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  Umgang mit Risikogruppenmitglied im Haushalt
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   umgang?
schrieb am 23.04.2020 15:47
Was machen geschiedene Eltern, wenn im Haushalt eines Elternteils ein Mitglied einer Risikogruppe lebt (also nicht einer der Eltern oder das Kind ist betroffen, sondern jemand drittes), mit dem Umgang mit dem Elternteil, bei dem das Kind nicht wohnt?

Ich finde im Netz mehrfach nur das Folgende (unter bmjv.de):

"5. Welche Umstände können eine Änderung der Umgangsregelung notwendig machen?

Nicht jeder Umstand steht einem Wechsel des Kindes zum anderen Elternteil entgegen.
Erkrankt das Kind beispielsweise an einer nicht hoch infektiösen Krankheit, kommt es für den Wechsel etwa auf die Transportfähigkeit des Kindes an. Grundsätzlich sind beide Eltern für die Betreuung des erkrankten Kindes zuständig, so dass der Wechsel des Kindes zum anderen Elternteilkindeswohlgerecht sein kann.
Durch die Coronakrise sind aber einige besondere Umstände denkbar:
Ein nur allgemeines Risiko – wie die Möglichkeit, auf dem Weg in einen Verkehrsunfall zu geraten oder sich unterwegs trotz Vorsichtsmaßnahmen zu infizieren – dürfte nicht zur Rechtfertigung einer Abweichung von der Umgangsregelung ausreichen. Zudem dürfte eine landesweite Ausgangs- oder Kontaktbeschränkung, die Kontakt zur Wahrnehmung des Sorge- oder Umgangsrechts weiterhin erlaubt, kein Hindernis darstellen.
Anders könnte dies unter anderem zu beurteilen sein, wenn das Kind im anderen Elternhaus Kontakt zu einer positiv getesteten Person zu erwarten hat oder wenn das Kind, ein Elternteil oder eine andere dem Haushalt eines Elternteils angehörige Person zu einer Risikogruppe gehört.
In jedem Fall sind diese Umstände im Hinblick auf das Wohl des konkreten Kindes im Rahmen der elterlichen Entscheidung oder im Streitfall einer gerichtlichen Entscheidung (über die Verweigerung des Umgangs bzw. Verweigerung der rechtzeitigen Rückkehr des Kindes) zu bewerten. Dabei ist auch das Verhalten der beiden Elternteile – insbesondere zur Risikobegrenzung – einzubeziehen."

Viele untersagen also den Umgang des Kindes mit dem nicht im Haushalt lebenden Elternteil, um den Risikopatienten im eigenen Haushalt zu schützen.

Wie seht ihr das?


  Re: Umgang mit Risikogruppenmitglied im Haushalt
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   Blüte
schrieb am 23.04.2020 17:48
Rechtlich kann ich nichts sagen.

Aber ich würde den behandelnden Arzt des Risikogruppenmitgliedes genau die Frage stellen. Was geht? Was geht nicht? Wie verhalten wir uns MEDIZINISCH richtig?

Ich habe nämlich das Gefühl, dass derzeit alle Behörden aus Unsicherheit ,was ja auch richtig ist ,erst mal ALLES verbieten und JEDER zu Risikogruppe gehört. Das ist natürlich übertrieben ausgedrückt, aber meine Erfahrung auf anderem Gebiet ist folgende:

Mein Kind hat einen Immundefekt. Nach den Definitionen der Schulbehörde dürfte, sollte, müsste dieses Kind in Corona-Zeiten nie mehr in die Schule. Nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten heißt es aber, dass ein Schulbesuch möglich ist, wenn Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden und der Zustand stabil ist. Das ist etwas GANZ ANDERES als das, was die Schulbehörde sagt. Das Kind will auch unbedingt wieder in die Schule. Ob das mit dem Hygienekonzept der Schule passen wird usw., muss man sehen, aber es zeigt deultich, dass so etwas im Einzelfall entschieden werden muss. Allgemeine Regeln und Vorschriften bilden einfach nicht die individuelle Siutation ab.


  Re: Umgang mit Risikogruppenmitglied im Haushalt
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   Yanna
schrieb am 23.04.2020 22:49
Ich finde das Thema auch ganz schwierig! In Niedersachsen gibt es jetzt die Regelung, dass bis zu 16 Kinder in einen Klassenraum unterrichtet werden dürfen. Während des Unterrichts besteht keine Mundschutzpflicht. Die sollen die Schüler nur auf dem Flur und dem Schulhof (!) aufsetzen. Ich frage mich echt, wie wir da arbeiten sollen (bin Lehrerin). Bei 16 Schülern kann ich im Klassenraum keinen Mindestabstand halten.
Eigentlich dürfte ich dann meine Mutter gar nicht mehr treffen, die lebt allerdings allein und braucht auch Kontakt.
Wenn ein Risiko vorliegt, können die schulpflichtigen Kinder wirklich eine Gefahr sein. Im Kindergarten sind bei uns zurzeit immer nur fünf Kinder in einer festen Gruppe zusammen.
Irgendwie komme ich da nicht mehr mit! Bei meinem Sohn fängt die Schule zum Glück erst später an.
Auf dein Problem kann es eigentlich keine allgemeine Antwort geben, die Krankheit des Risikopatienten spielt natürlich eine große Rolle.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.04.20 22:52 von Yanna.


  Re: Umgang mit Risikogruppenmitglied im Haushalt
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   pmami
schrieb am 24.04.2020 11:53
Zitat
Umgang2

Viele untersagen also den Umgang des Kindes mit dem nicht im Haushalt lebenden Elternteil, um den Risikopatienten im eigenen Haushalt zu schützen.

Nein, das stimmt so nicht und steht vor allem nicht in dem davor zitierten Text des bmfj. Und die Prämisse ist auch schon falsch. Ich als der Elternteil, bei dem das Kind lebt, kann nicht den Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil untersagen. Das Umgangsrecht des anderen Elternteils hängt nicht von meinen Wünschen ab. Was ich allenfals tun kann, ist eine Umgangsentscheidung herbeizuführen - letztlich, wenn nötig durch ein Gericht.

Wie dessen Entscheidung dann ausfällt, lässt sich nicht abstrakt beantworten sondern nur im Einzefall. Risikogruppe ist ja nicht gleich Risikogruppe. Mein Sohn hat Asthma und gehört damit auch zur Risikogruppe, aber natürlich gibt es auch unter Asthmapatienten eine Bandbreite von Null bis 100, was den Schweregrad der Erkrankung betrifft. Dann ist die Frage, welche anderen Optionen es gibt. kann das Kind in den Haushalt des anderen Elternteiles wechseln, umd den Risikopatient zu schtzen? Kann der Risikopatient ausziehen, um sich selbst zu schützen? Das sind Fragen, die vor dem Hintergrund beantwortet werden müssen, dass das Umgangsrecht des Kindes mit dem anderen Elternteil ein hohes Gut ist und für die Entwicklung des Kindes von größter Bedeutung ist.

Viele Grüße pmami


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  Re: Umgang mit Risikogruppenmitglied im Haushalt
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   Mohrle und die (B)Engel :-)
schrieb am 25.04.2020 21:04
Soweit ich weiß, besteht Maskenpflicht, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann (gilt zumindest hier in Sachsen...) Aber das Ganze ist sowieso irrational - in der Öffentlichkeit darf man sich nur mit maximal einer Person, die nicht im Haushalt lebt, aufhalten und in der Schule sind es dann sogar mehr... Muss man nicht verstehen...Achso!


  Re: Umgang mit Risikogruppenmitglied im Haushalt
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   Lara5689
schrieb am 29.04.2020 10:37
Ich vermute auch, dass es besonders darauf ankommt, warum diese Person zur Risikogruppe gehört? Also welche Vorerkrankungen gibt es. Da lohnt sich immer das Gespräch mit dem Arzt, aber viel wichtiger ist eine gute Kommunikation zwischen den Eltern, dann sollte jede Lösung machbar sein.


  Re: Umgang mit Risikogruppenmitglied im Haushalt
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   Wunschkind2020-2021
Status:
schrieb am 01.05.2020 17:08
Zunächstmal stelle ich mir die Frage: Ist das so? Wollen "viele" diese Regelumg nutzen?

Müsste ich eine Einzelfallentscheidung treffen (worauf es wohl immer hinausläuft), würde ich nicht nur die Meinung des Arztes des Risikopatienten mit einbeziehen, sondern auch wissen wollen, wie viele Außenkontakte die Familie (Risikopatient, Elternteil und Kind) sonst hat.

Wir leben z. B. aufgrund der Risikogruppenzugehörigkeit meines Mannes sehr isoliert, gehen nichtmal mehr selbst einkaufen, draußen halten wir uns nur im Garten auf, näher als 2 m kommt uns niemand und auch das nur, wenn es nicht anders geht. Arzttermine alle 2 Wochen nehme ich wahr, um die Babys zu schützen. Ich warte im Auto, werde angerufen und darf direkt ins Untersuchungszimmer, wo ich ausschließlich meiner Gyn begegne, wir beide mit doppeltem Mundschutz und mit möglichst kurzen Kontakten, um einfach nur sicherzustellen, dass keine (bereits erlebte) Frühgeburt droht. So leben wir seit 8 Wochen, nicht weil es lustig ist oder wir schon immer mal ein Aussteigerleben testen wollten, sondern weil mein Mann schwer krank ist und kein Arzt ihm Chancen einräumt, eine Covid19-Erkrankung zu überleben.
Sollten sich nun z. B. die Eltern meines Mannes (berufstätig und auch sonst alles andere als wenig kontaktfreudig) überlegen Kontakt zu den Kindern haben zu wollen (der ihnen rechtlich zusteht!), müssten sie tatsächlich einen Anwalt einschalten und uns verklagen. Der Schutz meines Mannes und damit der Intaktheit unserer Familie steht für uns an erster Stelle.

Ich finde dieser Umgang der Familie mit den Corona-Maßnahmen, ggf. eigene Maßnahmen und der Meinung der Ärzte ergibt ein Gesamtbild aufgrunddessen man Entscheidungen treffen kann. Möglicherweise könnte man die kommenden Wochen mit regelmäßiger Videotelefonie überbrücken, der nicht im Haushalt lebende Elternteil könnte kreativ werden, Briefe schreiben, Hörgeschichten selbst aufnehmen, ein gemeinsames, altersentsprechendes Internetspiel vorschlagen, usw. So muss der Kontakt nicht abreißen, die Beziehung/ Bindung aufrecht erhalten bleiben, usw. Ebenso kann der im Haushalt lebende Elternteil Zeit aufwenden und mit dem Kind Bilder gestalten, Fotos machen, Knetfiguren, whatever und dem Vater zukommen lassen. Da kann man sehr kreativ werden.

Meine persönliche Meinung also: Ja, es gibt ganz bestimmt Fälle, in denen der Schutz des Risikopatienten über dem Kontaktrecht von Kind und 2. Elternteil stehen kann. Ich würde das aber immer von einer Einzelfallentscheidung abhängig machen.




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