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  Re: Besuch im Pflegeheim
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  berlink
Status:
schrieb am 18.09.2019 23:02
Hallo nochmal,...

meine Oma ist bis 86 noch fit gewesen, fuhr Auto, reiste, wie sie es ihr Leben lang tat, war beim Sport usw., nach einem Akutereignis wurden dann aus einem vorübergehend geplanten Aufenthalt im Heim während eines Urlaubs meiner Eltern (die neben meiner Oma gewohnt haben und sich somit immer gekümmert haben) 5 Jahre. Nie hätte sie das gewollt. Sie war Geschäftsfrau, taff, ja sogar dominant, wusste, was sie wollte, legte viel Wert auf ihr Äußeres, bis ins hohe Alter. Sie kam nicht mehr richtig auf die Beine. Meine Mutter fuhr tgl. zu ihr ins Heim, außer, wenn sie bei mir mit den Zwillingen aushalf. Wenn ich zu Besuch war, ging ich hin und nahm auch die Kinder mit, die dann im Garten spielten, oder auch mit den Tieren, die es im Heim gab. Regelmäßig holten wie sie nach Hause. Nach unser aller Umzug in die jetzige Wohngegend zog sie mit und lebte dann noch in einem kleinen Heim in unserer Siedlung, grad mir gegenüber. So übernahm ich dann viel, holte sie oft, ging rüber zu ihr, um sie beim Essen zu unterstützen, teils holten sie auch meine Eltern zu mir, wenn sie bei mir waren.
Am vorletzten Weihnachten, was sie erlebte, waren die Zwillinge meiner Schwester gerade 9 Tage alt, alle waren bei mir, und es gibt ein Bild, auf dem meine Schwester und mein Vater um die betagte Oma herum stehen, und jeder zeigt ihr ein Baby. Das Bild hat fast etwas Heiliges.
Es war das letzte Weihnachten, was sie mit uns verbringen konnte, da am nächsten im Heim ein Norovirus war, sie war zwar nicht betroffen, aber dennoch sollten wir nicht hin und sie auch nicht holen. 6 Wochen später starb sie.
Ja, @blackmoon, ich habe auch das Bild der schwer kranken, sehr betagten, mageren Frau vor mir, wie ich an ihrem Bett stehe, es nicht wahrhaben will, aber dennoch weiß, der Notarzt hat mit der Empfehlung, sie einschlafen zu lassen, recht, wie wir uns verabschieden (konnten). Ich verstehe Dich da durchaus, denke ich. Aber es liegt an mir, ob ich nur Platz für dieses Bild in mir lasse oder die unzähligen Erinnerungen dagegen setze, ganz bewusst das in die Waagschale werfe, was sie bzw. meine Großeltern/Urgroßeltern mir beigebracht haben, mitgegeben haben. Und das ist eine Menge.
Ich persönlich finde, ich bin es meinen Angehörigen, die sich um mich gesorgt haben und jetzt sorgen, auch irgendwie "schuldig". Erst haben sie sich um mich gekümmert, später gebe ich es zurück, in dem ich mich um sie kümmere. Es ist ein Geben und Nehmen.
Ich war u.a. in der Gerontopsychiatrie tätig, und ehrlich gesagt, erwarte ich es, wenn das Verhältnis zum Betroffenen in gesunden Zeiten relativ unbelastet war (also keine Grausamkeiten usw. vorkamen) von Angehörigen, die in der gesundheitlichen Lage sind, sich zu kümmern, zu begleiten, dies auch zu tun. Ich stimme @hulks mother sozusagen zu: Ein Baby ist hilflos, kann sich nicht äußern, man wendet sich zu, eine schwer kranke Person ist ebenso hilflos, man wendet sich ab?
Ich frage mich als Privatperson und als Arzt, wie möchte ich, dass man mit mir mal umgeht? Wie möchte ich, wie man mit meinen Kindern, meine Eltern, meinen Angehörigen umgeht? So versuche ich es zu tun, gelingt sicher, in Abhängigkeit des Gegenübers, nicht durchgängig, aber meist.
Meine Kinder bekamen und bekommen von meinen Eltern so viel Zuwendung, ich fände es irgendwie befremdlich, wenn sie dann sagen, sie könnten die kranke Oma nicht besuchen, weil sie so verändert ist. Ich hoffe, ich konnte und kann meinen Kindern vermitteln, dass man auch irgendwie eine Verantwortung (was nicht heisst, dass man sich aufopfern muss in der Pflege z.B.) gegenüber den Älteren in der Familie hat. Meine Eltern haben es bei mir zumindest geschafft, mir das zu vermitteln, in dem sie mir/uns das vorgelebt haben.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 18.09.19 23:28 von berlink.


  Re: Besuch im Pflegeheim
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  gelöschter User
schrieb am 19.09.2019 05:18
...


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.19 09:06 von Lavendelzweig.


  Re: Besuch im Pflegeheim
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  berlink
Status:
schrieb am 19.09.2019 07:07
Liebe Lavendelzweig,
Ich bin Psychiaterin, ich habe in der Gerontopsychiatrie meine Facharztausbildung begonnen. Ich glaube, ich bin weit, weit davon entfernt, irgendeine Art der Demenzen zu verherrlichen. Ich kenne die Schwierigkeiten, beruflich sowie privat.
Ich denke, es geht hier nicht um eine 24 h Pflege und finde es Schade, dass Du dies jetzt ins Feld fuehrst. Denn genau davon haben wir im Beruf immer abgeraten und auch privat vertrete ich die Meinung, dass man seine Kraft, seine Liebe nicht mit potentiell schwierigen Dingen, die zum Streit und zur Wut fuehren koennen, wie Pflege und Nahrungsaufnahme, verwenden soll. Sondern eben fuer schoene Dinge, um die es hier auch ging, naemlich Besuche, Spaziergang, Eisessen usw. Oder einfach da sein. Meine Oma hat einfach mit bei mir am Tisch (im speziellen Stuhl, weil sie keine Koerperkontrolle und Kraft mehr hatte) gesessen und den Alltag hier mitgekriegt.

Ganz sicher geben die meisten Eltern und Grosseltern selbstverstaendlich ihre Zuwendung aus Liebe und erwarten nicht, dass man sich 24 h kuemmert. Aber ich als Diejenige, die diese Zuwendung bekommen hat, ich habe den Anspruch an mich, etwas zurueckzugeben, aus eigener Motivation heraus.
Und so sollte meines Erachtens eine Gemeinschaft funktionieren.

Was haette denn Deine Oma sich gewuenscht? Dass man sie im Alter besucht, oder dass man sie nicht besucht, weil man ihren Zustand nicht aushaelt?
Kann man seine Oma, die einen evtl. 40 Jahre begleitet hat, tatsaechlich nur verfallen, aggressiv und hilflos in Erinnerung behalten, weil die letzten 2 oder 5 Jahre so schwierig waren? Was ist mit den anderen, vielen gesunden Jahren, die offenbar anders verlaufen sind? Es liegt doch an einem selbst, was man als hauptsaechliche Erinnerung zulaesst.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.19 07:25 von berlink.


  Re: Besuch im Pflegeheim
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  gelöschter User
schrieb am 19.09.2019 07:18
...


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.19 09:07 von Lavendelzweig.


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  Re: Besuch im Pflegeheim
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  Blüte
schrieb am 19.09.2019 08:40
Ich habe größtes Verständnis für emotionale Schwierigkeiten bei einem Besuch von Schwerstkranken, ich habe diese Probleme selbst und jeder Einzelfall liegt anders, sowohl beim Kranken als auch beim Besuchenden, aber ich finde man sollte nun trotzdem nicht anfangen Dinge zu vermischen.

Zitat

LIEBE sollte immer uneigennützig gegeben wird, ohne Erwartung einer Gegenleistung. Und zwischen "kümmern" und einer 24-h-Pflege zu Hause liegen Welten.

Niemand hat, soweit ich das verstanden habe, dich aufgefordert, deine Oma zu dir zu nehmen und sie nun 24 Stunden zu Hause zu pflegen.
Es gab den Rat, die Oma zu besuchen, einfach mal anwesend zu sein, nicht sie zu pflegen. Weder im Heim und schon gar nicht zu Hause.
Zwischen 24-Stunden-Pflege und einem gelegentlichen Besuch im Pflegeheim liegen Welten.

Und natürlich ist Liebe uneigennützig, aber gerade WEIL unsere Eltern (u.U. unsere Großeltern) uns ein Leben lang geliebt und umsorgt haben, sind wir das, was wir heute sind. Diese Liebe hat uns stark gemacht und sie hat natürlich dazu geführt, dass wir unsere Eltern und Großeltern ebenfalls lieben. Und genau deshalb, weil WIR lieben, nicht weil wir etwas "schuldig" sind, müssen wir überlegen, was wir auf uns nehmen, wenn die Eltern und Großeltern als und schwach und womöglich nicht mehr sie selber sind. Diese Antwort mag jeder für sich finden, aber die Liebe zu den Eltern und Großeltern verpflichtet uns sehr wohl, uns mit dieser Frage auseinanderzusetzen.

Meine (absolut persönliche) Antwort ist die: Egal in welchem Zustand ein Mensch ist, dement, komatös usw., tief in ihm drin ist noch der Mensch, den wir geliebt haben und der uns geliebt hat. Auf einer vielleicht unbewussten Ebene spürt uns der andere doch, auch wenn er uns nicht mehr erkennt oder sieht.
Meine Schwiegermutter, die ebenfalls dement und bettlägerig war, wurde immer ruhiger, wenn mein Mann da war und ihre Hand hielt, auch wenn sie ihn mit Sicherheit nicht mehr erkannt hat.
Mein Vater lag im Koma auf der Intensivstation und hat uns bewusst absolut nicht wahrgenommen und doch wurde auch er ruhiger, wenn wir da waren. Diese Besuche haben mich fast umgebracht, niemand hat mich dazu gezwungen, im Gegenteil, meine Mutter meinte, ich solle es lassen, wenn es nicht geht, aber ich hatte immer das Gefühl, dass mein Vater etwas von meiner Anwesenheit spürt und sie ihm gut tut und ich wollte nicht mit dem Gedanken leben, ihn alleine gelassen zu haben, wenn er doch sterben muss, was er dann auch getan hat.

Wie gesagt, das alles ist eine sehr persönliche und individuelle Angelegenheit, aber sie ist zu wichtig als dass man sich hinter Scheinargumenten "versteckt". Besuche deine Oma oder lass es, aber die Alternative ist nicht "24-Stunden-Pflege" oder "kein Besuch im Pflegeheim". Die Alternativen lauten "Besuch im Pflegeheim" oder "Kein Besuch im Pflegeheim".

Alles Gute!

Blüte


  Re: Besuch im Pflegeheim
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  gelöschter User
schrieb am 19.09.2019 09:03
...


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.19 09:07 von Lavendelzweig.


  Re: Besuch im Pflegeheim
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  Blüte
schrieb am 19.09.2019 09:10
Vielleicht ist die Frage interessant, warum du dich angegangen fühlst....

Ich habe dich z.B. nicht angegriffen, sondern im Gegenteil signalisert, dass ich die Problematik sehr gut verstehe und sogar sehr persönliche Beispiele aus meinem Leben genannt.

Und ich habe auch mit KEINEM Wort erwähnt, dass du dich für die Pflege aufopfern sollst. Oder dass Kinder das grundsätzlich für ihre Eltern tun sollen. Das war überhaupt nicht die Frage.

Es geht nicht um Aufopferung für die Pflege, sondern um die Frage "Besuch ja oder nein?".

Ist ja fein, wenn du deine Entscheidung getroffen hast.


  Re: Besuch im Pflegeheim
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  HulksMother
schrieb am 19.09.2019 13:39
Oha, da hat aber jemand akut Schwangerschaftshormone...
smile
Lavendelzweig, auch wenn Du Dich abgemeldet hast, weil Du Dich über die Meinungen geärgert hast, alles Gute für die Schwangerschaft und Geburt! Ärger Dich nicht, genieß die Zeit und lass einfach die Meinungen etwas sacken, vielleicht hilft es Dir zu einem späteren Zeitpunkt weiter.




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