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  Re: das Ende einer Freundschaft
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  Joaninha
schrieb am 08.12.2018 08:00
Rubins toller Beitrag hat eigentlich das Wesentliche schon zusammengefasst.

Nach Deinem letzten Post kamen mir noch zwei Gedanken. Einmal scheint es ja so zu sein, dass ihr beide einen wunden Punkt habt: Sie, was die Aggressivität ihres Kindes betrifft, Du, was die Schwäche Deines Kindes betrifft. Beides ist verständlich, aber gerade dann ist es sinnvoller, sich in solchen Situationen um Zurückhaltung bemühen. Ich finde es natürlich gut und richtig, dass Du Deinen Sohn in der Situation schützt. Aber in der WA ging es dann doch eher nicht um Schutz, sondern darum, auszuhandeln, ob Deine Freundin ein Schlägerkind hat oder Du einen Schwächling. Es ging darum, auszuhandeln, wer das "gute" und wer das "schlechte" Kind hat. Wie gesagt, ich verstehe, dass Deine Freundin da nicht mitmacht.

Generell denke ich, wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Sohn nicht "stimmt" - sorry für die Ausdrucksweise -, dann kann die Lösung nicht sein, die Welt um Dich herum so umzudeuten, dass am Ende die anderen die Bösen sind. Abgesehen davon, dass es für Dich selbst offenbar nicht wirklich befriedigend ist, ist es, zumindest meine ich das, auch nicht das richtige Signal an das Kind. In solchen Situationen versuche ich immer, für mich einen Plan zurechtzulegen, welche Strategien ich meinem Kind auf den Weg geben kann, um die Situation zu ändern. In Deinem Fall würde ich mich erst einmal fragen, wie ich selbst zu welcher Form von Gewalt stehe: Was akzeptiere ich, was nicht, warum nicht? Es ist, glaube ich, zu einfach, pauschal zu sagen, das man Gewalt in keiner Form akzeptiert. Im Alltag tut man das so viel häufiger, als einem lieb ist. Es ist also schon einmal gut zu wissen, wo man seine persönlichen Grenzen setzt. Ansonsten finde ich, es wurden wirklich schon gute Strategien genannt: Übersetzen, nahe am Kind bleiben, immer wieder sagen "Nein, schlagen geht nicht". Wir haben in dem Alter auch immer das Buch gelesen "Jakob ruft Stopp, lass mich in Ruhe". Es zeigt sehr schön, dass man es sagen darf, wenn man etwas nicht möchte. Und schließlich denke ich, es ist auch gut, Interaktionen zwischen Kindern in dem Alter generell als Lernprozesse zu sehen, die man unterstützt, so gut es eben geht. Mehr als immer wieder sagen und vorleben "Dies geht, dies nicht", kann man eigentlich nicht tun.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  anonym2222222
schrieb am 09.12.2018 09:19
Hey,

herzlichen Dank für eure Beiträge. Jede Antwort hat mir auf ihre Weise geholfen, das Geschehene etwas besser zu verstehen und einordnen zu können.

Wir sind als Familie am Wochenende unterwegs, deswegen habe ich gerade nicht die Ruhe, auf jeden Beitrag einzeln einzugehen. Ich werde mir die Beiträge nächste Woche nochmal ganz in Ruhe anschauen, wollte mich aber schon mal melden, damit ihr nicht denkt, ich würde nicht mehr antworten.

Viele Grüße

PS Meine Freundin hat sich nicht auf meine Nachricht hin gemeldet.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  lena9
Status:
schrieb am 10.12.2018 12:44
auch ich bin berührt durch deinen thread.

auch mein kind ist eher zurückhaltend und ängstlich. sie hat noch nie ein kind gehauen und wehrt sich auch nicht. das war auch schon thema bei kita-entwicklungsgesprächen.

die tochter einer bekannten (freundin zu sagen fällt mir aktuell schwer) ist ein jahr älter und völlig anders vom temperament. lauter, wilder, mutiger. das ganze wird angefeuert durch den altersunterschied, der gerade (3,5 jahre und 2,5 jahre) doch noch massiv ist. leider hat die "große" angefangen meine tochter zu hauen und zu schubsen. es kam soweit, dass meine tochter hinfiel und blutete (lippe aufgeschlagen) und die "große" das anfing dann zu machen, wenn wir die beiden nicht im blick hatten. das ging mehrere monate so und letztlich gab es eine situation, bei der meine tochter unter einem spielgerät lag (hingefallen), was die tochter meiner freundin weiter benutzen wollte. dies hätte auch zu einer verletzung geführt. in diesem moment habe ich erstmal auch etwas gerufen/gesagt. ein deutliches, dass sie das lassen soll. meine bekannte ist mir dann ziemlich über den mund gefahren und meinte, dass dies ihr kind sei und nur sie etwas sagen dürfe.

ich habe die freundschaft/bekanntschaft einschlafen lassen. es kamen noch andere dinge dazu, aber für mich war das nicht mehr erträglich mitanzusehen und ich hatte wirklich angst um meine tochter. ich fand es auch völlig in ordnung in dieser situation etwas zu sagen: ich KANN nicht einfach nur zuschauen, wenn meine tochter (mal wieder) gehauen, geschubst oder gebissen wird und es zudem eine situation war, bei der ich wirklich die angst hatte, dass ihr der kopf verletzte wird. meine gefühle für die "große" sind leider auch deutlich abgekühlt (klar, ich weiß, dass kinder so sind und dass das normal ist usw. aber ich kann dann auch nicht viel machen gegen dieses gefühl).

meine tochter ist inzwischen sehr eng mit einem mädchen befreundet, welches auch etwas wilder ist als sie. aber sie blüht völlig auf in diesem kontakt. sie bekommt mehr selbstbewusstsein und wird deutlich wehrhafter. schlagen/schubsen/beißen tuen beide nicht.

ein sauschwieriges thema. ich finde es sehr gut, dass du auf deine freundin zugegangen bist. ich wünsche dir, dass sie sich meldet. vielleicht findet ihr eine lösung, die für euch beide ok ist, wie ihr damit umgehen könnt. gar nichts sagen - das wäre etwas, was ich nicht könnte, weil ich immer mehr das gefühl hatte meine tochter im stich zu lassen und bei jedem zusammentreffen angst hatte, was jetzt wieder passiert.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 10.12.2018 14:46
"ich hab was gesagt"

über den Satz musste ich jetzt nachdenken. generell gehöre ich zu den Menschen, die der Meinung sind, dass es ein ganzes Dorf zum Erziehen eines Kindes geben kann. es ist mMn gut, wenn das Kind immer wieder mit Ansichten und Grenzen anderer konfrontiert wird, denn ich denke, dadurch lernt es Aufmerksamkeit und Empathie gegenüber der Umwelt.

aber ich denke, es geht nicht nur um endlich mal "was" sagen, sondern auch um das "wie" und "warum". spreche ich die Sache an oder meine Emotionen aus. will ich etwas verändern (und erklären) oder etwas beenden.

Kinder, insbesondere Kleinkinder, sind mMn sehr eng in ihrer Wahrnehmung. sie haben ein Ziel und denken nicht daran, was für Auswirkungen es haben kann. ich finde, das merkt man immer gut daran, wenn ein Kind von A nach B will. es nimmt immer den kürzesten Weg, quetscht sich durch, denkt nicht, dass es in der Menge verloren gehen kann und vergisst auch, dass man schon tausend Mal gesagt hat, dass es das aus dem und dem Grund nicht tun soll oder dass man gleich mitgeht, wenn man mit dem anderen Kind fertig ist... ich finde, man merkt an diesem Beispiel, wenn kein anderer involviert ist, dass das Kind eben nur an den Moment denkt und nicht mal an die Konsequenzen für sich - wie dann an die Konsequenzen für andere?

es hilft da halt immer wieder reden und erklären und Situationen beenden, wenn es nicht klappt. aber da hab ich einfach das Gefühl, dass man irgendwann müde ist zum Erklären. dass man der Meinung ist, dass es doch endlich Verstanden sein muss, weil man es von einem bestimmten Alter erwartet, weil es das eigenen Kind schon kann, weil es doch sooo offensichtlich ist. aber jedes Kind ist da eben anders.

und dieses Reden wird erleichtert, wenn es um die Sache geht und man eben auch erklärt und nicht nur was sagt. ich bin der festen Überzeugung, dass es dann auch oft eher angenommen wird, dass man sich sozusagen in die Erziehung eines anderen eingemischt hat. wenn man Sorge und Empathie anstatt Angst und Wut zeigt, vermeidet man es, Schuld zuzuweisen. wer Schuld hat, wird blocken und kann sich nicht ändern. mir ist sowas mal beim Einkaufen passiert: während ich mit dem einen Kind noch beschäftigt war, ist das andere schon vor. ich war bemüht, dass das eine Kind fertig wird, um dem anderen hinterher zu kommen; das andere Kind hat sich in eine Situation begeben, wo es für sich und andere eine Gefahr hätte sein können. ich war innerlich zerissen, hatte Angst, mich zu was zu entscheiden, damit mir das andere nicht entgleitet. auch wegen der Distanz bin ich laut geworden. gebracht hat es nichts. aber ein Mann hat mir dann gesagt, dass ich so nicht mit Kindern umgehen kann. er hatte keine Kinder. aber ich hatte am Ende das Gefühl, dass er stolz auf sich war und Zivilcourage gezeigt hat. an meinem Problem hat es nichts geändert (er hat es auch erst gesagt, als ich dann doch wieder beide Kinder zusammen hatte), stattdessen war ich nun auch wütend auf dem Mann, denn ich hatte ja noch immer keine Lösung für das nächste Mal. für mich wäre es besser gewesen, er etwas gemacht anstatt nur gesagt. und es hätte Möglichkeiten gegeben. witzigerweise erlebe ich sowas dann oft mit älteren Menschen. klar machen die das nicht immer geschickt und oft auch nach alten Muster, aber sie helfen trotzdem, die Situation aufzulösen und zeigen dann, dass was man anders machen kann. also irgendwie Lösungen anstatt Probleme und wenn sie nur den Moment zum kurz durchatmen schaffen, damit man selber wieder mit den Kindern reden kann, nachdem man aus der Schockstarre, aus der Gewohnheitsschleife rausgekommen ist. denn oft wissen die Eltern doch auch nicht, wo das Problem ist, weil sie denken, alles versucht zu haben oder es gar nicht mehr richtig bemerken, weil es zwischenzeitlich normal erscheint.

so, etwas kryptisch vielleicht, aber ich denke halt immer, es lassen sich viele Probleme vermeiden, wenn man sich in den anderen hineinversetzt und so...


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  Re: das Ende einer Freundschaft
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  blahblahblah
schrieb am 02.01.2019 14:41
Ich fühle mit dir. Eine Freundin zu verlieren ist nicht leicht.

Allerdings sehe ich auch, dass die ganze Sache sehr hochgeschaukelt wurde. Zwischen 2 und 3 hatte meine Tochter praktisch kaum Kontakte mit ihren "Freundinnen", weil man sich so gestritten hat. Es ist halt die Autonomiephase, wo alles meins ist und wo die Kompetenzen noch nicht ausreichen um ordentlich zu kommunizieren. Sicher muss man das auch lernen, aber wenn eine bestimmte Zweierkonstellation nicht klappt, dann wartet man lieber bis sich alles gelegt hat.

Man kann aus der Entfernung nicht sagen, wie wichtig der Frau eure Beziehung ist/war. So lange es um ihr Kind geht, wird sie immer zu ihrem Kind stehen, zum Ausschluss von allem anderen. Vielleicht ist sie auch so verletzt und besorgt um das Verhalten ihres Kindes, dass sie überempfindlich reagiert. Und du auch. Ich habe auch 2,3 Jahre alte Zwillinge, wo das Mädchen den Bruder verprügelt, wo sie nur kann. Der steht nur da und weint. Sicher versuche ich zu vermitteln und beizubringen, wie man miteinander spielt und dass man sich nicht haut, aber es passiert nicht über Nacht. Da muss halt der Kleine auch mal einstecken wenn ich nicht in der Sekunde daneben bin. Es gehört zum Lernen dazu. Er muss auch irgendwann lernen sich zu wehren. Was deine Sorge betrifft, würde ich mich also versuchen zu entspannen, dein Kind wird es schon noch lernen.

Das gesagt, denke ich, ihr solltet euch eine Abkühlungsphase genehmigen und dann schauen, ob es in ein paar Monaten noch so aussieht, bzw. euch aussprechen und bis dahin ohne Kinder zusammenkommen, falls das noch gewollt ist.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.01.19 14:48 von blahblahblah.




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