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  übers Straucheln
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   wirrwarr
schrieb am 27.02.2020 08:30
Guten Morgen,
von meinem (Ex-)Mann bin ich ohne Vorwarnung und Gespräch verlassen worden, die größte Enttäuschung meines Lebens obwohl ich immer gedacht hatte, er sei das größte Glück und was ich doch für eine unschätzbare Freude erfahren darf. Das egoistische und rücksichtslose, teils völlig undurchdachte Verhalten, das er seitdem an den Tag legt, widert mich an und betrifft mich insofern, als wir gemeinsame Kinder haben. Er hat meine berufliche Zukunft ruiniert, da wir einen Plan der gegenseitigen Unterstützung angelegt hatten, den er, nachdem mein Teil geleistet war, für nichtig erklärt hat. Sei nicht mehr sein Problem, genauso wenig wie die Kinder. Zurückgelassen hat er einen Scherbenhaufen, ich schäme mich unendlich, ich bin das schreckliche Weib, das so unausstehlich gewesen sein muss, dass es der arme Kerl nicht mehr ausgehalten haben wird, die Verlassene, die Alleinerziehende. Die Alleinerziehende! So traurig es ist, aber in unserer Gegend nach wie vor ein Unding.

Seitdem dümple ich. Ich lasse alles an mir vorbeiziehen. Ich bin beruflich unzufrieden, bzw. bin sehr im Grunde unendlich dankbar für meine Arbeit aber bleibe dabei weit hinter meinen Möglichkeiten und Plänen zurück. Ich glaube niemandem mehr, vertraue niemandem mehr, bin gestrandet als Teilzeit-Mutti und richte mich langsam in meinem Teich aus Frust häuslich ein. Ich muss endlich lernen, mich mit dem Status quo wirklich zu arrangieren, was von außen betrachtet sicherlich keine schlechte Wahl wäre, oder etwas ändern. Nur "etwas" wäre im Hinblich auf meine berufliche Situation tatsächlich "alles". Ich müsste alles hinter mir lassen, was hier noch ist, die Kinder entwurzeln und hinten anstellen, sie in ganztägige Betreuung geben und alleine mit ihnen in eine große Stadt, komplett neu beginnen. Das alles macht mir Angst und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich die Kraft dazu hätte.

Ich habe einen neuen Partner. Er tut mir oft sehr leid, er ist zwar anstrengend aber gütig und großherzig und ich bin mit Sicherheit furchtbar. Ich merke auch, dass ich reserviert bleibe, quasi "auf der Hut", zum Absprung bereit, in der Hoffnung, ein solches Leid nicht nochmal erleben zu müssen. Das steht im Widerstreit zu meinen Gefühlen, die sich ihm gerne mehr öffnen möchten und letztlich möchte ich natürlich auch, dass er mit mir glücklich sein kann und darf. Ich fühle mich rundum unwohl und bin doch eigentlich in einer Situation, in der man, von außen betrachtet, zufrieden sein könnte. Warum bin ich es nicht? Warum schleppe ich eine Regenwolke über meinem Kopf mit mir herum?

Ich beginne eine Therapie, es dauert allerdings noch bis zur ersten Sitzung. Der Therapeut fragte mich beim Erstkontakt, was mein Thema ist. Ich konnte es ihm nicht sagen und landete bei einem recht globalen "alles Mist". Dann musste ich über mich lachen, weil ich mich zuletzt in meiner schlimmsten pubertären Phase vergleichbar gefühlt habe. Ich möchte, dass es aufhört und habe große Angst, nie wieder zufrieden zu sein.

Und da ist dieser irrationale Wunsch, meinen Exmann anzuschreien, obwohl es nun Jahre her ist. Ich habe nie geschrien, ich habe mich immer arrangiert, habe hingenommen was war und versucht, auf den Beinen zu bleiben. Aber ich bin so enttäuscht, ich will dass er es weiß. Er war es schließlich, der mir, nachdem er mich verlassen hat, auch noch vorwarf, dass ich das ja ganz schön locker nehmen würde und ihn offenbar nicht lieben würde. Dabei habe ich nur versucht, für die Kinder die Starke zu sein, nicht zu kollabieren, ihnen ein sicher Fels in dieser Zeit des Umbruchs zu sein. Und ich habe ihn so sehr geliebt, mit jedem Millimeter meines Seins und sein spontanes Hinwerfen hat mir den Boden all dessen weggezogen, was ich zu sein glaubte.

So wirr, wie dieser Text hier ist, fühle ich mich in mir selbst. Es ist nicht schön und ich verstehe mich selbst nicht mehr.
Aber falls jemand Tipps für mich hat, würde ich mich sehr freuen.


  Re: übers Straucheln
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   Gamora83
Status:
schrieb am 27.02.2020 10:11
Liebe Wirwar,

Tipps habe ich leider keine für dich, aber ich kann zumindest ansatzweise verstehen wie du dich fühlst. Auch meine Beziehung zu meinem ersten Mann ist gescheitert, hätte ich mir nie denken lassen. Für mich war es immer die perfekte Beziehung, der Mann meines Lebens. Aber ich nicht mehr für ihn. Ich habe damals auch sehr gelitten und fragte mich lange noch, ob man was anders hätte machen können.
Bei uns war die Situation nur etwas anders, wohl einfacher. Wir hatten keine Kinder (leider und inzwischen bin ich auch etwas froh darüber), es kam nicht knall auf fall, sondern er hat sich total zurückgezogen und mich nicht mehr an sich ran gelassen. Ich war die letzten zwei Jahre unserer Beziehung aufgrund der gesamten Situation mega unzufrieden und habe deshalb schon gegen Ende angefangen Optionen/Änderungen zu suchen. Schlussendlich habe ich dann einen Schlussstrich gezogen, weil ich so nicht mehr weitermachen konnte. Das erste halbe Jahr ging es mir wirklich schlecht und ich hatte das Gefühl, nie wieder jemand zu finden bzw. jemandem vertrauen zu können. Ich hatte Glück, dass ich einen sehr verständnisvollen neuen Partner und wir haben nichts überstürzt. Das hat mir sehr geholfen langsam wieder zu vertrauen. Auch die berufliche Veränderung hat mir gut getan, sie war hart, aber ich bin froh auch diesen Weg gegangen zu sein.

Ich finde es gut, dass du eine Therapie anfängst. Man denkt ja doch immer, wie soll mir jemand fremdes helfen. Ging mir nach dem Spätabort letztes Jahr auch so, habe jetzt aber doch angefangen. Schaden kann es keinesfalls.

Ich würde dir empfehlen, dir mal eine Liste/Überblick zu erstellen, was DU gerne machen möchtest und dann zu schauen, was ist denn in deiner Situation möglich. Auch kleine Änderungen tun oft schon gut.
Wie alt sind deine Kinder denn? Scheinbar nimmt dein Ex die Kinder auch nicht zu sich? Wenn doch, mach in dieser Zeit was schönes für dich, auch allein und auch mit deinem neuen Partner. Auch wenn ihr jetzt vlt. schon länger zusammen seid, macht kleine Schritte zusammen und erklär ihm deine Situation.
Sollte dein Ex die Kinder nicht nehmen, versuch dir Freiräume zu schaffen, vlt. durch Familie und Freunde.

Ich wünsche dir alles Gute!
Gamora


  Re: übers Straucheln
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   Ulli
schrieb am 27.02.2020 11:32
Liebe Wirrwarr,

ich würde dir sehr gern etwas schreiben. Aber per PN.
Meldest du dich bitte bei mir?

Liebe Grüße Ulli


  Re: übers Straucheln
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   wirrwarr
schrieb am 27.02.2020 21:35
Hallo Gamora, danke für deine Antwort. Es ist schön zu lesen, dass du wieder so gut auf die Beine gekommen bist! Leider habe ich oft das Gefühl, mit meinem Partner nicht gut über dieses Thema sprechen zu können. Das nimmt mir natürlich den Wind aus den Segeln, ich habe eher das Gefühl, das gut verkaften zu müssen, weil er es ansonsten auf sich bezieht. Ob ich noch Gefühle für meinen Ex hätte, schließlich hätte ich ihn ja nicht verlassen sondern wäre noch immer mit ihm zusammen, wenn er nicht gegangen wäre. Oder es kommt "du hast ihn geheiratet". Empathie ist nicht seine Stärke. Das verstärkt bei mir das Gefühl, damit alleine zu sein. Auch meine Familie nimmt hieran nicht wirklich Anteil - ich habe Kinder, es ist meine Aufgabe, mich zu kümmern, alles andere habe ich quasi als Rahmenbedingung so zu gestalten, dass es mich nicht an meiner Pflicht hindert. Ich funktioniere entsprechend recht gut. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber wirklich sagen, dass mir meine Kinder Löwenkräfte verleihen.

Liebe Ulli, ich melde mich gerne bei dir. In den nächsten Tagen schreibe ich dir eine PN


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  Re: übers Straucheln
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   Solani2
Status:
schrieb am 27.02.2020 23:35
Schreib deinem Ex einen Brief. Du hast ihm noch nicht alles gesagt, was du sagen willst. Natürlich schickst du den Brief nicht ab, aber das muss trotzdem raus. Bevor du den Brief in einer Zeremonie verbrennst, kannst du ihn noch deinem Therapeuten zeigen.
Dein Ex hat sich nicht an Absprachen gehalten und du hast dich auf ihn verlassen. Das ist richtig Scheiße. Das er dich verlassen hat nicht, das kann leider einfach so passieren. Niemand ist davor gefeit, aber genau deshalb muss man darauf achten, dass in einer Beziehung kein so großes Ungleichgewicht entsteht. Also das die Bring Schuld nicht eingelöst werden kann. Darauf solltest du in deiner neuen Beziehung achten. Das einem das Herz gebrochenen werden kann, verhindert das natürlich nicht. Aber es verhindert, dass man sich danach wie ein Idiot fühlt. Sind deinem Partner deine Träume und Ziele wichtig und unterstützt er dich dabei? Das ist wichtig in einer Beziehung!




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