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  Niemals komplett fühlen
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   Marula35
Status:
schrieb am 18.02.2020 20:51
Ihr Lieben, nach einem vergleichsweise kurzen ( da schnell erfolgreichen) Kinderwunschweg lagerten wir seit Frühjahr 2017 PN‘s und eine Blasto ein. Letztere ließ ich mir im letzten Jahr einsetzen mit negativem Ergebnis. Grund des erneuten Versuch war auch, dass ich es mit meinem moralischen Gewissen nicht vereinbaren könnte, eine Blasto zu verwerfen. Seit nunmehr einem Jahr haben wir immer noch PN‘s auf Eis, ich werde kommende Woche 42 Jahre alt und mit drei lebenden Kindern sind wir glücklich. Trotzdem ist da diese Hemmschwelle, diesen Vertrag zu beenden, denn ich weiß, dass sich niemals das Gefühl einstellen wird, komplett zu sein. Ich könnte noch 5 Kinder mit meinem Mann bekommen, komplett fühlen wir uns nie -denn einer fehlt immer.

Und dieses nichtkomplettsein überlagert scheinbar alles und verhindert eine vernünftige Beendigung der Situation. Vernünftig deshalb, weil ich mich beruflich weiterentwickeln möchte, es genieße, dass meine Kids endlich aus dem Gröbsten raus sind und ich auch keine Schwangerschaft herbeisehne oder Babyzeit unbedingt wieder haben will.
Dieses Gefühl des nichtkomplettsein lässt mich trotzdem jedes Jahr zögern, diesen Aufhebungsvertrag an die Uniklinik zu schicken. Und leider weiß ich ,dass keine Therapie der Welt dieses Gefühl mildern kann. Und auch nicht soll, denn mein Mann und ich haben ja eine furchtbare Ursache für dieses Gefühl.
Wie aber komme ich aus dieser Situation raus?
Einfach beenden und warten, wie die Seele damit umgeht?
Ich habe keinen erneuten Kinderwunsch mehr und kann trotzdem meine befruchteten Eizellen nicht verwerfen . Das ist doch verrückt. Wie komme ich aus dieser Situstion bloß raus?

Nachdenkliche Grüße, marula


  Re: Niemals komplett fühlen
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   blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 18.02.2020 21:22
Liebe Marula35,

Zitat
Marula35
denn mein Mann und ich haben ja eine furchtbare Ursache für dieses Gefühl.

ich bin über dieses "furchtbar" gestolpert. Was genau ist furchtbar?

Ihr fühlt euch nicht komplett. Das kann ich verstehen. Das ist kein schönes Gefühl. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, was genau der Grund ist.
Ist es wirklich der Gedanke, dass es noch fünf Kinder geben könnte (nicht muss) und ihr sie nicht leben lasst, sogar sterben lasst, wenn ihr sie verwerft? Dann wäre ja eine Möglichkeit, diese zu spenden. Das soll, soweit ich weiß, gehen.
Oder ist es das Gefühl, dass es ein Teil von euch ist, dass eben außerhalb von euch ist? Hier wäre mein Gedanke, dass es auch so immer außerhalb bleibt. Ich hätte dann den Gedanken, sie einfach frei zu lassen. Aber das hängt auch davon ab, wie du zur Entstehung des Lebens und der Seele stehst. Ich halte mich unbewusst an dem Bild fest, dass die Seele sich ihr Leben anschaut und dann entscheidet, ob sie es leben will.
Und was ich aufgrund eurer Geschichte überlegt habe, ob ihr überhaupt komplett sein könnt, wegen dem Zwilling, der nie zurück kommt. Als ob es ein Lücke a proxi ist, also ein Symptom, aber nicht die Ursache.

Alles Gute.


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Hamamelis71*
schrieb am 18.02.2020 21:59
Wir haben einen Sohn nach der 2. Icsi. Es waren zwar immer genug Eizellen da, aber aufgrund des schlechten Spermiogrammes ließen sich immer nur sehr wenige befruchten. Das bedeutet, dass es für uns nie Kryos gab. Anfangs war ich darüber etwas traurig, mittlerweile bin ich froh, dass ich keine Entscheidung über Kryos treffen muss.

Was kostet denn so ein Kryo Vertrag? Ich erinnere mich, dass es in der Vergangenheit hier im Forum ab und zu mal Thema war.


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Marula35
Status:
schrieb am 19.02.2020 05:42
@ teufelchen

Unser verstorbener Sohn wird immer fehlen. Und ihn meinte ich damit, dass wir uns nie komplett fühlen. Ganz egal was wir tun. Und der plötzliche kindstod als furchtbare Ursache für alles.

Somit weiß ich, dass sich nie dieses „ komplettgefühl“einstellt, von dem ich so oft im Forum lese und was vielleicht diesen Schritt einfacher macht.
Somit trifft es dein allerletzter Satz glaube ich ganz genau. Ich trauere dann nicht wegen der 5 PN. Mein Kopf weiß das auch! Aber trotzdem kann ich die Unterschrift nicht auf das Papier setzen.

@ Hamamelis

Du meinst ,was es kostet pro Jahr, zu lagern? Es ist eine kleine Summe( 350 Euro), darum geht es gar nicht. Aber sie ewig zu lagern fühlt sich auch nicht richtig an. Ich bin soweit ,dass ich das Gefühl hab, eine Entscheidung treffen zu wollen.

das spenden ist für uns keine Option aus persönlichen Gründen.

Danke für eure Worte

Marula


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.02.20 05:46 von Marula35.


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  Re: Niemals komplett fühlen
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   Solani2
Status:
schrieb am 19.02.2020 06:45
Gibt es an der Uniklinik vielleicht einen Psychologen, der auf diese Art Konflikt spezialisiert ist bzw. können die dich dort an gute Ansprechpartner verweisen?
Ich denke, dass wir einfach nicht dafür gemacht sind, solche Entscheidungen zu treffen. Das widerspricht unserer Natur und wir können auch nicht aus einem reichen Erfahrungsschatz aus der Vergangenheit schöpfen. Wenn du schon so zerrissen bist, würde ich den Weg nicht ohne Hilfe/Beistand von außen gehen wollen. Viel Kraft!


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Marula35
Status:
schrieb am 19.02.2020 08:59
Liebe Solani, natürlich habe ich nicht erwartet, dass mir jeman dahingehed hier den Weg weist.
Es ist schon hilfreich, es niederzuschreiben und die Meinung unbeteiligter zu lesen.
Für mich zum Beispiel wird klar, dass dieser Konflikt wirklich zu kompliziert ist, als dass ich ihn alleine bewältigen kann. Und ich kann mir selbst besser zugestehen, dass Ich es als eigentlich sehr klarer, strukturierter und selbstreflektierter Mensch nicht hinbekomme, es ohne Hilfe zu entscheiden.

Auch dir danke für deine Worte.

Marula


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Joaninha
schrieb am 19.02.2020 10:18
Von aussen betrachtet liest es sich so, als ob ein Teil von Dir nach vorne sehen möchte, weitermachen möchte, Neues erleben möchte, und ein anderer Teil ihn am Rockzipfel festhält und ihm einflüstert, dass das Verrat an Deinem verstorbenen Sohn ist. Besonders perfide ist dabei, dass der konservative Teil dem zukunftszugewandten Teil einflüstert, dass er mit dem Aufhebungsvertrag den Tod Eures Sohnes quasi noch einmal herbeiführt. Das findet der zukunftszugewandte Teil wiederum furchtbar ungerecht, ohne aber ein Argument zu finden, das den anderen Teil zum Schweigen bringen könnte.

Ich denke, Du wirst diesen Konflikt so lange durchleben, bis Du dieses Argument für Dich gefunden hast. Dabei finde ich die Tatsache, dass es ihn, also den Konflikt, gibt, eigentlich nicht so schlimm, denn er scheint doch darauf hinzudeuten, dass ein neuer Lebensabschnitt versucht, sich Bahn zu brechen.

Ich habe selbst sehr lange getrauert. Für mich war das Argument ganz banal, und eigentlich kannte ich es von Anfang an. Mein Vater sagte es mir gleich zu Beginn: Es ist leicht, zu fragen, ob man es hätte verhindern können. Es tatsächlich zu verhindern ist weniger leicht. Ich habe Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Um zu verstehen, dass es Situationen gibt, in denen die Frage nach den Ursachen nichts, aber auch gar nichts bringt. Aber irgendwann kam der Moment, in dem ich sagen konnte: Es ist geschehen. Punkt.


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Blüte
schrieb am 19.02.2020 11:22
Liebe Marula,

ich denke auch, dass es sinnvoll sein wird, dass du dir professionelle Hilfe suchst. Strukturiert und selbstreflektiert zu sein ist toll, aber auch ein strukturierter Mensch hat eine Seele, die sich den Gesetzen der Logik und Struktur manchmal entzieht und andere "Ansprache" braucht. Das ist vollkommen okay.

Und mir kommt noch ein anderer Gedanke, auch auf Basis der Logik, ich gebe es ja zu...

Eigentlich wäre es sinnvoll den Tod deines Sohnes von der Frage der vorhandenen, eingefrorenen Eizellen zu trennen.

Euer Sohn gehört zu eurer Familie und wird es immer tun und da er verstorben ist, wird er IMMER fehlen. Immer! Auch wenn ihr gelernt habt, damit umzugehen, ihr seid nicht "komplett", weil ER fehlt.
Und wenn ihr nun alle Eizellen zurücknehmt (theoretisch gedacht) und alle zu Kindern werden, wird ER immer noch fehlen. Weil er ein Teil der Familie ist, der nicht "ersetzt" werden kann. Man kann einen Menschen nicht mit einem anderen Menschen ersetzen, das geht nicht .Man kann einen neuen Partner finden, wenn der Partner verstorben ist, aber es ist ein ANDERER Partner. Man kann nach dem Tod eines Kindes wieder Kinder bekommen, aber es sind ANDERE Kinder. Und das ist gut so, niemand kann und sollte einen anderen Menschen ersetzen müssen, weil jeder Mensch einzigartig ist, der verstorbene Mensch und der Mensch, der "neu" in unser Leben getreten ist.

Insofern ist es vielleicht ein Ansatz, diese Gefühl "wir sind nicht komplett" neu zu betrachten und zu schauen, ob es eigentlich heißt "wir sind nicht komplett, weil dieser eine Mensch fehlt und immer fehlen wird". Das ist okay, das darf sein und man kann mit professioneller Hilfe daran arbeiten, dieses Gefühl anzunehmen, lernen, damit umzugehen.

Damit wird die Frage, was mit den Eizellen geschieht nicht einfacher, aber anders. Würde ich meinen.

Alles Gute auf deinem Weg!

Blüte


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Marula35
Status:
schrieb am 19.02.2020 13:04
Liebe Joaninha, liebe Blüte,

Danke für die Gedankenanstöße.
Natürlich ist mir klar, dass es nicht um ein "Ersetzen" geht und dass das Gefühl seine immerdauernde Berechtigung hat.
Das ist mir wichtig, dass dies nicht missverstanden wird. Ich dachte es sei im Eingangspost deutlich geworden, dass es mir bewusst ist, dass ich niemals das Gefühl haben werde: weil mein Sohn immer fehlt- und das ist auch richtig so für mich.

Aber vermutlich hat sich wirklich von allein auf diese Eizellen übertragen. Es ist sehr hilfreich, dies von "außen" zu betrachten und plötzlich war es ganz klar. Ich habe die Unterschrift gesetzt, mein Mann wird am Abend unterschreiben und morgen geht es in die Post.

Es ist ok und richtig.
Und selbst wenn ich ab morgen eine paar Tage durchweine, dann ist es ok und richtig. Aber ich weiß eigentlich genau dass es das einzig Richtige ist.
Gut, dass es das Forum gibt, deren Mitglieder einem unbekannterweise Rat und ein Ohr geben. (bzw. ein lesendes Auge). Ein aufrichtiges Dankeschön

Marula


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Solani2
Status:
schrieb am 19.02.2020 13:27
Ich hatte auch den Eindruck, dass du die Entscheidung rational schon getroffen hast. Du hast ja bereits eine Katastrophe durchleben müssen und ich glaube, dass befruchtete Eizellen fast so etwas wie ein Plan B, ein Notfallplan sein können, für den Fall, dass (noch) eine Katastrophe eintritt. Wir alle haben ja Angst, ein Kind zu verlieren und du musstest das schon durchleben, was es für dich noch unmittelbarer macht. Das hat nichts mit ersetzen wollen zu tun, sondern einfach mit eine Familie haben wollen. Absichern wollen wir uns ja alle, obwohl das natürlich nie ganz geht. Aber was wäre dafür besser geeignet als befruchtete Eizellen, die auch noch verfügbar sind? Ich verstehe völlig, dass dir die Entscheidung sehr schwer gefallen ist.

lg,
Solani


  Re: Niemals komplett fühlen
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   Hamamelis71*
schrieb am 19.02.2020 14:54
Marula, aber 350 Euro ist ja auch nicht wenig und vom Kopf hast Du Dich ja schon entschieden. Du hast unterschrieben und Dein Mann wird auch unterschreiben. Wahrscheinlich wäre es für Dich in der Situation einfacher, wenn Du nicht aktiv die Entscheidung treffen müsstest und andere für Dich entscheiden würden.

Ich glaube viele Familien fühlen sich aus ganz verschiedenen Gründen nicht komplett, zumindest höre ich das häufiger. Ich glaube so für mich, dass ich mich mit meinem Sohn komplett fühle. Ich hatte nie so einen starken Wunsch nach einem Geschwisterkind. Wären befruchtete Eizellen vorhanden gewesen, dann hätte ich sie bestimmt abgeholt und geschaut, ob es zu einer Schwangerschaft kommt. Neulich hat er mal wieder das Ultraschallbild von sich und seinem Zwilling angeschaut und darüber spekuliert, wie es mit einem Zwilling gewesen wäre, aber er hatte noch nie nach Geschwistern gefragt, wie andere Kinder das tun.

Wir haben in der Nachbarschaft zwei Familien, die ein Kind verloren haben. Beide Familien kannte ich vorher schon über Freunde, daher weiß ich von dem Verlust, ansonsten bekommt man das ja nicht mit. Und sie haben beide mal gesagt, dass es schön ist, dass es noch genügend Leute in ihrem Umfeld gibt, die ihre Kinder kannten.

Man wird sich immer an seine Kinder erinnern und um sie trauern und wahrscheinlich vergeht kein Tag, an dem nicht an sie gedacht wird. Meine Schwester ist ja schon fast 20 Jahre tot und meine Mutter ist sehr froh, dass sie mit mir immer über meine Schwester reden kann.

Zusätzlich zu Eurem furchtbaren Verlust musst Du jetzt aktiv mit der Kinderwunschgeschichte abschließen, da kommen halt zwei heftige emotionale Sachen zusammen. Aber auch da wirst Du Deinen Weg finden!

Alles Gute für Euch!




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