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  Re: Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 01.08.2018 11:38
Danke Berlink und Johaninha für eure Antworten!
Berlink ich schreibe hier nicht so viel über Sohn weil er halt nicht vergleichbar ist. Meine Probleme mit ihm schildere ich hier auch eigentlich selten bis nie. Das passt hier irgendwie nicht so hin. Ich kann eher halt mit Tochter vergleichen bzw. was raten. Aber auch im Umgang mit schwierigen Jungs kann ich zum einen Tips geben und da hab ich auch schon von dem einen oder anderen Beitrag hier profitiert.
Ich hab es nicht so verstanden dass du mich drauf hinweisen wolltest was andere Asperger so leisten. Auch da gibt es ein weites Spektrum von fast gar nicht auffällig bis doch ziemlich auffällig. Mein Sohn ist eher die Kategorie doch ziemlich auffällig. Zum Teil auch zwangbehaftet, mit Ängsten belegt.
Johaninha Sohn ist zu einer Autismus Therapie angemeldet. Bis das beginnt können aber leider Jahre (!) vergehen. Ähnlich wie bei der Diagnostik. Da wäre die Wartezeit ein knappes Jahr gewesen wenn wir nicht durch einen Zufall reingerutscht wären. Es gibt da scheinbar nicht viele Stellen die das anbieten, die die es gibt sind völlig überlaufen. Eigentlich völlig bescheuert.
Mit der Schwester das ist so eine Sache. Sie bekommt oft genug mit wie ich total verzweifelt bin weil ich mal wieder nichts machen kann um zu verhindern dass Sohn völlig Kopflos wird und abhauen möchte. Da langt manchmal ein kleiner Auslöser und dann lässt es sich nicht aufhalten und es kann dauern bis ich da zu Sohn durchdringen kann. Wir wohnen im 6. und 7. Stock im Hochhaus. Unsere Fenster sind immer (!) abgeschlossen. Sohn wird eben manchmal kopflos und möchte dann abhauen, zur Not auch aus dem Fenster traurig Einmal ist das sogar in der Schule passiert da hat eine neue Musiklehrerin seine gemalten Notenschlüssel schwer kritisiert weil sie nicht wusste dass er nicht gut malen und schreiben KANN. Er ist aus der Schule abgehauen und stand irgendwann total verheult bei mir vor der Tür. Da hatte die Schule gerade angerufen dass er weg ist. Zum Glück war ich zu Hause und zum Glück muss er nur eine unbefahrene Straße an einem Zebrastreifen überqueren. Sonst ist außerhalb sowas allerdings noch nicht vorgekommen. Doch, einmal noch beim Klavier da war ich aber im Vorraum und konnte ihn abfangen. Seitdem sind wir auf der Suche nach einem neuen Instrument was Sohn lernen kann zwinker er macht gerade ein Instrumenten Karussell.
Naja lange Rede kurzer Sinn: sie versucht schon sehr lieb zu sein. Sie hat aber schon auch bockige Phasen und kann ihr nein ganz gut durchsetzen wenn sie was nicht will. Auch dem Bruder gegenüber. Sie gibt nicht immer um des lieben Friedens Willen nach.
Ich habe schon den Eindruck dass sie allgemein glücklich ist, aber halt auch nicht komplett unbeschwert. Dass sie gerne lang bei uns sitzt und plaudert, das macht sie wirklich gerne. Sie müsste nicht bleiben. Das weiß sie auch. Ich glaube nicht dass sie da versucht zu gefallen.
Danke nochmal für eure Denkanstöße. Ich werde mal die Sache mit einer Therapie für mich angehen.


  Re: Alles doof gerade
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  Hamamelis71*
schrieb am 01.08.2018 13:58
Ich glaube, dass es auch schwer ist zu akzeptieren, dass Menschen sich verändern und in unterschiedliche Richtungen entwickeln und dass Freundschaften dann manchmal keine mehr sind. Du möchtest Dich an die schöne Zeit zurückerinnern, wo ihr alle noch Freundinnen wart und Euch regelmäßig gesehen habt.

Deine Freundin kennt doch Deinen Alltag, Deine Sorgen und Nöte gar nicht. Wie denn auch - aus der Entfernung?

Dann ist doch klar, dass sich aus ihrer Sicht die Dinge so darstellen. Dass Euer Alltag aber ganz anders aussieht, woher soll sie das wissen?

Der Sohn von meiner Freundin hat ja auch Asperger Autismus, er war von Geburt an anders als andere Kinder. Die Großeltern mütterlicherseits und ich waren die einzigen Leute, die meiner Freundin im Notfalls geholfen haben und ihren Sohn so akzeptiert haben, wie er ist. Der zweite Sohn ist nur 16 Monate jünger, da kannst Du Dir vorstellen, wie es meiner Freundin in den ersten Lebensjahren der Kinder ging... Alle anderen Familienmitglieder haben sich da schön raus gehalten.

Aber weißt Du, es kann sich auch nicht jeder vorstellen, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Mir war das als Erwachsene immer egal, ob irgendein Kind jetzt eine blaue oder rote Hose anzieht, ich habe da nicht drüber diskutiert sondern mich dem jeweiligen Kind angepasst. Warum auch nicht. Es gibt Sachen, die sind nicht verhandelbar, wie z. B. Anschnallen im Auto, aber über alles andere kann man doch mit den Kindern schnell einen Kompromiss finden.

Ich glaube, Du bist so betroffen, weil Du Dir Verständnis von Deiner Freundin erhofft hattest und nicht noch "Vorhaltungen". Ich würde den Kontakt aber nicht abbrechen, er wird ja von alleine einschlafen, auch aufgrund der Entfernung.

Eine Freundin von mir hat eine Tochter mit Asperger Autismus und für meine Freundin war es von Anfang unverständlich, warum ich bei einigen Sachen immer so kompromissbereit war. Für sie war es so: der Erwachsene ist der Bestimmer und das Kind soll das machen, was der Erwachsene für richtig und wichtig empfinde. Ich glaube nicht, dass Du so bist, aber vielleicht tickt ja Deine Freundin so. Diese Freundin hatte echt oft Probleme im Umgang mit ihrer Tochter, wegen Nichtigkeiten. Und als klar war, dass das Mädel Asperger Autismus hat, da war es plötzlich für sie leichter ihrer Tochter nachzugeben und seitdem hat sich der Umgang entspannt.

Ich kann das jetzt so schlecht in Worte fassen, aber ich hoffe, dass Du verstehst, worauf ich hinaus möchte.

Es gibt Leute, die können oder wollen sich nicht den Bedürfnissen der Kinder anpassen und verstehen dann nicht, wenn andere Erwachsene damit kein Problem haben. Ich habe ja am Nachmittag viele verschiedene Kinder hier, da streite ich mich definitiv nicht mit einem Kind, wenn es lieber einen roten Becher haben möchte. Und trotzdem tanzt mir hier niemand auf dem Kopf rum.

Deine Geduld ist wichtig und richtig. und so "anders" empfinde ich Deinen Sohn jetzt nicht (natürlich ist er anders als andere Kinder, aber in vielen Beschreibungen finde ich hier Kinder wieder, die den Nachmittag bei uns verbringen). Jedes Kind hat ja so seine Eigenheiten und z. T. autistische Züge. Bei Deinem Sohn ist es aufgrund von Asperger eine Addition der Befindlichkeiten und das ist anstrengend im Alltag.

Mein Sohn schwimmt ja gut und gerne, trotzdem geht er nicht gerne ins Freibad. Auch ihm ist nach kurzer Zeit kalt oder es nervt ihn, dass das Schwimmbecken in der prallen Sonne ist. Ich bin mit meinem Sohn auch schon mal nach einiger Zeit wieder nach Hause gegangen. Wo steht geschrieben, dass man 4 Stunden bleiben muss?

Bei Eurer Beschreibung für den Strandaufenthalt, da hätte ich z. B. keine Lust auf Strand gehabt. Sand ist auch nicht so mein Metier...

Bekommt Euer Sohn Ritalin? Ich glaube mich dran zu erinnern, dass sich dies auf das Essverhalten auswirkt (zumindest ist das bei dem Sohn meiner Freundin Thema)

Die Mädchen einer Freundin springen alle nach wenigen Minuten vom Essen auf und fangen an zu daddeln, während andere Kinder noch gemütlich essen - da finde ich es nicht schlimm, wenn Euer Sohn nach dem Essen gleich aufsteht. Mein Sohn kann problemlos morgens über eine Stunde beim Frühstücksbuffet gemütlich sitzen und plaudern, da gab es deswegen oft Stress mit meinem Mann. Ich will das Verhalten Eures Sohnes jetzt auf gar keinen Fall relativieren, aber wenn Du andere Kinder beobachtest, dann wirst Du feststellen, dass jedes Kind doch auf seine Weise speziell ist.

Meiner Freundin hat es damals tatsächlich geholfen, dass sie die Sachen, die sie an ihrem Sohn gestört/genervt haben "aufzulisten" und dann festzustellen, dass andere Kinder z. B. auch den Rolladen auch nur auf einer bestimmten Stellung akzeptieren oder dass andere Kinder auch sehr dünn sind oder dass andere Kinder Übergewicht haben. Das hat meine Freundin oft wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Aber Fakt ist auch, dass sie oft am Rande ihrer Kräfte war, zwei Kleinkinder, einen anstrengenden Job und wenig Verständnis im Umfeld. Im Laufe der Jahre hat sie jetzt ihre Inseln gefunden. Eine Mutter-Kind-Kur war übrigens eine Katastrophe. Entlastung hat ihr der familienentlastende Dienst und die Verhinderungspflege gebracht. Kannst Du Dich über diese Möglichkeit mal informieren, denn auch Dein Alltag ist extrem anstrengend und fordernd?

Und es ist toll, dass Dein Sohn sich anpasst und überwindet - so gut er eben kann. Es ist bei Euch in der Familie gelebte Rücksichtnahme aufeinander - ich sehe da keine Extrawürste.

Die Jungs von meiner Freundin sind total unterschiedlich - aber die Jungs von anderen Freundinnen auch. Es ist bestimmt schwer, da nicht zu vergleichen als Mutter.

Der Sohn meiner Freundin ist ja fast erwachsen, er hat jetzt eine Ausbildung angefangen und wir hoffen sehr, dass er auf verständnisvolle Kollegen trifft. Bislang waren alle sehr offen für die Thematik. Ich hoffe, dass dies so bleibt! Schulisch war es die letzten Jahre z. T. eine Katastrophe.

Mich hat es sehr gefreut, dass der KJP meiner Freundin neulich bei einem runden Tisch auch noch mal gesagt hat, wie toll sie als Mutter und Familie all die Jahre mit ihrem Sohn umgegangen ist und wie weit der Junge dadurch gekommen ist.

Vielleicht würde Dir auch einfach nur ein netter Gesprächspartner helfen, der Dir Feedback gibt. Gibt es bei Euch eine Selbsthilfegruppe?

Alles Gute für Euch! Hier wirst Du jedenfalls immer ein offenes Ohr finden!


4 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.08.18 14:41 von Hamamelis71*.


  Re: Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 01.08.2018 16:29
Danke Hamamelis für deinen lieben Beitrag!
Ne, die Freundin hat halt gar keine weiteren Informationen. Wir waren mal zusammen mit den Kindern im Pekip. Daher kennen wir uns. Mit den anderen 3 Müttern habe ich jetzt auch keinen engen Kontakt mehr. Keines der Kinder ist mit Sohn in der Klasse. Dass wir uns getroffen haben ist wegen der Rückreise entstanden. Sie wollte die alte Heimat gern mal wieder sehen und da haben wir den Nachmittag und am nächsten Tag den Vormittag zu viert mit den Kindern verbracht. Die Freundin ist der typ die Kinder haben zu machen was die Mutter sagt. Und Ellenbogen auf dem Tisch gibt von ihr einen schrägen Blick, dann sind die Ellenbogen ihrer Mädchen unten. Sie sind sehr "wohl erzogen". Ich achte da zu Hause jetzt nicht so drauf, auch nicht bei meiner Tochter. Dass sie sich im Restaurant benimmt darauf achte ich. Zu Hause habe ich selber mitunter auch die Ellenbogen auf demTisch. Bei uns dürfen die Kinder auch auf dem Sofa hüpfen wenn es nicht zu wild wird. Wir kamen aus der Küche ins Wohnzimmer und da hüpften die Mädchen etwas auf dem Sofa. Sofort sagte sie sehr streng zu ihren Kindern "runter da, das ist ein Sitzmöbel"! Dasfand ich schon etwas streng, genauso am Tisch, aber bitte. Solange sie nicht meine Kinder anmeckert soll es mir gleich sein. Ich glaube sie fand uns wohl mehr oder weniger "unmöglich" und war halt der Meinung das auch noch sagen zu müssen zum Abschied. Sie ist absolut der Typ der ADHS immer und ausschliesslich auf falsche/fehlende Erziehung schieben würde. Ich denke sie ist fest davon überzeugt dass Sohn nur die nötige Härte fehlt unddass ich ein Weichei durch und durch bin.
Ich bin sicher sie wird kein zweites Mal zu uns kommen. Ich hatte erst überlegt nochmal mit ihr zu sprechen aber ich denke das kann ich mir auch sparen. Sie wird da ihre Meinung haben, da kann ich jetzt sagen was ich will. Sie hat haltauch gar nicht mitbekommen durch was für Zeiten ich mit dem Kind schon durch bin. Und sie ist ja auch nicht die erste die denkt in ihrem Haushalt würde sich ein Kind nie und nimmer so verhalten. Das ist so überheblich so zu denken. Anstatt dankbar zu sein pflegeleicht Kinder zu haben tendieren manche Mütter dazu sich das komplett auf die eigene Fahne zu schreiben. Nach dem Motto: ich weiss wie man erzieht, ich hab denDreh raus. Verhaltensstörung oder sonstige Störungen gibt es nicht, das ist alles reines Erziehungsversagen.
Mein Sohn nimmt kein Ritalin. Er ist weder aggressiv noch unkonzentriert. Das mit dem Essen ist eher weil er viele Konsistenzen nicht essen kann, ausserdem sehr sehr grossen Wert auf gesunde Ernährung legt und sich vor Fett ekelt. Schokolade, Süssigkeiten, Sahne, Fast food, das alles isst er nicht. Und von dem was er isst isst er auch tendenziell dann noch wenig wobei das in letzter Zeit echt deutlich besser wird!
Es ist schon richtig was du sagst: die meisten Kinder haben so ihre Spleens. Ich weiss auch dass es sehr viel anstrengendere und forderndere Kinder gibt als meinen Sohn. Wie schon gesagt bin ich eigentlich meistens zufrieden und eher kein Jammerlappen. Das was die "Freundin" mir gesagt hat hat mich halt einfach total runtergezogen. Ich denke niemand wird gerne kritisiert. Und wenn man sich noch total zu Unrecht kritisiert fühlt aber merkt dass man das der Kritikübenden nie wird vermitteln können, das ist noch doofer. Ich bin mir sehr sicher dass sie auch nicht die Einzige ist die so denkt, das wurde mir auch schmerzlich bewusst.
Ich muss mir da ein dickes Fell zulegen. Und das mit der Psychotherapie, das möchte ich auch machen. Ich merke schon dass ich da Bedarf habe einiges aufzuarbeiten. Und auch Strategien zu erarbeiten wie man mit solchen Vorurteilen umgehen kann.


  Re: Alles doof gerade
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  fridolin
schrieb am 02.08.2018 13:57
Ohne jetzt die anderen Antworten gelesen zu haben....
Auch ich habe einen Asperger-Autisten zu Hause und kenne solche Menschen, solche "Freundinnen" in meinem Umfeld. Sie meinen es gar nicht böse und doch verletzen mich ihre Aussagen, Erkenntnisse, Tipps, Erziehungsratschläge... mich verletzt es deshalb, weil ich unter der Situation mit meinem Sohn oft genug selber leide. Weil ich traurig bin, dass manche Dinge einfach nie "normal" sein werden. Weil mich der Alltag mit ihm oft genug alles und noch mehr kostet. Und ich mir einfach wünsche, dass meine Freundinnen das sehen könnten und mich einfach mal in den Arm nehmen würden und sagen würden, dass sie es gut finden, dass ich mein Bestes gebe, dass sie sehen, wieviel ich leiste und dass sie für mich da sind, wenn es mal wieder zuviel wird.
Ich lerne Schritt für Schritt solche Sachen nicht mehr so nahe an mich heranzulassen. Ich übe mich darin, mich mit Menschen zu umgeben, die mir gut tun und den Kontakt mit denen, die immer alles besser wissen zu reduzieren. Ich will ihn nicht ganz abbrechen lassen - aber ich über, besser auf meine Grenzen und meinen Krafttank zu achten. Und wenn er leer ist, dann halte ich sie mir auf Abstand.

Ich hoffe, du kannst deinen Tank schnell wieder füllen. Es wird nie normal sein mit deinem Sohn. Er ist ein ganz besonderes Exemplar. Und er wird seinen Weg gehen - gut, dass er dich an seiner Seite hat. Und wenn du auf all das schaust, was sich schon verbessert hat, dann weckt es in dir hoffentlich die Hoffnung und das Vertrauen, dass sich einige der anderen "Baustellen" auch sortieren und bessern werden. Ich finde, du darfst stolz auf dich sein, auf das, was du schon geleistet und investiert hast.
Und vielleicht kannst du abends, wenn er schläft, dich ab und zu an sein Bett setzen und auf dich anstossen. Wieder einen Tag geschafft!
Viel Kraft und Mut wünscht dir
der fridolin


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  Re: Alles doof gerade
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  perlhuehnchen
Status:
schrieb am 02.08.2018 14:16
Hallo Little Dancer!

Ich kann nicht viel zum Thema beitragen, aber ich möchte Dir sagen was ich hier von Dir lese
lässt mich tiefen Respekt vor Dir empfinden. Wieviel Kraft und Energie Du aufwendest um allen
gerecht zu werden und das Leben für Deine Familie harmonisch zu machen. Und wenn das mal
nicht klappt, dann lass Dir sagen, ich habe nur ein Kind unf fühle mich manchmal genau so gefordert
und schaffe es tatsächlich nicht immer die Harmonie zu erhalten.
Mach weiter so und lass Dir von Menschen, die es vielleicht gut meinen, aber eben von Deiner Situation
keine Ahnung haben nicht den Mut nehmen!

Zum Thema Schwimmbad...versucht es doch mal mit einem Neoprenanzug, meine Nichte ist auch so
ein dürres Ding und hat zum Schwimmkurs nach 10 Minuten schon immer geplappert. Meine Schwester
hat im Decathlon so einen Kurzarm-Kurzbein Neoprenanzug geholt und das Frieren hat sich tatsächlich
gegeben.

LG und Alles Gute für Euch!

Perlhuhn


  Re: Alles doof gerade
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  karin_
schrieb am 02.08.2018 16:55
Ich möchte Dir Mut machen: Ich habe beruflich öfter mit Asperger-Autisten zu tun, und die legen eine recht normalen bis hin zu außerordentlich erfolgreichen Lebenslauf hin - wenn sie vom Elternhaus einerseits normal, andererseits ihren Bedürfnissen entsprechend behandelt werden - insofern machst Du alles richtig!

Noch eine Stimme für den Neopren-Shorty vom Decathlon: Der hat aus meiner Frostbeule eine Wasserratte gemacht.


  Re: Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 02.08.2018 16:59
Liebe Fridolin,
Vielen Dank für deine Antwort! Ich sehe du verstehst was ich meine! Es tut gut zu hören dass man nicht alleine ist.
Je besser es mit unseren Kindern wird umso weniger sehen Außenstehende was los ist und umso weniger Verständnis bekommt man dafür was man dem Kind an Sonderbehandlung zukommen lässt. Im Prinzip muss man sagen es ist gut wenn kein Verständnis da ist, dann läuft es mit dem Kind zwinker
Ich bin jetzt wieder etwas positiver. Ich geniesse die liebenswürdige Seite von meinem Sohn und seine Feinfühligkeit die auch ganz besonders ist und versuche das anstrengende auszublenden.
Über den Umgang mit der Schwester hab ich auch nochmal nachgedacht. Ich möchte ihr zumindest alle 2 Wochen mal einen Vormittag mit mir ohne Bruder gönnen indem sie dann einfach mal nicht in den Kiga geht. So dass ich mit ihr ganz alleine was machen kann ohne irgendwelche Rücksicht nehmen zu müssen.
Liebe Perlhühnchen,
auch dir vielen Dank für deine liebe Antwort! Die Idee mit dem Neoprenanzug ist sehr gut. Wir hatten das auch schon versucht. Leider kann Sohn den nicht tragen, das Material kann er nicht auf der Haut haben, er mag außerdem nicht anders aussehen als die anderen Badegäste..... Es könnte ja alles so einfach sein wenn er nicht so viele Spleens hätte. Die Wahl der Bekleidung ist wegen seiner taktile Überempfindlichkeit leider sehr eingeschränkt. Aber trotzdem danke für die gute Idee!


  Re: Alles doof gerade
no avatar
  LittleDancer
schrieb am 02.08.2018 17:08
Karin auch dir danke für deine sehr Mut machende Antwort! Die Antworten haben sich überschnitten daher hatte ich deine Antwort noch gar nicht gelesen.
Ja, ich versuche wirklich ihn so normal wie möglich zu behandeln. Ich packe ihn nicht in Watte und erwarte eigentlich dass er alles soweit mitmacht. Genügend Pausen sind halt wichtig und allgemein ein sehr ruhiger Umgang. Das ist manchmal schwierig wenn ich gestresst bin, aber man gewöhnt sich dran zwinker


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.08.18 17:11 von LittleDancer.


  Re: Alles doof gerade
avatar  Doing
Status:
schrieb am 03.08.2018 08:30
Oje lass Dir das nicht zu nah gehen. Du schreibst selber deine Bekannte sah ihn über Jahre nicht, geschweige denn kennt sie euren Alltag. Nach 2 Tagen sich so ein Urteil anzumaßen finde ich schon wirklich etwas befremdlich.

Ich habe auch einen etwas anderen Sohn, Hochbegabung, Autismus, Asperger, irgendwie hat er auch bei allem "hier" gerufen. Und wir gingen als Familie tatsächlich auf dem Zahnfleisch, bzw. tun das immer noch. Grade ist eine Phase der Ausgeglichenheit aber das ist mit Sicherheit ein größerer Kraftakt, seelisch, moralisch und auch logistisch/organisatorisch als es bei normalen Kindern ist.
Alleine der Drahsteilakt zwischen normalem Kind (Tochter) und anspruchsvollem Sohn. Beiden gerecht werden. Bei uns kommt noch hinzu, dass er eigentlich nur durch mich führ- und lenkbar ist und in Krisen erreichbar ist.


Meine Devise: jeder kriegt alles was er braucht und vieles von dem, was er möchte. Auch extra Würste. Ja und auch ich muss die rechtfertigen, teilweise sogar vor Papa oder so. Aber: wir leben in der Situation/Konstellation und wir (ich) müssen damit zurecht kommen und mein Ziel ist ein glückliches Kind trotz schwieriger Voraussetzungen. Also bin ich frei in der Wahl meiner Mittel. Denn der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel smile



Und jeder der von außen darüber urteilt dem biete ich an, meinen Sohn mal zu mieten für 2 Wochen. Wobei 2 Tage vermutlich reichen würden.


Niemand steckt in deiner Haut, niemand weiß wie du fühlst wenn Du Dinge tust oder nicht tust. Niemand kennt die Last, die Du manchmal empfindest weil dein Sohn anders ist.

Versuche es mal als Investition zu sehen denn ich persönlich glaube dass diese Kinder brilliant sind - nur die Chance brauchen es raus lassen zu dürfen.


  Re: Alles doof gerade
no avatar
  LittleDancer
schrieb am 03.08.2018 11:10
Ach Danke liebe Doing, das tut sehr gut zu lesen! Du beschreibst es haargenau so wie es ist.
Bei meinem Mann ist es so dass er zum Glück da auf meiner Seite ist. Wir beide wollen dass Sohn so normal wie eben möglich behandelt wird und wir wollen nicht überall direkt Sonderbehandlung anmelden. Beim letzten Flug hab ich kurz gedacht: hätte man den Behindertenausweis vorlegen sollen und darum bitten Rücksicht zu nehmen? Mann fliegt ja immer mit Sohn alleine. Sie versuchen möglichst früh am Flughafen zu sein damit kein Stress aufkommt. Am Flughafen gehen sie dann möglichst schnell in den Transitbereich und suchen da ein ruhiges Eckchen für sich. Das letzte Mal waren sie etwas früher als sonst. Sie standen schon 40 Minuten in der Schlange um in den Transitbereich zu gelangen. Als sie dran waren sagte man meinem Mann dass er zu früh sei, erst in 30 Minuten dürfe er in den Transitbereich. Weil mein Mann wusste dass das für Sohn schon echt schwer war da so lang zu warten und dann jetzt zu hören dass sie das nochmal machen müssen, das würde den Super GAU geben, fragte er ob ob man nicht eine Ausnahme machen könne weil Sohn sehr empfindlich sei. Mehr sagte er nicht. Der Mann sagte sinngemäß, was ich sehr unverschämt finde: das Kind vorzuschieben sei nicht die feine Englische Art, es gäbe keine Ausnamen.
Mann ist dann mit Sohn gegangen und dann ist Sohn in Tränen ausgebrochen und ließ sich nur extrem schwer wieder beruhigen. Erst eine Stunde später konnten sie sich erneut anstellen. Diesmal mussten sie zum Glück nicht so lang anstehen. Es war immer noch der gleiche Mitarbeiter. Dass Sohn geheult hatte sah man laut Aussage von meinem Mann da noch sehr deutlich. Er hat nichts mehr zu dem Mitarbeiter gesagt, der sah wohl aber doch etwas betroffen aus.
Ich hab mich gefragtob es da sinnvoll gewesen wäre den Ausweis vorzulegen? Hätte das wohl was gebracht? Mein Mann sieht es aber so und im Prinzip stimme ich ihm zu. Da muss Sohn dann halt irgendwie durch. Später wenn er erwachsen ist soll er ja auch mal alleine fliegen können. Dass er weiß was da so alles passieren kann und was er erwarten kann ist eigentlich gut. Das war zwar jetzt für Sohn und für Mann in dem Moment doof, aber sie haben es gemeinsam durchgestanden. Wir haben es ja noch nicht so lang schwarz auf weiß dass Sohn das Aspergersyndrom hat. Er war ja aber auch vor der Diagnosestellung schon der Gleiche und vorher hätten wir die Möglichkeit einen Ausweis vorzulegen ja gar nicht gehabt und auch irgendwie so die Situation meistern müssen. Ich bin da manchmal hin und her gerissen und weiß nicht was richtig ist. Soll man ihm jetzt da es offiziell eine Diagnose gibt den Schutz den er bekommen könnte geben oder soll man so weiter machen wie bisher?
Was sich für uns durch die Diagnose geändert hat ist nur die Gewissheit dass es sich wohl nicht komplett "verwachsen" wird wie mir ja immer gesagt wurde. Er braucht einfach mehr Zeit, dann wird das schon. Das ist eben doch nicht so. Aber besser wird es trotzdem von dem was ich selber erlebe und von dem was ich von anderen betroffenen gehört habe.
Wie handhabst du das denn Doing? Gibt es Situationen wo du auf die Diagnose hinweist um Erleichterungen zu bekommen? Wenn Sohn zu Gruppen geht dann sage ich das schon damit der Leiter sich nicht wundert. Vor der Diagnose hab ich halt immer erklärt dass er etwas empfindlich ist und auf verschiedene Sachen hingewiesen, jetzt sage ich halt er ist Autist. Damit kommen bisher alle Gruppenleiter gut klar, viele haben gesagt dass sie damit schon Erfahrung haben, das sei kein Problem oder so was ähnliches. Sonderbehandlung erbitte ich nicht. Es geht ja nur drum dass man sich nicht wundert oder ihn für etwas kritisiert was er wirklich nicht kann. Da ist Sohn nämlich dann sehr empfindlich und läuft auch weg wenn es ganz blöd läuft.


  Re: Alles doof gerade
avatar  Doing
Status:
schrieb am 03.08.2018 12:55
Also früher habe ich meinen Sohn überhaupt nirgends ohne mich hingelassen. Egal ob Sport, Kindergeburstag oder sonstwas. Ohne Mutti ging nix, ganz einfach weil ich ja lange selber nicht wusste was genau mit ihm los ist und das Muster noch nicht so erkannt hatte.


Irgendwann habe ich dann -zwischen all dem Streß und Ärger und Theater und mütterlicher Hingabe- hab ich dann erkannt, dass er auf die gleichen Dinge (negativ) reagiert wie ICH. Nur dass ich Mitte 40 bin und über die Jahre gelernt habe, zu kanalisieren und richtig zu reagieren.
Aber der große Vorteil ab diesem Moment der Erkenntnis war, dass ich nun sehr gut einschätzen konnte wann eine Krise kommen könnte oder gar sicher droht.
Somit konnte ich gut vermeiden/organisieren/vorbereiten.

Mittlerweile weiß ich sehr gut, wo ich ihn hinlassen kann und wo besser nicht und ich spreche ganz klar mit ihm darüber. Aber ich teile ihm auch meine Erwartung an ihn mit. Ich erwarte durchaus dass er sich bemüht. Nicht dass er es immer gut schafft, aber dass eine Entwicklung gibt, eine Tendenz in die richtige Richtung.
Helfen tu ich ihm, indem ich den passenden Rahmen schaffe.

Jetzt aktuell schulisch, er wechselt nun die Grundschule (genau wie damals den Kindergarten), weil es einfach nicht passt. Und weil wir saumässiges Glück hatten, weil obwohl wir in der Pampa wohnen, haben wir hier vor Ort eine Schule, die sowohl auf Montessori als auch speziell für Hochbegabte ausgelegt ist. Ein Segen für meinen Burschen.
4 Stunden Test-Schnuppern und mein Kind entschied "hier geh ich nicht mehr weg" grins


Und ich "zwang" ihn in einen Teamsport wobei das mittlerweile kein Zwang mehr ist, das war nur am Anfang so, da war er 5 oder so.. Aber hier hat er sich glücklicherweise das kleinere Übel ausgesucht, wie die meisten dieser Kids: Fussball aber bitte als Torwart. Hier legt er auch einen Ehrgeiz an den Tag, besucht ein Talentfördertraining und wird von mir hier sehr gefördert. Weil er dafür brennt und leider nur hierfür. Er muss sich aber dennoch in das Team integrieren, unterordnen und ob man es glaubt oder nicht - beim Fussball ist es noch nie zu einer Krise gekommen. Nie. Egal ob im wöchentlichen Vereinstraining, bei einem schlecht gelaufenen Spiel oder im zweiwöchentlichen Fördertraining oder in den Fussballfreizeiten in den Ferien. Nie.

Fußball ist unsere "Bank". Hierauf kann ich mich verlassen. Und ihn auch mal alleine lassen grins


Ich weiss jetzt gar nicht wie alt dein Sohn ist. Aber seit ich weiß, wie er tickt, bzw. dass er eigentlich so tickt wie ich und ich als Kind ebenfalls ein unentdecktes, besonderes Kind war, ist unser Leben einfacher. Weil ich ihn verstehe. Weil ich fühlen kann, was er fühlt.
Klar nervts mich wenn er ausflippt. Klar nervts mich, wenn andere Leute drum rum stehen und den Kopf schütteln, kluge Ratschläge geben. Ja, sicher.

Aber dann denk ich dran wie ER sich fühlt weil ER registriert das Kopfschütteln auch, das lachen, das schimpfen. Aber er findet einfach nicht raus aus seiner "Welt" in dem Moment.

Und so irrsinnig klug mein Sohn auch ist, er ist 8 Jahre alt. Und wenn man sich mal vor Augen führt, in welcher Welt er gezwungen ist zu leben:
den ganzen Vormittag Kinder um sich, die anders sind. Erwachsene, die ihn nicht verstehen. Geschwindigkeiten, die ihm zu langsam sind. Und dann die Lebenserfahrung eines 8jährigen der nicht anders sein will. Dieses "ich will nicht anders sein" beschäftigt ihn so sehr, hemmt ihn, bremst ihn.



Man nehme die Urlaubsplanung: ich nehme stets den Flieger, weil es am schnellsten geht, d.h. mein Streß beschränkt sich auf wenige Stunden. Und es ist für mich nicht so, dass ich es nicht mag, oder es nervt. Nein. Es ist für mich nicht aushaltbar. Ich kann auch nicht mit anderen Menschen (Mann, Kind) in einem Bett schlafen. Ich ertrage auch ganz wenig Nähe von Menschen. Und ich mag es nicht nur nicht sondern ich ertrage es nicht. Das wird dann bei mir ganz schnell was körperliches, auch agressives. Aber ich kann das ganz gut steuern, bin ja ein alter Hase grins

Aber mein 8jähriger Junge kann das noch nicht und einer mit 10 auch nicht. Das wächst. Und ich glaube, diese Kinder brauchen ganz besonders, noch viel mehr als alle anderen, einen Menschen, mindestens einen Menschen, dem sie 101% vertrauen KÖNNEN. Wo sie wissen: egal was ich tu, nicht tu, sage, nicht sage. Egal was ist: hier darf ich ich sein, hier werde ich geliebt und ich bin gut so wie ich bin.

Und daraus ziehen diese Kinder später die Fähigkeit, durch's Leben zu gehen. Die positiven Erfahrungen die sie gemacht haben, werden sie tragen.


Wenn mein Sohn jetzt z.B. in die neue Schule kommt, kläre ich die Lehrer natürlich auf, bzw. hab das schon gemacht. Die müssen ja auch Lust drauf haben, sonst hats ja keinen Wert. Als er noch auf die Kinderakademie ging, hab ich auch gesagt, so und so, passen sie auf, rufen sie evtl. an. Privat lasse ich ihn nur zu Leuten, wo ich weiß, dass sie ihn kennen und klar kommen.


Aber nochmal: es wird immer besser, vor 2 Jahren war ich nahe am Irrenhaus. Jetzt trauen wir uns sogar zu als Familie eine Kreuzfahrt zu machen Das ist für mich und meinen Sohn echt eine harte Nuß aber wir freuen uns so irrsinnig drauf.


Ich kann dir nur raten, seh alles lockerer. Der eine ist Autist, der andere hat einen x%igen Asperger, der andere hat nur 1 Bein, wieder andere sind blind, andere taub, stumm oder einfach nur blöd. Keiner ist wie der andere und der Mensch strebt immer nach "normal" und unauffällig.


Je nachdem wie alt dein Sohn ist, schau mal dass Du ihn echt ernst nimmst. Das halte ich für das A und O.

Wenn ich was von meinem Sohn will, was ihm Überwindung ist, bestätige ich ihm erst in seinem Gefühl. "ja, ich weiß dass Du jetzt xxxx denkst/fühlst...."
und dann sage ich ihm was ich von ihm möchte "ich erwarte dass wir nun xxxx". und dann bestärke ich ihn "und ich weiß dass Du das schaffen wirst"

Und wenn genug Zeit ist, einzelne Krisen so zu vermeiden, dann ist die Zeit gut investiert.



Mein Sohn ist übrigens offiziell nur hochbegabt, den Asperger und Autismus haben wir "familiär" (ich, meine Schwester usw). Und dennoch.....er ist brilliant und ich bin so stolz auf ihn. Denn das was er persönlich in seiner Persönlichkeitsentwicklung mit 8 schon geschafft hat, aushalten musste, das schaffen manche mit 50 nicht.


  Re: Alles doof gerade
no avatar
  LittleDancer
schrieb am 03.08.2018 15:15
Da gibt es erstaunlich viele Ähnlichkeiten zwischen unseren Kindern und auch wie wir damit umgehen.
Mein Sohn ist 9 Jahre alt. IQ ist auch im Bereich der Hochbegabung angesiedelt. Die Ärztin meinte auch dass er deshalb sich so gut anpassen kann. Er durchschaut was eigentlich gewollt ist. Und hat auch schon ganz viel was das soziale Miteinander angeht gelernt. Anders bei seiner Schwester zB ist das Sozialverhalten bei ihm nicht intuitiv angelegt. Dass man nicht lacht wenn etwas kaputt gegangen ist oder wenn ein anderer weint, sowas und vieles mehr musste er lernen und er hat es gelernt!
Dass ich ihn ernst nehme ist eigentlich das allerwichtigste wenn man mit ihm umgeht. Wenn er eben wie zB am Flughafen weint und man ihm dann zu verstehen gibt dass das jetzt lächerlich und total übertrieben ist, dann hat man endgültig verloren. Dann geht wirklich gar nichts mehr.
Und er weiß auch dass er mir 101% vertrauen kann. Egal was er macht/nicht macht. Das war im Prinzip der Schlüsselpunkt wo es mit dem Verhalten aufwärts ging. Als er mich (da war er 5) mal wieder extremste provoziert hat hab ich einmal mehr aus Verzweiflung und weil ich einfach keinen Krach haben wollte, nicht mehr kämpfen wollte, ihn in den Arm genommen und ihm gesagt: weißt du eigentlich wie lieb ich dich hab? Es ist ganz egal was du machst, ich hab dich wahnsinnig lieb. Er ist da in meinem Arm geblieben und hat gekuschelt. Und ab da war zwar nicht alles weg, aber deutlich besser. Ich konnte anders mit ihm umgehen. Er hat gemerkt dass ich ihn auch ernst nehme.
Mein Mann fliegt auch aus dem Grund mit Sohn wie du fliegst. Es ist zwar auch stress, aber es ist dann auch recht schnell vorbei. 15 Stunden im Auto, das wär um ein Vielfaches schlimmer.
Ich finde auch, 9 Jahre ist noch echt jung. Er hat schon vieles gelernt und gemeistert in seinem Leben. Dass er momentan nicht mit uns am Tisch sitzen bleibt, das ist gerade völlig ok für mich. Immerhin isst er schon überhaupt mit uns, das ging vorher gar nicht. Und ich bin auch positiv dem gegenüber dass es da auch noch positive Entwicklung geben wird wenn er älter wird. Oder zB einkaufen. Das kann er momentan noch gar nicht alleine. Noch nicht mal ein Brötchen beim Bäcker. Aber ich bin zuversichtlich dass er das noch lernen wird. Er muss das aber halt auch wirklich lernen, von vorne bis hinten. Intuitiv geht da gar nix. Telefonieren ist auch so ne Sache die schwierig ist. Da denkt ich mir manchmal insgeheim wenn ich ihn am Telefon beobachte: die müssen bei der IQ Testung irgendwas verwechselt haben. Ein kluger Mensch kann sich doch nicht dermaßen anstellen..... das sind Sachen die für mich schwer zu verstehen sind, aber ich gebe mir Mühe. Und das ist eben genauso wie bei euch auch das was ich von meinem Sohn erwarte. Dass er sich Mühe gibt. Ich gebe mir Mühe ihn zu verstehen, er gibt sich Mühe mich zu verstehen bzw. uns zu verstehen. Und er weiß dass er immer zu mir kommen kann und sagen kann wenn was wirklich gar nicht geht und dann brechen wir auch direkt ab und gehen ohne Vorwürfe oder ähnliches. Weil er das weiß dass er im Notfall aufhören kann lässt er sich auch auf vieles ein und probiert aus.
Ich bin froh dass ich das Thema eröffnet habe. Ich hatte erst überlegt ob das eine gute Idee ist. Ich hatte aber das dringende Bedürfnis mit irgendwem darüber zu reden aber halt mit niemand der diese Frau auch kennt. Ich mag sie ja auch nicht vor bekannten verunglimpfen. Dass es hier so viel Verständnis und hilfreiche Kommentare gibt hatte ich gar nicht erwartet.
Danke nochmal an alle dafür smile


  Re: Alles doof gerade
avatar  Sweet Angel
Status:
schrieb am 05.08.2018 10:21
Hallo, ich habe einen a typischen Autisten. Mehr frühkindlich, mit asperger zügen, aber auch Bereiche, wo er völlig altersgerecht ist. Eine bunte Mischung. Ich weiss nicht, wo ihr wohnt, aber wir bekommen die Autismustherapie über Hilfe für das autistische Kind, dke haben sehr hilfreiche Vorschläge.

Holt euch eine Zeituhr für Autisten, die hilft uns sehr. Stellt eine Zeit ein, die er sitzen bleiben muss und erst, wenn es klingelt, darf er aufstehen.

Ich vermute mal im Schwimmbad will er schnell raus, weil es ihm zuviel ist. Die laute Umgebung, die vielen Menschen.

Bei meinem Sohn ist sowas Tagesform abhängig. Ihm ist aber vieles zu laut. Was uns im Alltag geholfen hat, sind orthoplastiken, das sind ohrstöpsel, die die Geräusche dämmen. Das geht natürlich nicht in der Schwimmhalle. Mein Sohn ist aber dardurch ruhiger und ausgeglichener geworden.

Ansonsten habt ihr einen Pflegegrad? Oder schonmal versucht zu beantragen? Dardurch kann man unheimlich entlastung bekommen , z B über den FeD.

Ich binde auch nicht jeden auf die Nase, das mein Sohn Autist ist, aber es gibt Situationen, da muss nan die Andersartigkeit erklären. Ich bekomme dann immer sehr viel Verständnis und Autismus ist keine krankheit, aber ist trotzdem eine Behinderung, mit der dein Sohn zurecht kommen lernen muss.


  Re: Alles doof gerade
no avatar
  LittleDancer
schrieb am 05.08.2018 13:56
Vielen Dank für deine Antwort sweet Angel!
Ja, er will dann aus dem Schwimmbad heim weil es ihm zu laut und trubelig ist irgendwann. Noch ein zweites Mal ins Wasser sowas macht er prinzipiell nicht. Einmal ins Wasser, dann abduschen und Haare waschen weil ihn dieser Gedanke an den Chlor im Badewasser irgendwie ekelt. Wenn diese Runde Schwimmen und duschen rum ist wär für ihn der Zeitpunkt heim zu gehen. Aber weil die Schwester nicht so dürre ist und viel länger im Wasser bleibt legt er sich dann nochmal auf die Wiese und liest. So eine Stunde lang geht das nochmal. Dann ist es aber aus und dann mag er wirklich gehen. Vielleicht wär da was mit Ohrstöpseln rauszuholen damit er noch länger dableiben und lesen würde. Das kann ich mal versuchen!
Wir sind in einer Autismus Ambulanz einer Uniklinik und da ist er für eine Therapie angemeldet. Wann da ein Platz frei wird konnte man nicht genau sagen. Dass andere Stellen vielleicht auch noch Therapie anbieten wo man vielleicht schneller einen Platz bekommt, auf diese Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Da mache ich mich mal schlau!
Nein wir haben keinen Pflegegrad beantragt. Pflege in demSinn braucht er ja von mir nicht. Er wäscht sich selbständig, anziehen ausziehen etc dauert zwar recht lang und die Aufenthalte im Badezimmer sind stark ritualisiert, aber ausser ausreichend Zeit einzuplanen muss ICH da nix machen. Das macht er selber. Da bekommt man doch keinen Pflegegrad für denke ich mal. Essen geht auch selbständig. Trinken schmeisst er echt andauernd um. Daher habe ich für ihn nur noch so Trinkbehälter mit Strohhalm. Die laufen nicht direkt aus wenn sie umkippen. Beim kleinschneiden vom Essen braucht er tatsächlich noch Hilfe. Brötchen aufschneiden und schmieren geht auch noch nicht. Das ist wegen dieser Dyspraxiegeschichte weshalb er auch nicht gut schreiben kann und nicht malen kann. Da hab ich denke ich schon mehr Aufwand als andere Eltern 9 Jähriger Kinder. Man muss das ja immer mit anderen gleichaltrigen vergleichen. Aber ob man deshalb einen Pflegegrad bekommt? Damit müsste ich mich mal auseinandersetzen. Eigentlich ist das aber auch was wo ich gar nicht weiss ob ich das will. Mein Sohn weiss zb auch gar nicht dass ein Behindertenausweis überhaupt existiert. Wir sind ja 8 Jahre lang ohne Diagnose gewesen. Dass er die Diagnose letztendlich erhalten hat war deswegen damit er die Erleichterungen und Nachteilsausgleiche in der Schule bekommen kann. Der Verdacht stand schon mit 5 Jahren (also Verdacht auf Autismus) aber uns wurde gesagt dass wir ja so gut klar kämen und abgewartet werden sollte wie er sich in der Schule entwickelt. Die Ärztin im SPZ meinte: möglichst wenig Erleichterungen geben, damit er sich auch nicht "ausruht" darauf weil sie meinte er hätte viel Potential. Ich weiss selber nicht was richtig ist. Auf die Ärztin aus dem SPZ hören und immer so weiter machen wie bisher dass wir möglichst ohne Hilfen und grossartige Erleichterungen auskommen? Oder doch den Behindertenausweis einsetzen und auch Pflegegrad beantragen und das Leben so erleichtern?
Ich bin so eigentlich nicht unzufrieden. Meine Kinder sind so wie ich es empfinde auch beide zufrieden. Never change a running System. Aber dann merke ich doch so wie in den letzten Tagen dass da bei mir eine Erschöpfung vorhanden ist. Wie lange das so gut geht?
Wenn ich jetzt einen Therapeuten für mich gefunden hab wird das eines meiner zentralen Fragen sein. Wie soll ich mit der Behinderung meines Sohnes in Zukunft umgehen. Noch ist es ja so dass wir hier zu Hause noch nie von Behinderung gesprochen haben. Er ist wie er ist. Strange aber mittlerweile ok. Wäre es so mit dem Verhalten geblieben wie es mit 4 und 5 Jahren war, dann hätte da was passieren müssen, das hätte ich nicht überlebt ohne Hilfe. Aber es bessert sich ja stetig. Und es soll auch weiterhin besser werden.
Danke auf jeden Fall auch für deine Antwort sweet Angel. Das mit dem Gehörschutz und ob es an anderer Stelle Autismustherapie gibt, das gehe ich auf jeden Fall an!


  Re: Alles doof gerade
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  berlink
Status:
schrieb am 05.08.2018 22:01
Hallo Little Dancer,

ich sehe es einerseits so, wie Eure Ärztin, das schrieb ich ja schon: möglichst wenig pathologisieren, fordern und fördern. Du schriebst, dass Du/Ihr letzteres bis an die Grenze seiner/Eurer Belastbarkeit dies tut.

Andererseits gibt es in unserem Sozialstaat nun einmal Angebote/Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen, die ein größeres Päckchen in Bezug auf ihre Gesundheit zu tragen haben, als in dem Moment Andere. Ich gehe nicht zwangsläufig im Falle Eures Sohnes davon aus, dass mit Inanspruchnahme einiger Möglichkeiten seine Selbständigkeit, seine Leistungsfähigkeit, sein Bemühen rapide nachlässt. Das gibt es in meinem Fachbereich durchaus, aber eher bei anderen Störungsbildern.
Hier in Euerem Fall sehe ich gar nicht so sehr, dass die Leistungen, die es gibt, Euren Sohn direkt unterstützen (oder gar regredieren lassen), sondern, dass sie eher Euch das Leben mit ihm etwas erleichtern könnten, also er könnte indirekt davon profitieren. Es geht ja jetzt nicht um einen Badewannenlifter oder um eine Hauskrankenpflege, die beim Anziehen hilft oder um einen Rollstuhl, der einem "nur" leicht Gehbehinderten bequem werden lässt, so dass er nicht mehr "übt", sondern nur noch fährt.
Bereits vor der Reform und der Umwandlung der Pflegestufe 1-3 in Pflegegrade 1-5 gab es seit einigen Jahren ein sogenanntes "Demenz"geld., Pflegestufe 0.
Es fiel, wer hätte das gedacht..., nämlich auf, dass gerade Menschen mit einer gewissen kognitiven Einschränkungen sich zwar noch gut anziehen und selbständig essen können, dass aber diese besondere "Aufsicht", Tagesstruktur usw. benötigen, was eben nicht in der Basisversorgung sichtbar wird. Wir hatten schon länger als Familie diese Pflegestufe 0 für meine inzwischen verstorbene Oma beantragt, als sich leichte kognitive Einschränkungen aufwies und ihre Selbständigkeit, Tagesstruktur, nachließen. So finanzierten wir z.B: Tagesstätte/Verhinderungspflege mit.
Diese Pflegestufe 0 ist nun in Pflegegrad 1 ungefähr aufgegangen. Das kannst Du gut nachlesen. Und mit dem, was Du beschreibst, dürfte Dein Sohn in dieses Grad "fallen", zumindest aktuell. Da diese Grade regelmäßig überprüft werden, braucht man gar keine Sorge zu haben, dass er ihn behält, wenn er weiter so gute Fortschritte macht. Man muss vielleicht auch die Perspektive wechseln: Verlangt man dem Jungen, der ausgeprägte Auffälligkeiten in seinem Alltag hat, sich über das Maß, was er leisten kann, anzupassen, was er nicht kann, so kann das ihn nicht nur motivieren sondern evtl. auch resignieren lassen. Daher finde ich die eine oder andere Unterstützung sinnvoll.
Kurz: Ich würde einen Pflegegrad beantragen.
Dem Sohn würde ich erklären, wenn Ihr den nun erhaltet, und dabei wieder die Gauß´sche Glocke bemühen, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die sich am Rande der Glocke befinden, und für diese Personengruppe sieht der Staat Unterstützungsmöglichkeiten vor/bietet diese an, damit es ihnen etwas leichter fällt, vielleicht mehr in Richtung Mitte zu kommen, wenn dies von Vorteil für sie wäre.

Viele Grüße!


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 05.08.18 23:06 von berlink.




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