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  das Ende einer Freundschaft
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  anonym2222222
schrieb am 04.12.2018 22:19
Hallo zusammen,

heute schreibe ich anonym, da ich in diesem Beitrag recht viele Details nennen werde. Ich bräuchte mal euren Rat bzw. eine Einschätzung.

Kurz vor der Geburt meines Sohnes bin ich umgezogen und habe in der neuen Stadt hauptsächlich Kontakte über mein Kind gefunden (zu anderen Müttern). Aus einem Kontakt hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt und wir haben uns etwa 2 Jahre lang mehrmals in der Woche getroffen, auch mal abends und ohne Kinder, und auch unsere Gespräche haben sich nicht nur um die Kinder gedreht. Für mich war sie eine wirklich gute Freundin und ich habe sogar überlegt, sie zu fragen, ob sie Patentante meines zweiten Kindes wollen würde.

Mein älteres Kind ist eher schüchtern und zurückhaltend, ihres ist eher extrovertiert und impulsiv und es kam immer wieder zu Situationen, in denen ihre Tochter mein Kind gehauen und gebissen hat (beide sind 2,5 Jahre alt). Das war für uns beide schlimm: Meine Freundin hat an ihrer Erziehung gezweifelt und hatte Angst, dass ihre Tochter durch ihr Sozialverhalten Probleme haben würde. Ich wollte nicht, dass das Selbstbewusstsein meines sowieso eher ängstlichen Kindes leiden würde und hatte Angst, dass er durch das Beißen eine Narbe bekommen könnte. Zwischendrin haben beide aber auch immer wieder schön miteinander gespielt.

Nach einem solchen Vorfall haben wir entschieden, uns erstmal nur ohne Kinder zu treffen (die Initiative ging von meiner Freundin aus), aber es hat nicht lange gedauert bis wir uns doch wieder zumindest auf Spielplätzen getroffen haben und das dann eigentlich auch gut geklappt. Vor einigen Monaten kam es dann aber zum Bruch zwischen uns. Der Auslöser war ein Spielplatzbesuch, bei dem die Tochter meiner Freundin meinen Sohn immer wieder ein Spielzeug wegnehmen wollte. Meine Freundin hat ihrer Tochter dann gesagt, sie solle meinem Sohn ein anderes Spielzeug geben, aber ich habe meinem Sohn gesagt, dass er sich das nicht gefallen lassen darf und damit die Situation vll. noch weiter zur Eskalation gebracht. Die Tochter hat meinen Sohn dann recht fest geschubst und ich habe mich so erschrocken, dass ich die Tochter ziemlich angefahren habe und "Hör auf, xy" gerufen habe. Meine Freundin hat daraufhin gesagt "Bitte schrei meine Tochter nicht so an." Mein Sohn ist in Tränen ausgebrochen und wir sind dann erstmal vom Spielplatz weggegangen.

Ich habe dann ziemlich aufgebracht eine Sprachnachricht an meine Freundin geschickt, in der ich ihr gesagt habe, dass ich meinem Sohn gegenüber genauso reagiert hätte, wenn er ein anderes Kind hauen / schubsen würde (ich hätte ebenfalls "Hör auf" gerufen, zumal es für mich kein "schreien" war, aber gut). Ich habe gesagt, dass ich denke, dass es besser ist, wenn wir uns erstmal nicht mehr mit den Kindern treffen, da es für mich schwer mitanzusehen sei, dass mein Sohn immer wieder von ihrer Tochter attackiert werden würde, obwohl er nichts machen würde.

Sie hat mir dann einen Tag später geschrieben, dass sie mit einem Menschen, der sie so verletzt, nicht befreundet sein will. Sie hat es so verstanden, dass ich ihr Kind als "Schlägerkind" dargestellt hätte. Sie hätte mich immer unterstützt und es seien Kinder, da sei so etwas normal. Ich habe ihr dann noch einmal geschrieben, dass ich ihrem Kind oder ihr keine Schuld gebe, sondern eher finde, dass die Konstellation zum Spielen momentan nicht passt und dass ich es sehr schade finde, dass sie unsere Freundschaft einfach so über whatsapp und ohne den Versuch einer Aussprache beendet. Danach habe ich nichts mehr von ihr gehört.

So, das war jetzt viel Text und alles sehr kleinschrittig beschrieben, aber es war mir wichtig, die Situation aus meiner Erinnerung heraus möglichst genau und ohne viel Wertung darzustellen.

Ich bin immer noch sehr traurig über das Geschehene und es fühlt sich so seltsam an, dass unsere Freundschaft auf diese Weise und irgendwie so abrupt zerbrochen ist. Ich vermisse sie und unsere Gespräche und ich frage mich, ob ich mich noch einmal bei ihr melden soll. Deswegen hätte ich von euch gerne eine Einschätzung:
Ist das, was ich getan / gesagt habe, wirklich so schlimm, dass man eine Freundschaft beendet?
Soll ich mich noch einmal bei ihr melden und sie nach einem Treffen fragen, bei dem wir nochmal über alles reden?
Eigentlich würde ich mich sehr gerne mit ihr aussprechen, da ich das Gefühl habe, dass sie mich auch missverstanden hat. Ich wollte sie oder gar ihr Kind nicht kritisieren, sondern ihr eher meine Gefühlslage deutlich machen.

Zumindest bisher hat mich aber immer etwas davon abgehalten, ihr nochmal zu schreiben; ein Gefühl, dass ich wohl am ehesten als Stolz beschreiben würde. Sie hat hier recht viele Freunde, ich eher Bekanntschaften und jetzt habe ich das Gefühl, dass mir die Freundschaft zu ihr die ganze Zeit sehr viel wichtiger war als umgekehrt.

Was würdet ihr tun? Wie seht ihr das Ganze?

Liebe Grüße


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  Hamamelis71*
schrieb am 05.12.2018 14:32
ich finde Deine Reaktion angemessen und passend zur Situation. Warum sollte man nicht mal einem anderen Kind sagen, was geht und was nicht geht? Meist ist das doch wesentlich wirkungsvoller, als wenn die eigene Mutter dies tut.

Ich habe auch so eine ähnliche Konstellation: zwei ehemalige Kolleginnen, die schon ewig miteinander befreundet sind, nur ihre Kinder kommen überhaupt nicht miteinander klar. Wir haben uns dann immer ohne Kinder getroffen, damals hatte ich noch kein Kind.

Schick Deiner Freundin doch einfach mal Weihnachtsgrüße und melde Dich im neuen Jahr dann nochmal bei ihr und frag, ob Ihr Euch mal treffen wollt.

Ja, das wird so sein, dass die Freundschaft für Euch eine unterschiedliche Bedeutung hatte. Manchmal glätten sich die Wogen und manchmal nicht. Aber trotzdem würde ich es mit einem Kontaktversuch nochmal versuchen.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  akazie76
schrieb am 05.12.2018 17:18
Ich finde deine Reaktion auch ok - aber da das bei euren Treffen ja wohl schon öfters Thema war, sind da wohl beide Seiten auch empfindlich. Jeder ist ja doch irgendwie auf der Seite seines Kindes.... vielleicht denkt sie, du zweifelst an ihrer Erziehung und eure grundsätzlichen Werte passen nicht zusammen? Wobei ich schon nicht so richtig nachvollziehen kann, dass man eine gute Freundschaft wegen sowas einfach beendet. Ich denke nämlich schon, dass du für sie auch wichtig warst, wenn ihr euch mehrmals die Woche getroffen habt und gute Gespräche hattet. Ich finde auch weihnachtliche Grüße nicht schlecht mit dem Hinweis, dass du dich sehr freuen würdest, wenn ihr wieder Kontakt hättet und dass du sie vermisst. Es ist so schwer, gute Freunde zu finden, da würde ich drum kämpfen.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  pmami
schrieb am 05.12.2018 22:35
Ich bin die Mutter eines Kindes, dass anderen Kindern Spielzeug wegnimmt und andere Kinder schubst. Deshalb sage ich Dir - wenn Du es hören magst - wie Deine Freundin die Situation empfindet.
Deine Freundin ist nicht stolz auf das Verhalten ihrer Tochter. Sie denkt nicht, dass ihre Tochter besonders ehrgeizig oder durchsetzungsfähig ist. Sie sieht sehr wohl die Problematik in dem Verhalten ihrer Tochter. Sie sieht aber auch, dass ihre Tochter erst 2,5 Jahre alt ist und deshalb noch nicht perfekt funktionieren muss. Sie versucht auf ihre Tochter mäßigend einzuwirken. Z.B. indem sie ihr Alternativen anbietet. "Gib dem Jungen doch einfach ein anderes Spielzeug, dann gibt er Dir seins".

Deine Freundin empfindet das Zusammensein mit Kindern (und deren Mütter), die lieb und brav und folgsam sind und niemals schubsen oder hauen als anstrengend. Denn auch wenn Du es weder sagst noch vielleicht jemals so empfunden hast (vielleicht aber auch doch), hat deine Freundin immer das Gefühl, das unterschwellig ein Vorwurf mitschwingt, der da lautet "Dein Kind ist anders. Dein Kind ist aggressiv. Dein Kind ist ein Schläger. Tu etwas. Du bräuchtest nur etwas tun und dann hört das sofort auf."
Deine Freundin aber weiß, dass dieser Vorwurf nicht stimmt. Denn sie tut ja etwas. Es funktioniert nur einfach nicht, wie ein Knopfdruck. Es braucht Zeit. Zeit, in der ihre Tochter andere Kinder schubst. Darunter deines.
Deine Freundin kann sich nicht (oder nur schwierig) mit Dir ohne Kind treffen, weil sie ihre Freizeit mit ihrem Kind verbringt und auch verbringen möchte.

Es war einfach etwas unglücklich, dass Du die beschriebene Situation gewählt hast, um Deinem Sohn plötzlich Wehrhaftigkeit beizubringen. Es war leider unangemessen, dass Du das Kind Deiner Freundin angeschrien hast. Aber das war aus der Situation heraus - Du warst erschrocken - sogar noch verständlich. Was deine Freundin tief verletzt haben muss, war, dass Du ihr anschließend in einer Sprachnachricht an den Kopf geworfen hast:

"dass mein Sohn immer wieder von ihrer Tochter attackiert werden würde, obwohl er nichts machen würde."

Was soll Deine Freundin mit einem derartigen Vorwurf anfangen? Faktisch ist er womöglich zutreffend - wenn man jetzt mal davon absieht, dass wir hier von 2,5jährigen reden. Aber was soll Deine Freundin dazu sagen? Du hast klargemacht, wie Du ihre Tochter siehst. Nicht besonders positiv. Wie gesagt, für Dich mag das sachliche Gründe haben. Für Deine Freundin geht es hier um ihre Tochter.

Wie würdest Du Dich fühlen, wenn sich jemand so über Deinen Sohn äußert? Was würde das für deine Freundschaft zu diesem Menschen bedeuten?

Nein, ich glaube nicht, dass Deiner Freundin Eure Freundschaft weniger bedeutet hat, als Dir. Ich glaube, dass Du Deine Freundin an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen hast. und dass ihr das sehr weh getan hat.

Das wäre der Punkt, an dem ich ansetzen würde, wenn Du Eure Freundschaft retten möchtest.

Viele Grüße pmami


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 05.12.18 22:40 von pmami.


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  Re: das Ende einer Freundschaft
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  anonym2222222
schrieb am 06.12.2018 10:19
Hallo ihr Lieben,

erstmal danke für eure Antworten und Einschätzungen, die mir alle drei geholfen haben!

Pmami: Danke insbesondere dafür, dass du aus der Perspektive meiner Freundin heraus argumentiert hast, denn auch wenn ich eigentlich dachte, ich könnte sie verstehen und mich in sie hineinversetzen, hat mir dein Beitrag doch manches aufgezeigt, was mir so nicht klar war. Obwohl du uns ja nicht kennst, hast du vieles direkt erfasst und auf den Punkt gebracht.
Erstmal: ich mag ihr Kind gerne. Sie ist wirklich eine süße kleine Maus, die mir immer am Herzen gelegen hat und ich weiß, dass sie noch sehr klein ist und meinen Sohn nicht ernsthaft verletzen wollte. Gut möglich, dass meine Freundin mir das nicht mehr glauben konnte, nachdem ich in der Sprachnachricht von „attackieren“ etc. gesprochen habe. Es hat mir als Mutter unheimlich wehgetan zu sehen, dass mein Kind offensichtlich leidet und in seinem Verhalten gehemmt ist (vermeiden, ausweichen etc.).

Ich weiß noch, dass ich wütend war, als ich die Sprachnachricht abgeschickt habe. Und ja, wenn ich ehrlich bin, habe ich meiner Freundin (in dem Moment) auch eine Verantwortung dafür zugesprochen, dass ihr Kind so ist, weil ich dachte / denke, dass sie manchmal in ihrer Erziehung nicht konsequent genug ist. Ich finde es ist kein guter Lösungsversuch, wenn man seinem Kind, das einem anderen Kind ein Spielzeug wegnimmt, suggeriert, es müsse ihm nur ein anderes Spielzeug geben, dann wäre alles ok. Denn dann, und hier spricht jetzt die Mutter des „braven, schüchternen“ Kindes aus mir, ist das erst recht schlimm für das andere Kind, das das andere Spielzeug vielleicht gar nicht haben wollte und denkt, alles mit sich machen lassen zu müssen.

Mir war es tatsächlich wichtig, meinem Sohn zu aufzuzeigen, dass das so nicht in Ordnung ist und dass er sich das nicht gefallen lassen muss. Du hast aber sicher damit Recht, wenn du sagst, dass es zu einer Zuspitzung der Situation beigetragen hat und in dem Moment alles nur verschlimmert hat.
Du hast auch Recht damit, wenn du sagst, dass es der wunde Punkt meiner Freundin ist. Ja, das ist ihr wunder Punkt, und das Schlimme ist, dass ich das auch genau wusste. Wir beide haben uns oft über unsere Kinder gesorgt und viel darüber geredet – auch wenn es Sorgen aus unterschiedlichen, teils fast gegensätzlichen Gründen waren.
Sie hat mir vorgeworfen, ihr in den Rücken zu fallen, es war aber meine Meinung, ihr gerade als Freundin auch ehrlich sagen zu dürfen, was ich denke (dass ich sie für eine tolle Mutter halte, aber dass ich mir in der Situation von ihr ihrer Tochter gegenüber eine andere, deutlichere Reaktion gewünscht hätte). Ich war aber in meiner Wortwahl sicher nicht sensibel.
Ich hatte mir immer gewünscht, dass sich meine Freundin auch mal in meine Lage versetzt, habe aber jetzt erkannt, dass ich mich auch nicht ganz in sie hineinversetzt habe / versetzen konnte.

Ich bin immer noch recht ratlos. Zum einen, weil die Unterschiedlichkeit unserer Kinder sich ja nicht ändern wird. Wie sollten wir uns weiter treffen, wenn die Treffen für unsere Kinder und uns Stress bedeuten? (Eine andere Freundin, die von allem weiß, hat mir sogar große Vorwürfe gemacht, dass ich meinem Sohn diese Treffen mit der Tochter meiner Freundin überhaupt so lange zugemutet habe.) Glaubt ihr, dass sich so etwas mit der Zeit auch entspannen kann (also dass die Kinder unterschiedlich bleiben, aber vielleicht doch einen Draht zueinander finden / voneinander lernen)? Natürlich könnte man sich auch ohne Kinder treffen.

Zum anderen bin ich immer noch sehr verletzt, weil ich selbst die Freundschaft an diesem Punkt nie beendet hätte. Einerseits würde ich gerne um die Freundschaft kämpfen, andererseits habe ich immer noch das Gefühl, dass sie mir wichtiger war als umgekehrt, und ich weiß nicht, ob ich darauf eine Freundschaft aufbauen kann / will.


  Re: das Ende einer Freundschaft
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 06.12.2018 12:17
Puh, eine schwierige Situation.

Als du gesagt hast, dass dein Sohn sich das nicht gefallen lassen soll, habe ich den Eindruck, dass du das auf die generelle Situation beziehst. Du möchtest nicht, dass er untergebuttert wird (da hast du evtl. Ängste genau wie sie, nur unterschiedliche). Allerdings sind da vielleicht mehr eigene Gefühle im Spiel als seine. Ich warte in solchen Situationen immer ab und schaue, was mein Kind dazu meint. Zeigt er, dass er (17 Monate) es sich nicht wegnehmen lassen möchte, "übersetze" ich dem anderen Kind, woran ich das erkannt habe. Lässt er es sich abnehmen, hatte er offenbar gerade das Interesse daran verloren oder fasst das als Spielangebot auf (klingt merkwürdig, hatten wir aber tatsächlich mehrfach so im Sandkasten). Warum sollte ich dann intervenieren und meine Meinung aufdrücken?

Bei uns gibt es bei Treffen mit anderen Eltern, Kindern, Familien, die Regel: Jeder schützt sein eigenes Kind.
Ist mein Kind dann rabiat zu einem anderen, halte ich es sogar für wertvoll, wenn dessen Mutter mal sagt "Stopp! Du gehst zu weit. Das tut XY weh." Nur so lernt doch das Gehirn. Nur durch authentische Reaktionen anderer können Aktion und Reaktion miteinander verknüpft werden und das gesellschaftlich adäquate Verhalten "entdeckt" werden. Man könnte das sogar als Entlastung der Mutter sehen. Sie ist nicht (allein) dafür zuständig, dass das Kind immer zu funktionieren hat. Das kann sie ja gar nicht sicherstellen. Ihr Kind ist dafür einfach zu jung. Ich finde aber, dass man es als solches sehen sollte. Es ist ein Lernprozess. Das "schwächere" Kind muss dabei geschützt werden durch schnell mögliches Eingreifen (oder notfalls auch mal eine Spieldatepause).

Wenn dir die Freundschaft so wichtig ist, würde ich ihr genau das erklären. Ich halte das nicht für "Stolz aufgeben". Du würdest dadurch zeigen, dass du die Situation überblickst, dass sie dir wichtig ist, dass aber als Mutter eben deine Aufgabe ist, dein eigenes Kind zu schützen.

LG
Juna


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  Kluntjemedroom
schrieb am 06.12.2018 14:56
Bei uns gilt die Regel, jeder schimpft nur das eigene Kind.
Meine Kleine wurde letztens von einer Mutter weggeschubst, da sie ein anderes Kind mit Blättern beworfen hat. Ich hatte da sehr große Mühe, nicht auszurasten. Ich denke aber auch, dass Handgreiflichkeiten bei Kindern unter vier normale Kommunikation sind und meistens nicht so schlimm von den Kindern empfunden werden.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  -Firefly-
schrieb am 06.12.2018 17:08
Dein Beitrag berührt mich sehr, ich dachte bei deinen ersten Zeilen, dass meine Freundin hier schreibt.
Unsere Kinder sind allerdings fast 4 und da ist „aggressives“ Verhalten nochmal anders zu bewerten.
Deinen Zwiespalt kann ich aber so gut nachempfinden, denn so sehr ich meine Freundin mag, ich habe eigentlich keine Lust mehr auf gemeinsame Treffen mit dem Kindern, mein Sohn kann dies mittlerweile auch verbalisieren und das bringt mich echt in eine Zwickmühle...
Wenn dir eure Freundschaft aber wichtig ist, dann erkläre ihr, dass es nicht ok war, wie du dich in der sprachnachricht über ihr Kind geäußert hast und dass du ihre Tochter sehr gern hast, du in diesem Moment einfach nur in Sorge um deinen Sohn warst und nicht reflektiert hast. Es scheint natürlich übertrieben, dass sie die Freundschaft dann per WA beendet hat, aber du hast in ihren Augen ihre Tochter (also das Wichtigste in ihrem Leben) „angegriffen/beleidigt“.

Ansonsten sehe ich es so wie Juna, jede Mutter „beschützt“ ihr Kind und kann dann ein anderes Kind auch in „seine Schranken weisen“. Natürlich darf man nicht schreien, aber deutlich sagen, dass etwas nicht geht, muss sein.
Natürlich niemals so wie bei Klutjemedroom beschrieben, das geht natürlich überhaupt nicht


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  Joaninha
schrieb am 06.12.2018 17:56
Ich bin ganz bei pmami, möchte aber doch noch kurz meine Sicht der Dinge dalassen. Du hast ihren wunden Punkt getroffen, das sehe ich auch so. Ich denke aber, es geht dabei nicht nur darum, dass Du ihr Kind beleidigt hast, also denjenigen Menschen, der ihr am meisten am Herzen liegt. Ich denke, das Problem ist, dass Deine Worte bei ihr auf einen Perspektivwechsel zielten (und vielleicht für den Moment auch ausgelöst haben), der aus ihrem wunderbaren, geliebten, einzigartigen Kind das gemacht hat, was sie ein "Schlägerkind" nennt. Ich finde, dieses eine Wort bringt sehr gut auf den Punkt, wie Deine Worte bei ihr ankamen. Sie konnte das vielleicht nicht anders ausdrücken, aber für mich liest es sich so, dass sie Deine Worte als Manipulation dahingehend verstand, dass Du einen Keil zwischen sie und ihre Tochter treiben wolltest. Sie fühlte sich von Dir genötigt, Deine Perspektive zu übernehmen, dass ihr Kind eine Bratze sei, um mal dieses nette Wort aus dem Blog aufzugreifen. Das hat sie nicht getan. Das tut sie auch nicht, wenn Du Dich jetzt bei ihr meldest. Und das wird sie niemals tun.

Wenn Du mich fragst, ist das völlig verständlich. Denn was hat ihr zweieinhalbjähriges Kind davon, wenn seine Mutter es als Schlägerkind sieht? Gerade in diesem Alter ist das Selbstbild des Kindes so sehr vom Bild abhängig, das andere ihm vermitteln. Und das Selbstbild wiederum bestimmt das Handeln des Kindes. Wenn die Mutter das Kind als 'böse' betrachtet, dann kann das sehr wohl zur self-fulfilling prophecy werden. Soll die Mutter das jetzt ernsthaft auf Deinen Zuruf hin riskieren?

Du schreibst, Du würdest nie eine Freundschaft aus diesem Grund beenden. Mit demselben Recht könnte sie sagen, dass sie niemals versuchen würde, einer Freundin ihr Kind schlechtzureden. Ich persönlich würde nicht zögern, eine Freundschaft aus diesem Grund zu beenden. Nicht, weil ich die entsprechende Person so schrecklich finde, sondern weil ich vor die Wahl gestellt immer an der Seite meines Kindes bleiben würde. Bei all dem wohlgemerkt vorausgesetzt, dass Deine Worte bei ihr tatsächlich so ankamen, wie ich es oben geschildert habe - was wir ja nicht wissen können.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  Tiffy27
Status:
schrieb am 07.12.2018 08:43
Hallo,

ich habe verschiedentlich schon das Problem gehabt. Mein Sohn ist einfach vielen Eltern zu wild und zu anstrengend rauchen Wir wurden tatsächlich schon mehrfach eingeladen und noch vor dem Treffen wieder ausgeladen, weil das über KIGA etc "rauskam", dass er ein Wildfang ist. Im Übrigen habe ich auch immer das Gefühl und teilweise wurde es sogar von der anderen Seite ausgesprochen, dass man mir da eine (Mit)schuld gibt und ich irgendwie wohl was falsch mache, bei ihnen läuft es ja besser.

Wie auch immer ich trenne dann einfach. Wo besteht wirklich eine Freundschaft zur Mama und nicht zu den Kindern primär? Dann treffen wir uns ohne Kinder überwiegend.

Ich schlucke dann auch alles runter und bringe das Thema Kinder nicht mehr aufs Trapez. Funktioniert natürlich nur bei einer Freundschaft wo auch Substanz da ist und man über andere Sachen als Kinder reden kann.
Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, dass ihr ein Kindertreffen wiederholen solltet in naher Zukunft. Aber trefft ihr euch ab und zu abends kann das auch wertvoll sein.

Ist es eine Bekanntschaft und die Kinder haben den Kontakt gebracht, beende ich das zum Eigenschutz schnell.


Ich denke auch die WA war sehr unglücklich. Versuche das nächstes mal zu vermeiden in der Emotion gleich so eine Nachricht zu verfassen. Das attackiert war zudem sehr ungünstig. Deine Freundin kann ihr Kind nicht fernsteuern, sie fühlt sich da zurecht angegriffen.


LG Tiffy


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  anonym2222222
schrieb am 07.12.2018 12:37
Hallo,

danke, dass ihr euch Gedanken und mein Problem gemacht und mir mit euren Beiträgen geholfen habt.

Es ist wirklich eine schwierige Situation und ich merke auch an euren Beiträgen, wie unterschiedlich die Meinungen doch sind – teils vielleicht auch abhängig davon, ob man schon so einen ähnlichen Konflikt erlebt hat und auf welcher Seite man stand.

Juna: Es ist auf jeden Fall so, dass ich leider eine recht ängstliche Mutter bin und deswegen auch zu sehr an meinem Sohn klebe. Ich finde das teils selber nicht gut, kann aber manchmal nicht aus meiner Haut. Und tatsächlich schwingt in der Angst um ihn, wenn er gehauen wird und als Reaktion darauf weint, auch immer etwas Zukunftsangst mit, denn natürlich ist es mir wichtig, dass er auch lernt sich zu behaupten und dass er nicht denkt, er sei nichts wert und deswegen dürfe jeder ihm etwas wegnehmen, mal etwas überspitzt formuliert. Es ist leider so, dass er da auch gar nicht gleichgültig ist – er ist sehr verzweifelt, wenn er gehauen / gekratzt wird, und er erzählt mir dann oft von sich aus noch tagelang davon.
Trotzdem muss ich unbedingt lernen, da mehr loszulassen und nicht immer einzugreifen.

Kluntjemedroom: Ja, diese Regel finde ich auch richtig. Wie gesagt, es ist mir eher rausgerutscht und ich habe mich in der Sprachnachricht dafür entschuldigt. Meine „Rechtfertigung“ dafür (ich habe ja eigentlich versucht zu erklären, warum das passiert ist) war es dann, was meine Freundin so verletzt hat. Wenn wie bei Juna im Freundeskreis eine andere Regel besteht, ist das ja ok, aber ich würde auch nicht wollen, dass jemand mein Kind anmeckert. Zudem weiß ich, dass meine Freundin da sehr empfindlich ist – sie ist z.B. aus dem Kinderturnen gegangen, weil die Leiterin ihre Tochter wohl in einem schroffen Ton ermahnt hat.
Dass deine Tochter weggeschubst wurde hat für mich aber eine ganz andere Dimension, so etwas würde ich niemals tun und finde es ganz schrecklich.
Dass Handgreiflichkeiten unter Kindern in dem Alter teils normal sind, ist mir bewusst. Leider ist mein Sohn aber ein Sensibelchen und nimmt sich so etwas sehr zu Herzen.

Firefly: Danke für deine Antwort! Also ist es bei dir so, dass dein Sohn das Kind ist, was auch manchmal haut? Ja, ich kann deine Perspektive (und auch das von pmami Geschriebene) sehr gut nachvollziehen, wirklich nachfühlen kann ich es aber vielleicht nicht. Zwiespalt trifft es wirklich gut. Ich wünsche dir, dass du mit deiner Freundin eine gute Lösung findest, mit der ihr alle gut leben könnt.

Joaninha: Natürlich wollte ich nie einen Keil zwischen sie und ihr Kind treiben und ihr Kind nicht schlecht reden. Ich war auch erschrocken, als sie das Wort „Schlägerkind“ geschrieben hat, denn das habe ich von ihrer Tochter nie gedacht und das wollte ich auch nicht sagen (das habe ich ihr übrigens auch sofort geschrieben). Mit Perspektivübernahme habe ich gemeint, dass sie nachempfinden kann, dass ich aus Sorge um meinen Sohn gehandelt habe. Dein Beitrag zeigt mir trotzdem, wie sie meine Nachricht vermutlich aufgefasst hat – woran meine Wortwahl sicher eine Mitschuld hat.

Tiffy: Dass du da ausgeladen wurdest, finde ich ganz schlimm – das sollte wirklich nicht sein.
Ich bekomme allerdings auch oft mit, dass da tatsächlich „Schuld“ bei den Eltern gesucht wird, auch wenn das in den meisten Fällen nicht zutrifft.
Ich könnte das nicht so trennen wie du, aber du hast damit immerhin einen für dich guten Weg gefunden. Ja, natürlich kann sie ihr Kind nicht fernsteuern (so wie ich meines nicht) und ich werde versuchen, solche Nachrichten aus der Emotion heraus in Zukunft zu vermeiden.


Ich hatte meiner Freundin gestern übrigens geschrieben, bisher hat sie sich nicht gemeldet. Mal schauen, ob sie das noch macht.

Liebe Grüße


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  Tiffy27
Status:
schrieb am 07.12.2018 17:48
Finde ich gut, dass du auf sie zugegangen bist. Ich fände es aber wiederum auch übertrieben wenn sie sich jetzt nicht meldet. Einzelne Reaktionen (wie dein "Anmeckern" und die WA) sollte man finde ich nie überbewerten.
Es wäre wichtig sich eben in Ruhe zu verständigen, wie man es in Zukunft machen soll. Tatsächlich ist die Konstellation (Ihr Kind "haut" ab und an - du bist eher ängstlich/dein Kind tut das nicht) echt schwierig, aber kann ja in 6 oder 12 Monaten schon wieder eine andere Entwicklungsphase sein. Wenn dir an der Freundschaft liegt würde ich also versuchen in Kontakt zu bleiben. Generell kann man aber nie erwarten dass es zwischen den Kindern gut läuft. Die Interessen können sich da auch schnell auseinander entwickeln selbst wenn das Problem überstanden ist …

LG Tiffy


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  -Firefly-
schrieb am 07.12.2018 20:53
Nein, mein Sohn wird von dem anderen jungen gehauen/geschubst/angebrüllt. Teilweise wirklich aus dem heiterem Himmel, weil mein Sohn zb mit duplo ein „Piratenschiff“ baut (das natürlich nicht aussieht wie eins), dann kommt der Sohn meiner Freundin und brüllt erst rum, dass das kein piratenschiff ist und macht es kaputt. Wenn mein Sohn dann zb sein Spielzeug festhält, wird es ihm entrissen, oder er wird geschubst oder gehauen.
Ich muss schon zugeben, dass meine Gefühle für den Jungen dadurch deutlich abgekühlt sind und es nervt mich extrem, dass meine Freundin da nicht entschiedener „durchgreift“ (das ist aber mit 4 Jahren nochmal was anderes, als es 2 jährigen zu erklären).
Rational gesehen weiß ich, dass es unsachlich von mir ist, aber ich kann meine Gefühle auch nicht abschalten.
Mir ist diese Freundschaft wirklich wichtig, aber bisher habe ich mich nicht getraut, das zu thematisieren, weil ich Angst habe, dass meine Freundin mich nicht versteht.

Von meiner Seite also keine Lösung, sondern nur Mitgefühl


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 07.12.18 20:55 von -Firefly-.


  Re: das Ende einer Freundschaft
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  blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 07.12.2018 23:09
Zitat
anonym2222222

Juna: Es ist auf jeden Fall so, dass ich leider eine recht ängstliche Mutter bin und deswegen auch zu sehr an meinem Sohn klebe. Ich finde das teils selber nicht gut, kann aber manchmal nicht aus meiner Haut. Und tatsächlich schwingt in der Angst um ihn, wenn er gehauen wird und als Reaktion darauf weint, auch immer etwas Zukunftsangst mit, denn natürlich ist es mir wichtig, dass er auch lernt sich zu behaupten und dass er nicht denkt, er sei nichts wert und deswegen dürfe jeder ihm etwas wegnehmen, mal etwas überspitzt formuliert. Es ist leider so, dass er da auch gar nicht gleichgültig ist – er ist sehr verzweifelt, wenn er gehauen / gekratzt wird, und er erzählt mir dann oft von sich aus noch tagelang davon.
Trotzdem muss ich unbedingt lernen, da mehr loszulassen und nicht immer einzugreifen.

ich mag hier nochmal darauf eingehen, denn ich sehe das Problem ähnlich wie Juna: man muss zwischen den Kindern übersetzten. und, um es offen zu sagen, finde ich deine Angst, dass sich dein Kind nicht behaupten können wird, in diesem Alter schlicht und ergreifend verfehlt. ich denke, dass es in dem Alter nicht darum geht, sich zu behaupten. es geht eher noch darum, sich in den anderen hineinzuversetzen und zu verstehen, was der andere eigentlich will. und wenn man das begriffen hat, kann man dann Lösungsstrategien entwickeln.
ich habe das bei uns damals in der Krippe gesehen, wie kooperativ die Kinder wurden, wenn man "übersetzt" hat. wie oft wurde da gesagt, wenn was weggenommen wurde, dass das andere Kind nur mitspielen möchte. und es wurde in der Regel das spielende Kind gefragt, ob es was abgeben möchte, auch was anderes (deswegen fand ich den Ansatz deiner Freundin mit dem Tauschen gar nicht so schlecht). wenn das spielende Kind nicht wollte oder das andere Kind das nicht annehmen wollte, haben sie sich meistens friedlich getrennt, weil sie einfach wussten, was bei dem anderen Kind vorgeht. übersetzt wäre es einfach klar gewesen, dass die Spielanfrage abgelehnt wurde (es ging also nicht mehr um den Gegenstand, auf den sie Spielanfrage verlagert wurde). und ich muss noch heute, bei meinem Grundschulkind übersetzen, was, insbesondere die kleine Schwester möchte. und ich arbeite noch heute daran, wie man dann Kompromisse aushandelt und nicht auf der Position festhält (also nicht auf dem Besitz und den Standpunkt beharren, sondern einen anderen Vorschlag, ein anderes Spiel(zeug) in den Raum stellen). und ich werde das noch lange machen, wie es aussieht.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 09.12.18 09:39 von blauesTeufelchen.


  Re: das Ende einer Freundschaft
avatar  Rubin80
schrieb am 07.12.2018 23:29
Hallo liebe Anonyme,

zuerst einmal finde ich dich sehr reflektierend und kritikfähig. Wenn eure Freundschaft scheitert, dann zumindest nicht, weil du nicht einsichtig gewesen wärest.
Ich würde dir gern noch meine Perspektive mitgeben, denn ich habe beide "Sorten" Kinder hier. Ich kann also beide Perspektiven sehr gut nachvollziehen.
Mein Großer (inzwischen 11 Jahre alt) war als kleiner Junge genau wie deiner. Der liebste, sanfteste Junge, den man sich denken kann. Er hat sich auch nicht gewehrt, als er so klein war. Er schien das gar nicht zu können. Nie schlug oder schubste er, nie nahm er einem Kind etwas weg (ganz ehrlich wahr!).
Ich habe mir große Sorgen um ihn gemacht und hatte schlimme Bilder vor Augen, in denen er später als Fußabtreter für jeden, der ein Opfer sucht, leiden müsste. Diese Angst hat mich manchmal auch wütend sein lassen. Wütend auf die rauen Sitten anderer Kinder, wütend auf die Eltern, die sich zurücklehnen und sagen "das sind doch noch Kinder" (deren Kinder waren ja auch wehrhaft, die würden sich später ohne Probleme behaupten können!) und ehrlich gesagt auch manchmal wütend auf mein eigenes Kind.

Ich habe mich dann entschieden, ihn auf sanfte Art zu schützen. Haute ihn ein anderes Kind, hielt ich nur die "schlagende" Hand ab und sagte freundlich, aber bestimmt "Nein, nein, gehauen wird nicht." Wollte ihm ein anderes Kind das Spielzeug wegnehmen, aber er wollte es nicht her geben, habe ich das andere Kind gebremst und gesagt "Du, das ist gerade N.s Spielzeug und er möchte noch damit spielen. Du kannst dir aber gern etwas anderes nehmen." Ich fühlte mich damit viel wohler und entspannter. Ich dachte, so lernt er trotzdem, dass er sich nicht hauen lassen braucht. Und im Kindergarten wird er hoffentlich lernen, es selbst anzuwenden.

Ich habe ihn in einen kleinen Kindergarten gegeben, damit er dort nicht so untergeht - und der Plan funktionierte. Er lernte dort, sich durchzusetzen. Inzwischen kann er seine Grenzen ganz gut setzen, vor allem aber sucht er sich Freundschaften mit Kindern, die ihm vom Verhalten her ähnlich sind. Das macht mir Mut. Trotzdem haben wir in der Grundschule nochmal die Schule wechseln müssen, weil er in seiner Einzugsgrundschule in einer Klasse war, die ein richtiges "Gewaltproblem" hatte. Das hat übrigens auch die Schule so gesehen. Wir hatten zum Schluss, eine Lehrerin, zwei Erzieherinnen und eine Sozalpädagogin mit in der Klasse, aber sie haben die Klasse nicht in den Griff bekommen.
In der neuen Schulklasse waren aber einfach normale Kinder und dort hatte er kein Problem mehr.

Mein zweites Kind ist ein richtiger Rabauke und Wehrhaftigkeit ist sein zweiter Vorname. Plötzlich stand ich auf der anderen Seite. Das war sehr lehrreich für mich. "Das sind doch noch Kinder" habe ich nur dann gesagt, wenn das andere Kind genauso wild war und sie sich gegenseitig gewachsen waren. War das andere Kind schwächer, habe ich mein Kind sofort gebremst. Immer. In der Schule war sein Verhalten anfangs problematisch (er ist inzwischen in der 3, Klasse) und nun lernte ich die gegenteiligen Sorgen kennen. Wenn ich von einem "Vorfall" in der Klasse hörte, bekam ich Bauschmerzen, dass mein Räuberkind darin verwickelt sein könnte. Wenn ich im Postfach eine E-Mail von der Lehrerin gesehen habe, sackte mir schon das Herz in die Hose. Und wieder waren da Sorgen und Wut: Wohin sollte das führen? Wieso hörte mein Sohn nicht damit auf? Warum funktionierten meine Erziehungsmethoden bei ihm nicht? Was mache ich falsch? Und sehr schnell spürte ich, dass ich von anderen Erwachsenen häufig eine Mitschuld zugesprochen bekam. Und die befürchtete ich ja auch! Ich habe mich aber auch oft bei dem Gedanken ertappt, dass ich mir wünschte, "angepasstes, ruhiges" Verhalten stünde weniger hoch im Kurs. Oder dass ich dachte "Herrgott, das sind doch jetzt wirklich Peanuts!"

Auch das hat sich reguliert. Mein wildes Kind ist immer noch sehr temperamentvoll und lebhaft, aber er hat gelernt, nicht mehr zu hauen oder zu schubsen. Aber er musste tatsächlich erst acht Jahre alt werden, bevor das klappte.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, welche Sorgen ich erträglicher finde, ich könnte mich nicht entscheiden. Es ist beides schlimm.

Nun zu dir: Ja, du bist ausgeflippt. Gut, das war nicht zielorientiert. Aber sie hat sich auch nicht richtig verhalten. Durch eure Gespräche wusste sie auch, dass du dir Sorgen machst, dein Sohn könnte "ein Opfer" sein. Indem sie zugelassen hat, dass ihre Tochter deinen Sohn trotzdem weiter haut, fällt sie dir meines Erachtens nach ganz genauso in den Rücken, wie du vermeintlich ihr. Ich finde deshalb nicht, dass du dich entschuldigen musst. Sehr wohl aber könntest du sagen, dass du die Nerven verloren hast, dass sie dir aber wichtig ist und du sie deshalb gern ohne Kinder weiter treffen würdest.

Möchte sie das nicht, hat ihr entweder an eurer Freundschaft nicht so viel gelegen oder sie findet es vielleicht sogar erleichternd, keine Treffen mit den sehr gegensätzlichen Kindern mehr aushalten zu müssen. Es hat sie sicher frustriert, immer in der "Täterrolle" zu sein. Genau wie dich die "Opferrolle". Sich ohne Kinder zu treffen könnte sie als anstrengend empfinden, weil sie quasi immer "extra-Zeit" für dich aufbringen müsste.

Ich wünsche dir alles Liebe!




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