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  Corona, meine Mutter und ich
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   kiwi (n.e.)
schrieb am 02.04.2020 22:54
Hallo Ihr Lieben,
ich brauch mal Eure Meinung und Hilfe.
In dieser fürcherlichen Zeit habe ich ständig hitzige Diskussionen mit meiner Mutter. Natürlich nur am Telefon. Sie hat panische Angst vor Corona, da sie mit 63 (!) und Bluthochdruck + div. Augenerkrankungen zu der Risikogruppe gehört. Sie ist fest der Meinung, dass sie erkrankt und dann "krepiert", weil sie nicht richtig behandelt werden kann. Argumente, dass hier in Deutschland z. B. aktuell doppelt so viele Intensivbetten frei sind wie Italien überhaupt hatte, schmettert sie mit: "Jetzt schließen aber schon Krankenhäuser und nehmen keine Patienten mehr auf." ab. Vergleiche mit der saisonalen Grippe, an der jährlich auch 290.000 - 650.000 sterben kann sie nicht mehr hören. "Die müssen aber nicht beatmet werden".
Wir gehen für meine Eltern einkaufen. Die beiden gehen nur mal zum Spaziergang raus und wenn Ihnen jemand entgegenkommt, wechselt meine Mutter sofort die Straßenseite. Sie würde sich wohl glatt lieber überfahren lassen, als mit jemand für diesen Minimoment mal näher als 2m zu kommen.
Hat jemand einen Tip, wie die Gespräche nicht mehr so eskalieren können bzw. wie ich/wir sie beruhigen können. Ihre Gedanken drehen sich nur noch um Corona. Wenn sie es denn doch mal schafft, für evtl. 2 Stunden zu schlafen, und sie dann wach wird sind die Gedanken sofort wieder wie ein Holzhammer da.
Wenn das bei ihr so weitergeht, stirbt sie nicht an Corona, sondern wegen Corona. Am Herzinfarkt.
Ich brauche echt Hilfe und Zuspruch. 🤔
Danke und
LG
kiwi


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   pmami
schrieb am 02.04.2020 23:46
Ehrlich gesagt würde ich mit ihr überhaupt nicht mehr über Corona reden. das scheint ja nur zu eskaklieren und das wiederum tut weder Dir noch deiner Mutter gut.

Erzähl ihr einfach Dinge aus Eurem Alltag oder von Büchern, die Du gelesen oder Filmen, die Du gesehen hast. Vielleicht bringt sie das auf andere Gedanken.

Viele Grüße pmami


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   kiwi (n.e.)
schrieb am 03.04.2020 00:42
Schon versucht.
Z. B. schauen wir Let's dance und Masked Singer. Aber leider geht letzteres erst nach Ostern weiter. Wg. Corona 😦
Und mit Kindern hat es bei uns nie geklappt, als das es dort etwas Spannendes gäbe. Und zu allem Überfluß bin ich auch noch zu Hause, natürlich auch wg. Corona.

Außerdem klappt das Ablenken auch leider nur bedingt. Irgendwie kommt sie immer wieder nur auf das eine Thema. Und sie nicht mehr anrufen, geht auch nicht. Ich will ihr ja helfen, beruhigen und ermutigen. Aber leider weiß ich nicht wie.


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Ju.ma.
schrieb am 03.04.2020 06:36
Wenn Du die Kraft hast, würde ich es mit aktivem Zuhören versuchen. Egal wie „gerechtfertigt“ (oder eben auch nicht) diese Angst von aussen gesehen sein mag, sie ist ja echt.
Die Angst „niederzureden“ führt ja nur dazu, dass derjenige mit der Angst allein bleibt. Weg geht die Angst dadurch ja nicht.


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  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Solani2
Status:
schrieb am 03.04.2020 07:45
Ich würde auch nicht versuchen, ihre Ängste zu relativieren. Stimme ihr doch einfach zu! Ja, es ist gefährlich und sie macht alles richtig. Deshalb kaufst du ja für sie ein.
Mit Menschen die ich liebe und nicht Zusammenleben muss, führe ich nur Diskussionen, die auch etwas bewirken können. Du hast es versucht, sie will sich Sorgen. Also kannst du nicht mehr tun, als ihr zuzuhören und für sie da zu sein.


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   henriette
schrieb am 03.04.2020 08:56
Wenn sie schon so extreme Schlafstörungen hat, sehe ich da durchaus den Einsatz von Psychopharmaka gerechtfertigt. Wär das etwas? Hausarzt?


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Maigloeckchen11
schrieb am 03.04.2020 16:22
Hallo,

ich würde es mit einer Mischung probieren: erst das blöde Corona-Thema besprechen und dann gezielt über "Alltägliches" sprechen, Du kannst Dir ja vorher kurz ein paar Sachen überlegen (über die Blümchen, die jetzt sprießen, die Socken die mal wieder alleine aus der Waschmaschine kamen, obwohl Du sie paarweise reingetan hast, frag sie nach Kochtipps/Putztipps etc. - eben Ablenkung, Fokus auf andere Sachen lenken und sie vielleicht noch Stolz machen, dass ihre Expertise gerfragt ist.

Bzgl. Krankenhausbetten: in folgendem Link sind die Intensivbetten aufgelistet, das sieht noch sehr beruhigend aus. Allerdings - sollte sich das in den nächsten Wochen ändern, könnte sie dann erst recht Panik bekommen, also: zeige ihr den Link nicht, sondern berichte beruhigend davon.

[www.divi.de]

VG Maiglöckchen


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Blüte
schrieb am 03.04.2020 17:25
Ich bin da ganz bei henriette:

Wenn die Angst SO ausgeprägt ist, wäre es vielleicht doch mal sinnvoll den Hausarzt (zumindest telefonisch) zu kontaktieren, denn das hört sich aus der Ferne doch sehr so an als sei die Angst unverhältnismäßig groß und würde das ganze Leben deiner Mutter bestimmen. Spätenstens dann, wenn die Angst das gesamte Leben bestimmt, ist es Zeit, sich Hilfe zu holen.

Edit: Da es offensichtlich missverständlich ausgedrückt war: Ich meinte nicht, dass du als Tochter mit dem Hausarzt deiner Mutter sprechen sollst, sondern deiner Mutter den Vorschlag machen sollst, ihrem Hausarzt von ihren Sorgen und ihrer Situation zu berichten. Das könnte erstens vielleicht die Selbsteinschätzung als Risikogruppe etwas relativieren und zweitens würde der Hausarzt durchaus merken, wenn hier ein Patient an der Schwelle zu einer Angsttörung oder Depression ist. Wenn deine Mutter den Hausarzt nicht kontaktieren will, muss man das erst mal so hinnehmen.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 03.04.20 17:57 von Blüte.


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Solani2
Status:
schrieb am 03.04.2020 17:42
Mit dem Hausarzt zu sprechen, ist sicher eine gute Idee, als letzten Schritt, falls es sich nicht bessert und die Mutter das auch will. Ich finde aber wirklich erstmal wichtig, die Gespräche nicht eskalieren zu lassen. Das pusht doch alle negativen Gedanken nochmal extrem. Die Mutter sollte sich mit ihren Ängsten, die ja durchaus nicht unbegründet sind, nicht alleine gelassen fühlen. Ich habe lange gebraucht zu erkennen, dass man manchmal nur zuhören muss. Ohne Vorschläge etc.. Verständnis zeigen, zustimmen. Dann kommen oft die positiveren Gedanken von ganz alleine.
Weil Corona bestimmt leider momentan unser aller Leben. Daran können wir nichts ändern. Und ich weiß, wie hart das ist, manchmal einfach nur zuzuhören. Aber das Schöne ist, dass man über diese unangenehmen Dinge dann viel seltener sprechen muss. So sind zumindest meine Erfahrungen.


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Taucher
schrieb am 04.04.2020 14:28
Ich glaube wie pmami auch, dass es nicht viel Sinn macht darüber zu reden. Zumal Ängsten oft schlecht mit Fakten zu begegnen ist.

Es gibt aber derzeit sehr viele Angebote, z. B. Psychosoziale kriseninterventionshotlines, bei denen man auch anonym anrufen kann. Die Nummern müsstest du im Internet leicht finden können, teilweise haben die Stadt- und landkreise sie ebenfalls verlinkt. Ich glaube für eure Beziehung wäre es vielleicht besser, das an ein solches Hilfsangebot abzugeben.

Es sieht ja nicht danach aus, als ob du etwas bewirken könntest.


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Merle_77
schrieb am 04.04.2020 22:10
Liebe Kiwi,

auch wenn's schwer fällt: Vielleicht solltest du versuchen, ihre Ängste ernster zu nehmen. Oft werden Ängste und Sorgen, wenn man das Gefühl hat, dass niemand sie ernst nimmt, noch viel, viel größer. Irgendwer hat's schon geschrieben: Einfach zuhören, nicht selbst nach einer Lösung suchen... Vielleicht sagen, "Ja Mama, ich mach mir auch Sorgen, ich hab nur manchmal fast noch mehr Angst, dass uns die Sorgen auffressen. Ich weiß auch nicht, was wir grad machen sollten..."

Ich wünschte übrigens, meine Schwiegermutter (Mitte 70 und chronische Lungenerkrankung) würde sich ein paar Sorgen machen und zu Hause bleiben. Stattdessen geht sie zwischendurch noch selbst zu Aldi.

Ich wünsche euch alles Gute!

Merle


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   kiwi (n.e)
schrieb am 12.04.2020 01:00
Hallöchen Ihr Lieben?

ich danke Euch allen ganz herzlich für Eure Ratschläge. Und mit einer Mischung aus "ja, es ist schon schlimm, was gerade alles passiert. Hoffentlich halten sich die Leute auch an Ostern an die Beschränkungen" und " hast du schon gehört, dass Meghan wieder schwanger sein soll, etc." war ich in der letzten Zeit auch ganz gut gefahren.
Aber leider hat meine Männe es heute, äh gestern geschafft, all das wieder zum Einsturz zu bringen. Er hatte die Reifen gewechselt, ich einen Kuchen (zum Teilen mit meinen Eltern, war schon vor Corona beschlossen) gebacken. Nachdem er fertig war, hat er bei meinen Eltern angerufen und irgendwie sind sie wohl auf das Thema "digitale Zukunft" gekommen. Und dabei prallen immer Welten aufeinander. Er ist der Meinung, dass in Zukunft (15-20 Jahren) Einkäufe (auch Lebensmittel etc.) nur noch online gemacht werden und keiner mehr ein Auto für den Individualverkehr hat. Bei meinen Eltern klingeln dann die Alarmglocken (wie soll das gehen? Technisch kriegen das die Älteren nicht hin? Und auch gesundheitlich, sei es wegen mangelnder Sehkraft o. ä. auch nicht? Wer soll denn die Technik bezahlen, bei kleinen Renten? usw.) Mein Männe wird bei so etwas dann auch gerne laut und hektisch. Solche Diskussionen gabe es schon öfter. Er hat meine Eltern wohl nicht mehr zu Wort kommen lassen. Und dann sowas gesagt, wie dass (Name eines Nachbarn meiner Eltern, über 80 Jahre!) dann nicht mehr da sind und die anderen mit dem Digitalen aufwachsen. Auf den Hinweis meiner Eltern wg. Kosten und Einrichtung dieser Technik hat er dann gemeint, dass das dann schon die Krankenkasse machen müsse. Na ja, das Ganze endete dann schließlich damit, dass meine Eltern einfach aufgelegt haben
Kurze Zeit später rief dann mein Vater an, eigentlich nur, um zu sagen, dass sie den Kuchen nicht mehr wollen. Und deutlicher, dass die "Alten" weg sollen, hätte mein Männes es gar nicht sagen können. Das Einkaufen in dieser Zeit sei auch lästig.
Aber das Eine hat mit dem Anderen gar nicht zu tun.
Aber ich weiß auch, das sich meine Eltern momentan ziemlich angegriffen fühlen, weil es immer heißt, "wir müssen die Alten schützen". Das schürt ihrer Meinung nach nur die Wut der Jüngeren, weil sie wegen der Alten nicht mehr "Party machen können"
Und zu den Jungen und Gesunden zählen wir auch nicht mehr. Auch wir haben Vorerkrankungen.

Ich weiß schon, dass mein Männe hektisch und laut werden kann. Und auch er nimmt vieles persönlich und fühlt sich schnell angegriffen. Aber er hat es sicher nicht persönlich gemeint. Hier sind wohl mal wieder 2 Hitzköpfe aufeinandergeprallt.
Jetzt sitze ich zwischen den Stühlen. Und das ohnehin schon besch.... Osterfest ist dadurch nur noch ungemütlicher geworden.

Sorry, dass ich Euch so volltexte, aber ich muss das alles auch mal loswerden.
Ich bin echt am Verzweifeln sehr treurig sehr treurig


  Re: Corona, meine Mutter und ich
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   Blüte
schrieb am 12.04.2020 10:28
Ganz ehrlich... ich würde mich an deiner Stelle nicht zwischen die Stühle setzen lassen.

Es ist wie du sagst :Dein Mann hat sich unüberlegt verhalten. Deine Eltern auch.

Telefon auflegen, aber dann noch mal anrufen, dass sie den Kuchen nicht wollen ist schon sehr melodramatisch.

Wenn du jetzt da vermitteln willst, kannst du nur verlieren, weil du bei deinen Eltern deinen Mann verteidigst und bei deinem Mann deine Eltern, du kennst beide gut, liebst beide, kennst die Fehler, die beide gemacht haben, das führt nur zu neuen Verwicklungen.

Ich würde beide "Parteien" separieren, was ja nun bei Corona nicht besonders schwer ist grins.

Ruf deine Eltern heute an, wünsche ihnen frohe Ostern, versuch ein Gespräch zu führen, wie es in der letzten Zeit gut geklappt hat und lass dich nicht auf irgendwelches "Nachkarten" zum gestrigen Gespräch ein. "Du, ich habe das Gespräch nicht geführt, lass einfach gut sein. Was macht ihr denn heute Schönes?" so in der Art. Maximal würde ich sagen: "Ich denke, dass die Gesprächsführung von beiden Seiten nicht optimal war, legen wir es zur Seite und fangen neu an, immerhin ist Ostern dafür ein guter Zeitpunkt."

Aber das Schmollen und Grollen von deinen Eltern würde ich mir nicht aufzwingen lassen.

Gute Nerven!

Blüte




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