schwierig, bzw irgendwie macht man es dann wohl einfach nicht.

Ich hab das Gefühl jeder schaut eher erst ob es mit den Kindern altersmäßig passt und wählt Kontakte danach aus.

Nein ich will kein Hobby im Verein, ich will mich auch abends nicht irgendwohin schleppen und Sport machen oder Yoga. Aber trotzdem, mir fehlen sozusagen einerseits Freunde, bei denen es als Familie passt und Freunde, mit denen man durch dick und dünn gehen kann.

Einzig meine Schwester mit erwachsenen Kindern ist so jemand.

Ich habe auch eine total nette Arbeitskollegin, wir erzählen uns sehr private Dinge, aber der Kontakt beschränkt sich bisher doch auf die Arbeit bzw die Pausen und Mails, war wegen corona ja nun sowieso nicht anders möglich.

Wir haben auch eine nette Familie kennengelernt, wohnen aber weit auseinander und treffen muss man dann sehr gut planen.

Vielleicht ist das einfach so? Vielleicht geht es vielen so? Oder auch nicht? Ach keine Ahnung.

Ich habe einfach das Gefühl, Kontakte werden seltener aus verschiedenen lebensumständen heraus und neue kommen eben wenige dazu. Und wenn dann so alte Freundschaften sich verändern, dann finde ich die Erkenntnis besonders ernüchternd.

Ich weiß nicht mal was ich jetzt gerne lesen würde, vielleicht Meinungen, Erfahrungen. Hm...


  Re: Freundschaften
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   Hamamelis71*
schrieb am 20.06.2020 10:51
Aber ist das nicht der Lauf des Lebens, den Du gerade beschreibst?

Lebensumstände ändern sich, Freundschaften auch.

Ich habe auch einige langjährige Freundschaften, viele mit älteren Kindern, einige ohne Kinder. Da sind die Themen natürlich andere, aber die Verbindung bleibt.

Mittlerweile habe ich in der Nachbarschaft eine nette Freundin, das ist herrlich unkompliziert. Und wir sehen uns manchmal länger nicht. Und wenn wir dann telefonieren oder uns mal treffen, dann ist das so, als hätten wir uns erst gestern gesehen.

Ich mag mir meine Zeit nicht so verplanen und ich hetze nicht mehr gerne durch den Tag, ich gehe auch nicht so gerne ins Kino, ich gehe gerne Spazieren oder Pizza essen. Im Moment ist das ja sowieso etwas komplizierter. außerdem gehe ich abends gerne mit meinem Mann spazieren, um uns mal in Ruhe zu unterhalten.

Eine langjährige Freundin ist immer total gehetzt, obwohl 2 von 3 Kindern aus dem Haus sind und Kinder Nummer 3 auch fast volljährig ist. Aber wir telefonieren ab und zu und sehen uns ein paar Mal im Jahr. Mich nervt es, wenn sie beim Telefonieren immer so gehetzt ist - warum auch immer. Soviel arbeitet sie nicht und die Kinder sind auch kein Thema mehr. Aber das akzeptiere ich so. Dafür habe ich zu ihrem Sohn jetzt viel Kontakt.

Über verschiedene Freizeitaktivitäten und den Schulwechsel meines Sohnes auf das Gymnasium (mein Sohn ist mit den Kindern nicht befreundet) habe ich im Laufe der Zeit sehr nette Frauen kennengelernt. Das sind Leute, die sehr unkompliziert sind, das mag ich.

Mein Leben ist nicht langweilig und Kontakte habe ich auch genug. Manchmal mehr Kontakte, als ich Zeit habe zum Treffen.

Allerdings habe ich keine Erwartung, das es Treffen mit kompletten Familien gibt. Das ist doch schon sehr illusorisch, dass das für Mann Frau Kinder passt. Wenn es so etwas gibt, super. Und wenn nicht, dann ist das halt so. Und die Interessen der Kinder verändern sich doch sehr im Laufe der Jahre. Deine Kinder sind 10 und 12 Jahre alt, die haben eigene Freunde und eigene Interessen. Bald sind da Treffen mit anderen Familien nicht wirklich interessant.

Ich habe auch Mütter, da treffen wir uns nur mit den Kindern, das muss man sich doch nicht mit der kompletten Familie treffen. Mit einer Familie könnte es tatsächlich passen, da unsere Männer identische Freizeitaktivitäten haben, aber aufgrund Corona haben wir uns nicht getroffen. Aber meinem Mann ist auch nicht langweilig, der hat genug Entertainment auf der Arbeit, der hat in der Freizeit am liebsten Familie und seine Ruhe - ihm fehlt eher Zeit für sich.

Im Herbst nächsten Jahres werde ich 50. Da habe ich mal überlegt, wie ich feiern könnte. Ich bin nicht so für große Geburtstagsfeiern. so aus dem Bauch raus würde ich lieber mehrmals feiern, mit unterschiedlichen Grüppchen. Einmal mit einem Kreis von alten Freunden, dann mit einem anderen Paar inkl. unseren Junggesellen und dann mit meinen Frauen, die ich aus verschiedenen Situationen kenne. Ich glaube, das würde mir Freude machen. Mein Mann möchte eigentlich gar nicht seinen 50. Geburtstag feiern. Aber das ist ja seine Entscheidung

Freundschaften finden sich und verändern sich im Laufe der Zeit. Man muss sehen, was man daraus macht und Freundschaften muss man auch pflegen und man muss akzeptieren, dass sich Leute und Interessen ändern.

Ich bin gespannt, was andere Frauen hier schreiben! Spannendes Thema!


  Re: Freundschaften
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   Merle_77
schrieb am 20.06.2020 14:06
Also bei mir sind die Aktivitäten mit Freunden nach und nach weniger geworden. Ich glaube, die Lebensumstände haben sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt und die verfügbare Zeit scheint bei allen immer weniger zu werden. Die meisten Freunde haben inzwischen Kinder, die immer mehr eigene Freundschaften und Interessen entwickeln, so dass wenig Zeit für Treffen mit uns "Kinderlosen" besteht. Kann aber gar nicht sagen, dass mich das stört. Ich selbst habe lange Zeit viel Kraft in die Kinderwunschbehandlung gesteckt und bin inzwischen dabei, beruflich nochmal neu durchzustarten. Bin dann froh, wenn ich einfach mal Pause habe und brauche diese Zeit für mich selbst. Da beschränken sich Freundschaften auf Telefonate und seltene Treffen. Finde ich aber auch nicht schlimm. Bestimmt kommt irgendwann wieder eine andere Phase...


  Re: Freundschaften
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   Chorus
Status:
schrieb am 20.06.2020 20:13
Mir geht es leider auch so, ich war mal die mit einem intensiven Freundinnen-Kreis, wir waren 6 Freundinnen (inkl. meiner Schwester) -und was soll ich sagen, alle haben jetzt Kinder, außer ich...

Es ist schon so, dass ich sie hin und wieder mal sehe, witzigerweise am ehesten die, zu der ich früher mal am wenigsten Kontakt hatte, weil sie eher eine Freundin meiner Schwester war.

Es ist schon ein bißchen blöd, andererseits habe ich ja jetzt auch einen Mann, der mir nie von der Seite weicht, Eltern in der Nähe, und natürlich auch Kontakte bei der Arbeit.

Es haben sich immer mal wieder Freundschaften mit Frauen angebahnt, vom Chor, Gitarre etc, aber das hat sich immer dann aufgelöst, wenn jemand das Hobby geschmissen hat.

Ich glaube einfach, dass dieses Alter sehr schwierig ist für Freundschaften, einfach wegen der Kinder/nicht Kinder, den Lebenssituationen...

Hoffe sehr darauf, dass sich im Alter alles wieder ändern wird, Kinder ziehen aus, und vielleicht ist die eine oder andere Frau wieder alleine.


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  Re: Freundschaften
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   Ohneviele
schrieb am 20.06.2020 21:49
Ich habe auch kinderlose Freundinnen und mit denen läuft es auch gut, allerdings liegen immer so zwischen 70 und 160 km zwischen uns. Vor Ort für z. B. Spontane Unternehmungen ist es aber eben leider nichts.

Aber ich glaube mein Hauptpunkt ist wirklich diese eine, sehr kompromisslose Freundin. Wir kennen uns über 20 Jahre. Und dann zu erkennen dass man 3 Termine pro Jahr für ein Treffen genannt bekommt und sonst passt es für sie nicht und es fällt dann hinten runter, ist einfach wirklich ernüchternd. Da entsteht schon das Gefühl, immer mehr gegeben zu haben und jetzt wo sie eher mit Kompromissen dran wäre, geht da rein gar nichts.
Das sehe im übrigen nicht nur ich so, sondern zwei weitere Freundinnen ebenso, die bei den Treffen dabei sind. Es ist also nicht meine subjektive Einschätzung ihres verhaltens. Da es sonst mit ihr keinen Kontakt zwischendurch gibt habe ich einfach auch das Gefühl, dass wir zu wenig von uns gegenseitig mitbekommen. Aber ein einseitiges Engagement hat einfach nach so langer Zeit auch Grenzen für mich. Die anderen nehmen es hin nach dem Motto „besser als nichts“. Nur ich kann das irgendwie nicht so einfach.


  Re: Freundschaften
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   Solani2
Status:
schrieb am 21.06.2020 07:26
Man sollte Machtkämpfe innerhalb von Freundschaften nicht unterschätzen. Kompromisslos zu sein in Terminfragen ist so ein Machtspielchen. Du hast Recht, wenn du das dann als Bekanntschaft siehst. Ich bezweifle, dass diese Bekannte überhaupt fähig ist, echt Freundschaften zu haben. Manche können das einfach nicht. Die große Freude beim Wiedersehen ist leider oft nicht so richtig echt...
Ich habe viele gute Bekannte, aber nur sehr sehr wenige Freunde. Für mich ist das normal. Es hat sich auch so ergeben, dass nur ein Freund noch in der Nähe wohnt. Das ändert nichts und ich werde in ein paar Jahren auch wieder flexibler verfügbar sein als jetzt mit kleinem Kind. Für tiefere Gespräche ist ja auch keine Zeit, wenn das Kleinkind beaufsichtigt werden muss. Aber ich telefoniere konzentriert und zuverlässig. Ein echter Freund würde mir das auch nicht vorwerfen, davon bin ich jedenfalls überzeugt.
In der Altersfrage würde ich mich auch nicht versteifen. Ich treffe mich öfter mit einer Nachbarin, die ein etwas älteres Kind hat. Die Tochter hat Spaß daran, meinen Kleinen zu unterhalten, dass trifft sich natürlich gut. Vielleicht wird eine echte Freundschaft daraus, vielleicht nicht. Wer weiß das schon?
Ich wünsche dir jedenfalls viel Glück, dass du weiter nette Bekanntschaften machst!


  Re: Freundschaften
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   Hamamelis71*
schrieb am 21.06.2020 09:34
Also wenn diese Freundin immer so kompliziert und unflexibel ist, dann würde ich mich gedanklich von ihr verabschieden. Trefft Euch 3x im Jahr, aber erwarte von ihr nichts mehr. Dann wirst Du auch nicht enttäuscht. Und diese Erkenntnis tut halt weh, wenn man feststellt, dass sich die Zeit ändert.

Ich habe zwei gute kinderlose Freundinnen, die haben ein tolles unterhaltsames ausgefülltes Leben ohne Mann und Kind (war alles mal ganz anders geplant), da sind Treffen auch nicht so einfach, aber immer sehr schön und lustig. Ich bin in der Situation allerdings die Spontanere, da beide ein zeitintensives Hobby haben. Da weiß ich, dass sie immer Treffen möglich machen, aber ich muss in dem Fall unterordnen. Sie arbeiten Vollzeit und haben danach noch Tiere zu versorgen und sind im Ehrenamt aktiv. Da habe ich natürlich mehr Zeit, da ich mittags zu Hause bin und dann nur noch Kind, Home Schooling, Haushalt usw. habe.

Es kommt also auch immer auf die individuelle Lebenssituation der Freundinnen drauf an. Du hast das im Blick und kannst das beurteilen. Und wenn Du das Gefühl hast, dass Du/Ihr ihr nicht mehr so wichtig seid, dann nimm dies als Bekanntschaft hin, auch wenn es im Herzen sticht.

Ich hatte mal zwei gute Freundinnen (mit Kindern), als ich noch kinderlos war und Vollzeit gearbeitet habe. Ich war immer verfügbar und spontan, auch für die Kinderbetreuung. Aber beide haben mich extrem enttäuscht, als ich sie einmal im Leben eingeplant hatte (vorher alles abgestimmt). Und mir haben sie dann noch "Vorhaltungen" gemacht, dass ich mehr Leute hätte einplanen müssen. Wenn die beiden Damen sich an die Vereinbarung gehalten hätten, da wären wir mehr als genug Leute gewesen... Dafür haben sich andere Leute engagiert mit denen wir eigentlich nicht so einen guten Kontakt hatten. Im Nachgang sind die beiden Damen sehr kompliziert und nicht belastbar. Eigentlich ist es gut für mich, dass sie mich jetzt nicht mehr mit ihren Problemen behelligen. Solche Erkenntnisse sind auch gut.


  Re: Freundschaften
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   Viktoria1
schrieb am 21.06.2020 10:55
Ich finde den Gedanken zu den Machtspielchen sehr wichtig. Letzen Endes sind bei mir zwei langjährige Freundschaften daran gescheitert, dass ich nicht mehr mitgespielt habe. Die eine Freundin wollte, dass ich immer zu ihr komme, weil sie so wenig Zeit hat und alles für sie so schwierig sei Warum es für mich leichter sein sollte war mir nicht klar....

Tief in mir drin glaube ich, dass sie nicht damit zurechtkommt, dass ich beruflich mehr erreicht habe als sie. Ich habe es nie heraushängen lassen, und sie wusste es auch gar nicht, aber irgendwann hat sie es herausbekommen, und seit dem war alles anders.....sie ist halt der Typ, der immer am am erfolgreichsten, am schönsten, am perfektesten sein muss. Die Partykönigin.....

Nun gut.

Auch die andere langjährige Freundschaft ist daran gescheitert, dass sie die Bedingungen gestellt hat. Seitdem klar war, dass ich gewisse Fahrdienste bzgl. ihrer Kinder nicht mehr übernehmen kann (Beruf), hat sie erst geschmollt und mir dann Dinge an den Kopf geknallt, die kaum zu glauben waren.

Da habe ich dran geknabbert, aber nun gut....

Gute Bekannte habe ich einige. Freunde kommen, Freunde gehen....das trifft auf mein Leben zu. Früher sah ich das anders und war dann sehr traurig. Inzwischen bin ich da abgeklärter.

Aber die Erwartungen an Freundschaften sind auch unterschiedlich.

Mein Leben ist mit zwei Kindern und Vollzeitjob auch gut ausgefüllt.


  Re: Freundschaften
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   pmami
schrieb am 21.06.2020 11:35
Hallo Ohneviele,

ich hatte eine Freundin, die mehr als zwanzig Jahre lang meine beste Freundin war. Wir haben zusammen studiert, zusammen unseren Abschluss gemacht, und uns mehrmals die Woche gesehen. Das war auch noch so, als erst sie und dann ich ein Kind bekamen. Ich war die Patentante ihrer Tochter. Sie war die Patentante meines Sohnes. Ich habe sie begleitet und unterstützt, als ihre Eltern starben und sie mich, als mein Vater starb.

Dann kam für mich ein weiteres Kind als ihre Kinder aus dem Gröbsten heraus waren und sie sich auf ihre Karriere konzentrierte. Gleichzeitig zog sie in eine 400 Kilometer entfernte Stadt. Für zwei oder drei Jahre versuchten wir den Kontakt aufrecht zu erhalten. Das war schwierig, weil unserer Lebensrythmen so unterschiedlich waren. Dann stritten wir uns über ein abgesagtes Treffen und sprachen ein Jahr lang kein Wort mehr miteinander. Nach einem Jahr kam sie auf mich zu und sagte, sie möchte wieder an unsere Freundschaft anknüpfen.

Wir haben es beide versucht. Es hat nicht sollen sein. Wir hatten uns schlicht und ergreifend nichts mehr zu sagen. Es gab keinen weiteren Streit. Der Kontakt schlief von beiden Seiten ein und wir haben inzwischen seit mehreren Jahren nichts mehr voneinander gehört. Ich habe das akzeptiert als Lauf den Lebens. Alles ist im Fluss. Dinge ändern sich. Auch Freundschaften. Es tut mir nicht mehr weh, dass ich diese Freundschaft losgelassen habe. Mir ist klar, dass es unabänderlich war.

Was mir weh tut, ist, dass mir klar ist, dass ich nie wieder eine so enge Freundschaft haben werde. Wir haben uns durch so viele Phasen des Lebens begleitet. Dass kann ich mit jemand anderem gar nicht mehr erleben. Aber auch das ist etwas, was ich akzeptiert habe. Mit Wehmut zwar und Bedauern, aber ich habe es akzeptiert.

Ich habe eine andere Freudnin, die ich ebenfalls zwanzig Jahre kenne. Früher haben wir uns jede Woche gesehen und waren gemeinsam im Urlaub. Jetzt sehen wir uns zweimal im Jahr. An ihrem Geburtstag und an meinem Geburtstag gehen wir jeweils einen Aperol Spritz trinken. Das ist so eine Art neue Tradition geworden. Auch wenn dies nur zweimal pro Jahr ist, ist es immer so, als hätten wir uns gerade erst gestern zuletzt gesehen. Das geht auch und kann auch genügen.

Viele Grüße pmami


  Re: Freundschaften
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   Chorus
Status:
schrieb am 21.06.2020 14:26
Nie Zeit zu haben, ist, wenn ich es recht überlege, auch schon eine Art Ansage. Wenn man jemanden wirklich treffen will, dann schaufelt man sich halt irgendwann mal einen Termin frei, nimmt halt die Kinder mit zum Treffen, lädt die Person zu einem anderen/näheren Ort ein usw. Wo ein Wille, da ein Weg, wo kein Wille, da gibt es Hindernisse.

Vielleicht sollte man es bei Freundinnen machen wie damals bei Dates mit den Männern. Nur mit denen treffen, die auch wirklich wollen, und natürlich, wenn man selber auch will. Man könnte ja auch sagen, dass man "Single in Sachen Freundschaften" ist.

Was auf mich tatsächlich beinahe zutrifft, das allererste Mal im Leben seit dem Kindergarten, ja, ich bin auch ein wenig selber schuld, teilweise hat mich aber die Kinderwunsch-Geschichte entfremdet, ich wollte einfach nicht immer die einzige ohne Kinder sein, und war auch etwas depressiv wegen der ganzen unglücklichen KiWu-Geschichte... aber das ist jetzt meine ganz eigene Geschichte, bei dir mag es ganz was anderes sein.

Ich denke, wenn sich etwas im Leben ändert, wird es wieder was werden mit Frauen-Freundschaften.


  Re: Freundschaften
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   Nessa15
schrieb am 21.06.2020 20:05
Ich finde bei Freundschaften ist es oft wirklich schwierig wenn man sich in ganz unterschiedlichen Lebensstadien befindet.

In meinem Freundeskreis bin ich die Erste mit Mann und Kind. Von meinen drei Freundinnen (alle anderen würde ich als Bekannte bezeichnen) wird die eine gerade erst sesshaft und zieht mit ihrem Freund zusammen, die anderen sind noch Singles und verbringen den Großteil ihrer Zeit natürlich mit Arbeit, div. Freizeitaktivitäten und Party am Wochenende. Ich versuche auch so oft es geht mitzukommen aber mehr als ein bis zweimal im Monat reicht es mir einfach nicht. Natürlich sehen sich die andren im Moment öfter, sind sich wahrscheinlich auch emotional näher als mir. Aber ich glaube das wird sich mit den Jahren auch wieder geben und verändern, in der Zwischenzeit treffe ich mich sehr gerne mit den Müttern von Luises Freundinnen und genieße dort die vielen Gemeinsamkeiten.


  Re: Freundschaften
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   Ohneviele
schrieb am 22.06.2020 17:00
Vielen Dank für Eure Antworten!

Über solche „Machtspielchen“ in Freundschaften habe ich noch nie so im Detail nachgedacht. Ich habe eigentlich gar keinen Nerv für sowas. Das sind genau so „Frauensachen“, die mich anstrengen.

Ich habe das auch falsch ausgedrückt; besagte Freundin nennt 3 Termine um ein einziges Treffen (pro Jahr) zu verabreden. Es geht nicht um drei Treffen im Jahr. Wobei ich denke, auch drei treffen kann man hinbekommen wenn man möchte.

Aber ich glaube eben, ich muss da einfach Umdenken. Mit Freundschaft hat das nicht mehr so viel zu tun. Ich kriege im Moment einfach noch nicht ganz die Kurve, das so zu sehen.

Ja vielleicht ist es tatsächlich so, dass sich das manchmal so verändert. Man lernt mit 40 eben auch nicht mehr die Masse an Leuten kennen in der man dann jemanden findet, sondern die Freundeskreise bzw. Veranstaltungen sind eher übersichtlicher.


  Re: Freundschaften
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   Chorus
Status:
schrieb am 23.06.2020 19:36
Hoffe doch sehr, dass sich die ganze Geschichte wieder ändert, ich glaube schon, dass Freunschaften im Rentenalter wieder interessant werden könnten... schließlich leben Frauen durchschnitllich länger als Männer und sind meist etwas sozialer veranlagt.

Als kinderlose Frau betrifft mich das Thema doch schon sehr, so ungern ich es zugebe. Zwar können sich Frauen mit Kindern nicht darauf verlassen, dass ihre Nachkommen sie öfters besuchen oder auch nur in der Nähe wohnen, aber dennoch ist es schon eine gewisse leichte Absicherung - auch wenn ich das früher nie so gesehen habe, beneide ich da Frauen mit Kindern.


  Re: Freundschaften
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   KiWuline15
schrieb am 23.06.2020 22:24
Ich muss ehrlich sagen, mit Menschen, die nie Zeit haben bzw man länger über ein mögliches Treffen diskutieren muss, als man sich treffen würde, will ich mich nicht allzu lang beschäftigen:-/ Es ist wahnsinnig mühsam, immer wieder zu hören, dass man sich iiiirgendwann mal trifft und man ja so eingespannt ist. Hm... ja, solche Phasen gibt es, aber ein treffen im jahr/alle 6 Monate o.ä. sollte bei einer Freundschaft drin sein bzw. da sollte man sich Die Zeit nehmen... da ist das hobby/ehrenamt/andere muttis der Freunde der Kinder vielleicht wichtiger? Das würde mir zu denken geben...
So geht es uns mit 2 befreundeten Paaren. Wir haben zusammen studiert, erste Jobs begleitet, die Männer waren Trauzeugen untereinander. Eine eingeschworene Gemeinschaft. Dann kamen die Kinder. Und die Karriere. Und jetzt hat niemand mehr Zeit. Nicht für Kaffee trinken, nicht gartenfest, nicht kneipenabrbde o.ä. kein Treffen aufcdem Spielplatz. Die Kinder sind zwar etwas auseinander, aber spielen wäre möglich... eine der Frauen war zwischendurch ohne Job- auch als Hausfrau war nie Zeit. Wir haben irgendwann nicht mehr nachvtreffen gefragt. Dauern zu hören bekommen, ich hab keine Zeit ist doof... ich will es nicht ausschließen, dass wir wieder zueinander finden, aber derzeit liegt es auf Eis...
Im weiteren habe ich einige Freundinnen, die ich seit der Grundschule kenne. Wir waren dann zwar an unterschiedlichen weiterführenden Schulen, haben aber immer durch ein gemeinsames Hobby unsere treffen gehabt. Hier haben wir es immer wieder geschafft, alle paar Wochen ein treffen zu organisieren. Das ging immer, trotz Schichtarbeit bei der einen, früh Kindern brivder anderen, Kinder bei den restlichen später, Karriere bei der nächsten.
Aus dieser mädchenfreundschaft habe ich mich zurückgezogen. Eine meiner Freundinnen hat mich tief verletzt- und wir konnten es nicht klären.
Hier geht es mir wie pmami: ich weiß, so etwas werde ich nie wieder haben. Solch innige Freundschaften, wir haben soooo viel von den anderen mitbekommen. Das prägt.

Ich habe das Gefühl, es ist eine generationenfrage... wenn ich euch so lese...
Meine Eltern haben eine "Clique " - seit 60 Jahren. Die Männer kennen sich aus der Schulzeit, die Frauen kamen irgendwann dazu. 6 Paare, alle haben Kinder, früher wurde viel gefeiert, als wir klein waren, tlw. mit uns. Die Familien kennen sich, zum Geburtstag wird IMMER gratuliert, runde werden groß gefeiert, Paare wohnen tlw. 500 km auseinander. Wenn keine Feier ansteht, organisiert einer ein gartenfest. Nicht häufig, 1x im Jahr. Aber der Kontakt wird gehalten. Seit Jahrzehnten. Geburtstages werden nicht vergessen, als Großeltern verstorben sind (also die Eltern meiner eltern) - war es eine Selbstverständlichkeit dass alle zur Beerdigung kommen und beistehen. Man fährt etliche Kilometer hierfür. Es ist krass - kenne ich so nirgends anders...




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